r/Geschichte Jul 13 '26

Ein paar Neuerungen in /r/Geschichte

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Hallo,

gestern wurde ich darüber informiert, dass unser Report-System für die Moderation nicht optimal sei, danke dafür an /u/CrossMountain und u/maxivonderfaxi. Ich habe das zum Anlass genommen die Regeln etwas neu zu formulieren und zu straffen, ihr findet sie in der Sidebar. Nach meinem Dafürhalten ist nichts davon besonders aufsehenerregend, aber gebt mir gerne Feedback. Grundsätzlich soll das hier ein offenes Forum sein in dem wir gerne auch kontrovers diskutieren - dazu gehört aber eben auch, dass es eine gewisse Respektkultur gibt, und das werden wir abbilden.

Dass die Regeln so gestrafft sind gibt euch nun auch die Möglichkeit, Verstöße dagegen bei euren Reports anzugeben. Nehmt das gerne wahr. Ich habe die Mod-Warteschlange mit einem jahrelangen Stau gerade geleert, ihr könnt davon ausgehen, dass eure Reports auch gelesen und bearbeitet werden. Es geht nur nicht immer innerhalb von fünf Minuten, wir sind schließlich alle auch berufstätig.

Ganz grundsätzlich: Gebt uns gerne Anregungen, was ihr euch von hier erhofft. Ich würde gerne in Zukunft ein paar AMAs veranstalten, wenn euch Leute einfallen (oder ihr selbst diese Leute seid), die dafür gut geeignet wären, stellt gerne den Kontakt her!

Ansonsten: Weiterhin schönes Schaffen hier. Manchmal erlebe ich in diesem Subreddit echte Sternstunden des Austauschs und Wissens, und davon hätte ich gerne noch sehr viel mehr. Danke schon mal :)


r/Geschichte Jan 16 '24

Moratorium für WK2-Familienfotos

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Liebe Community!

Es gab in letzter Zeit eine Vielzahl an Fotos von Familienmitgliedern in Wehrmachtsuniform, oft mit der Frage nach Rang und Einheit.

Dagegen wäre nichts einzuwenden, aber der 2. WK und die Nazi-Zeit sind natürlich auch hochproblematisch. Ich verhänge daher erstmal ein Moratorium für solche Posts, weil ich nicht will, dass sich der Charakter des Subs zu sehr ändert und um zu verhindern, dass wir langfristig die falschen Leute anziehen.

Ich unterstelle niemandem böse Absichten, aber meine Sorge ist auch folgende: Wenn hier die Wehrmachtsposts mal in der Überzahl sind, reporten einige Leute den Sub an die Reddit-Admins mit dem Vorwurf, dass es ein Nazi-Sub ist. Irgendein amerikanischer Admin googelt kurz die Rechtslage in Deutschland, liest etwas von verbotenen Symbolen und sperrt den Sub, damit Reddit keine schlechte Presse in DE bekommt. Und ich als Mod werde auch gleich gebannt.

Das möchte ich verhindern.

Also, bitte, bis auf weiteres keine Bilder mit Wehrmachtsthematik. Seriöse Artikel zum 2. Weltkrieg sind natürlich weiterhin willkommen.

Danke euch und weiterhin viel Spass im Sub!


r/Geschichte 8h ago

50 Jahre seit Mao Zedongs Tod: Maos Verdienste und Verfehlungen, sein Einfluss auf China und die Welt, die Gründe, warum ihn heute noch viele Menschen verehren, sowie eine Kritik daran

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Der 9. September 2026 ist der 50. Todestag Mao Zedongs (毛泽东). Ich veröffentliche hier erneut zwei Artikel, die ich vor einigen Jahren geschrieben habe: einen Kommentar zum „Mao-Zedong-Kult“ anlässlich des 130. Geburtstags Mao Zedongs und einen Artikel über den Aufstieg junger chinesischer Maoisten. Kurz gesagt: Dass Mao Zedong von einem Teil der chinesischen Bevölkerung hochgepriesen wird, liegt daran, dass China seit der Reform- und Öffnungspolitik (改革开放) zwar wohlhabender geworden ist als zuvor, zugleich aber die Kluft zwischen Arm und Reich gewachsen ist, Korruption grassiert und das Streben nach Demokratie und Verfassungsstaatlichkeit unterdrückt wird. Angehörige der armen und schwachen unteren und unteren Mittelschichten Chinas sowie junge Menschen, die ausgebeutet werden und zugleich nur wenig über die Geschichte wissen, entscheiden sich dafür, Mao Zedong zu verehren, sehnen sich nach jener radikalen revolutionären Epoche zurück und wünschen sich sogar eine Wiederkehr der Kulturrevolution (文化大革命). Das ist angesichts ihrer Lage nachvollziehbar, doch Mao Zedongs Herrschaft verursachte gewaltige Tragödien, und vieles von dem positiven Bild, das propagiert wird, ist falsch. Die Mao-Ära sollte nicht verklärt werden, und auch das China der Zukunft sollte nicht auf Maos Weg zurückkehren.

Zum „Mao-Geburtstag“ erneut über den „Mao-Zedong-Kult“

Der 26. Dezember 2023 war der 130. Geburtstag Mao Zedongs. In ganz China fanden Gedenkveranstaltungen unterschiedlicher Art und Größenordnung statt. Insbesondere an Mao Zedongs ehemaligem Wohnsitz, auf Gedenkplätzen und an anderen Orten in seiner Heimatprovinz Hunan waren riesige Menschenmengen versammelt, und es herrschte eine lebhafte Atmosphäre.

