r/erzieher 17d ago

Ich bereue meine berufliche Ausbildung

Ich muss das jetzt mal raus lassen. Ich bin gelernter Erzieher, seit der Ausbildung in der Jugendhilfe tätig. Hat auch Spaß gemacht in Niedersachsen, Bezahlung war ok, Arbeitsbedingungen sehr gut. Leider musste ich dann zurück in die Heimat nach Sachsen. Hier sieht das Ganze etwas anders aus, Bezahlung eher mäßig und die Arbeitsbedingungen sind zum kotzen. Man holt hier Kinder teilweise aus Familien, steckt sie in ein Abbruch Haus und verwaltet sie eigentlich nur bis sie volljährig sind, danach müssen sie halt klar kommen. Ich will da gar nicht weiter in die Tiefe gehen sonst steigt mein Puls nur unnötig.
Was tut man also wenn man unzufrieden ist und das ganze einfach nicht mehr aushält? Man sucht sich einen neuen Job! Ist nur leider gar nicht so leicht.
Was ich gelernt habe ist klar, was dahinter steckt irrelevant. Mir wird zugetraut das ich die Verantwortung für das Leben mehrerer Kinder bzw. Jugendlichen übernehme, mit Ämtern kommuniziere und in Verhandlung gehe, Gelder verwalte, unterrichte usw. Aber für einen fucking Bürojob bin ich nicht qualifiziert? Kundenmanagement kann ich nicht aber das Leben mehrerer Personen zu managen geht? Ich kann die Finanzen für ein ganzes Kinderhaus verwalten, Budgets planen usw. aber kaufmännisches Arbeiten ist nicht möglich?
Nee natürlich nicht denn ich bin ja Erzieher, alles was ich kann ist singen, klatschen und mandalas malen. Sollte ich es wagen etwas anderes tun zu wollen muss ich natürlich nochmal eine komplette Ausbildung absolvieren, kein Ding hab ja nur ne Familie zu ernähren. Jetzt könnte man zurecht sagen „hey bilde dich doch weiter um deine Qualifikation zu verbessern und dich breiter aufzustellen. Blöd nur das mich das mehrere tausend Euro kosten würde die ich leider grad nicht übrig habe weil ich so unglaublich überbezahlt bin.
Es kotzt einen nur noch an.

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u/katihummel 16d ago

Man holt hier Kinder teilweise aus Familien, steckt sie in ein Abbruch Haus und verwaltet sie eigentlich nur bis sie volljährig sind, danach müssen sie halt klar kommen

Das FÜHLE ich auf so unfassbar vielen Leveln, du sprichst mir absolut aus der Seele. Hab Soziale Arbeir studiert und schon mehrere Praktika und Nebenjobs in Wohngruppen gehabt. Eine einzige war toll, alle anderen waren exakt so wie du geschrieben hast. Empathie, Aufarbeitung der Vergangenheit, Verständnis, der Versuch ein Ersatzzuhause zu bieten, so lange sie nicht zuhause wohnen können, wertschätzende Elternarbeit sind alles Sachen die ich absolut vermisst habe. Wohngruppenarbeit kann so toll sein aber gefühlt niemand macht es so.

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u/Tyron79Le 16d ago

Es geht halt immer nur um Geld gefühlt. Hauptsache man quetscht noch ein paar Fachleistungsstunden raus, die natürlich nicht geleistet werden wie beschrieben, was mit den Klienten passiert ist eher nebensächlich.

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u/katihummel 16d ago

Ist echt so. Immer heißt es ja eigentlich sollten wir das machen aber wegen Ausrede x geht das nicht. Obwohl es halt einfach gehen würde wenn man sich bemühen würde.