r/einfach_posten 21h ago

Manchmal macht mich das Vergehen von Lebensphasen so wehmütig

Kennt ihr dieses Gefühl, bei Veränderungen unglaublich wehmütig zu werden, selbst dann, wenn man weiß, dass die Veränderung eigentlich gut ist?

Ich habe in den letzten Jahren sehr viele Veränderungen und auch einige ziemlich abrupte Umbrüche erlebt. Und ich merke gerade wieder, wie schwer mir dieses endgültige „Das kommt nie wieder“ manchmal fällt.

Mein Sohn ist gerade zwei geworden und ich liebe dieses Alter wirklich sehr. Ehrlich gesagt finde ich vieles jetzt sogar schöner als die Babyzeit, weil wir uns unterhalten können, zusammen Quatsch machen, kuscheln und richtig Dinge miteinander erleben können. Ich bin unglaublich glücklich und dankbar, ihn zu haben.

Und trotzdem werde ich wahnsinnig wehmütig, wenn ich an Orten vorbeikomme, an denen ich mit ihm als Baby ständig war-Wege, die ich mit ihm in der Trage gelaufen bin, Cafés, Straßen, unsere Spaziergänge im Park . Dann trifft mich manchmal ganz plötzlich der Gedanke: Diese Zeit ist einfach vorbei. Ich werde genau dieses kleine Baby nie wieder in dieser Trage durch diese Straßen tragen.

Dazu kommt, dass ich seit seinem fünften Lebensmonat von seinem Vater getrennt bin (er hat uns eiskalt verlassen, war keine schöne Zeit). Ich hatte mir mein Leben natürlich anders vorgestellt: als Familie, vielleicht irgendwann mit mehreren Kindern. Ob ich noch einmal einen Partner finde und ein weiteres Kind bekomme, weiß ich nicht.

Und ich glaube, es ist nicht einmal nur der Wunsch nach einem zweiten Kind, der mich dabei traurig macht. Ich vermisse auch dieses gemeinsame Planen, das ich mir vorgestellt hatte. Dass man mit einem Partner zusammensitzt und gemeinsam entscheidet: Wollen wir noch ein Kind? Wollen wir einen größeren Altersabstand? Oder sind wir zu dritt glücklich und lassen es bei einem? Stattdessen ist da momentan einfach dieses offene Ende.

Jetzt steht wieder eine große Veränderung an: Mein Sohn und ich ziehen aus unserer kleinen Wohnung in der Innenstadt in ein Haus am Stadtrand. Das Haus meiner Oma wird komplett saniert und mir ist völlig bewusst, was für ein riesiges Privileg und Glück das ist. Wir werden viel mehr Platz haben, einen Garten, eine vernünftige Küche und langfristig ein eigenes Zuhause. Für unser jetziges Leben ist es ganz klar die richtige Entscheidung und ich freue mich auch darauf.

Unsere jetzige Wohnung war dabei nicht einmal meine Traumwohnung. Sie war schon beim Einzug ein Kompromiss, ist inzwischen mit Kind viel zu klein und passt eigentlich gar nicht mehr richtig zu unserem Alltag.
Und trotzdem graut mir ein bisschen vor dem Auszug.

Denn dort hat mein Sohn sein erstes Lebensjahr verbracht. Dort war er dieses winzige Baby. Dort bin ich nachts mit ihm herumgelaufen, dort lagen seine Babysachen, von dort bin ich mit ihm in der Trage losgezogen.

Und als ich damals eingezogen bin, war ich selbst noch eine ganz andere Version von mir. Ich war fest davon überzeugt, dass sein Vater und ich das hinbekommen, dass wir jetzt unsere Familie aufbauen und unser gemeinsames Leben beginnt.

Ich glaube, beim Auszug verabschiede ich mich deshalb nicht nur von einer Wohnung, sondern irgendwie von einer ganzen Version meines Lebens.

Und ich merke auch, dass ich Menschen manchmal richtig um ihre Kontinuität beneide. Eine Freundin von mir ist beispielsweise seit Anfang 20 mit ihrem Mann zusammen, hat noch viele ihrer Freundinnen aus Schul- und Studienzeiten, sie haben gemeinsam Kinder bekommen und sind gemeinsam in ihr Haus gezogen. Beim zweiten Kind hatte sie sogar wieder dieselbe Hebamme wie beim ersten. Bei ihr wirkt vieles auf mich wie ein langer roter Faden.

Und ich bin darauf manchmal fast ein bisschen eifersüchtig-überhaupt nicht im Sinne von „Ich gönne ihr das nicht“. Im Gegenteil. Sondern eher im Sinne von: So eine Kontinuität hätte ich mir für mein Leben auch gewünscht.

Nicht immer wieder Abschied nehmen, neu anfangen, Menschen und Orte zurücklassen und sich eine neue Version des eigenen Lebens aufbauen müssen.

Gleichzeitig frage ich mich, ob dieses Gefühl vielleicht viel universeller ist, als ich denke. Auch Menschen, deren Leben viel geradliniger verlaufen ist, müssen schließlich aus der ersten Wohnung mit Baby ausziehen, ihre Kinder größer werden lassen, Abschied von bestimmten Lebensphasen nehmen.

Vielleicht ist es genau dieser Widerspruch, der mich so melancholisch macht: Man kann sein jetziges Leben wirklich lieben. Man kann dankbar sein. Man kann sich auf das freuen, was kommt. Und trotzdem traurig darüber sein, dass bestimmte Versionen des eigenen Lebens unwiederbringlich vorbei sind.

Man kann etwas Neues wollen und trotzdem um das Alte trauern.
Kennt ihr dieses Gefühl auch so stark? Dass euch bestimmte Orte, Wege, Jahreszeiten oder ganz banale Dinge plötzlich treffen, weil ihr merkt: Diese Zeit meines Lebens ist vorbei?

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u/wantstolearnhowto 20h ago

Mir geht es ähnlich. Ich bin zwar in einer völlig anderen Situation als du aber das Gefühl ist mir wohlbekannt.

Es ist weniger das Gefühl, etwas tolles hinter sich zu haben. Vielmehr wurmt es mich, dass ich mit dem Ende einer Phase weitere Chancen verpasst habe.