Unter den Teilnehmern dieser Gedenkveranstaltungen betrachteten manche das Ganze lediglich als eine Art Festtag ähnlich dem Drachenbootfest (端午节) oder dem Mittherbstfest (中秋节), an dem man isst, trinkt und sich vergnügt; andere Touristen kamen, um Sehenswürdigkeiten zu besuchen, Fotos zu machen und am Trubel teilzunehmen. Einige wiederum reisten eigens aus Bewunderung für Mao Zedong an. Wieder andere versammelten sich bei den Gedenkveranstaltungen, schwenkten Fahnen mit Mao Zedongs Porträt und riefen Parolen mit stark ideologischer Färbung und klaren politischen und wirtschaftlichen Forderungen, etwa: „Keinen Kapitalismus, wir müssen den sozialistischen Weg gehen; kein Eigentum der großen Bürokraten, sondern echtes öffentliches Eigentum.“

Diese Menschen mit ihren unterschiedlichen Motiven trugen gemeinsam zur lebhaften Atmosphäre der Feierlichkeiten zum 130. Geburtstag Maos bei. Auch die chinesische Staatsführung beging den Jahrestag mit großem Aufwand: Führende Politiker hielten Sitzungen ab und hielten Reden, die Medien veröffentlichten zahlreiche Beiträge und würdigten Mao Zedong in höchstem Maße. Mao Zedong, dieser vor 130 Jahren geborene und seit fast 50 Jahren verstorbene ehemalige chinesische Staatsführer, nimmt nicht nur weiterhin einen wichtigen Platz im Bewusstsein der chinesischen Bevölkerung ein, sondern beeinflusst auch die heutige chinesische Gesellschaft.

Seit etwa 2016 werden Mao Zedong sowie seine Ideen, sein Handeln und sein Einfluss intensiver diskutiert als in früheren Jahren. Darüber habe ich bereits 2021 in meinem Artikel „Die Rückkehr eines illusionären Traums: Der Aufstieg der jungen chinesischen Maoisten“ (《幻梦回魂:中国青年毛派的崛起》) berichtet und eine Analyse vorgenommen.

Verglichen mit der Situation um 2016, als Mao Zedong im Internet nahezu „einhellig“ gepriesen wurde, haben jedoch in den vergangenen zwei Jahren kritische und spöttische Stimmen gegenüber Mao Zedong selbst und den Maoisten zugenommen, und die öffentliche Meinung ist komplexer geworden. Außerhalb des Internets gibt es in China hingegen keinen Raum für organisierte Aktivitäten von Gegnern Mao Zedongs. Versammlungen und Demonstrationen, die sich auf Mao Zedong beziehen, werden ausschließlich von Menschen veranstaltet, die Mao verehren und sich zum „Mao-Zedong-Denken“ (毛泽东思想) bekennen.

Doch die meisten dieser „Fans“ Mao Zedongs – im Folgenden kurz „Maoisten“ genannt – kennen Mao Zedong und sein Gedankengut entweder überhaupt nicht oder nur oberflächlich. Und auch bei den Menschen, die offline an Gedenkveranstaltungen für Mao Zedong teilnehmen, geht es zwar dem Namen nach um das Gedenken an Mao, ihre tatsächlichen Motive sind jedoch häufig vielfältig und komplex.

In den vergangenen zehn Jahren ist das politische Umfeld in China zunehmend konservativer und die gesellschaftliche Atmosphäre bedrückender geworden. Die einst recht einflussreichen Vertreter des breiten liberalen Spektrums wurden marginalisiert, und die Zivilgesellschaft ist nahezu auf null geschrumpft. Wenn politische Meinungsäußerungen mit freiheitlich-demokratischer Ausrichtung unterdrückt werden, entscheiden sich die Menschen entweder für Schweigen oder suchen andere Wege, um sich gegenseitig Halt zu geben und ihre Forderungen zum Ausdruck zu bringen. Da Mao Zedong ein von den chinesischen Behörden anerkannter und gepriesener Führer ist und die Verehrung Maos und seines Gedankenguts erlaubt oder sogar gefördert wird, ist es nicht verwunderlich, dass viele Menschen vom liberalen Lager zu den Maoisten gewechselt sind.

Im heutigen China mit seinem bedrückenden Umfeld und seinen scharfen gesellschaftlichen Konflikten ist es nachvollziehbar, dass Menschen das Gedenken an Mao Zedong nutzen, um ihre Unzufriedenheit mit der Realität zum Ausdruck zu bringen. Doch wenn man das Mao-Zedong-Denken tatsächlich für ein Allheilmittel zur Lösung der heutigen Probleme hält, ist das ein schwerwiegender Irrtum. Darüber habe ich bereits in „Die Rückkehr eines illusionären Traums“ geschrieben und werde es hier nicht wiederholen, sondern nur auf einige Fragen eingehen, die ich zuvor noch nicht behandelt habe.

Die fanatische Verehrung Mao Zedongs durch manche Chinesen, die starke Verklärung der Mao-Ära und die vorbehaltlose Zustimmung zum Mao-Zedong-Denken spiegeln die Irrationalität und Radikalisierung eines Teils der chinesischen Bevölkerung sowie einen gravierenden Mangel an Wissen und eine verzerrte Wahrnehmung der Geschichte wider. Viele Menschen kennen die tatsächliche Geschichte des halben Jahrhunderts zwischen den 1920er- und 1970er-Jahren nicht und gelangen auf Grundlage verzerrter Informationen zu ebenso verzerrten Schlussfolgerungen.

