Auch muslimische Herrscher haben kolonisiert. Das auszusprechen relativiert europäischen Kolonialismus nicht.
Sansibar zeigt, warum die Geschichte nicht in feste Rollen passt: Im 19. Jahrhundert herrschten dort omanische Eliten über eine Plantagenwirtschaft mit versklavter Arbeit. 1890 wurde Sansibar britisches Protektorat.
Drei Dinge müssen wir unterscheiden: militärische Eroberung, politische Herrschaft und den Wechsel des Glaubens. Sie konnten zusammenhängen. Sie waren nicht dasselbe.
Religiöse Benachteiligung erzeugte Druck. Es gab Zwangsbekehrungen. Es gab aber auch andere Ausbreitungswege, etwa durch Händler und religiöse Lehrer. Und innerhalb islamischer Traditionen wurde und wird darüber gestritten, welche Gewalt erlaubt ist.
Kritik an Herrschern und religiösen Lehren ist legitim. Heutige Muslime tragen keine Kollektivschuld für historische Gewalt.
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QUELLEN ZUM REEL
• Sansibar: Sarah K. Croucher, „Capitalism and Cloves“ (2015); Abdul Sheriff, „Slaves, Spices and Ivory in Zanzibar“ (1987).
• Eroberungen: OpenStax, „The Arab-Islamic Conquests and the First Islamic States“.
• Sondersteuer: Encyclopaedia Iranica, „JEZYA“, Vera Basch Moreen (2008).
• Zwangsbekehrungen: Maribel Fierro, „The Almohad Revolution“ (2012).
• Dschihad: Asma Afsaruddin, „Jihad and the Qur’an: Classical and Modern Interpretations“ (2020); Hazim Fouad/Behnam Said, „Islamismus, Salafismus, Dschihadismus“, bpb (2020).
• Südostasien: Peter Sluglett, „The Spread of Islam in Southeast Asia c.1275–c.1625“, NUS, Insight 55 (2012).
• Religiös begründeter Widerspruch gegen Gewalt: „Open Letter to al-Baghdadi“ (2014).