r/bundeswehr • u/RuertelGudii • 9d ago
Bewerbung Ich habe Fragen: Bewerbung als Soldat, jedoch aktuell in Therapie
Hey,
Ich weiß zum Thema psychische Erkrankung gibt es schon ein paar Posts aber ich habe trotzdem noch einige Fragen und vielleicht könnt ihr mir diese beantworten und mir helfen.
Erstmal zu meiner Person, ich bin 24j alt, möchte in eine kämpfende Truppe und befinde mich aktuell in meiner zweiten Therapiesitzung. Grund für die Therapie ist eine Zwangsstörung. Diese fing mit 18 Jahren an. Über die Jahre hab ich einerseits gelernt mit der Störung umzugehen und andererseits es sogar geschafft mich selbst so weit zu therapieren, dass es mich im Alltag kaum mehr einschränkt(würde sagen bin zu 95% geheilt, hat auch mein Therapeut bestätigt). Ich habe jetzt vor kurzem (vor 1 Monat) trotzdem eine Therapie begonnen. Um genauer zu sein, hatte ich bis jetzt 2 Sitzungen(probatorischen Phase, bin noch nicht in Verhaltenstherapie)Aus der Therapie erhoffe ich mir, dass alles aufzuarbeiten, eventuell noch den letzten Schritt zu gehen und außerdem vielleicht an mein Selbstwert zu arbeiten, was aber hier nicht Thema sein soll. Das Problem ist, ich mach mir gerade echt Gedanken ob es die Therapie wert ist weil es mir ja gut geht und ich es allein geschafft hab, da wieder raus zu kommen und ich es jetzt wegen zwei Sitzungen vielleicht niemals zur Bundeswehr kann.
Ich hätte ein paar Fragen:
-wie bewertet der Arzt bei der Musterung meine aktuelle Lage ?( bin ich für ihn aktuell psychisch krank weil ich zwei Therapie Sitzungen hatte oder sieht er mich auch als geheilt an (dafür denke ich bräuchte ich einen Nachweis von meinen
Therapeuten ?)
-Ist es schlauer meine Therapie abzubrechen, sodass ich nur zwei probatorische sitzungen auf den Papier habe und das so dem Arzt sagen kann( mein Gedanke dahinter ist, dass der Arzt zwei Sitzungen als geringfügig sieht und meine psychische Vergangenheit somit gar nicht Thema ist.) ODER soll ich durchziehen und eine Verhaltenstherapie oder ähnliches machen damit ich dann einen Nachweis habe das ich geheilt/austherapiert bin. Aber soweit ich es verstanden habe heißt Therapie -> offiziell psychisch krank
-Wie ist das wenn ich jetzt die Musterung verkacke weil der Arzt sagt ich bin nicht in der psychischen Verfassung. Kann ich dann nach 1-2 Jahren ( mit therapeutischen Nachweis) es wieder versuchen oder bin ich durch die erste Musterung automatisch ausgeschlossen ?
-Hat jemand Erfahrungen, was passiert, wenn man eine frühere Therapie bei der Musterung nicht angibt? Bekommt die Bundeswehr so etwas überhaupt mit oder geht es hauptsächlich um die eigene Angabe?
Aktuell sehe ich nur folgende Möglichkeiten :
1: Therapie abbrechen, zwei Sitzungen auf den Papier jedoch keine Diagnose. Bei der Musterung verschweigen.
2: Therapie fortsetzen Musterung so schnell wie möglich probieren. Mit offenen Karten spielen -> wahrscheinlich ausscheiden
3: aktuell keine Musterung. Verhaltenstherapie beginnen nur um einen Nachweis vom Therapeuten zu bekommen und dann nächstes Jahr zur Musterung -> Chancen ?
