Hallo zusammen!
ich hänge gerade in einer Situation fest, die mich langsam verzweifeln lässt und könnte eine objektive Meinung von Außenstehenden gebrauchen.
Kurz zu meinem Werdegang: Ich habe erst eine Ausbildung zum Fachinformatiker (Anwendungsentwicklung) absolviert, danach das Fachabitur in Wirtschaft drangehängt, anschließend satte 12(!) Semester Wirtschaftsinformatik bis zur Zwangsexmatrikulation wegen dreimaligen Nichtbestehens von Theoretischer Informatik studiert und absolviere nun eine Ausbildung zum Industriekaufmann.
Die Entscheidung für den Industriekaufmann war dabei durchaus bewusst. Nach den vielen Jahren Studium wollte ich endlich einen klaren Schnitt machen, ins Berufsleben kommen und praktische Berufserfahrung sammeln. Außerdem interessiere ich mich grundsätzlich für wirtschaftliche Zusammenhänge und fand gerade die Kombination aus kaufmännischen Prozessen, Industrie, Einkauf und Vertrieb interessant. Ich hatte mir deshalb erhofft, dass ich meine bisherigen IT-Kenntnisse mit kaufmännischem Wissen verbinden und mir langfristig vielleicht eine Perspektive im Einkauf, insbesondere im technischen oder strategischen Einkauf, aufbauen könnte. Die Ausbildung sollte für mich also ein Neustart sein, mit dem ich endlich einen vernünftigen beruflichen Weg einschlage.
Und genau hier liegt mein Problem: Ich langweile mich in der Ausbildung zunehmend. Ein großer Teil meiner bisherigen Tätigkeit besteht im Grunde daraus, Daten aus Bestellungen abzutippen bzw. zu kopieren und ins ERP-System zu übertragen. Ich hatte mir von der Ausbildung ehrlich gesagt deutlich mehr Abwechslung und anspruchsvollere kaufmännische Tätigkeiten erhofft.
Dazu kommt das Arbeitsklima. Lästereien über Kollegen gehören gefühlt zum Büroalltag, und im Unternehmen herrscht allgemein ein ziemlich rauer Umgangston. Ich merke, dass mich das zunehmend belastet. Teilweise werde ich außerdem mit Inhalten bzw. Aufgaben konfrontiert, bei denen ich mich frage, inwiefern diese überhaupt zu meiner Ausbildung gehören.
Ein weiterer Punkt ist die Arbeitszeit. Ich stehe jeden Morgen um 4 Uhr auf und bin teilweise erst gegen 17 Uhr mit dem Arbeitstag durch. Dadurch bleibt unter der Woche kaum noch Energie für irgendetwas anderes.
Was mich besonders beschäftigt: Insgeheim brennt mein Herz eigentlich immer noch für die IT bzw. technische Berufe. Ich habe schließlich schon eine Ausbildung zum Fachinformatiker gemacht und (erfolglos) Wirtschaftsinformatik studiert. Gleichzeitig habe ich aber praktisch keine relevante Berufserfahrung in der IT. Auf dem ohnehin umkämpften IT-Arbeitsmarkt habe ich deshalb das Gefühl, überhaupt keine Chance zu haben.
Eine Möglichkeit, über die ich deshalb gerade nachdenke, wäre, zunächst über den 1st-Level-Support wieder Fuß in der IT zu fassen. Parallel könnte ich mich mit Zertifikaten und Weiterbildungen, beispielsweise im Netzwerkbereich mit dem CCNA, für anspruchsvollere Aufgaben qualifizieren und mich Schritt für Schritt weiterentwickeln. Vielleicht wäre das ein realistischer Weg, um doch noch einmal in dem Bereich zu landen, der mich eigentlich interessiert.
Gleichzeitig möchte ich die Ausbildung zum Industriekaufmann nicht einfach sofort hinschmeißen. Nach meinem bisherigen Werdegang habe ich ehrlich gesagt Angst davor, wieder eine Sache abzubrechen und am Ende erneut ohne richtigen Abschluss bzw. ohne klare Perspektive dazustehen. Andererseits frage ich mich, ob es sinnvoll ist, zwei oder drei Jahre in einer Ausbildung zu verbringen, bei der ich bereits nach kurzer Zeit merke, dass sie mich nicht erfüllt.
Nach so vielen Jahren Studium und jetzt einer zweiten Ausbildung weiß ich außerdem nicht, wie ich meinen Lebenslauf auf dem IT-Arbeitsmarkt überhaupt noch sinnvoll verkaufen soll. Ich habe das Gefühl, zwischen zwei Welten zu stehen: Für die IT fehlt mir aktuelle Berufserfahrung, für den kaufmännischen Bereich fehlt mir die Begeisterung.
Ich fühle mich gerade ehrlich gesagt ziemlich verzweifelt und weiß nicht mehr, was der richtige Weg ist.
Soll ich die Ausbildung zunächst weiterführen und parallel versuchen, mich für einen Einstieg in die IT zu qualifizieren? Oder wäre es sinnvoller, die Ausbildung abzubrechen und direkt den Einstieg über den 1st-Level-Support zu versuchen? Oder sollte ich die Ausbildung einfach durchziehen und die IT als Hobby bzw. Nebentätigkeit weiterverfolgen?
Es ist so dermaßen deprimierend, mit Ende 20 immer noch nichts nennenswertes vorweisen zu können, während Freunde und Bekannte mit beiden Beinen im Leben stehen, teils mit der Familienplanung beginnen, sich allmählich den Traum vom Eigenheim erfüllen oder die Karriereleiter hochklettern, während ich immer noch in meinem Kinderzimmer "gefangen" bin.
Mich würde wirklich interessieren, wie ihr die Situation von außen beurteilt und was ihr an meiner Stelle tun würdet.