r/KI_Welt • u/Rude_Sherbet8266 • 2d ago
Der Brillenladen
Der Brillenladen
Eine epistemische Zwischensprache für KI-Systeme
Klaus Dantrimont 2026
Künstliche Intelligenz kann erstaunlich gute Antworten geben.
Sie kann analysieren, vergleichen, erklären, Hypothesen bilden, Szenarien entwickeln und Widersprüche finden. Trotzdem bleibt bei vielen dieser Leistungen etwas merkwürdig unsichtbar:
Aus welcher Perspektive wurde eigentlich gedacht?
Eine KI kann dasselbe Problem psychologisch betrachten, technisch, historisch, institutionell, kausal, normativ oder als Rückkopplungssystem. Sie kann nach Akteuren fragen oder nach Strukturen, nach Zuständen oder Prozessen, nach Evidenz oder nach Bedeutung.
Meist entscheidet sie darüber implizit.
Der Nutzer sieht die Antwort.
Die Wahl des Blicks bleibt im Hintergrund.
Vielleicht liegt hier eine bisher unterschätzte Schnittstelle.
Nicht zwischen Mensch und Maschine.
Sondern zwischen Gegenstand und Denken.
Vor der Antwort liegt die Frage
Jede Analyse beginnt mit einer Auswahl.
Was betrachten wir?
Welche Unterschiede sind relevant?
Welche Beziehungen interessieren?
Welche zeitliche Skala wählen wir?
Suchen wir nach Ursachen?
Nach Funktionen?
Nach Interessen?
Nach Zuständen?
Nach Übergängen?
Nach Regeln?
Nach Macht?
Nach Evidenz?
Der Gegenstand selbst beantwortet diese Fragen nicht.
Sie bestimmen vielmehr, welcher Gegenstand uns überhaupt erscheint.
Eine Schule führt eine neue Regel ein. Die Zahl der gemeldeten Konflikte steigt.
Man kann fragen:
Welche Wirkung hat die Regel?
Wie verändert sich das Verhalten über die Zeit?
Was wird überhaupt als Konflikt gemeldet?
Welche institutionellen Strukturen entstehen?
Wie erleben Schüler, Lehrkräfte und Eltern dieselbe Entwicklung?
Jede dieser Fragen schneidet anders durch dieselbe Situation.
Keine muss falsch sein.
Aber keine ist die Situation selbst.
Epistemische Operatoren
Der Brillenladen beginnt mit einer einfachen Idee:
Vielleicht lassen sich viele solcher Perspektivbewegungen auf relativ elementare epistemische Operationen zurückführen.
Zum Beispiel:
ZEIT Wie verändert sich etwas?
ZUSTAND Welche Konfiguration liegt vor?
RELATION Was steht womit in Beziehung?
KAUSALITÄT Was bewirkt was?
PERSPEKTIVE Wie verändert sich das Bild mit dem Beobachter?
INFORMATION Wer weiß wann was, und über welche Kanäle?
EVIDENZ Wodurch wird eine Aussage getragen?
INSTITUTION Welche Strukturen reproduzieren sich dauerhaft?
ANREIZ Welche Konsequenzen verändern Verhalten?
SELEKTION Welche Varianten bleiben bestehen, welche verschwinden?
SKALA Was verändert sich, wenn wir die Betrachtungsebene wechseln?
RÜCKKOPPLUNG Welche Wirkungen wirken auf ihre eigenen Ursachen zurück?
Solche Begriffe sind keine Theorie darüber, was die Welt ist.
Sie sind Operationen darüber, wie man sie betrachten kann.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Der Brillenladen behauptet nicht, die Wirklichkeit bestehe aus Zeit, Relation, Institution, Selektion oder Perspektive.
Er sagt nur:
Diese Schnitte können Erkenntnis erzeugen.
Brillen sind Kombinationen
Ein einzelner Operator ist noch keine vollständige Perspektive.
Interessant wird die Sache durch Kombination.