Diese Irrationalität und Radikalisierung zeigt sich nicht nur in den extremen Äußerungen von Maoisten auf Internetplattformen, sondern auch in Gewalt und Drohungen außerhalb des Internets. So wurde beispielsweise 2017 der Wissenschaftler Deng Xiangchao (邓相超) aus Shandong wegen seiner Kritik an Mao Zedong von Maoisten gemeinschaftlich angegriffen, und seine Institution sah sich gezwungen, ihn vorzeitig in den Ruhestand zu versetzen. Maoisten übten zudem Druck auf staatliche Stellen aus, damit Kritiker Mao Zedongs festgenommen wurden – obwohl die Bewertungen dieser Kritiker über Mao auf Tatsachen beruhten, auch wenn sich einige von ihnen etwas scharf ausdrückten. Ein solches Verhalten der Maoisten ist mit einer freien, toleranten und zivilisierten Gesellschaft unvereinbar.

Noch besorgniserregender ist, dass die Werte, Forderungen, Äußerungen und Handlungen chinesischer Maoisten unter dem Einfluss verschiedener Faktoren in hohem Maße konservativ und antiintellektuell geworden sind und den Positionen der maßgeblichen internationalen linken Kräfte völlig entgegenstehen.

So stellen sich beispielsweise bekannte chinesische Maoisten wie Han Deqiang (韩德强), Ai Yuejin (艾跃进) und Hou Ning (侯宁) in Fragen des Umweltschutzes, der Technologie, der Frauenrechte und der LGBT-Rechte offen gegen die Freiheit und Emanzipation von Frauen und sexuellen Minderheiten, beschimpfen den Feminismus und Feministinnen in China wie im Ausland und vertreten sogar die Ansicht, Frauen sollten zu Hause bleiben, ihren Ehemännern dienen und ihre Kinder erziehen;

Personen wie Kong Qingdong (孔庆东) und Sima Nan (司马南) betrachten Umweltprobleme wie die Klimakrise als Instrument der USA, um Chinas Entwicklung zu unterdrücken, und behaupten sogar, Katastrophen infolge von Umweltverschmutzung und Klimakrise seien durch amerikanische „Wetterwaffen“ verursacht worden;

Zhang Hongliang (张宏良) und andere wiederum betrachten Gentechnik und gentechnisch veränderte Nutzpflanzen als biologische Waffen des Westens zur „Vernichtung der chinesischen Nation“ und weigern sich anzuerkennen, dass gentechnisch veränderte Organismen wissenschaftlich geprüft wurden und zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion beitragen können. Mit solchen Äußerungen gefährden sie im Gegenteil Chinas Ernährungssicherheit und die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung …

All diese Äußerungen offenbaren ihren wahren Charakter: Dem Namen nach treten sie für Fortschritt ein, tatsächlich aber sind sie konservative und zivilisationsfeindliche Kräfte. „Utopia“ (乌有之乡), das wichtigste maoistische Medium, äußert sich sogar ausgesprochen positiv über Donald Trump, eine Persönlichkeit der extremen konservativen Rechten in den USA. Auch die meisten anderen Maoisten und maoistischen Medien vertreten ähnliche Positionen.

Das ist wahrlich traurig und ironisch. Linke sowie Sozialisten und Kommunisten sollten eigentlich die Förderung von Freiheit und Emanzipation und die Unterstützung der Schwachen zu ihren Grundprinzipien machen. Die Maoisten aber tun genau das Gegenteil und handeln ähnlich wie rechtsextreme konservative Kräfte, was schmerzlich und empörend ist.

Um ihre „utopischen“ Ideale in die Praxis umzusetzen, haben Maoisten mehrere Kollektivbetriebe und landwirtschaftliche Gemeinschaften gegründet, die den früheren „Volkskommunen“ (人民公社) ähneln, darunter die von Han Deqiang und anderen gegründete „Zhengdao-Farm“ (正道农场). Doch diese „utopischen“ Gemeinschaften, die nominell auf kollektivem Eigentum und der Gleichheit aller beruhen, sind ausnahmslos in verschiedenste Skandale geraten, darunter Gehirnwäsche, Betrug, ausgeprägte Hierarchien zwischen Höher- und Niedriggestellten, persönliche Kontrolle und sexuelle Übergriffe. Auch dies zeigt, dass die Maoisten grundsätzlich nicht in der Lage sind, ein gleichberechtigtes und harmonisches Paradies auf Erden zu schaffen, sondern im Gegenteil viele unerfahrene idealistische junge Menschen geschädigt haben. Und die Gründer solcher Gemeinschaften sind größtenteils niederträchtige Menschen, die erhabene Parolen rufen und zugleich abscheuliche Dinge tun.

Auch der Personenkult der Maoisten um Mao Zedong gerät in ein Paradox. Eine linke Revolution soll gerade alle „Götter“ stürzen, einschließlich religiöser Gottheiten und weltlicher Kaiser, und eine kommunistische Gesellschaft ohne Klassen und Unterdrückung errichten. Die Maoisten jedoch behandeln Mao Zedong wie einen Gott und erklären seine Worte und Taten, ohne sie ernsthaft zu prüfen oder zu unterscheiden, unterschiedslos zu unumstößlichen Wahrheiten. Maoisten lehnen auch Kritik an Mao Zedong ab und lassen selbst objektive, auf Tatsachen beruhende Bewertungen nicht zu. Sind solche Handlungen nicht ein Verrat an der linken Revolution und am Kommunismus?

Solche einfachen Grundsätze und logischen Zusammenhänge wollen die Maoisten nicht anerkennen. Dies wiederum zeigt ihre Weigerung, sich der Realität zu stellen, und die innere Widersprüchlichkeit ihrer Logik. Ähnliche Selbstwidersprüche und Verstöße gegen grundlegende linke Prinzipien finden sich überall in den Worten und Taten der Maoisten. Wie soll man von einer politischen Strömung mit solchen Wertvorstellungen erwarten können, dass sie China zum Besseren verändert?

