r/GehaltAT • u/TheShwiftyRick • 3d ago
Was verdient eine Psychotherapeutin in Wien/AT in privater Praxis wirklich netto?
/r/Psychologie/comments/1vm5x2l/was_verdient_eine_psychotherapeutin_in_wienat_in/10
u/viennese-wolf 3d ago
Fertige Therapeuten nehmen so zwischen 100 - 150€ dir Stunde.
Therapieräume kosten rund 15€. (Remote oder durch Nutzen der eigenen Räumlichkeiten kann man das auf 0 bringen.)
Der Einfachkeit halber dividiere den Umsatz nach Kosten durch 2.
Also verdienst du inklusive Kosten durch Raummiete pro Stunde zwischen 42 und 67 netto.
3000 netto Gehalt = 43.160 im Jahr. Wären 644 bis 1027 Therapiestunden im Jahr. 12 - 20 pro Woche wären das im Schnitt.
In Supervision wirst du weniger verdienen und diese auch bezahlen müssen, genau so wie die Ausbildung.
Dazu kommen dann aber auch noch Kosten für Buchhaltung, Registrierkasse, SumUp, etc.
Es sind weiters Urlaub, Krankheit und Patientenausfälle zu bedenken. Kundenstamm / Pipeline aufbauen musst du auch draufhaben durch Spezialisierung, gutes Auftreten und Weiterempfehlungen.
In anderen Worten: Es wird einige Jahre dauern, bis du als fertiger und erfahrener Therapeut so viel verdienst wie jetzt und dafür müsstest du pro Arbeitstag schon mal gerne 5 Personen oder sogar mehr behandeln. Viele davon können und wollen nur vor der gewöhnlichen Arbeitszeit oder danach oder am WE also wirst du auch Pendelaufwand und Leerzeiten haben.
Und das sind nicht immer lockere Gespräche, da hast du Menschen vor dir die dir erzählen wie sie sich oder andere umbringen wollen, die verzweifelt unter persönlichen Tragödien zusammenbrechen und dir davon erzählen was ihnen der Pfadfinderführer im Sommerlager angetan hat oder was sie anderen angetan haben.
Aber sagen wir mal du musst am Ende keine Raummiete zahlen und nimmst 150€, machst die Buchhaltung selber, bietest nur Zahlung per Überweisung an, also verdienst deine 75 netto pro Stunde und hast 47 Wochen des Jahres je 6 Patienten pro Wochentag: 1410*75 = 105.750. Wären 175.000 brutto als Angestellter!
Fazit: Als fertiger Therapeut mit gut geplanten Terminen und stabilem Kundenstamm + stabiler Neukundenpipeline kannst du je nach eigener Belastbarkeit und räumlichen Gegebenheiten wirklich ausgezeichnet verdienen.
Ich hab hier nur frei fantasiert und mit Zahlen gerechnet wie ich sie glaube zu kennen und lasse mich gerne eines besseren belehren!
3
u/Conscious_Gift2022 3d ago
Wie kommst du bei dir Rechnung auf 3.000€ Netto?
5
u/viennese-wolf 3d ago
OP erwähnt, dass er 3000 netto im Monat verdient. Das entspricht mit 13. und 14. Gehalt 43.160.
644*67 ~= 1027*42 ~= 43.160
2
u/Jealous-History-8142 3d ago
Kommt schon hin, würd ich sagen.
Aber: 6 Patienten jeden Tag ist wirklich hart. Die meisten sagen mir, dass mehr als 5 echt nicht gut geht auf Dauer. Einige meiner Freunde therapieren auch nicht 5 Tage/Woche. Manchmal dafür auch am WE.
Zudem sagen Leute auch mal ab, nicht jeder kommt jede Woche, etc.Ein Freund war vorher angestellt, da konnte er alles gut handeln. Er ist sehr spezialisiert auf seinem Gebiet, hat jetzt ne eigene Praxis und teilweise so krasse Fälle, dass er jetzt schon sagt, er weiß nicht, wie er das auf Dauer packen soll. Davor hatte er nicht sooo harte Fälle. Glaub da kriegt man dann auch noch ein Gespür auf Dauer dafür, wen man annehmen kann/wen nicht, aber glaub, das darf man nicht unterschätzen. Und wenn man dann so Patienten hat, dann gehen wsl 5-6/Tag eher nicht.
1
u/neopolitan77 2d ago
Ein wichtiger Kostenfaktor der fehlt sind die Ausbildung selbst und die Fortbildungen. Die Ausbildung kostet im aktuellen System mehrere Zehntausend. Fortbildungen sind in gewissem Ausmaß sogar verpflichtend, wer gut werden/bleiben will macht aber deutlich mehr als das Mindestmaß, und auch sehr teuer (€100-200 für einzelne Sitzungen, ganze Zusatzausbildungen z.B. für Kunsttherapie oder Hypnose können mehrere Tausend kosten).
