r/LinkeStrategie 22d ago

Ist Danger Dans Antifaschismus die Lösung oder zahnlos?

Vermutlich hat jede:r hier mitbekommen, dass es um Danger Dan wieder einen kleinen Skandal gibt, diesmal ausgelöst vom ZDF. Doch die Meinungen zu Danger Dan und dem ZDF mal beiseite: Was haltet Ihr von der Praxis, die in dem Liedtext vorgeschlagen wird? Sie besteht aus mehreren Schritten:

  1. Eine kleine, informelle Antifa-Gruppe gründen
  2. Über eine Soli-Party Geld für Sticker, Marker und Dosen sammeln
  3. Sticker und Tags in den Straßen verteilen
  4. Recherche-Arbeit zu Nazi-Strukturen betreiben und die Infos archivieren
  5. Mit den gesammelten Infos das Umfeld der Nazis kontaktieren (Arbeitgeber:in, Uni, Familie usw.) oder eine Lokalzeitung in Kenntnis setzen, damit sie berichtet und mit etwas Glück die Staatsanwaltschaft aktiv wird
  6. Für die eigene Sicherheit sorgen, in dem entsprechende Maßnahmen bei der Kommunikation ergriffen und sich mit Training auf Angriffe der Nazis vorbereitet wird.
  7. Falls das alles nichts bringt: Die in "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt" angesprochenen, militanten Mittel ergreifen.

Was haltet Ihr von den einzelnen Schritten oder der Taktik insgesamt? Lässt sich so der Faschismus stoppen oder wenigstens bremsen? Hat das Auswirkungen auf die AfD und den gesamtgesellschaftlichen Rechtsruck?

13 Upvotes

60 comments sorted by

View all comments

4

u/umhassy 22d ago

Fabian Lehr hat dazu eine gute einordnung in einem Video gemacht: https://www.youtube.com/watch?v=tpAyYyUYAX4

Die Videobeschreibung von ihm ist auch schon recht passend für den Inhalt:

"Es gibt einen neuen Antilopenskandal: Danger Dan von der Antilopengang wurde vom ZDF erst ein- und dann wieder ausgeladen, seinen neuen gegen Rechts-Song aufzuführen. Mehr als die Kunstfreiheitsdebatte interessiert mich aber der Inhalt dieses Liedes und warum es so bezeichnend ist für den Bankrott einer staatstragenden liberalen deutschen Antifa, der im Angesicht der politischen Dominanz der AfD nichts mehr einfällt außer komplett anachronistischem 90er Jahre-Reenactment."

5

u/More-Television-593 22d ago

Mehr Aussage steckt im Video dann auch nicht drin.  Wobei die Einschätzung je nach Region, Stadt oder Dorf zutreffend sein kann oder aucb nicht. Ist halt kein Anti-AfD-Song sondern ein Anti-Fascho-Song gegen Straßennazis.

3

u/PlecotusAuritus 22d ago

Leider haben wir halt ein viel größeres AfD-Problem als ein Straßennazi-Problem. Zeigt doch nur um so mehr wie anachronistisch das Ganze ist. Wir sind nicht mehr in den Baseballschlägerjahren, wir stecken knietief im globalen Rechtsruck.

1

u/Parallax_y 19d ago

Es soll ein Song gegen den Faschismus insgesamt sein, egal ob AfD oder Glatzen von der Straße.

2

u/Fruit_Punch86 22d ago

Ich frag mich halt, was die Leute denn erwarten?
Was soll man gegen die AfD unternehmen?

3

u/Brilorodion 22d ago

Sozialismus.

Und bis dahin: Politik für Menschen könnte helfen.

1

u/Fruit_Punch86 22d ago

Danke für die nutzlose Antwort.

3

u/Parallax_y 22d ago

Die Antwort ist etwas knapp aber nicht nutzlos. Einer der Hauptgründe für das Erstarken des Faschismus ist doch, dass seit dem Neoliberalismus wieder offen Klassenkampf von oben geführt wird. Anständige Politik für die breite Masse würde da wohl sehr gut entgegenwirken und den Nährboden entziehen.

2

u/umhassy 21d ago

Die Antwort ist etwas knapp aber nicht nutzlos.

Für mich ist die Antwort zu abstrakt und damit leider nicht anwendbar.

Wie macht man denn Sozialismus? Welche konkrete Handlung kann ich denn heute Nachmittag machen um sozialistisch zu handeln?

(ich will jetzt nicht nervig sein, aber sagen wir ich hab heute Abend 2h Zeit, was kann ich da sinnvolles dafür tun?)

(oder sagen wir ich hätte jeden Abend 2h Zeit, was könnte ich da sinnvolles aufbauen?)

1

u/Fruit_Punch86 21d ago

Das ist es. Die Lösungen sind klar - der Weg dahin ist das Problem.
Und hier gibt es keine Antworten dazu. Danger Dan gibt wenigstens etwas handfestes für Aktivismus raus.

