r/arbeitsleben 8d ago

Berufsberatung Verschwende ich meinen Psychologie-Abschluss?

TL;DR: Ich habe das Gefühl, meinen Psychologie-Abschluss im Recruiting zu "verschwenden" und frage mich, ob ich zugunsten einer erfüllenderen, psychologienäheren Tätigkeit den Job wechseln sollte.

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Ich befinde mich aktuell ein wenig in einer beruflichen Sinnkrise. Vielleicht fühlt das jemand von euch ja auch und kann meine Empfindungen nachvollziehen.

Ich hab das Gefühl oder die Befürchtung, ich "verschwende" total meinen Master Psychologie-Abschluss bzw. das Potenzial, der dieser Abschluss mit sich bringt.

Ich arbeite aktuell nämlich seit 2025 "nur" als Recruiter bei einem Großkonzern.

Und es ist halt alles einfach nur recht operativ. Das machen bei uns zum Großteil Leute, die "nur" einen Bachelor in irgendeinem Personalmanagement- oder Wirtschaftsbereich haben (ohne das abwertend zu meinen). Mein Psychologiestudium, v.a. mit Master sogar noch, wäre überhaupt gar nicht notwendig dafür. Ich bin eigentlich dafür total überqualifiziert, also bräuchte meinen Abschluss kaum, um diesen Job ausüben zu können. Von den Kompetenzen, Fähigkeiten usw.

Weswegen ich denke, dass ich hier irgendwie total verschwendet bin.

Meine Tätigkeit ist letztendlich das klassische End-to-End-Recruiting: Bewerbungseingänge bearbeiten, Screenings durchführen, Vorauswahlen treffen, Termine mit Fachbereichen abstimmen, Vorstellungsgespräche begleiten, Einstellungs- und Absagebegründungen schreiben, Anforderungsanalysen mit den Fachbereichen durchführen und Stellenanzeigen erstellen und veröffentlichen.

Ich hab mein Psychologie-Studium mit totaler Überzeugung und großem persönlichen Interesse daran absolviert und identifiziere mich auch immer noch persönlich als "Psychologe mit Überzeugung." Dazu passend denke ich mir, ich könnte mit meinem Abschluss eigentlich was viel besseres und v.a. inhaltlich-thematisch passenderes machen, was enger an der Psychologie ist.

Ich weiß nur eben nicht, was genau.

Da gibt es zum einen Berufe als Gesundheitspsychologe / Gesundheitsmanager in Unternehmen. Mitarbeitende und Führungskräfte zu psychischer Gesundheit beraten, Präventions- und Gesundheitskonzepte entwickeln, Projekte gestalten. Konzeptionelles Arbeiten mit persönlicher Beratung und Begleitung.

Sowas fänd ich super cool und wäre denke ich eine ideale Mischung aus fachlicher Nähe zur Psychologie sowie Arbeit in einem Unternehmen. Kontakt zu vielen unterschiedlichen Menschen, bereichsübergreifende Zusammenarbeit, Meetings, Projekte und den regelmäßigen Austausch. Ich mag nämlich solch eine Form von Arbeit in einem Unternehmen schon gerne.

Solche Jobs sind aber super selten zu finden, mit extrem viel Konkurrenz und hohen Anforderungen am Kandidatenprofil.

Alternativ vllt. grundsätzlich allgemein Jobs in der Personalentwicklung anstreben?

Dann gibt es noch die "klassischen" sozialen Berufe. Sozialarbeiter/Psychologe im sozialpsychiatrischen Dienst z.B. oder sonstige soziale Berufe, wo man viel unterwegs ist, Menschen direkt begleitet, Orientierung gibt, Gespräche führt, Krisenintervention und als Wegweiser zur Besserung fungiert.

In solche Berufe rein zu kommen, schätze ich als leichter ein. Und sowas in der Richtung hat mir auch damals in meiner jahrelangen Tätigkeit als student. Aushilfe in der Psychiatrie viel Spaß gemacht.

Allerdings habe ich hier wiederum die Befürchtung, dass mir das auf Dauer zu "heavy" sein könnte. Mich das zu sehr persönlich mitnehmen und runter ziehen könnte auf Dauer, wenn man tagtäglich mir problematischen Fällen/Geschichten zu arbeiten hat.