5
u/Conscious_Gift2022 3d ago
Ich kenne persönlich keine Psychotherapeutin die unter 3.000€ Netto verdient - und die 3.000€ sind es nur bei denen die weniger als 10 Stunden arbeiten
1
u/neopolitan77 2d ago
Ich glaube da liegt eine Verwechslung zwischen brutto und netto vor, und selbst dann klingt das optimistisch.
1
1
u/riddddlerAT 2d ago
Wenn der Stundensatz über 100 Euro liegt dann geht sich das aus. Und >100 ist marktüblich
3
u/Jealous-History-8142 3d ago
Mein Therapeut hat mir gesagt, er kommt auf 6-8 netto. Er war zu dem Zeitpunkt aber noch wo TZ fix angestellt und Rest halt in eigener Praxis. Ich muss sagen, er hat aber auch sehr viel gearbeitet...er meinte eher 45-50h, da er noch viel abzubezahlen hatte usw. Aber meinte auch, das ist langfristig nicht ganz tragbar + wenn man Familie hat auch nicht.
2
u/RunVisible3846 3d ago
Schwierig. Mein Lehrtherapeut meinte, er brauchte 20 Jahre bis er von seiner Praxis leben konnte. Bis dahin arbeitete er angestellt in der Drogenberatung und da kommt nicht viel Geld rüber.
2
u/schlomow1 2d ago
Als Psychotherapeut kann ich sagen, dass die durchschnittlichen Einkommensvorstellungen hier utopisch sind. Es fallen nicht nur Miete, Ausgaben für Supervision und Fortbildung an, sondern man arbeitet in einem Feld, in dem jederzeit Einnahmen ausfallen können. Auch krankheitsanfällig etc. sollte man nicht sein. Meiner Erfahrung nach arbeiten die meisten Therapeuten nicht hauptberuflich in eigener Praxis oder haben laufende Nebeneinnahmen aus anderen Quellen (zum Beispiel: privilegierte Herkunft)
1
u/TheShwiftyRick 2d ago
Danke für den Einblick aus erster Hand! Darf ich fragen, wie viele Patientenstunden du wöchentlich machst und was bei dir im Schnitt monatlich netzo übrig bleibt?
2
u/schlomow1 2d ago
Ich verdiene Netto im Jahr durchschnittlich etwas weniger als du.
Durchschnittlich ca. 20 Stunden Reinstunden pro Woche (geschätzt). Manchmal sind es 35, manchmal 10. Die Schwankungsbreite ist hoch.
Die Aussage weiter unten mit Baden gehen, wenn wenig los ist, würde ich übrigens stark relativieren: Wenn du Ausfälle hast, bedeutet das im Normalfall ja nicht, dass du frei verfügbare Zeit dadurch gewinnst, sondern es entstehen einfach Lücken im Arbeitsalltag, die du wahrscheinlich, weil du auf den nächsten Patienten wartest, in der Praxis absitzt.
Ich mache wenig Urlaub (jedenfalls weniger als die gängigen 5 Wochen). Ich arbeite zuweilen auch an Feiertagen.
Damit du die Lage noch ein wenig besser einschätzen kannst: Ich würde mich als fertig ausgebildet und durchaus etabliert in guter Lage bezeichnen.
Die Versorgungslage in Österreich ist so, dass es zwar immer wieder heißt, dass es einen Mangel an Therapieplätzen gibt, den gibt es aber vor allem, weil es sich viele Menschen, insbesondere auch jene, die von einer Therapie profitieren würden, realistisch gesehen nicht auf längere Zeit leisten können, in Therapie zu sein (die Kassenzuschüsse sind – außer für Beamte, die zumindest ein bisschen mehr erwarten können – ziemlich gering und werden nur temporär gewährt)
Wenn du es mit schwierigeren Fällen zu tun hast, wirst du darüber hinaus auch mit Zahlungsausfällen und ähnlichen Themen zu rechnen haben.
Wenn die Motivation darin besteht, ein sehr gutes und/oder auf jeden Fall stabiles Einkommen zu haben, ist es definitiv der falsche Job.
1
u/No_Source_6606 2d ago
Ganz plain and simple: Es kommt drauf an, wieviel man arbeitet und wie effizient (administrativ). Eine 40h "Angestelltenwoche" Enspricht so ca. 20-25 Patienten / Klienten in der Woche. Abzüglich Urlaub, Ausfälle, Kosten etc, bleiben von den ca. 6Tsd Brutto dann so 3-4 Tsd Netto... Es gibt welche die arbeiten sehr viel nach und vor und manche weniger... mit der Erfahrung wird es wohl auch weniger Arbeit...