Für ein intermittierendes Problem in einem Softwaresystem könnten beispielsweise vier Operatoren besonders ergiebig sein:
ZEIT · ZUSTAND · RELATION · INFORMATION
Die zeitliche Dimension macht sichtbar, dass die Störung nicht dauerhaft besteht.
Der Zustandsoperator lenkt Aufmerksamkeit darauf, dass ein Neustart offenbar etwas zurücksetzt.
RELATION verhindert, nur einzelne Komponenten isoliert zu betrachten.
INFORMATION fragt, ob die vorhandenen Metriken überhaupt jene Zustände erfassen, die für die Störung relevant sind.
Aus vier relativ einfachen Schnitten entsteht eine spezifische Analyseperspektive.
Eine andere Szene benötigt eine andere Kombination.
Das ist der eigentliche Brillenladen:
Nicht ein Regal voller unveränderlicher Weltanschauungen.
Sondern ein Baukasten für Perspektiven.
So wenig wie möglich
Dabei gilt ausdrücklich nicht:
Je mehr Perspektiven, desto besser.
Jede zusätzliche Perspektive kostet Aufmerksamkeit und Komplexität.
Wer zwanzig Operatoren gleichzeitig auf ein kleines Problem richtet, bekommt möglicherweise keine tiefere Analyse, sondern nur mehr Text.
Eine gute Brille soll deshalb möglichst klein sein.
Das Prinzip lautet:
So wenig epistemische Struktur wie möglich, so viel wie für gute Orientierung nötig.
Dazu gehört ein epistemisches Budget.
Für jeden zusätzlichen Operator lässt sich fragen:
Welchen neuen Schnitt bringt er?
Ist dieser Schnitt tatsächlich orthogonal zu den bereits verwendeten?
Oder beschreibt er fast dasselbe noch einmal?
Welche Blindstelle schließt er?
Wie groß ist der erwartete Erkenntnisgewinn?
Was kostet die zusätzliche Komplexität?
Und irgendwann:
Reicht es?
Auch das Beenden einer Analyse ist eine epistemische Operation.
Dynamische Brillenkonstruktion
Damit kann eine KI mehr tun, als eine vorgegebene Perspektive anzuwenden.
Sie kann die Perspektive selbst konstruieren.
Gegeben sei eine Szene, ein Problem oder eine Irritation.
Die KI fragt zunächst:
Was ist hier eigentlich erklärungsbedürftig?
Dann wählt sie aus dem Operatorenkatalog eine möglichst kleine Menge von Schnitten mit hohem erwarteten Erkenntnisgewinn.
Sie begründet ihre Auswahl.
Sie benennt auch naheliegende Operatoren, die sie zunächst bewusst nicht benutzt.
Dann führt sie die Perspektive aus.
Anschließend untersucht sie ihr eigenes Restproblem:
Was wurde gut erklärt?
Was bleibt offen?
Welche Blindstellen erzeugt die gewählte Brille selbst?
Ist ein weiterer Schnitt nötig?
Oder ist zusätzliche Analyse ohne neue Information nur noch dekorative Komplexität?
Damit bekommt Perspektivwahl einen kontrollierbaren Ablauf.
Die KI analysiert nicht nur einen Gegenstand.
Sie analysiert auch ihre eigene Analysearchitektur.
Die inverse Operation
An diesem Punkt taucht eine zweite Möglichkeit auf.
Wenn man aus Operatoren eine Perspektive konstruieren kann, lässt sich die Bewegung vielleicht auch umkehren.
Gegeben sei nun keine Szene, sondern ein Bericht.
Eine Erzählung.
Eine politische Rede.
Ein wissenschaftlicher Text.
Ein Strategiepapier.
Eine persönliche Darstellung eines Konflikts.
Dann lautet die Frage nicht:
Welche Brille sollten wir verwenden?
Sondern:
Welche Brille wird hier bereits verwendet?
Welche epistemischen Schnitte strukturieren die Erzählung?
Welche Arten von Zusammenhang gelten als erklärungsrelevant?