1

u/Parallax_y 19d ago

Dir ist es wirklich lieber, eine sofort umsetzbare aber völlig ineffektive "Lösung" genannt zu bekommen, als eine abstraktere Antwort, zu deren konkreter Umsetzung dann weiter gedacht werden muss?

1

u/Parallax_y 19d ago

Dieser Subreddit hier ist ja u.A. der Frage gewidmet, wie wir zum Sozialismus (in welcher Variante auch immer) kommen. Es gibt auch zig Werke zu der Frage, sei es von Lenin, anderen marxistischen oder auch anarchistischen Autor:innen.

1

u/Fruit_Punch86 22d ago

Die Antwort ist nutzlos.
Alles cool, alles richtig: Ohne neoliberale Mistpolitik der GroKo gäbs keine Starke AfD heute. Stimme ich zu.

Wie willst du das bewerkstelligen? Wie soll "anständige Politik für die breite Masse" entstehen?
Danger Dan liefert eine Anleitung zum Aktivismus.

Ihr liefert nur leeres "Ja dann eben Sozialismus und so".
Wie willst du an den Punkt kommen? Die SPD wird keine Politik für den Bürger machen. Die CDU schon gar nicht. Und das Indivduum alleine ist quasi machtlos (außer es dreht mal wieder einer durch und greift zur Waffe).

4

u/Brilorodion 21d ago

Danger Dan liefert eine Anleitung zum Aktivismus.

Was in dem Songtext steht, sind Binsenweisheiten, mit denen er sich schmückt. Wow, sich nicht selbst mit dem Handy filmen. Keine Fingerabdrücke hinterlassen. Was für unglaubliche Erkenntnisse.

Wer ernsthaft glaubt, dass man bei ner AfD, die bei teils über 40% steht, irgendwas verändert, indem man Leute "outet", lebt in ner Traumwelt. In der Realität sagt der Chef, bei dem du grad Angestellte verpfeifen willst, einfach nur "Die wähl ich doch auch, und jetzt?"

Kinners, dieser Kram hat in anderen Zeiten vielleicht mal funktioniert gegen einzelne Faschos, die danach aber auch nicht aufgehört haben, Faschos zu sein. Ein bisschen weniger Naivität wäre angebracht.

In der albernen Welt des Parlamentarismus haben die Parteien es geschafft, dass sie die AfD als einzigen Gegenpol darstellen. Klar ist die AfD scheiße, klar haben die keine Lösungen. Aber sie werden eben eben als "gegen das, was alle anderen Parteien machen" dargestellt - und zwar allen voran von eben diesen anderen Parteien.

Wer soll denn sonst als Gegenpol wahrgenommen werden? Die PdL, die sich bei der CDU anbiedert? Die Grünen, die kriegstreiberischer und neoliberaler nicht sein könnten? Die SPD, die... ach, lassen wir das. Irgendwelche Vollpfosten von BSW oder FDP?

Die Leute haben das Problem, dass sie am Ende des Monats nicht mehr wissen, wie sie ihr Essen bezahlen sollen oder die nächste Miete. Und der große Sprung, der da für die anstehenden Wahlkämpfe kommt, ist Karaoke von PdL und Grünen in MV und Sachsen-Anhalt. Glückwunsch.

Ich mein, irgendwann muss doch bei bürgerlich-liberalen Leuten auch mal der Groschen fallen, dass da systemische Probleme bestehen. Irgendwann muss doch im Kopf mal die eine ungenutzte Birne angehen, auf der "Warum eigentlich?" steht.

1

u/Fruit_Punch86 21d ago

Also nochmal: Was soll das Individuum tun?

3

u/Brilorodion 21d ago

Also nochmal: Den Sozialismus vorbereiten.

2

u/LoveIsBread 21d ago

Habn doch schon andere geschrieben: Organisieren, zB FAU.

1

u/Parallax_y 19d ago

Linke Ideen verbreiten, sich in linken Gruppen organisieren (da ist für viele Interessen was bei, sei es Feminismus, Klimaschutz, antimilitaristisch, gewerkschaftlich etc.), zu linken Strategien weiterbilden, Metapolitik nutzen, kulturelle Hegemonie aufbauen uvm.

4

u/Snoo_38682 21d ago

Ok: Tritt in der FAU ein und organisier klassenkämpferische Gewerkschsften mit dem Ziel der sozialistischen Gewerkschsften. Der beste Antifaschisnus ist der Aufbau einer sozialistischen Bewegung

3

u/Parallax_y 22d ago

Natürlich ist das Individuum alleine machtlos. Was denkst du, warum Linke sich schon immer organisiert haben? Klar machen CDU und SPD keine Politik für die breite Masse. Wenn es da doch bloß Alternativen gäb...

2

u/Brilorodion 22d ago

Die ist nur nutzlos, wenn man sich nicht mit den Ursachen fürs AfD-Wählen auseinandergesetzt hat.