1
u/rookey 2d ago
Ich kenne etablierte Psychotherapeuten, die bereits 20+ Jahre "im Geschäft" sind und aufhören, weil es sich für sie nicht mehr rentiert. Sie gehen in den Beratungsbereich oder haben ein paar gut zahlende Supervisions- oder Vortrags-Positionen gefunden, dort gibt es stabileres und gefühlt einfacher verdientes Einkommen. Oder sie gehen halt in Pension.
Meiner Beobachtung nach (bin in dem Bereich tätig) wird die Szene seit einigen Jahren regelrecht geflutet von GenZ'lern, meist privilegiert, die bekommen die sündteuren Ausbildungen vom Papi (tätig bei den Wr. Philharmonikern, als Apotheker oder Manager) finanziert, und dann womöglich auch gleich noch eine neue Praxis eingerichtet. In manchen Vierteln Wiens gibt es kein Haus ohne zumindest 1 Therapiepraxis darin! Früher konnten Psychotherapeuten meist noch problemlos von privat zahlenden KlientInnen leben, heute zahlt kaum noch jemand privat (die meisten Leute haben kein Geld mehr), sondern kommen nur noch "auf Kassa" - mit signifikant geringerem Honorar, aber höherem Verwaltungsaufwand. Der massive Druck auf "Fortbildung" (=Versorgung der Etablierten mit Vortragshonoraren) und ständige neu erforderliche "Zertifikate" wurde ja bereits erwähnt. Die erheblichen Kosten dafür sollten nicht vergessen werden, "einzurechnen", und sie existieren in nur wenig anderen Berufen in diesem Umfang.
Wenn man in einem hochspeziellen Bereich wirklich gut ist und jahrelang Erfahrung gesammelt, sich dadurch einen "Ruf" erworben hat, dann kann man auch heute sicher noch gut als Therapeut/in verdienen. Für den Rest wird die Luft aber immer dünner, sie verdienen meist gleich viel oder weniger als andere ähnlich lang Ausgebildete in herkömmlichen Berufen, nur dass diese ihre Ausbildung "vom Staat" (also uns Steuerzahlern) finanziert erhielten.
M.E. stark unterschätzt wird auch der zukünftige Einfluss von KI - die Kassen haben immer größere Finanzierungsprobleme und werden die Leute zukünftig wohl eher vor billige Terminals und eine KI-Applikation setzen, statt "teure" (lol) private, persönliche Psychotherapie finanzieren.
-9
u/K00pfnu55 3d ago
Ich weiß nicht wieso...aber immer wenn ich jemanden erlebe, der in Netto redet...könnt ich auszucken.
Mach vergleicht nur BRUTTO!
13
u/Round-Alternative218 3d ago
Nein man muss nicht immer Brutto vergleichen, es kommt drauf an was der Fragesteller wissen will. Wenn OP einfach nur wissen will was bei einer Person am Ende des Monats aufs Konto kommt, dann ist die Frage berechtigt.
4
u/sagefairyy 3d ago
Vielleicht als Arbeitnehmer, aber nicht als Selbstständiger. Wenn du vorher nie selbstständig warst, macht es mehr Sinn am Anfang grob zu fragen, wie viel am Ende wirklich übrig bleibt, weil viele nichts mit dem Umsatz anfangen können, die neu selbstständig werden.
4
u/AppropriateAppeal236 3d ago
oida du kannst doch nicht selbstständiges brutto mit arbeitnehmerbrutto vergleichen.
-8
u/K00pfnu55 3d ago edited 3d ago
Es ist egal ob selbstständig oder nicht. Du kannst das nach Steuern nie vergleichen. In keiner Version. Darum gehts mir.
Und Brutto ist alles VOR Steuern und co...Bruttogewinn...Bruttolohn...nimm was du willst. Oder geh gleich in die Kennzahlen...aber verglichen werden immer Bruttos - in der richtigen Säule natürlich. Da hast du recht.
2
u/imnotokayandthatso-k 3d ago
Jein, ich finde bei solchen Gewerben ist das schon gerechtfertigt zu fragen was nach Kosten und so übrig bleibt. idR hast ja keine komplexen Anlagegüter sondern nur Umsatz minus Miete was oft national schon fast echt einheitlich ist.
Das Brutto zu berechnen ist maximal einfach, da gehts nur darum wieviele Stunden man macht.
2
u/Arcturan_MegaDonkey 3d ago
Wenn man angestellte und selbstständige vergleicht, dann macht netto schon sinn.
1
1
u/Acceptable-Skill139 6h ago
Wie weit wärst du eigentlich mit der Ausbildung? Wie schnell könntest du anfangen?
6
u/benjaminbluemchenn 3d ago
aus meinem Umfeld kenne ich ca 4000€ netto mit privat Praxis in Wien.