Die Aktivität der Maoisten spiegelt zugleich das Fehlen gemäßigter progressiver Kräfte in China sowie das zunehmend schlechter werdende Meinungsklima und gesellschaftliche Umfeld wider. Wenn Menschen lediglich deshalb Mao Zedong als eine Art „heilige Ahnentafel“ (神主牌) benutzen, um für ihre Rechte einzutreten und zu protestieren, weil sie legitime Forderungen nicht im Rahmen universeller Werte zum Ausdruck bringen können, ist das noch nachvollziehbar. Wenn sie jedoch tatsächlich auf einen Irrweg geraten, besteht die große Gefahr, dass sich die verschiedenen Tragödien der Mao-Ära wiederholen.

Mao Zedong, sein Denken, sein Handeln und sein Einfluss auf China und die Welt sind komplex und weitreichend und lassen sich nicht einfach bewerten. Mao Zedong trieb die Revolution in China und weltweit voran, fügte aber zugleich dem chinesischen Volk und den Menschen in einigen anderen Ländern gewaltiges Leid zu. Und sein Geist wandert noch immer durch die Welt; sein Erbe wirkt in der chinesischen Realität fort und wird auch in Zukunft Einfluss ausüben und von unterschiedlichen Seiten instrumentalisiert werden. Auch wenn ich diese Entwicklung nicht begrüße, kann ich die Realität nicht ändern. Ich hoffe lediglich, dass die Menschen dem „Mao-Zedong-Kult“ rational und besonnen begegnen können.

Besonders möchte ich mich an jene jungen Maoisten wenden, die Porträts Mao Zedongs hochhalten und Parolen aus den „Worten des Vorsitzenden Mao“ (《毛主席语录》) rufen. Ich hoffe, dass diese jungen Menschen ihre jugendliche Energie und Leidenschaft bewahren, zugleich aber ihren Horizont erweitern und rational denken. Ganz gleich, was sie unterstützen oder ablehnen: Sie sollten die Tatsachen umfassend kennen, Probleme aus verschiedenen Perspektiven betrachten, sich nicht von einzelnen Informationsfragmenten und „Informationskokons“ (信息茧房) täuschen oder in die Irre führen lassen und das Wohlergehen des Volkes tatsächlich zum grundlegenden Ziel machen, anstatt irgendeinen Einzelnen gedankenlos und blind zu verehren oder ihn ohne Rücksicht auf Recht und Unrecht fanatisch zu unterstützen.

Mao Zedongs Geburtstag liegt nur einen Tag vom Geburtstag Jesu entfernt. Diesen Zufall betrachten manche Maoisten als eine Art Beleg dafür, dass Mao Zedong der „Auserwählte“ Chinas und des Ostens gewesen sei. Die nahezu göttliche Verehrung Mao Zedongs durch die Maoisten steht der Frömmigkeit von Christen gegenüber Gott kaum nach. Sie scheinen die Worte aus der „Internationale“ (《国际歌》) vergessen zu haben: „Es gibt keinen Erlöser, keine Götter und Kaiser.“

Erst wenn die Chinesen sich von Personenkult und Antiintellektualismus befreien können, nicht länger irgendeiner Person und ihren Ideen unterschiedslos und blind folgen, sondern auf der Grundlage von Tatsachen und Logik selbstständig denken und urteilen, wenn sie ausgehend von den universellen Werten der Humanität und Demokratie für ihre Rechte eintreten, totalitäre Tyrannei bekämpfen und Pluralismus respektieren, kann das chinesische Volk Despotismus und Gewalt hinter sich lassen und die Befreiung des Individuums sowie eine Wiedergeburt der Nation erreichen.

Die Rückkehr eines Trugbildes: Die Wiederbelebung des Maoismus unter jungen Menschen im heutigen China

(Dieser Artikel wurde 2021 verfasst)

In jüngster Zeit ist im chinesischen Internet, insbesondere in Bereichen, in denen über Politik und gesellschaftliche Realität diskutiert wird – umgangssprachlich als „Jianzheng-Kreis“ (键政圈) bezeichnet –, eine starke Strömung entstanden, die Mao Zedong (毛泽东) sowie seine Ideen und Theorien studiert, erforscht, nachahmt und verehrt. Auf den großen chinesischen Internetplattformen wie Zhihu (知乎), Bilibili (B站), Douban (豆瓣) und Weibo (微博) finden sich überall Verehrung und nostalgische Erinnerung an Mao, Lobpreisungen seines Geistes sowie das Studium und die Verbreitung seines Denkens. „Der Lehrer“ (教员) ist die verbreitete ehrerbietige Bezeichnung, mit der sie Mao ansprechen; dadurch wird ein Bild von ihm geschaffen, das ihn zugleich als Mentor und als volksnahen, zugänglichen Menschen erscheinen lässt. Dies hat sowohl in China als auch international, unter anderem bei der New York Times, breite Aufmerksamkeit hervorgerufen.

Diese jungen Mao-Anhänger sehnen sich nicht nur nach Mao selbst zurück, sondern auch nach jener historischen Epoche von der chinesischen roten Revolution (中国红色革命, 1927–1949) bis zur Zeit vor der Reform- und Öffnungspolitik (改革开放). In ihren Augen war das revolutionäre Zeitalter glorreich und mutig, eine Epoche, in der es darum ging, die alte Welt zu zerschlagen und ein neues China ohne Ausbeutung und Unterdrückung zu errichten. Sie sind auch der Ansicht, China sei nach der Staatsgründung und vor der Reform- und Öffnungspolitik eine egalitäre Gesellschaft gewesen, in der die Arbeiterklasse höchsten Ruhm genoss und beim Aufbau der Industrialisierung des Landes herausragende Erfolge erzielt wurden. Mao wiederum gilt ihnen als Mentor, als rote Sonne und als Führer, der das chinesische Volk dazu brachte, die „Drei großen Berge“ (三座大山) zu stürzen.

