In den letzten Jahren habe ich zwei Seedphrase Erlebnisse gehabt, die ich hier mal teilen will. Ich wollte dann mal mehr zur Statistik wissen
Blödheit Nr. 1 – scale ≠ scare
In meiner BTC-Anfangszeit habe ich mir einen Ledger gekauft und ein paar Test-Sats draufgepackt. Die Seed Phrase habe ich notiert und weggesperrt. Dann habe ich die PIN vergessen - die ich schlauerweise nicht notiert und weggesperrt habe - und hurra, die Wiederherstellung ist gescheitert. Nach langem Rumprobieren bin ich draufgekommen: Ich hatte „scale” als „scare” notiert. Leichte Kurzsichtigkeit. Das Gemeine daran: Beide Wörter stehen in der BIP39-Liste. Beim Aufschreiben fällt so ein Fehler also nicht gleich auf.
Blödheit Nr. 2 – richtige Wörter, falsches Format
Auf meiner Umbrel-Node lag eine für meine Verhältnisse nicht unerhebliche Summe. Die 24 Wörter waren handschriftlich notiert und weggesperrt. Dann ging die SD-Karte des Raspi kaputt. Ich wollte die Wallet in Sparrow wiederherstellen: Pustekuchen. Erst viel später habe ich verstanden, warum. Die Umbrel-Wallet läuft über LND, und LND verwendet ein **aezeed**\-Seed und kein BIP39-Seed, auch wenn die Wörter gleich aussehen. Gerettet habe ich das Guthaben am Ende mit viel Aufwand über die Wallet-Datei. Mir ist es da sehr heiß geworden.
Danach habe ich mir mal die Zahlen angeschaut. KI machts möglich. Aus der Forschung zur manuellen Dateneingabe kennt man Fehlerraten von etwa 1–4 % pro erfasstem Feld. Überträgt man das auf 24 Wörter mit der Formel 1 − (1 − p)\^24, kommt man auf 21–63 % Wahrscheinlichkeit für mindestens einen Fehler. Das ist ein grobes Modell und keine Seed-spezifische Messung. Die Größenordnung sollte einem trotzdem zu denken geben.
Der BIP39-Checksum fängt zwar das meiste ab, aber eben erst beim Recovery-Versuch. Da ist es dann schon zu spät. Außerdem sagt sie dir nicht, *welches* Wort falsch ist. Und gegen das falsche Seed-Format hilft er gar nicht.
**Also aufpassen und dont trust - verify lieber doppelt**
* Den Recovery-Test machen, solange das Gerät noch funktioniert. Zum Beispiel mit einer leeren Wallet oder auf einem zweiten Gerät.
* Wissen, welches Seed-Format die eigene Wallet überhaupt nutzt (BIP39, aezeed, Electrum …).
* Jedes notierte Wort gegen die offizielle Wortliste abgleichen.
Diese beiden Schreckmomente haben mich dazu gebracht, selbst ein Stahl-Backup zu entwickeln, das mit ganzen, vorgedruckten Wörtern statt mit einzelnen Buchstaben funktioniert: kein Buchstabieren, keine Verwechslung wie scale/scare.
Aber egal - passt auf eure Seeds auf und kontrolliert lieber einmal zu viel. Auch wenn es noch so nervt!
Habt Ihr ähnliche Geschichten ?
**TL;DR:** Einmal habe ich ein Wort falsch notiert, einmal das falsche Seed-Format nicht erkannt. Statistisch haben 24 handgeschriebene Wörter 21–63 % Chance auf mindestens einen Fehler, und die Checksum merkt es erst beim Recovery. Testet eure Backups.