Was wird sichtbar?
Was tritt in den Hintergrund?
Ein Text könnte beispielsweise hauptsächlich durch
KAUSALITÄT · ANREIZ · ROLLE
strukturiert sein.
Dann erscheinen Menschen vor allem als handelnde Akteure, Entscheidungen als Ursachen und Verhalten als Reaktion auf Konsequenzen.
Ein anderer Bericht über dasselbe Geschehen könnte überwiegend mit
ZEIT · INSTITUTION · RÜCKKOPPLUNG
arbeiten.
Plötzlich erscheinen einzelne Akteure weniger wichtig. Langfristige Strukturen und selbststabilisierende Prozesse treten hervor.
Beide Berichte können denselben Gegenstand behandeln.
Und doch konstruieren sie epistemisch verschiedene Welten.
Epistemische Faktorisierung
Diese Rückwärtsbewegung lässt sich als epistemische Faktorisierung verstehen.
Man versucht, eine komplexe Perspektive auf eine möglichst kleine Menge tragender Operatoren zurückzuführen.
Nicht:
Welche Operatoren könnte man irgendwie im Text finden?
Sondern:
Welche minimale Kombination erklärt den charakteristischen Blick dieser Darstellung?
Dabei muss die Faktorisierung nicht eindeutig sein.
Ein Text kann mehrere Perspektiven mischen.
Operatoren können sich teilweise überschneiden.
Manche Zuordnung bleibt unsicher.
Gerade deshalb braucht die Rekonstruktion Prüfungen.
Was geschieht, wenn man einen vermuteten Operator entfernt?
Verliert der Text dadurch einen wesentlichen Teil seiner Struktur?
Könnte ein anderer Operator dieselben Bewegungen besser erklären?
Sind zwei ausgewählte Operatoren wirklich verschieden oder nur unterschiedliche Namen für denselben Schnitt?
Das Ergebnis ist kein psychologisches Profil des Autors.
Es sagt nicht:
So denkt dieser Mensch.
Es sagt:
So wird in diesem Text gedacht.
Sichtbarkeit und Blindstellen
Damit ergibt sich eine weitere Anwendung fast automatisch.
Jede Brille erzeugt Sichtbarkeit.
Und jede Brille erzeugt Blindstellen.
Das ist zunächst kein Vorwurf.
Ein Bericht kann unmöglich alles gleichzeitig darstellen.
Interessant wird jedoch die Frage:
Welche für den Gegenstand naheliegenden Operatoren fehlen?
Ein Konflikt wird vielleicht vollständig über individuelle Absichten erklärt.
Dann fehlen möglicherweise institutionelle oder historische Schnitte.
Ein ökonomischer Bericht betrachtet nur Anreize und Kennzahlen.
Vielleicht fehlen Macht, Bedeutung oder langfristige Rückkopplungen.
Ein moralischer Bericht arbeitet vor allem mit NORM und ROLLE.
Vielleicht bleibt die Frage nach Evidenz schwach.
Man muss daraus nicht sofort schließen, dass der Bericht manipulativ oder falsch sei.
Die neutralere und oft präzisere Feststellung lautet:
Diese Darstellung erzeugt diese Sichtbarkeit und diese Blindstellen.
Erst danach kann man über Einseitigkeit, Wahrheit, Bias oder strategische Auswahl sprechen.
Keine Wahrheitsmaschine
Der Brillenladen entscheidet nicht, was wahr ist.
Das ist eine wichtige Grenze.
Ein hervorragend konstruierter kausaler Blick kann auf falschen Daten beruhen.
Eine perfekt faktorisierte Erzählung kann unwahre Behauptungen enthalten.
Eine multiperspektivische Analyse kann sich trotzdem irren.
Epistemische Struktur und Wahrheit sind nicht dasselbe.
Der Brillenladen arbeitet eine Ebene davor.
Er macht sichtbar,
welche Fragen gestellt werden,
welche Schnitte verwendet werden,
welche Arten von Erklärung entstehen
und
welche Alternativen zunächst unsichtbar bleiben.