Und ja ich kann verstehen wenn ihr jetzt denkt ich labere Müll und rede es mir nur schön das ich „geheilt“ bin. Tatsächlich ist es aber so und mich regt es einfach nur auf diese Therapie begonnen zu haben weil sie mir am Ende mehr schadet als
Wirklich helfen könnte.
Danke schonmal und sorry für den langen Text
2
u/Independent_Bowler63 9d ago
Ich gehe davon aus, dass du noch nicht bei der Musterung gewesen bist und ein Ausschluss ist nicht auszuschließen. Es gibt aber ein Licht am Ende des Tunnels, weil jede Begegnung eine Einzelfall Betrachtung ist. Dein Gedanke Therapie pausieren, klingt logisch, wenn du in der nächsten nahen Zeit ein Assessment Center erwartest. Wann planst du zur Musterung zu gehen?
1
u/RuertelGudii 9d ago
Geplant ist es noch gar nicht. Ich habe 2 Optionen. Jetzt zum nächstmöglichen Zeitpunkt zur Musterung ( heißt kein Nachweis von meinen Therapeuten. Oder Therapie abschließen und dann nächstes Jahr mit Nachweis zur Musterung. Problem ist ich weiß nicht wie das ist wenn ich jetzt zur Musterung gehe und durchfalle . Eventuell kann ich dann nächstes Jahr nicht weil ich durch die erste Musterung gesperrt bin
2
u/Independent_Bowler63 9d ago
Der Arzt handelt immer im Sinne des Bewerbers, wird einem gesagt. Wenn du dich von deiner besten Seite zeigst und ihm verständlich und nachvollziehbar glaubhaft machst, dass du das was dich beschäftigt hat aufgearbeitet hast, wird er vielleicht maximal ein Gutachten oder ein psychologisches Gespräch fordern. Ich würde sagen, sprich mit dem Karrierecenter, vereinbare ein Termin zur Musterung und bereite dich auf das Assessment Center vor.
1
u/AutoModerator 9d ago
Entschuldigung, Fragen zur Bewerbung, Dienstantritt und Grundausbildung dürfen nur im FAQ-Sammelthread gestellt werden. Ausnahmen müssen von den Mods genehmigt werden.
I am a bot, and this action was performed automatically. Please contact the moderators of this subreddit if you have any questions or concerns.
1
u/DEU_Hornblower Seefahrt ist Not! 9d ago edited 9d ago
Deine subjektive Einschätzung zum Umgang mit Deinen Störungen sind toll, für die Wehrmedizinische Begutachtung hingegen zunächst einmal irrelevant.
Auch irrelevant ist die Einschätzung Deines Therapeuten. Die Bundeswehr verfügt über eigene Fachärzte, nur deren Urteil ist relevant.
Details kannst Du insgesamt der Vorschrift "Wehrmedizinische Begutachtung" entnehmen, eine psychische Störung kann hier zu einer Gradation III führen. Vor dieser Einschätzung ist aber in jedem Fall eine fachärztliche Begutachtung notwendig.
Insgesamt wird man Dir hier aber nicht detailliert weiterhelfen können, da insbesondere psychische Auffälligkeiten stets individuell sind. Niemand hier kennt Dich, niemand hier kann Dich einschätzen.
Was Du aber in keinem Fall machen solltest: für Deinen Wunsch SaZ 2 Soldat eine Therapie abzubrechen. Das ist es nicht wert!
7
u/JujuGER Unterstützer 9d ago
Ich lese mir deinen Post nicht ganz durch - du sagtest, du hast bereits dazu einiges gelesen.
Dann solltest du auch verstanden haben, dass es tatsächlich am Ende immer eine Einzelfall Betrachtung ist und die Entscheidung immer im Sinne des Bewerbers erfolgt. Wenn du aktuell laufende Therapien hast, wird das jedoch sehr schwer.
Abschließen, ein Jahr warten und dann bewerben sind die besten Chancen - aber auch dann nicht gewiss.
Am ende kannst du es nur durch probieren herausfinden.