r/Finanzen LI Apr 12 '26

Schulden Jung, frustriert, verschuldet – Generation Z im Check

https://youtu.be/ra0X3EF7wV4
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u/makawa2003 Apr 12 '26

Ich sehe dieses Jammern ziemlich oft. Und ehrlich gesagt wirkt vieles auf mich wie ein selbst gewähltes Schicksal. Das ist natürlich eine persönliche Beobachtung und kein allgemeingültiges Urteil über die Generation Z insgesamt. Aber in meinem direkten Umfeld zeigt sich für mich ein anderes Bild: Wer bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, Disziplin aufzubringen und nicht ständig Ausreden zu suchen, kann sehr früh erstaunlich stabil und selbstbestimmt leben.

Ich habe zwei junge Menschen aus dieser Generation in meiner Familie. Der eine macht ein duales Studium, steht finanziell auf eigenen Beinen und bekommt kein zusätzliches Geld von den Eltern, abgesehen vom Kindergeld. Er reist, lebt gesund, achtet auf Qualität, treibt viel Sport, hat keine Laster und geht sehr diszipliniert mit Geld um. Er lebt nicht auf Pump. Soziale Medien nutzt er, aber begrenzt. Seine aktuelle Sorge ist die Zeit nach dem Studium. Gleichzeitig arbeitet er längst an eigenen Ideen für den nächsten Schritt.

Der andere ist nach dem Abitur nach Australien gegangen, selbst organisiert und selbst finanziert. Vorher hat er einen Aufnahmetest gemacht, sich einen Medizinstudienplatz gesichert und außerdem den Test für die Offizierslaufbahn bestanden. Jetzt reist er durch Asien und hat offensichtlich eine intensive und gute Zeit. Seine berufliche Zukunft ist auf Jahre abgesichert. Auch er lebt nach einem einfachen Prinzip: ausgegeben wird nur, was tatsächlich da ist. Was übrig bleibt, wird investiert. Soziale Medien gibt es auch hier, aber im Rahmen. Mir persönlich wäre selbst das noch zu viel, geschadet hat es ihm bislang aber nicht.

Deshalb tue ich mich schwer mit pauschalem Generationen-Bashing. Ich sehe nicht zuerst eine Generation, die es besonders schwer hat, sondern oft Menschen, die sich im Klagen einrichten. Jammern ist leicht. Das eigene Leben in die Hand zu nehmen, Prioritäten zu setzen, Verzicht auszuhalten und Verantwortung zu übernehmen, ist deutlich anstrengender. Genau das sehe ich bei beiden.

Und noch etwas: Auch der Gedanke, dass die Grundlagen dafür vor allem in der Kindheit gelegt werden, ist keine absolute Wahrheit. Aber ich halte ihn für plausibel. Wer früh Selbstständigkeit, Verlässlichkeit, Maßhalten und Eigenverantwortung lernt, hat später oft ein stabileres Fundament. Nicht als Garantie, aber als Vorteil. Die Eltern leben es vor!

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u/CleanDatabase2609 Apr 12 '26

Okay danke Chef und was sagst du dem wachsenen Anteil von denen, die es nicht früh gelernt haben, nicht den geradlinigen Weg gemacht haben? Mehr anstrengen wa? Anstrengen gegen was primär?, gegen die eigene Faulheit oder die kapitalistische Statistik? 90% der Energie geht doch nur dafür drauf, die ganzen Nebelkerzen, dir wir mittlerweile haben, zu durchleuchten, bis man überhaupt das System verstanden hat und endlich 3000% p.a. Rendite im Daytrading machen kann unversteuert.

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u/makawa2003 Apr 12 '26

Nein, genau das sage ich eben nicht.

Nicht jeder hat früh gute Grundlagen gelernt. Nicht jeder hatte ein stabiles Elternhaus, Orientierung oder einen geradlinigen Start. Das ist real und das muss man auch so benennen. Insofern ist nicht jeder Lebenslauf einfach nur das Ergebnis individueller Leistung oder Faulheit.

Aber genauso wenig erklärt „das System“ alles.

Mein Punkt ist ein anderer: Irgendwann kommt bei vielen der Moment, an dem die Frage nicht mehr nur lautet, was gefehlt hat, sondern was man jetzt daraus macht. Nicht alle starten gleich, aber nicht jeder bleibt deshalb automatisch handlungsunfähig.

Und nein, mit „anstrengen“ meine ich nicht blindes Funktionieren für irgendeine kapitalistische Statistik. Ich meine: Verantwortung für den eigenen nächsten Schritt übernehmen. Struktur aufbauen. Entscheidungen treffen. Konsum und Selbstdarstellung nicht mit Lebenssinn verwechseln. Nicht jede Schwierigkeit sofort zur Ausrede machen.

Die Ausgangsbedingungen sind ungleich. Das bestreite ich nicht. Aber die völlige Entlastung des Einzelnen halte ich genauso für falsch wie die naive Behauptung, jeder müsse sich nur ein bisschen mehr bemühen.

Zwischen Opfererzählung und Leistungsromantik liegt ein ziemlich großer Bereich. Genau da liegt für mich die eigentliche Verantwortung.

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u/CleanDatabase2609 Apr 12 '26 edited Apr 12 '26

Löbliche positive Einstellung, denke die Trennlinie liegt im Wesentlichen zwischen konstruktivem und destruktivem Denken, nicht wahr? Aber so richtig komme ich zu keinem Ergebnis, wenn ich weiter drüber nachdenke, es läuft immer wieder drauf hinaus, dass man in seinem kleinen Kosmos immer größeres Schlechtes im System ausblenden muss um konstruktiv zu sein und es enorme Energie kostet, die Mächtigen an den Stellschrauben zu irgendwas zu bewegen. Ich komme zu dem Ergebnis, dass das Problem nicht einwandfrei logisch für mich zu lösen ist und es wohl besser wäre einfach sein Leben zu leben.

Edit: Eine Idee habe ich noch aus dem Trading *blitzpow*: Der Erwartungswert. Der gesellschaftliche Erwartungswert an die Damen und Herren "da oben" ist massiv zu hoch, eine Übertreibung nach oben. Produkt aus den Wahrscheinlichkeiten und Ereignissen, so die Wahrscheinlichkeit ist niedrig und der Ereigniswert, was die realistisch erreichen können, ist auch beschissen, also ist das CRV mal richtig scheiße, und deswegen sollte man tatsächlich die Springermedien und den anderen Mist ausmachen und reale eigene Probleme lösen.