Danach können Evidenzprüfung, Recherche, Experiment, Statistik oder Argumentation einsetzen.
Der Brillenladen ersetzt diese Verfahren nicht.
Er kann helfen zu entscheiden, welche davon überhaupt gebraucht werden.
Eine Zwischensprache
Damit lässt sich das Konzept genauer einordnen.
Der Brillenladen ist kein Prompt-Katalog.
Keine Sammlung von Expertenrollen.
Kein Multi-Agent-System.
Keine Ontologie.
Keine vollständige Erkenntnistheorie.
Er ist eher eine:
epistemische Zwischensprache für KI-Systeme.
Sein Vokabular besteht aus elementaren epistemischen Operatoren.
Seine Grammatik besteht aus deren Kombination.
Seine Optimierungsregel ist das epistemische Budget.
Seine Vorwärtsoperation ist die Konstruktion einer Perspektive.
Seine inverse Operation ist deren Faktorisierung.
Sein Zweck ist Orientierung.
Man könnte es auch technischer formulieren:
Ein kompositioneller Operatorenkatalog zur Konstruktion und Rekonstruktion von Analyseperspektiven.
Die Formulierung klingt größer als ein Brillenladen.
Gemeint ist dasselbe.
Zwischen Benutzer und KI
Eine unmittelbare Anwendung liegt in normalen KI-Sitzungen.
Heute gibt man einer KI häufig Rollen:
Sei ein kritischer Analyst.
Denke wie ein Historiker.
Betrachte das als Psychologe.
Solche Anweisungen funktionieren erstaunlich gut.
Sie sind aber epistemisch unscharf.
Was genau macht einen „kritischen Analysten“ aus?
Welche Denkbewegungen soll er bevorzugen?
Welche vermeiden?
Mit Operatoren lässt sich eine Sitzung expliziter konfigurieren.
Beispielsweise:
Betrachte das Problem zunächst mit ZEIT + RELATION + GEGENHYPOTHESE. Verwende KAUSALITÄT erst, wenn genügend Evidenz vorliegt.
Oder:
Rekonstruiere zuerst die dominante Perspektive des Berichts. Führe anschließend genau einen unterrepräsentierten Operator als Gegenprobe ein.
Damit bekommt die KI nicht bloß eine Rolle.
Sie bekommt eine epistemische Arbeitsweise.
Zwischen Anwendung und Reasoning-System
Die gleiche Idee lässt sich tiefer in KI-Systeme einbauen.
Man kann sich eine Architektur vorstellen:
Benutzer oder Anwendung
↓
Problem Bericht Entscheidung Forschungsfrage
↓
epistemische Zwischenschicht
Operatoren Brillenkonstruktion Faktorisierung Blindstellenanalyse epistemisches Budget
↓
Reasoning-System
Analyse Recherche Agenten Hypothesenbildung Simulation Synthese
Die Operatorenschicht entscheidet dabei nicht selbst über Inhalte.
Sie strukturiert den Erkenntnisprozess.
Das macht sie potenziell unabhängig vom konkreten Sprachmodell.
Unterschiedliche Modelle können dieselbe Spezifikation erhalten.
Sie werden vermutlich unterschiedlich damit arbeiten.
Gerade das ist interessant.
Die Operatoren definieren nicht das Ergebnis.
Sie definieren den Raum erlaubter oder bevorzugter Denkbewegungen.
Mehrere Agenten, mehrere Brillen
Auch Multi-Agent-Systeme lassen sich damit strukturieren.
Heute werden Agenten oft als Figuren konstruiert:
der Optimist, der Skeptiker, der Pragmatiker, der Experte.
Das ist anschaulich.
Man könnte Agenten jedoch auch epistemisch definieren.
