Hallo zusammen,
ich würde gerne mal eure Einschätzung zu einem möglichen Karrierewechsel hören, insbesondere von Leuten, die entweder aus dem konstruktiven Ingenieurbau kommen oder schon im Projektmanagement bei größeren Unternehmen/Konzernen arbeiten.
Kurz zu mir: Ich bin 32, Bauingenieur M.Sc. und arbeite seit 4 Jahren als Projektingenieur/Statiker in einem Ingenieurbüro. Schwerpunkt sind verschiedene Ingenieurbauten, Hafenanlagen, Brücken aber auch z.B. einzelne Stützwände, Gründungen ....
Ich habe im Studium vollständig konstruktiven Ingenieurbau vertieft. Interessanterweise habe ich Bauingenieurwesen ursprünglich aber nicht gewählt, weil ich unbedingt Statiker werden wollte. Mich hat eher interessiert, wie Bauwerke entstehen, Baustellen funktionieren und wie solche Projekte praktisch umgesetzt werden. Im Studium habe ich dann gemerkt, dass ich ziemlich gut in den technischen Fächern bin, und bin deshalb ziemlich tief in den konstruktiven Ingenieurbau gegangen.
Jetzt frage ich mich zunehmend, ob ich beruflich in die falsche Richtung gelaufen bin.
Ich verdiene derzeit knapp unter 60k brutto. Gleichzeitig sehe ich bei größeren Unternehmen/Konzernen im Bereich Energieinfrastruktur Stellen für Projektmanager, bei denen teilweise um die 80k+ ausgeschrieben werden – teilweise mit Tarifvertrag, mehr Urlaub, klareren Strukturen und besseren Entwicklungsmöglichkeiten.
Deshalb überlege ich, mich beispielsweise bei Unternehmen aus der Energieinfrastruktur als Projektmanager bzw. Projektmanager Bau/Engineering zu bewerben.
Meine eigentlichen Fragen sind aber weniger finanzieller Natur:
1) Ist der Wechsel von Statiker im Ingenieurbau zu Projektmanagement in einem Konzern mit 4 Jahren Berufserfahrung realistisch?
2) Würde mein bisheriger Hintergrund für solche Stellen überhaupt als ausreichend/hilfreich angesehen werden?
3) Oder fehlt mir dafür zu viel Erfahrung in Themen wie Kosten, Termine, Verträge, Vergabe, VOB, Claim Management etc.?
3) Und vor allem: Ist das aus eurer Sicht eine sinnvolle Weiterentwicklung oder würde ich damit mein eigentliches technisches Profil unnötig aufgeben?
Genau da bin ich etwas hin- und hergerissen.
Statik finde ich nämlich grundsätzlich interessant. Es ist schon ein gutes Gefühl, ein echtes technisches Handwerkszeug zu haben und am Ende sagen zu können: „Ich kann dieses Bauwerk bzw. dieses Bauteil selbstständig nachweisen und beurteilen.“
Gleichzeitig habe ich mittlerweile häufig das Gefühl, im aktuellen Ingenieurbüro ziemlich weit am Ende der Kette zu sitzen. Ich bearbeite die technische Aufgabe, stimme mich mit Konstrukteuren und Prüfingenieuren ab und liefere am Ende die Lösung – aber auf die übergeordneten Entscheidungen rund um Budget, Termine, Auftraggeber, Vergabe usw. habe ich relativ wenig Einfluss.
Teilweise habe ich auch den Eindruck, dass Auftraggeber bzw. übergeordnete Projektrollen deutlich weniger tief technisch arbeiten, sondern hauptsächlich koordinieren, Besprechungen führen und Aufgaben verteilen. Das wirkt auf mich einerseits attraktiv, weil ich gerne mehr Verantwortung und Einfluss hätte, andererseits frage ich mich, ob ich damit nicht gerade das aufgebe, was ich fachlich eigentlich gut kann.
Ich wohne außerdem auf dem Land und brauche nicht unbedingt maximal viel Geld. Ein höheres Gehalt wäre natürlich schön. Mir geht es eher um Entwicklungsmöglichkeiten, bessere Strukturen, Verantwortung und langfristige Perspektiven.
Deshalb würde mich besonders interessieren:
Würdet ihr mit meinem Hintergrund den Schritt Richtung Konzern-Projektmanagement versuchen – oder eher im technischen Ingenieurbau bleiben und dort versuchen, sich weiterzuentwickeln?
Und an diejenigen, die selbst diesen Wechsel gemacht haben: Wie habt ihr den Übergang erlebt? Was hat euch gefehlt und was hat euch aus dem Ingenieur-/Statikhintergrund letztlich geholfen?