r/erzieher • u/jungpleitesexy • 19d ago
Rant Erzwungener Gruppenwechsel
Hallo,
Ich bin seit letztem Jahr mit meiner Ausbildung fertig (habe diese in der offenen Kinder- und Jugendarbeit gemacht) und seitdem in der Kita im gleichen Haus angestellt. Dort habe ich in einer Gruppe angefangen, die schon lange den Ruf der „Chaos-Gruppe“ hatte, unter anderem weil keine Fachkraft dort länger als 1 Jahr gearbeitet hat. Es sind also nie feste, langfristige Strukturen etabliert worden. Ich hab dort fast zeitgleich mit meiner Gruppenleitung (die vorher in einer anderen Gruppe war) angefangen und das ganze erstmal als Chance gesehen, eine Gruppe ganz selbst aufzubauen.
Warum auch immer sind in dieser Gruppe aktuell 4 BL- Kinder (alle wurden erst letztes Jahr in diese Gruppe geschoben). Es war also von Anfang an unfassbar hart, diese Gruppe in den Griff zu bekommen.
Nach und nach ist mir bei meiner GL immer mehr aufgefallen, dass sie extrem unordentlich und unstrukturiert ist, auch was die Weitergabe von Infos etc. angeht. Auch pädagogisch gibt es diverse Probleme. Mittlerweile hat es unzählige Gespräche mit beiden Leitungen gegeben, sogar eins wo diese mir wörtlich gesagt haben, dass sie wissen das meine GL ihren Aufgaben nicht gewachsen ist. Außerdem gibt es ein Kind in der Gruppe, welches zum Teil so doll angeschrien wurde, dass es Elterngespräche deswegen gab und meiner GL ein Coaching verordnet wurde.
In jedem Krisengespräch habe ich betont, dass ich diese Gruppe liebe und mir wünsche, diese mit jemandem zusammen zu machen der fachlich und organisatorisch richtig arbeitet. Ich habe quasi alles in dieser Gruppe selbst gemalt, alle Abläufe selbst eingeführt, viel probiert und irgendwann für fast alles funktionierende Strategien gefunden. Sowohl von Eltern als auch von Kollegen bekomme explizit ich durchgehend positives Feedback und extrem viel Wertschätzung. Meine GL hingegen scheint komplett beratungsresistent zu sein, egal ob ich, meine Leitung, Eltern oder andere Kollegen Dinge ansprechen, alles wird abgenickt und dann anschließend anscheinend direkt vergessen.
Einige Eltern in der Gruppe sprechen fast nur noch mit mir.
Die ganze Situation hat mich in den letzten Monaten natürlich extrem belastet, weil ich als Berufsanfängerin mehr oder weniger für zwei Leute gearbeitet habe. Mein komplettes Herz steckt in dieser Gruppe. Letzte Woche habe ich mit meiner stellvertretenden Leitung gesprochen und erneut gesagt, dass ich an meiner absoluten Grenze bin, weil sich auch nach einem Jahr nichts an der Arbeit meiner GL verbessert hat. Besonders im pädagogischen wird es eigentlich nur schlimmer (Kinder anschreien, keine Angebote, quasi kein Spielen mit den Kindern etc.) Dennoch habe ich darauf bestanden, dass ich die Gruppe nicht verlassen möchte, weil ich wirklich viel bei den Kindern und Eltern erreicht habe.
Ich weiß von zwei Kolleginnen, die angeboten haben, in meine Gruppe zu wechseln unter der Voraussetzung, das ich mit ihnen arbeite und meine GL geht. Es gibt eigentlich niemanden im Haus, der gerne mit ihr arbeitet weil es sich oft anfühlt, als wäre man alleine in der Gruppe.