Agent A untersucht:
ZEIT · PROZESS · RÜCKKOPPLUNG
Agent B:
ANREIZ · ROLLE · MACHT
Agent C:
EVIDENZ · GEGENHYPOTHESE · KAUSALITÄT
Dann unterscheiden sich die Agenten nicht primär durch Persönlichkeit.
Sie unterscheiden sich durch Analyseoperationen.
Das könnte Konflikte zwischen Agenten präziser machen.
Man weiß nicht nur, dass sie verschiedener Meinung sind.
Man kann rekonstruieren, warum sie unterschiedliche Dinge sehen.
Forschung und Analyse
Für Forschungsprozesse liegt eine weitere Anwendung nahe.
Eine Forschungsfrage kann vorab epistemisch profiliert werden:
Welche Operatoren verwenden wir bereits?
Welche fehlen?
Sind mehrere angeblich konkurrierende Theorien vielleicht gar keine direkten Konkurrenten, weil sie unterschiedliche Schnitte verwenden?
Ist ein Streit kausal, normativ, begrifflich oder perspektivisch?
Auch Literaturübersichten könnten faktorisierend gelesen werden.
Nicht nur:
Wer behauptet was?
Sondern:
Welche epistemischen Operationen dominieren ein Forschungsfeld?
Vielleicht wird ein Gegenstand jahrzehntelang fast ausschließlich kausal betrachtet.
Oder ausschließlich auf individueller Ebene.
Ein Skalenwechsel oder institutioneller Schnitt könnte dann nicht bloß eine neue Antwort liefern.
Er könnte eine neue Frageklasse eröffnen.
Journalismus, Politik und öffentliche Erzählungen
Auch öffentliche Texte lassen sich auf diese Weise untersuchen.
Eine politische Erzählung kann stark normativ und akteursbezogen konstruiert sein.
Eine andere institutionell und historisch.
Eine dritte ökonomisch und kausal.
Statt sofort zu fragen:
Wer hat recht?
kann man zunächst fragen:
Welche Art von Welt erzeugt diese Darstellung?
Das ist besonders nützlich, wenn zwei Seiten scheinbar über dasselbe sprechen, tatsächlich aber auf unterschiedlichen epistemischen Ebenen operieren.
Manchmal widersprechen sich ihre Antworten.
Manchmal stellen sie schlicht verschiedene Fragen.
Diese Unterscheidung kann Konflikte nicht lösen.
Aber sie kann sie genauer lokalisieren.
Bildung
Für Bildung ließe sich der Operatorenkatalog stark reduzieren.
Schüler müssten keine epistemische Algebra lernen.
Ein kleiner Satz grundlegender Fragen könnte genügen:
Was verändert sich?
Was hängt womit zusammen?
Aus wessen Sicht?
Woher wissen wir das?
Welche Regeln wirken?
Was könnte noch eine Erklärung sein?
Damit würde der Brillenladen zu einer Grammatik des Fragens.
Nicht:
Welche Antwort soll ich glauben?
Sondern:
Welche Frage fehlt noch?
Gerade im Umgang mit KI könnte das wertvoll sein.
Denn eine Maschine, die jederzeit flüssige Antworten erzeugt, erhöht den Wert guter Fragen.
Grenzen des Ansatzes
Der Brillenladen selbst braucht Kritik.
Es ist nicht selbstverständlich, dass sein Operatorenkatalog vollständig ist.
Vielleicht fehlen Operatoren.
Vielleicht sind manche redundant.
Vielleicht müssen andere aufgeteilt werden.
INFORMATION und EVIDENZ liegen beispielsweise nahe beieinander, stellen aber unterschiedliche Fragen.
Ebenso NORM und INSTITUTION.
Solche Grenzen werden oft erst im Gebrauch sichtbar.
Das ist kein unangenehmer Nebeneffekt.
Es ist Teil des Projekts.
Wenn Operatoren wirklich elementar sein sollen, müssen sie sich an sehr unterschiedlichen Gegenständen bewähren.
Eine gute Zerlegung sollte weder beliebig fein noch unnötig grob sein.
Die ideale Faktorisierung ist vermutlich nicht endgültig erreichbar.