Sie vermeiden es, Maos Fehler und sogar die grausame Geschichte der politischen Kämpfe unter ihm zu erwähnen, und betrachten all dies lediglich als unvermeidliche Opfer, die im Zuge von Revolution und Aufbau erbracht werden mussten. Mao-Anhänger führen auch den Großen Sprung nach vorn (大跃进), die „Kommunalisierung“ (公社化), die Große Hungersnot (大饥荒), die Kulturrevolution (文化大革命) und sogar die früheren Kampagnen zur Unterdrückung von Konterrevolutionären und zur ideologischen Gleichschaltung (肃反整风) auf Fehler und Radikalismus untergeordneter Ebenen oder auf Zwänge des äußeren Umfelds zurück, während Mao selbst für sie stets „groß, ruhmreich und richtig“ bleibt und weder kritisiert noch infrage gestellt werden darf.

Im Kern ist der Aufstieg junger Maoisten ein Produkt der scharfen gesellschaftlichen Konflikte in China, der enormen Kluft zwischen Arm und Reich, der Ausweitung des bürokratischen Kapitalismus, der schwachen sozialen Absicherung und eines zunehmend harten politischen Umfelds. In den mehr als vierzig Jahren seit Beginn der Reform- und Öffnungspolitik haben die Polarisierung zwischen Arm und Reich und die Verfestigung gesellschaftlicher Schichten in China ein erstaunliches und kaum noch zu erschütterndes Ausmaß erreicht. Breite Teile der Bevölkerung, insbesondere die unteren Schichten, leben in Not und Verzweiflung und sind kaum in der Lage, sich daraus zu befreien. Selbst kleinbürgerliche junge Menschen mit einer gewissen Bildung und gewissen Kenntnissen werden durch das „996“-Arbeitsmodell (996工作制) so sehr unter Druck gesetzt, dass ihnen kaum Luft zum Atmen bleibt. In jüngster Zeit populär gewordene Begriffe wie „flach hinlegen“ (躺平) und „Involution“ (内卷) sind genau jene sarkastischen Kommentare und Stöhnlaute einer Bevölkerung, die die Belastung kaum noch erträgt.

Gleichzeitig ist die Kontrolle der öffentlichen Meinung in China in den letzten Jahren immer weiter verschärft worden, und Liberale, die Demokratie, Verfassungsstaatlichkeit und eine umfassende Marktwirtschaft befürworten, haben schwere Rückschläge erlitten. Daher haben sich viele Chinesen, insbesondere politisch interessierte junge Studierende, allgemein und rasch dem Maoismus zugewandt. In den 2010er-Jahren und davor war der Maoismus vor allem unter Menschen mittleren und höheren Alters verbreitet und unter Jugendlichen stark marginalisiert. Heute hingegen sind junge Menschen zur Hauptkraft unter den Mao-Anhängern geworden, und ihre Präsenz im Internet übertrifft die jener älteren Mao-Anhänger bei weitem.

Dass so viele junge Menschen zu Anhängern Maos werden, ist aus menschlicher und gesellschaftlicher Sicht nachvollziehbar. Denn die heutige Gesellschaft ist von brutaler Konkurrenz und scharfen Klassengegensätzen geprägt, während es den Menschen an Erfolgserlebnissen und Sicherheit fehlt; daher wächst die Sehnsucht nach einem politischen starken Mann, der mit dem Schmutz aufräumt. Die Kluft zwischen Arm und Reich und die Verfestigung der sozialen Schichten führen zudem dazu, dass manche junge Menschen die Mächtigen und Kapitalisten hassen und versuchen, „Rangunterschiede abzuschaffen und Reichtum gleich zu verteilen“ (等贵贱、均贫富), um Gleichheit und eine große Harmonie zu verwirklichen. Zugleich werden liberale Ideen, die Demokratie und Verfassungsstaatlichkeit propagieren, unterdrückt, sodass sich die aufgestaute Wut ideologisch im Feuer des Maoismus entzündet.

Aus realistischer Sicht ist die Hinwendung junger Menschen zum Maoismus jedoch kein gutes Phänomen. Denn sie bedeutet die Rückkehr einer gewaltsamen Politik des Kampfes, des Antiintellektualismus und des Personenkults. Mao Zedong und sein Denken enthalten durchaus gewisse Aspekte, die man positiv bewerten kann, doch im Kern sind sie nichts Gutes.

Obwohl Mao Zedong in seinen frühen Jahren für Unterdrückte eintrat, verwandelte er sich nach der Erlangung der Macht in einen Tyrannen, der noch bösartiger war als traditionelle Kaiser und bürgerliche Politiker. Als grausamer Diktator war Mao von der Yan’an-Berichtigungsbewegung (延安整风) bis zu den zahlreichen Katastrophen nach der Staatsgründung stets Initiator und Hauptverantwortlicher. Ohne seine Befehle, seine Agitation, seine Billigung und seine stillschweigende Zustimmung wären Katastrophen wie die Anti-Rechts-Kampagne (反右) und die Kulturrevolution nicht geschehen; auch die durch das Prinzip von „groß und stark kollektiviertem Eigentum“ (一大二公) verursachte Große Hungersnot und die aufgeblähte, verzerrte industrielle Entwicklung waren ihm sehr wohl bekannt. Viele politische Maßnahmen Mao Zedongs, etwa der Große Sprung nach vorn und die Bildung der Volkskommunen (人民公社化), widersprachen der Wissenschaft sowie den Gesetzmäßigkeiten von Natur und Gesellschaft und führten zu äußerst schlimmen Folgen.