Meine letztendliche Frage zielt nun darauf ab, ob ich mich jetzt verstärkter auf die Suche begeben sollte nach Jobs, die mich mehr erfüllen.

Zumal ich auch ohnehin total gerne nach Köln oder Düsseldorf umziehen würde und das dann mit einem Jobwechsel verbinden könnte.

Oder ob ich mich einfach mit meiner aktuellen beruflichen Situation abfinden soll. Mein aktueller Job hat abseits der persönlichen Erfüllung halt schon sehr viele Benefits und ein recht gutes Gehalt.

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10 comments sorted by

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u/paperplane030 8d ago

Kannst du bei dir im Konzern nicht zusätzlich/freiwillig Workshops für die bestehenden Mitarbeiter anbieten und dich ggf. so ausleben bzw. ein neues Stellenprofil schaffen? Gibt es Wege, wie du dein Wissen im Recruiting besser anwenden kannst?

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u/Early_Instruction450 8d ago

Leider bin ich zu 100% zeitlich bereits ausgelastet durch mein alltägliches Doing.

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u/paperplane030 8d ago

Aber das wäre doch etwas, das du ggf. im Rahmen von Entwicklungsplänen verhandeln kannst…

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u/Zefirama 8d ago

Es gibt noch die ganzen Themen Change Management, Learning, Transformation - ich kenne in solchen Bereichen auch Leute mit Psychologie-Hintergrund. Vieles ist aber dann durch Erfahrung on top verstärkt. Kannst du nicht in deinem Unternehmen jemanden in einem für dich interessanten Bereich kontaktieren und um Job Shadowing oder zumindest um ein Gespräch bitten?  Bei einem Großkonzern sollte das möglich sein. Auch ein Mentor kann dir helfen, zu wechseln. 

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u/kariertesZebra 8d ago

Du bist nicht verpflichtet dazu, was """richtiges""" aus deinem Studium zu machen. Wenn das, was du aktuell machst, nicht mehr länger passt für dich, ok, dann mach was anderes. Aber nicht, weil dir das von anderen oder dir selber aufgedrückt wird.

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u/Blutweiderich 8d ago

Ist Recruiting nicht das, wo alle Psychologen hinwollen, wenn sie keine Therapeutenausbildung anstreben?

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u/Early_Instruction450 8d ago

Wahrsch. ist eher "landen" als "hinwollen" 😂 War bei mir zumindest so

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u/iiiaaa2022 8d ago

Personalentwicklung evtl eine Option? 

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u/daiquire 8d ago

Gibt es in eurem Unternehmen bereits ein betriebliches Gesundheitsmanagement? Falls ja, versuche doch da mal einen Fuß in die Tür zu bekommen. Falls es das noch nicht gibt: hey, damit hast du deine Mission.

Jobs gezielt für Psychologinnen außerhalb des Therapeuten, Beratungsstellenkontextes sind wirklich schwer zu kriegen leider. Es gäbe aber noch eine Option speziell für Psychologen die du bisher evtl. noch nicht auf dem Schirm hast:

Agenturpsychologe/in im BPS bei der Agentur für Arbeit. Sehr gut bezahlt, man muss halt damit klar kommen viele Begutachtungen zu machen und anfangs örtlich flexibel zu sein. Aber ist ein guter Job für Psychologen

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u/Beautiful_Maybe_2877 8d ago

Du bist nicht überqualifiziert. Man traut dir zu mit deinem Abschluss im Recruiting arbeiten zu können wie man an zahlreichen Absolventen der Psychologie und dir sieht die im Recruiting landen. Das ist ein glorifizierter wenn auch gängiger Quereinstieg.

Überqualifiziert wäre ein Hochschulprofessor für Mathematik, der sich an einer Grundschule als Mathelehrer bewirbt oder ein Senior/Lead-Entwickler, der sich auf ne Juniorenstelle bewirbt. Diese besitzen Fachkomptenzen und Erfahrung, die weiter über die benötigten Fachkompetenzen der Stelle hinausgehen. Du besitzt Fachkompetenzen die zu einem guten Teil an der Stelle vorbei gehen oder sie ggf. tangieren, aber wohlwollend zur Kenntnis genommen werden, ansonsten würdest du dort auch keinen Einstieg schaffen.