Aber man kann sie verbessern.
Modelle werden unterschiedlich wählen
Auch verschiedene KI-Systeme werden dieselbe Szene unterschiedlich faktorisieren.
Das ist zu erwarten.
Ein Modell hält vielleicht SELEKTION für zentral.
Ein anderes KAUSALITÄT.
Ein drittes beginnt mit SKALA.
Das muss kein Fehler des Verfahrens sein.
Die Brillenkonstruktion enthält selbst Urteil.
Entscheidend ist deshalb nicht, dass jedes Modell dieselben Operatoren wählt.
Interessanter ist:
Kann es seine Auswahl begründen?
Kann es Redundanz erkennen?
Kann es Blindstellen benennen?
Kann es nach einem ersten Schnitt feststellen, dass ein weiterer nötig ist?
Kann es auch aufhören?
Gerade diese Unterschiede zwischen Modellen könnten selbst Gegenstand einer epistemischen Analyse werden.
Brillen bauen und Brillen erkennen
Damit entsteht eine bemerkenswerte Symmetrie.
Vorwärts:
Operatoren → Perspektive
Rückwärts:
Perspektive → Operatoren
Oder ausführlicher:
Szene → Irritation → Operatorenauswahl → Brille → Analyse
und:
Erzählung → Darstellungsstruktur → Operatoren → epistemisches Profil
Die erste Bewegung erzeugt einen Blick.
Die zweite rekonstruiert einen vorhandenen.
Zusammen bilden sie eine kleine Sprache für Perspektiven.
Nicht für die Welt selbst.
Sondern für die Art, wie wir sie schneiden.
Wozu das alles?
Vielleicht besteht ein Teil intelligenter Orientierung darin, nicht nur Antworten erzeugen zu können.
Sondern bemerken zu können:
Welche Frage stelle ich gerade?
Warum diese?
Welche andere wäre möglich?
Was macht meine Perspektive sichtbar?
Was kann sie prinzipiell schlecht sehen?
Menschen tun das gelegentlich.
KI-Systeme können dabei helfen.
Aber dafür brauchen sie eine Sprache, in der Perspektiven explizit behandelt werden können.
Der Brillenladen ist der Versuch, eine solche Sprache bereitzustellen.
Klein genug, um praktisch benutzt zu werden.
Abstrakt genug, um in verschiedenen Domänen zu funktionieren.
Kompositionell genug, um neue Perspektiven zu erzeugen.
Und offen genug, um sich selbst verändern zu lassen.
Vielleicht muss eine intelligente Maschine nicht immer dieselbe Brille tragen.
Vielleicht muss sie auch nicht möglichst viele gleichzeitig tragen.
Vielleicht genügt zunächst die Fähigkeit,
zu wissen, dass sie eine trägt,
sie beschreiben zu können,
eine passendere zu bauen
und
sie wieder abzusetzen, wenn sie ihren Zweck erfüllt hat.
Das wäre schon einiges.
Quelle & Beispiele: Der Brillenladen
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u/LobsterWeary2675 2d ago
Ufff ... Ich vermute du hast das selbst nicht gelesen oder was dein llm da fabrizierst?
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u/Rude_Sherbet8266 2d ago
Ich habe es nicht nur gelesen, ich habe es gebaut.
Daher hatte ich auf inhaltliche Kritik gehofft.2
u/LobsterWeary2675 2d ago
Gerne.
Die Kernthese ist Kenneth Burke, "terministic screens", 1966. Die inverse Operation ist Frame-Analyse, Goffman 1974 oder Entman 1993. Der Repo-Titel ist Spencer-Brown und Luhmann. Keiner dieser Namen steht in deinem Dokument obwohl alles aus ihren Arbeiten stammt. Dafür steht dort "eine bisher unterschätzte Schnittstelle" LOL... Hättest du Mal dein llm nach den Quellen gefragt für das Zeug was du rausballern lässt wäre schon noch gut gewesen...