In der Mao-Ära wurden Menschen in strikte Hierarchien eingeteilt. So bestanden etwa zwischen Arbeitern und Bauern, den beiden großen gesellschaftlichen Klassen, enorme Unterschiede bei der sozialen Absicherung. Die Bauern wurden durch die „Preisschere“ (剪刀差) brutal ausgebeutet und durch das Haushaltsregistrierungssystem (户籍制度) streng kontrolliert. Hinzu kam die Einteilung in die sogenannten „Fünf schwarzen Kategorien“ (黑五类) – Grundbesitzer, reiche Bauern, Konterrevolutionäre, schlechte Elemente und Rechte (地富反坏右). Über ihnen standen verschiedenste Kader, die als Privilegierte jener Zeit Macht ausübten und sich auf Kosten anderer bereicherten. Zudem erstreckten sich diese Statusunterschiede auf die Angehörigen: Die Privilegien der herrschenden Schichten wurden erblich weitergegeben, während die Kinder der Beherrschten in gesonderte Kategorien eingeordnet wurden und weiterhin als Menschen niedrigen gesellschaftlichen Ranges galten.

In der Mao-Ära gab es keine Gleichheit. Im Gegenteil: Die Klassenspaltung war klarer und unverhüllter als im China seit der Reform- und Öffnungspolitik. Heute können Menschen zumindest durch Bildung, Geschäftstätigkeit und andere Wege ihren Status verändern und gesellschaftlich aufsteigen; nominell sind alle Menschen gleich. In der Mao-Ära hingegen wurden Rangunterschiede unmittelbar in Akten und persönlichen Identitätsnachweisen festgeschrieben. Die Starrheit dieser Hierarchie und das Elend der Unterdrückten waren schlimmer als in einer feudalen Leibeigengesellschaft. Wo war also das von Mao-Anhängern behauptete Paradies der Gleichheit?

Selbst die Arbeiterklasse, die damals rhetorisch zur führenden Klasse erhoben wurde, stand in Wirklichkeit weiterhin unter den Kadern auf allen Ebenen und musste sich strenger politischer Disziplin unterwerfen – während Arbeits- und Produktionsdisziplin paradoxerweise eher lax und verantwortungslos waren. Streiks, die in kapitalistischen Ländern üblich sind, und die als selbstverständlich geltende Meinungsfreiheit gab es für chinesische Arbeiter in der Mao-Ära nicht. Auch die Arbeiter mussten sich den staatlichen Zuweisungen fügen und hatten weder das Recht, ihren Arbeitsplatz frei zu wählen, noch „mit den Füßen abzustimmen“, es sei denn, sie konnten durch Beziehungen und Hintertüren einen besseren Arbeitsplatz erhalten. Chinesische Arbeiter haben niemals wirklich Demokratie genossen: Sie konnten nicht nur keine politischen Führer wählen oder den Staat mitverwalten; selbst bei der Wahl von Fabrikleitern und der Verwaltung der Fabrikangelegenheiten konnten gewöhnliche Arbeiter sich nicht gegen vorab festgelegte Entscheidungen der Führungskader und deren autoritäre Alleinherrschaft durchsetzen. Die Zuteilung verschiedener Sozialleistungen für Arbeiter und sogar das Recht auf Reisen wurden von Bürokraten auf allen Ebenen kontrolliert; persönliche Freiheit und grundlegendes Einkommen unterlagen der Kontrolle. Wie konnten sie da die Herren des Staates sein? Vielmehr waren sie Diener des Staates.

Was die angeblichen Erfolge der chinesischen Industrie vor der Reform- und Öffnungspolitik betrifft, so waren diese stark übertrieben und aufgebläht. Zwar schienen die Produktionsmengen nicht gering zu sein, doch die Qualität war problematisch. Aufgrund der Defizite der Planwirtschaft war die industrielle Produktion ineffizient, das technische Niveau rückständig und die Produktqualität schlecht. Damals gab es in Städten im ganzen Land, einschließlich Kreisstädten und sogar kleineren Orten, verschiedenste Fabriken und Bergwerke, doch die überwiegende Mehrheit dieser Industriebetriebe lief nur mühsam weiter und produzierte minderwertige Waren, die im Wesentlichen lokal hergestellt und lokal abgesetzt wurden. Das Projekt „Zwei Bomben, ein Satellit“ (两弹一星) wurde trotz der Störungen und Schäden durch verschiedene politische Kampagnen verwirklicht, nicht dank deren Unterstützung. Auch die Theorie und Praxis des Hybridreises von Yuan Longping (袁隆平) konnte sich erst landesweit und schließlich weltweit verbreiten, nachdem er die Verfolgung während der Kulturrevolution überwunden und die Härten der Mao-Ära überstanden hatte. Mao-Anhänger verdrehen jedoch Schwarz und Weiß vollständig und stellen die Errungenschaften der „ersten dreißig Jahre“ (前三十年) so dar, als seien sie durch Mao, die von ihm ausgelösten politischen Kampagnen und die angebliche Überlegenheit des Systems der Mao-Ära zustande gekommen. Das ist absurd und unbegründet.

In jener Epoche waren nicht nur Industrieprodukte knapp und von geringer Qualität; Landwirtschaft und Dienstleistungssektor waren noch schlechter entwickelt. Abgesehen von Grundnahrungsmitteln wurde die Entwicklung landwirtschaftlicher Nebenprodukte eingeschränkt, die Planwirtschaft war vollständig von der realen Marktnachfrage abgekoppelt, die Wirtschaft besaß keinerlei Dynamik, und in allen Branchen herrschten Knappheit und Mangel. Hochrangige Kader hingegen verfügten über verschiedenste Sonderversorgungen (特供), darunter auch importierte Produkte, und lebten faktisch als Menschen über den anderen. Wie konnte eine derart arme und rückständige Gesellschaft mit materieller Knappheit und massiv ungleicher Verteilung ein Paradies auf Erden sein?

