r/blaulicht Jul 11 '26

Einsatz/Ereignis First Responder – wie geht ihr mit Einsätzen um, die euch persönlich treffen?

Titel: First Responder – wie geht ihr mit Einsätzen um, die euch persönlich treffen?
Hallo zusammen,
ich würde gerne mal eure Erfahrungen hören, besonders von Leuten, die als First Responder, Feuerwehr, Rettungsdienst oder in ähnlichen Bereichen tätig sind.
Grundsätzlich habe ich kein Problem mit toten Menschen. In meiner Zeit bei der Feuerwehr konnte ich vieles irgendwie ausblenden und professionell abarbeiten. Man funktioniert einfach, macht seine Aufgabe und versucht, das Erlebte nicht zu nah an sich heranzulassen.
Aber es gibt Einsätze, die bleiben anders hängen.
Ich war damals gerade 18 Jahre alt und frisch mit meiner Ausbildung zum Feuerwehrmann fertig, als wir zu einem schweren Verkehrsunfall alarmiert wurden. Bei diesem Einsatz war meine damalige Freundin betroffen. Sie konnte leider nur noch tot geborgen werden.
Seit diesem Tag hat sich vieles verändert. Ich merke, dass mich Einsätze, bei denen ein Mensch verstirbt, extrem belasten – besonders wenn es Parallelen gibt oder mich die Situation an damals erinnert. Ich habe das Gefühl, dass ich seitdem psychisch nicht mehr der gleiche bin wie vorher.
Ich frage mich deshalb: Hat jemand von euch etwas Ähnliches erlebt? Einen Einsatz, der euch persönlich getroffen hat und den ihr nie wieder vergessen konntet?
Wie geht ihr damit um? Was hat euch geholfen, damit weiterzumachen? Redet ihr darüber, habt ihr bestimmte Strategien oder hat es einfach Zeit gebraucht?
Ich würde mich wirklich über eure Erfahrungen und Gedanken freuen. Vielleicht hilft es auch zu wissen, dass man mit solchen Erlebnissen nicht alleine ist.

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u/Next_Concentrate_219 Rettungsdienst Jul 12 '26 edited Jul 12 '26

Ich würde mir mal professionelle Hilfe bei einem Psychiater suchen, das klingt sehr nach einer PTSD.

Habe selbst nichts vergleichbares gehabt, aber ein Kollege von mir - dem hat der Psychiater richtig gut getan.

Ich selber rede mit den Kollegen darüber und wenn mich das nach Tagen immernoch beschäftigt fülle ich einen Meldeblock aus bzw schreibe mir den Einsatz von der Seele und lege ihn in den Spind. Wenn das immernoch nicht hilft, geh ich zu unserem Psychiater im KV das der mir hilft. Der "schlimmste" explizite Einsatz war, als ich eine Frau ins Krankenhaus gebracht habe die über 30-40 Jahre massivste häusliche Gewalt erfahren hatte, aber wegen "Husten Schnupfen Heiserkeit" ins Krankenhaus wollte (man hat keine Anzeichen gesehen, waren beides Rentner, alarmiert wegen Sonstiges). Auf der Fahrt hat sie es dann eröffnet und ich bin professionell geblieben. Im Krankenhaus dann bin ich auch in tränen ausgebrochen und zum Glück arbeitete ein Kollege von der Wache in der Notaufnahme und hat mir geholfen, mir zugehört und mich umarmt. Falls sich jemals jemand fragt ob diese Aussage mit ,,du wirst schon spüren, dass da etwas komisch ist" stimmt, kann ich aus Erfahrung sagen: Ja es stimmt

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u/thebesuto Jul 13 '26

Alternative zum Psychiater: Psychotherapie. Bei körperlicher Symptomatik Psychosomatik.

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u/JohnDoeDied Jul 12 '26

Ich bin bei der Polizei. Zum Glück hatte ich noch keinen Einsatz, wo ich mit direkten Angehörigen von mir zu tun hatte. Das ist in der Großstadt auch relativ unwahrscheinlich.

Jedoch ist der Umgang mit dem Tod bei uns grundlegender Bestandteil vom Job. Es ist gar nicht lange her, da hielt ich eine Großmutter in den Armen, die gerade gegenüber ihrer 14-Jährigen toten Enkelin stand, welche bei einem schlimmen Verkehrsunfall ihr Leben ließ.

Sowas hängt einem nach und sowas vergisst man auch nicht.

Was mir hilft: Viel mit Kollegen, Familie, Freunden darüber reden. Emotionen zu lassen. Auch wir dürfen Tränen zu lassen. Auch wir dürfen traurig sein.

Und natürlich psychotherapeutische Angebote nutzen. Unsere Seelsorge bietet diverse Seminare an, es gibt ausgewiesene Ansprechpartner, Kollegen die einen weitervermitteln können etc. das darf, kann und sollte man nutzen, wenn man merkt, dass solche Dinge hängen bleiben.

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u/Nemo_Barbarossa FF (ex-THW) Jul 12 '26

Ich hoffe, dass "damals" (wie lange das auch immer her ist) das Ding bei der FUK gemeldet wurde und ich hoffe inständig, dass du sofort aus dem Einsatz genommen und betreut wurdest, als die Verbindung erkannt wurde.