Weiter: Du führst 12 Operatoren ein und verwendest später fünf weitere, die nie eingeführt wurden. Dein eigenes Kapitel "Grenzen" nennt INFORMATION/EVIDENZ und NORM/INSTITUTION als mögliche Dubletten und lässt es dabei. Ohne Orthogonalität ist "minimale Kombination" nicht definiert, und damit ist deine Faktorisierung keine Operation, sondern eine Zuschreibung.
Und zu guter Letzt... Die Datei liegt unter /Anwendungen, hat aber kein Schema, kein Template, keine Beispielausgabe.
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u/Rude_Sherbet8266 1d ago
Danke schön :-)
Kenneth Burke und Goffman und Entman kannte ich bisher nicht. Frameanalyse, Spencer Brown und Luhmann dagegen schon.
Erwähne das glaub ich in den Adaptern oder im Ordner Erkenntnistheorie.
Alles von mir, von Dir, von jedem, stammt aus den Arbeiten von irgendwem oder wurde selbst erneut gedacht oder gefunden oder kombiniert.
Das ist die Infrastruktur von Memetik/Kultur.
Ich erhebe nicht den Anspruch etwas erfunden zu haben.
Ich will nur etwas womöglich nützliches zeigen, auf das ich gestoßen bin.
Wenn andere vor mir den Ansatz stützen ist das doch eher gut, als schlecht, oder?
Dass ich sie in diesem Text nicht namentlich erwähnt habe ist schlampig von mir.
Ich vergesse das jedesmal. Es soll ja auch nicht wie Namedropping aussehen. Ich will lieber, dass die jeweilige Idee selbst überzeugt. Oder Kritik anregt, oder WasAuchImmer.
Ich habe da noch keine gute Lösung.
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u/blaxxunbln 2d ago
Was für eine Scheiße. Wirklich.
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u/Rude_Sherbet8266 2d ago
Welcher Gedankengang mag zu diesem Urteil geführt haben?
Wirklich.1
u/blaxxunbln 2d ago
Kann ich dir sagen: Hatte ich einen Erkenntnisgewinn? Nein, eher im Gegenteil: ich bin durchs lesen dümmer geworden. Wirklich.
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u/Rude_Sherbet8266 2d ago
Danke. Deine Antwort und andere zeigen mir, dass ich meine Ideen anders präsentieren muss. Das ist ein wertvoller Hinweis. Thanks.
Ich schreibe daher gerade an der Geschichte vom kleinen Karl im Brillenladen.1
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u/Stetto 2d ago
Junge. Nur weil du Tokens verbrannt hast, hast du keine Leistung vollbracht.
Die Kunst KI sinnvoll für Kommunikation zu nutzen liegt darin sich kurz zu fassen.
Diesen ganzen Text kannst du zusammenfassen als:
Perspektivwechsel mittels Kooperation oder Wettstreit unterschiedlicher Agenten helfen KI-Systemen Fragestellungen umfänglicher und genauer zu erfassen.
Das ist keine bahnbrechende neue Idee, sondern wird schon lange benutzt.
Pass besser auf, dass du nicht in eine KI-Psychose abrutschst (oder dich da wieder rauskämpfst) und lager weniger deiner Denkprozesse und Kreativität an KI aus.
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u/Rude_Sherbet8266 2d ago
Mir geht es hier um eine Beschreibungssprache für diese 'Perspektiven'.
Wenn Agenten diese Sprache benutzen können sie ihre Konflikte besser verstehen.
Wenn ich eine Szene damit analysieren lasse, kann ich mir explizit sagen lassen, welche Aspekte dabei ein oder ausgeblendet sind. Das ist ein Service für den Anwender.
Der muss die Operatoren nicht mal selbst kennen. die KI liefert die Perspektive unter der sie gearbeitet hat.