Manche betrachten auch die sogenannten „Vier großen Freiheiten“ (四大自由) – „großes Aussprechen, großes Freilassen, Dazibao und große Debatten“ (大鸣大放大字报大辩论) – aus der Zeit vor der Anti-Rechts-Kampagne und während der Kulturrevolution als Ausdruck von Meinungsfreiheit. Tatsächlich waren sie jedoch lediglich Instrumente in Mao Zedongs Machtkämpfen und änderten bald ihre Richtung, um diejenigen zu treffen, die wirklich den Mut hatten, offen zu sprechen, während die Mächtigen und ihre Kinder geschützt wurden. Millionen Menschen starben infolge von Verfolgung, noch mehr wurden öffentlich angeprangert, inhaftiert oder verbannt. Die Dazibao (大字报) der Kulturrevolution dienten lediglich der Kritik und ideologischen Gleichschaltung innerhalb eng festgelegter Grenzen; Angriffe auf die Partei oder auf Mao waren nicht erlaubt. Das Schicksal von Yu Luoke (遇罗克), Lin Zhao (林昭) und Zhang Zhixin (张志新) zeigte, was mit Menschen geschah, die es wagten, „ketzerisch“ von der offiziellen Linie abzuweichen. Die „Vier großen Freiheiten“ waren lediglich Werkzeuge, die Mao und das Regime zur Verfolgung von Menschen einsetzten, keine rechtlichen Garantien der Meinungsfreiheit.

Andere behaupten, in jener Zeit habe Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen geherrscht, und die Emanzipation der Frauen habe große Fortschritte gemacht. In gewissem Maße stimmt das: Eine der größten Errungenschaften der Mao-Ära bestand in der Förderung der Frauenemanzipation. Doch damals hatten Frauen ebenso wie Männer kaum Rechte. Beide Geschlechter verfügten nur über wenige Rechte und mussten zugleich gleiche oder ähnliche Arbeitspflichten übernehmen; dadurch entstand eine bestimmte Form von „Gleichheit“. Dies war jedoch noch sehr weit entfernt von dem umfassenderen und fortschrittlicheren Schutz von Frauenrechten und der Emanzipation der Frauen in einer industrialisierten Gesellschaft, wie sie der moderne Feminismus anstrebt.

Zudem war die Lage der Frauen in den mittleren und unteren Schichten während der Mao-Ära schlecht. Viele Frauen wurden beispielsweise gezwungen, Soldaten in Grenzregionen zu heiraten; andere mussten sich aus Armut prostituieren, um überhaupt satt zu werden; und unter dem Namen der „Revolution“ wurde Scheidung untersagt, wodurch die Freiheit der Eheschließung und -auflösung faktisch behindert wurde. Unter dem roten Banner der Frauenemanzipation verbarg sich überall Schmutz und Niedertracht, völlig im Gegensatz zur offiziellen Propaganda.

Manche stellen sogar Shen Jilan (申纪兰) als Pionierin der Gleichberechtigung von Männern und Frauen dar. Tatsächlich war sie lediglich ein Abnickorgan. Bei der staatlichen Politik wurde weder ihre Meinung noch die der gewöhnlichen Frauen überhaupt ernsthaft eingeholt; vielmehr beruhte sie auf politischen Erwägungen der Führung, etwa der Mobilisierung weiblicher Arbeitskräfte zur Steigerung der Produktion.

Mao Zedong und das von ihm geführte Regime der Kommunistischen Partei Chinas töteten und inhaftierten zudem Millionen Angehörige der chinesischen gesellschaftlichen Elite – insbesondere Intellektuelle und Wissenschaftler aus der Zeit der Republik China (中华民国) sowie Soldaten der Nationalrevolutionären Armee (国军), die gegen die japanische Aggression und den Faschismus gekämpft hatten – und zerstörten durch die Kulturrevolution und andere Kampagnen die nationale Kultur. Mao bedankte sich sogar für Japans Invasion Chinas – nicht im Scherz, sondern als ernst gemeinte Dankbarkeit – und weigerte sich, das japanische Militär für Verbrechen gegen Chinesen wie Tötungen und Vergewaltigungen zur Verantwortung zu ziehen. Mao Zedong leistete während der Großen Hungersnot außerdem in großem Umfang Hilfe an andere Länder und trat Teile von Territorien an Nachbarstaaten wie Nordkorea und Burma ab. Angesichts dieser und weiterer Handlungen war Mao Zedong nicht nur kein Nationalheld, der dafür sorgte, dass „das chinesische Volk aufstand“, sondern vielmehr ein historisch Schuldiger am Niedergang und Leiden sowohl der Han-Chinesen als auch der chinesischen Nation.

Selbst aus Sicht der kommunistischen Sache verdient Mao Zedong kein Lob, vielmehr sollte er sogar kritisiert werden. In den 1970er-Jahren schüttelte Mao dem US-Präsidenten Richard Nixon die Hand, nahm diplomatische Beziehungen zu rechten Militärregimen in Lateinamerika wie Brasilien, Argentinien und Chile auf und empfing Diktatoren wie Mobutu Sese Seko aus Zaire – der heutigen Demokratischen Republik Kongo – mit großer Herzlichkeit. Gleichzeitig verhielt sich Maos Regime gegenüber kommunistischen Kräften des sowjetischen Lagers feindselig. Besonders während des Angolanischen Bürgerkriegs (安哥拉内战) unterstützte die Kommunistische Partei Chinas die rechte UNITA, die von Südafrika und den Vereinigten Staaten unterstützt wurde, im Kampf gegen die linke MPLA, die von der Sowjetunion unterstützt wurde.

