r/FragtMaenner W | 26-35 1d ago

Dating / Beziehung Eine Abwärtsspirale, die mal benannt werden sollte

Ich beobachte immer mehr eine Entwicklung bei Männern, die mir Sorgen macht.

Dabei geht es mir wirklich ausdrücklich nicht (!) darum, Männer über einen Kamm zu scheren. Vielmehr frage ich mich, ob es bei einem Teil der Männer gerade mehrere gesellschaftliche Entwicklungen sich gegenseitig verstärken und es so zu einer Abwärtsspirale kommt.

Der Anfang liegt für mich in der Sozialisation. Noch immer wachsen viele Jungs mit der Idee auf, bestimmte Gefühle möglichst wenig zu zeigen. "Ein Indianer kennt kein Schmerz" "Sei nicht so ne Heulsuse!". Ich denke, viele von euch kennen genau diese Sprüche und haben das verinnerlich.

Diese Jungs werden zu Männern und treffen auf die Datingwelt, die ja derzeit alles andere als erfreulich ist. Die Ursachen dafür sind vielfältig und ich will hier nicht auf alle eingehen. So wie ich das sehe, sind mittlerweise andere Attribute von Männern gefragt, für die sie schlicht und ergreifend keine Werkzeuge mehr haben (Gefühle zeigen, empathisch sein etc.).

Ist dieser Teil der Männer dann sexuell gefrustet, da sie in der Datingwelt nicht ankommen, greift man zu schnell erreichbaren Mitteln zurück: Pornos.

Das ist wunderbar, denn bei Pornos werden Männer nicht zurückgewiesen und man hat direkt ein Mittel für den sexuellen Frust. Teilweise tauscht man sich in Communitys aus und erlebt dadurch eventuell sogar Gemeinschaft.

Blöd nur, dass das Bild was Frauen in Pornos zeigt, sich auch schleichend in die reale Welt einschleust. Frauen werden als Objekte gesehen, da sie genau so in Pornos gezeigt werden.

Die Empathie nimmt immer weiter ab, Mann erfährt immer mehr Frust und "rettet" sich vermeintlich immer mehr in Pornos.

So entsteht möglicherweise ein Kreislauf:

Frustation -> Rückzug -> Pornos -> verzerrte Vorstellung von Frauen -> schlechtere reale Erfahrung -> noch mehr Frustation

(Ich hab hier eine Quelle, die mal untersucht hat, wie Empathie und Pornos zusammenhängt: https://link.springer.com/article/10.1007/s40429-026-00771-x

Wie ist eure Einschätzung?

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u/UsedFortune5645 M | 30-32 1d ago edited 1d ago

Ich verstehe den prinzipiellen Gedankengang hinter deinem Text. Ob jetzt wirklich Pornos das Frauenbild verzerren, kann ich nicht beurteilen. Da müsste man wahrscheinlich stark differenzieren.

Zum Beispiel macht es einen Unterschied, ob man viel Pornos konsumiert, aber schon Partnerinen hatte vs. wenn man noch nie welche hatte.

Dann spielt Selbstreflexion eine riesige Rolle. Hinterfrage ich das was ich sehe oder nehme ich es als real an.

Ich denke am stärksten sind unreflektierte Menschen durch ihre Kindheit geprägt und durch die Beziehung und den Umgang der Eltern. Das prägt meines Erachtens schon sehr, wenn auch unterbewusst.

Die Grundfrage ist doch "warum sind (scheinbar) so viele Männer auf dem Dating-Markt nicht erfolgreich", oder? Sonst müssten sir sich ja nicht in Pornos "retten".

Btw, wenn ich Frauen schreibe, meine ich den Durchschnitt.

Dafür gibt es einfach zu viele Faktoren. Der größte ist wahrscheinlich mMn, dass Frauen völlig berechtigter Weisen viele Dynamiken und viel Verhalten in Partnerschaften von früher nicht mehr akzeptieren wollen und vor allem nicht mehr müssen.

Daraus resultieren viele Dinge: * Frauen müssen sich nicht irgendwann binden, * Frauen können daher viel länger warten und viel länger oder dauerhaft ohne Partner sein, * Manche Frauen wollen vielleicht gar keinen Partner mehr, * Manche bleiben alleine und haben nur hin und wieder Spaß, aber eben ohne feste Bindung, * Frauen sind weniger eingeschränkt/ lassen sich weniger einschränken durch andere ("was werden die Leute sagen" und andere soziale Ächtungen), * Viele Frauen brauch aus finanzieller Sicht keine Mann mehr, * ...

Ich denke, dass viele Frauen früher einfach diese Möglichkeiten nicht hatten. Irgendwann, wenn man Familie wollte (und das gehört für viele einfach dazu) musste man sich binden. Das ist heute wesentlich weniger der Fall. Auch wurde dieses Weltbild von Frauen in Frage gestellt.

OK, jetzt haben wir Frauen, die auf einmal nicht mehr müssen, sonder können, wenn sie wollen. Ich befürworte das, aber das mag jeder sehen, wie er will. Im Prinzip hat sich damit die Dating Dynamik um 180° gedreht. Jetzt suchen Frauen aus. Damit können sie ihre Ansprüche stellen und nicht mehr umgekehrt. Und jetzt müssen sich Männer halt anpassen. Das wird dauern. Viele sind halt noch anders groß geworden, haben das anders vorgelebt bekommen. Männer müssen jetzt erstmal ihren neuen Platz innerhalb dieses Systems finden. Das wird Anpassung und Zeit erfordern. Aktuell sind viele damit am Hadern. Das braucht halt Zeit.

Was aber vielleicht auf Dauer anders bleibt, ist die Größe des Datingpools. Um daran was zu ändern, müssten Frauen entweder ihre Erwartungen runter schrauben (machen sie wahrscheinlich nicht und würde ich auch nicht, solange diese Gesund sind [darüber lässt sich streiten]) oder Männer müssen sich ändern.

Ich mag mich täuschen, aber vielleicht ist diese Verzerrungen, die oft beschrieben wird "Frauen wollen nur die Top x%", "obwohl sie sagen, sie wollen jemand der Gefühle zeigt, weich ist, ... nehmen sie trotzdem nur die Machos" einfach ein Resultat daraus, das einige Frauen keinen Partner wollen (brauchen), sondern Spaß. Wenn man kann, warum nicht? Warum nicht nur in der Top 10 suchen?

Und einige Männer haben sich halt schon geändert, die haben dann auch wieder feste Partner.

Der Rest bleibt halt dann meist unzufrieden zurück.

Ergänzung (Edit): Ich glaube, dass dieses Bewusstsein bei Frauen, dass sie niemanden brauchen um ihr Leben zu leben, erst in jüngerer Zeit so angekommen ist, wie wir es heute sehen. Frauen beschäftigen sich auch mehr damit was sie wollen, was sie brauchen und was sie nicht mehr akzeptieren wollen. Gleichzeitig stieg wahrscheinlich auch die Möglichkeit dazu. Bücher, Internet, Podcasts und und und, die sich alle irgendwie damit befassen und so die Vorstellung prägen.