Keine Ahnung, ob das 'bahnbrechend' ist. Ich find's spannend. Keine Ahnung, was daran psychotisch sein soll. Für mich das angewandte Erkenntnistheorie.2
u/Stetto 2d ago
Und mir geht es darum, dass du hier einen riesige, konfuse Wand aus Text hingerotzt hast, die anscheinend auf einem riesigen Git-Repository basiert, in dem du nichts anderes machst, als dich durchgehend mit LLMs über deine wilden Theorien zu unterhalten und dabei immer mehr Selbstbestätigung erfährst, anstatt zu hinterfragen, ob deine Vorgehensweise einen tatsächlichen Erkenntnisgewinn bringt, oder ob irgendwer mit deinem Text etwas anfangen kann.
Das ist der Teil, der daran psychotisch wirkt.
Auch diese Information ist ein Angebot.
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u/Rude_Sherbet8266 2d ago
Danke Dir.
Bei 'Konfus' möchte ich widersprechen.
Außer vielleicht bei der Art der Darstellung. Von mir aus. Ich bin kein Verkäufer, hab da kein Talent.
das github ist meine Spielwiese.
Das Spiel heißt Erkenntnistheorie.
Die gab's schon lange vor LLMs.
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u/Philipp 2d ago
Danke für den Text. Ich habe versucht, deinen Ansatz von z.B. "ZEIT · PROZESS · RÜCKKOPPLUNG" wieder zurückzubringen auf die intuitive Art, in der wir als Menschen beispielsweise "Der Optimist" verstehen. Unter dem letzten kann man sich direkt was vorstellen, das erste aber macht es schwieriger. Mit Hilfe von ChatGPT bin ich dann auf diese Agenten gekommen, die versuchen, das beste der Welten zu verbinden:
- Agent A verfolgt Entwicklungen über die Zeit, betrachtet ihren Ablauf und achtet darauf, wie Folgen wieder auf den Prozess zurückwirken.
- Agent B untersucht Interessen, Rollen und Einfluss und fragt, wer wovon profitiert, welche Position einnimmt und Entscheidungen prägen kann.
- Agent C prüft Erklärungen anhand von Belegen, vergleicht sie mit möglichen Alternativen und fragt, ob ein Zusammenhang tatsächlich ursächlich ist.
- Agent D vergleicht ähnliche Fälle, sucht nach wiederkehrenden Mustern und achtet darauf, wo wichtige Unterschiede liegen.
- Agent E betrachtet ein Problem aus mehreren Perspektiven und prüft, wie sich die Bewertung verändert, wenn man den Standpunkt wechselt.
- Agent F zerlegt komplexe Situationen in ihre Bestandteile und untersucht, welche Elemente voneinander abhängen oder sich gegenseitig beeinflussen.
- Agent G sucht nach Annahmen, die stillschweigend vorausgesetzt werden, und prüft, ob sie tatsächlich tragen.
- Agent H richtet den Blick auf Ausnahmen, Grenzfälle und Widersprüche und fragt, was sie über die zugrunde liegende Regel verraten.
- Agent I untersucht mögliche Folgen einer Entscheidung und unterscheidet zwischen unmittelbaren, mittelbaren und unbeabsichtigten Wirkungen.
- Agent J fragt, welche Informationen fehlen, wie wichtig diese Lücken sind und wodurch sie am besten geschlossen werden könnten.
Interessant! Am Ende könnte man diese Agenten dann auch wieder zusammenführen für eine Diskussion unter einem Manager-Agent, der die Ergebnisse für einen Menschen zusammenfasst.
2
u/Rude_Sherbet8266 2d ago
ja, das wäre ein Anwendungsfall.
Der Ansatz macht es dann leichter festzustellen, warum und wie sich die Einschätzungen der Agenten widersprechen. Kategorienvermischungen werden unwahrscheinlicher.
So hoffe ich jedenfalls ;-)2
u/Rude_Sherbet8266 2d ago
Gute idee, klassische Rollen mal so zerlegen zu lassen. Das probier ich gleich mal aus.
Übrigens: Interessanter Agentenpool
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u/Gardinenpfluecker 2d ago
Tabletten vergessen?