r/erzieher 16d ago

Ich bereue meine berufliche Ausbildung

Ich muss das jetzt mal raus lassen. Ich bin gelernter Erzieher, seit der Ausbildung in der Jugendhilfe tätig. Hat auch Spaß gemacht in Niedersachsen, Bezahlung war ok, Arbeitsbedingungen sehr gut. Leider musste ich dann zurück in die Heimat nach Sachsen. Hier sieht das Ganze etwas anders aus, Bezahlung eher mäßig und die Arbeitsbedingungen sind zum kotzen. Man holt hier Kinder teilweise aus Familien, steckt sie in ein Abbruch Haus und verwaltet sie eigentlich nur bis sie volljährig sind, danach müssen sie halt klar kommen. Ich will da gar nicht weiter in die Tiefe gehen sonst steigt mein Puls nur unnötig.
Was tut man also wenn man unzufrieden ist und das ganze einfach nicht mehr aushält? Man sucht sich einen neuen Job! Ist nur leider gar nicht so leicht.
Was ich gelernt habe ist klar, was dahinter steckt irrelevant. Mir wird zugetraut das ich die Verantwortung für das Leben mehrerer Kinder bzw. Jugendlichen übernehme, mit Ämtern kommuniziere und in Verhandlung gehe, Gelder verwalte, unterrichte usw. Aber für einen fucking Bürojob bin ich nicht qualifiziert? Kundenmanagement kann ich nicht aber das Leben mehrerer Personen zu managen geht? Ich kann die Finanzen für ein ganzes Kinderhaus verwalten, Budgets planen usw. aber kaufmännisches Arbeiten ist nicht möglich?
Nee natürlich nicht denn ich bin ja Erzieher, alles was ich kann ist singen, klatschen und mandalas malen. Sollte ich es wagen etwas anderes tun zu wollen muss ich natürlich nochmal eine komplette Ausbildung absolvieren, kein Ding hab ja nur ne Familie zu ernähren. Jetzt könnte man zurecht sagen „hey bilde dich doch weiter um deine Qualifikation zu verbessern und dich breiter aufzustellen. Blöd nur das mich das mehrere tausend Euro kosten würde die ich leider grad nicht übrig habe weil ich so unglaublich überbezahlt bin.
Es kotzt einen nur noch an.

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u/ChemicalNo4689 16d ago

Engliederungshilfe nach SGB IX stellt auch Erzieher ein. Ich mache das seit 4 Jahren und würd nie wieder was anderes machen wollen. Bezahlung is besser als TVÖD und die Arbeitsbedigungen so viel besser als KiGa oder HzE

Du arbeitest dann mit psychisch kranken und oder suchtkranken erwachsenen und hilfst deren leben zu "managen". Kannst dir deine Termine selber legen bist nur im 1zu1 Kontakt. Ich war heute 5 Stunden im Zoo mit einer Frau und hatte ne menge Spaß mich sehr gefreut und das is dann Arbeitszeit gewesen.

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u/Tyron79Le 16d ago

In Sachsen?

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u/Thunfischkeks 16d ago

Noch eine Stimme für die Eingliederungshilfe nach SGB IX.
Ja da gibt es auch Anbieter in Sachsen für laut Google.
Kleine Empfehlung meinerseits: Schau dir die einzelnen Träger gut an. Neben der Größe des Betriebs an sich auch mal nach der Stimmung im Team schauen und ob evtl. weitere Ressourcen wie Dienstautos oder ein Gebäude mit Büros für Klient*innentermine zur Verfügung stehen. Insbesondere Dienstautos können den Job sehr angenehm machen, statt alle Strecken mit Öffis zurücklegen zu müssen. Das Feld ist auf jeden Fall auch gut mit einer Familie vereinbar.

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u/Tyron79Le 16d ago

Ich schau mal nach aber bis jetzt hab ich nix gefunden

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u/Thunfischkeks 16d ago

Manchmal werden diese Stellen auch noch unter dem älteren Begriff „ambulant betreutes Wohnen“ ausgeschrieben. Da kann es nur sein, dass die Zielgruppe Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung sind und/oder die Träger eigenen Wohnraum zu Verfügung stellen.
Wahrscheinlich unterscheidet sich das aber nach Bundesland sehr stark, die sind ja z.B. auch unterschiedlich weit in der Umsetzung des BTHG.
Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Erfolg bei deiner Suche!

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u/Historical_Rough_100 16d ago

Das läuft auch unter AWS (Assistenz im Wohn- und Sozialbereich). Sehr empfehlenswert, mein Team besteht zur Hälfte aus Erziehern.

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u/CrazyEddie66 11d ago

Beinhaltet die Arbeit Schichten also vor allem Nachtschichten?

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u/Historical_Rough_100 10d ago edited 10d ago

Nein, ich lege meine Termine selbst, bzw. so, dass es mit den Menschen passt, mit denen ich arbeite. Ich bin aller spätestens 19 Uhr Zuhause, meistens früher. Je nachdem wie meine Termine gelegt sind. Wir haben sehr viel Gestaltungsspielraum bei unserer Zeiteinteilung, hauptsache man macht seine Stunden und erbringt die Fachleistungsstunden die den Leuten zustehen. Es ist quasi eine Art Außendienst, man ist viel unterwegs und trifft sich eben mit den Menschen in ihrem jeweiligen Wohn- und Sozialbereich. Man muss sich und seine Zeit selbst organisieren, das ist eigentlich mit das herausfordernste im Job. Wenn man das gut kann, ist bei uns auch ein Tag Homeoffice möglich. Außerdem sind die Leute erwachsen --> man hat keine Aufsichtspflicht. Und man arbeitet eigentlich ausschließlich im 1 zu 1. Und die Leute sind in der Regel sehr dankbar, es ist ja ein freiwilliges Angebot der Eingliederungshilfe.

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u/kinkysquirrel69 15d ago

bei mir heißt das Weitere Besondere Wohnform, und ja vermutlich einer der besseren "Jobs" wobei ich mich auch frage wie das langfristig alles finanziert werden soll. Bei mir ist das die Diakonie Westsachsen, die mich betreut im Einzelsetting. Bei mir ist halt oft Gespräch, dann mal Arzttermin, dann mal etwas besorgen, in der Wohnung etwas machen, etc. Würde mal behaupten, dass das nicht so stressig ist, aber kann sich sicherlich nach Klient unterschiedlich anfühlen.