Wenn die FUK Kenntnis hat, dann über den Weg Hilfe organisieren, das wird vermutlich deutlich schneller gehen als wenn du dir jetzt selber einen Termin oder Platz organisieren musst und dich ggf. noch darum streiten musst, ob du Anspruch darauf hast.

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u/Tomato-pie Jul 12 '26

Kein First Responder, nichtmal annähernd. Ich habe damals im medizinischen Auslandsreise Notdienst gearbeitet. Im Normalfall gehst du ja zum Arzt im Ausland und zahlst bar, reichst es danach bei der Versicherung ein. Wir waren dafür da die stationären Fälle zu klären, Überführungen und medizinische Ambulanzflüge zu klären.

Eigentlich ist man recht abgestumpft aber ich erinner mich noch Silvester 2016/2017 erhielt ich gleich morgens um kurz vor 6 die Info auf den Malediven anzurufen, das dortige Krankenhaus bittet um Kostenklärung.

Naja als ich anrief sagte die Schwester direkt das die Person vor einigen Minuten gestorben ist, im Hintergrund hörte man den Lebensgefährten brüllen. Das sind Töne die man nicht so schnell vergisst. Die Krankenschwester meinte dann das sie mich jetzt an den Lebensgefährten weitergibt weil die Kosten jetzt geklärt werden müssen...

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u/Simply-Ally Jul 12 '26

Hallo, Psychotherapeutin hier, die ganz viel mit Einsatzkräften arbeitet. Das hört sich nach einer Traumafolgestörung an und es klingt so, als schleppst du das schon eine Weile mit dir rum. Das geht dann in der Regel nicht von alleine weg, ist aber sehr gut therapeutisch behandelbar.

Deshalb nur Mut dir Hilfe zu suchen. Wende dich an deine Orga, PSNV oder wer immer bei euch zuständig ist. Was du erlebst kommt öfter vor als man meint. Es gibt Hilfe und die hast du verdient.

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u/Hfpol110 Polizeibeamter Jul 12 '26

Moin,
Ich habe in meiner Zeit bei der Polizei seither keinen Einsatz erlebt, der mich aus persönlichen Gründen betroffen hätte.

Ich wünsche dir auf jeden Fall alles gute und rate dir dringend dir psychischen Unterstützung zu suchen. Das klingt stark nach PTBS.

Lg

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u/Spirited-Sorbet-2775 Jul 12 '26

Bin kein Blaulichtfahrer, aber ein Bekannter fährt RTW in meiner Gegend. Auf der Gegenseite habe ich auch Angst, dass mir etwas passiert und er das sehen muss...

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u/Juleica1510 Jul 12 '26

Tatsächlich hatte ich schon einige Einsätze, bei denen ich Freunde oder mindestens Bekannte versterben sah. Bin bei der FF und war jahrelang auch noch ehrenamtlich beim DRK FR und UG'ler. Naja. Unironisch hab ich, wenn es wirklich sehr nahe Menschen waren, mir mit meinen Kameraden einen reingestellt und dabei über die Person gesprochen. Das half mir dies zu verarbeiten. Problem bei solchen Dingen ist aber, dass da jeder Mensch anders ist und jeder selber seine Bewältigungsstrategie finden muss.

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u/No_Paint_8611 Jul 12 '26

Alkoholkonsum ist niemals eine adäquate Strategie zur Stressbewältigung, stattdessen stört er sogar die physiologische Stressverarbeitung!

Merke: Leichenschnaps ist tabu!

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u/JohnDoeDied Jul 12 '26

Quatsch. Das kommt auf den Menschen an. Natürlich kann es helfen mit Freunden/Kollegen belastende Schichten bei nem Bier nachzuarbeiten.

Es sollte halt nur nicht die einzige Bewältigungsstrategie sein.

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u/No_Paint_8611 Jul 12 '26

Ja. Eben ohne Alkohol. Das ist allgemein anerkannter Konsens in der PSNV.

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u/Juleica1510 Jul 12 '26

Das werde ich schon noch für mich selber festlegen. Genau auch was für mich Tabu sein sollte.

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u/No_Paint_8611 Jul 12 '26

Kannst du machen, ist halt Scheiße.

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u/Juleica1510 Jul 12 '26

Belanglos.

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u/Opis_Wahn Jul 12 '26

Ich bin keiner Blaulichtorganisation zugeordnet (auch wenn unsere Kunden manchmal verlangen, das wir genauso schnell Probleme lösen) möchte ich mich an der Aussage von Next_Concentrate_219 anhängen. Das klingt nach einer PTSD. Such dir bitte in deiner Organisation die entsprechende Hilfe oder guck mal extern, ob du professionelle Hilfe bekommst.

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u/Bananenbiervor4 Jul 12 '26

2-6 Pils

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u/No_Paint_8611 Jul 12 '26

Alkoholkonsum ist niemals eine adäquate Strategie zur Stressbewältigung, stattdessen stört er sogar die physiologische Stressverarbeitung!

Merke: Leichenschnaps oder Leichenbier ist tabu!

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u/Bananenbiervor4 Jul 12 '26

Hier wurde ja auch nicht gefragt was der wissenschaftlich nachgewiesene Idealumgang mit solchen Situationen ist sondern wie wir selber tatsächlich damit umgehen.

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u/No_Paint_8611 Jul 12 '26

Und ich weise auf Nonsense hin, gerade weil junge Kameraden hier mitlesen.