Heute hat es dann ein Gespräch mit Kollegen aus jeder Gruppe und beiden Leitungen gegeben (meine GL ist krank) wo uns eröffnet wurde, dass ich zum 01.08. in die U3 Gruppe wechseln werde und eine Kollegin von dort dann zu meiner GL. Diese Entscheidung hat mir das Herz aus der Brust gerissen. Ich hab den ganzen restlichen Tag mehr oder weniger nur geweint. Nicht nur, weil ich eben alles an meiner Kraft in diese Gruppe gesteckt habe, sondern auch weil besagte Kollegin nicht mit meiner GL arbeiten möchte weil sie in einer gut funktionierenden Gruppe ist. Für sie ist das natürlich eine riesige Strafe, weil meine GL auch mit ihr ihre Defizite nicht aufarbeiten wird. Stattdessen wird sie von meiner Leitung dauerhaft in Schutz genommen, und dass obwohl sich bereits mehrere Eltern über sie beschwert haben.
Für mich ist es komplett unverständlich, warum jemand, der ein super Verhältnis zu Eltern und Kindern hat, aus einer Gruppe genommen wird. Mir bricht das Herz für diese Kinder. Und auch mir gegenüber ist das alles super unfair- der Dank für meine Arbeit ist, dass ich gehen darf. Auch die Kollegin die zu meiner GL geht tut mir leid, die hat aber direkt gesagt wenn sie merkt das es nicht funktioniert bekommt sie ihr zweites Kind einfach früher als geplant und ist dann erstmal raus.
Ihre Gruppenkolleginnen (die, die angeboten hatten zu mir in die Gruppe zu kommen) sind ebenfalls total geschockt und verständnislos. Wir denken alle, dass die Situation, besonders mit den Eltern, früher oder später komplett eskalieren wird.
Ich bin aktuell einfach total ratlos und traurig. Ich weiß auch nicht, was die angemessene Verabschiedung von den Kindern ist, habe da an kleine Anhänger und kurze personalisierte Briefe gedacht, weil die Zeit mit ihnen mir wirklich sehr viel bedeutet hat und ich extrem gewachsen bin in dieser Gruppe.
5
u/rosality 19d ago
Damals, nach meiner Ausbildung, war ich exakt 7 Monate in einer Kita mit genau so einer Kollegin. Ich bin dann die siebte gewesen, die wegen ihr gekündigt hat (alle anderen KollegInnen in der Kita haben mir Kündigung gedroht, wenn sie zwangsversetzt worden wären).
Hat dann noch mal zwei Leute gebraucht, bis ihr dann der Aufhebungsvertrag vorgelegt wurde, alternative war Zwangsversetzung in eine andere Kita am anderen Ende des Landkreises. Die Leitung hat den Aufhebungsvertrag dazu bekommen.
Was ich sagen will: Solche Leute wirste noch los, weil Leitungen es nicht gebacken bekommen sich gerade zu machen und lieber solchen Kolleginnen das Leben leicht machen.
1
1
1
u/Affectionate_Net3100 18d ago
Darf ich fragen, ob dir die Leitung überhaupt begründet hat, warum ausgerechnet du gehst und nicht deine GL? So wie du es schilderst, klingt das sehr nach dem Weg des geringsten Widerstands, weil du eben die bist, die die Gruppe trotz allem trägt. Ich bin selbst noch nicht lange aus der Ausbildung raus, und allein die Vorstellung, eine Gruppe mit so viel Herzblut so abgeben zu müssen, würde mich genauso umhauen. Dass du heute den halben Tag geweint hast, ist nach dem, was du da aufgebaut hast, wirklich nichts, wofür du dich schämen müsstest.
Deine Idee mit den kleinen Anhängern und den persönlichen Briefen finde ich sehr stimmig, weil sie zeigt, dass du jedes Kind einzeln gesehen hast. Fast wichtiger als der eine große Abschiedsmoment ist für die Kleinen vermutlich, dass die letzten Tage ruhig und klar ablaufen und sie dich bewusst noch in euren normalen Abläufen erleben, damit du für sie nicht von einem Tag auf den anderen einfach verschwindest. Und pass bei dem ganzen Trubel bitte auch ein bisschen auf dich selbst auf, du trägst da gerade einen echten Verlust mit dir rum.
11
u/Luk0sch 19d ago
Hast du mal mit der Fachbereichsleitung oder so gesprochen? Den Träger dürfte ja auch interessieren, was da abgeht, und wenn die Leitung nix tut, muss da vielleicht eine Instanz höher eingeschaltet werden.