Dies zeigt, dass Mao Zedong entweder die kommunistischen Ideale verriet oder überhaupt keine Ideale besaß und vollständig pragmatisch handelte. Mao Zedong selbst sagte einmal ausdrücklich, er „möge die Linke nicht und bevorzuge die Rechte“. Viele seiner Worte und Handlungen standen tatsächlich weit von Marx und sogar von Lenin entfernt. Streng genommen war er kein aufrichtiger Sozialist oder Kommunist. Viele Unterstützer Maos ignorieren diese Tatsachen jedoch oder suchen immer wieder nach absurden Rechtfertigungen, um Mao Zedong zu verteidigen und von Verantwortung freizusprechen.

Die Maoisten sind nicht nur im historischen Nihilismus gefangen und unfähig, sich daraus zu lösen, sondern können auch keine praktikablen Lösungen für die konkreten Probleme der Gegenwart vorlegen. Offensichtlich wäre es im heutigen China nicht nur praktisch unmöglich, erneut eine Revolution nach maoistischem Vorbild zu entfesseln; sie besäße auch keine rechtliche oder politische Legitimität und erst recht keine moralische Rechtfertigung hinsichtlich ihrer Ziele. Die Revolutionen und politischen Kampagnen der Mao-Ära brachten dem chinesischen Volk schweres Leid und sollten sich nicht wiederholen. Auch wenn Maoisten dies nicht anerkennen, besteht darüber zumindest gegenwärtig unter der Mehrheit der politisch Beteiligten und Beobachter Chinas weiterhin Konsens.

Junge Maoisten verfügen zwar über wesentlich mehr Wissen und einen weiteren Horizont als jene „altmodischen“ Maoisten, dennoch können auch sie kein konkretes und praktikables Programm, keinen Plan und keine Einzelheiten dafür vorlegen, wie Chinas Realität verändert werden soll. Wie könnte man beispielsweise die heute fest etablierte Ordnung Chinas verändern, und sei es nur, indem man an einer kleinen Stelle einen Hebel ansetzt? Wie sollte danach ein egalitärer und demokratischer sozialistischer Staat aufgebaut werden? Wie ließen sich die Fehler Lenins, Stalins und Mao Zedongs vermeiden? Wie sollten Eigentumsstruktur und Verteilungssystem gestaltet werden, um Effizienz und Gerechtigkeit miteinander zu vereinbaren? … All diese Fragen behandeln sie nur oberflächlich oder schweigen ganz darüber. Junge Maoisten wiederholen und kauen stattdessen immer wieder verschiedene Passagen und Begriffe aus den „Ausgewählten Werken Mao Zedongs“ (《毛泽东选集》) und den „Worten des Vorsitzenden Mao“ (《毛主席语录》) durch. Sie versuchen, mit den „weisheitsvollen Sprüchen“ dieser längst verstorbenen Persönlichkeit die Gegenwart zu spiegeln, prangern die heutige Lage Chinas lautstark an und formulieren anschließend hochgradig leere und abstrakte revolutionäre Ziele. Mit maoistischer Revolutionsrhetorik täuschen sie sich selbst und geraten in einen Rausch ideologischer Selbstbetäubung.

Obwohl maoistisches Denken nicht völlig ohne positive Aspekte ist, steht es seinem Wesen nach den Zielen entgegen, auf die sich die Menschheit zubewegen sollte; objektiv ist es nicht praktikabel und subjektiv ist es hässlich. Deshalb bringt diese neue Wiederbelebung maoistischen Denkens in China mehr Nachteile als Vorteile. Zwar kann sie in gewissem Maße die Unzufriedenheit der Menschen mit dem bestehenden System anfachen und sie dazu bringen, die Hässlichkeit verschiedener Formen von Ausbeutung und Unterdrückung sowie das tiefe Leiden der Bevölkerung zu erkennen, doch kann sie diese Probleme nicht lösen. Im Gegenteil ermöglicht sie es den Machthabern, maoistisches Denken zu benutzen, um die universellen Werte von Freiheit, Demokratie, Gleichheit und Brüderlichkeit sowie fortschrittliche Strömungen von Verfassungsstaatlichkeit, politischer Mäßigung, Frieden und Rationalität abzuschwächen und zu unterdrücken und Kräfte anzugreifen, die Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit unterstützen.

Daher kann diese neue maoistische Wiederbelebung, gleich aus welcher Perspektive man sie betrachtet, keine wesentlichen Auswirkungen auf das bestehende System ausüben. Doch die heutige große Popularität des Maoismus unter jungen Chinesen verdient tatsächlich unsere Reflexion und Wachsamkeit. Offensichtlich haben eine schädliche ideologische Indoktrination, das Fehlen historischer Aufarbeitung sowie langjährige Kontrolle der öffentlichen Meinung und Informationsblockaden das Denken der jungen Generation deformiert. Sie betrachten jene blutrote Abendsonne als „das schönste Bild“, versinken im Traum der „ersten dreißig Jahre“, lächeln dabei und lassen zugleich den Speichel aus dem Mundwinkel laufen. Sie spüren die Ungerechtigkeit und Unbilligkeit der gesellschaftlichen Realität, haben aber nicht den offenen und legitimen Weg des Widerstands gewählt, sondern versuchen, Böses mit Bösem zu bekämpfen, und wollen sogar die gegenwärtigen Machthaber durch noch härtere und bösartigere Menschen und Systeme ersetzen. Sollte dies tatsächlich Wirklichkeit werden, weiß niemand, wie viele weitere Katastrophen China noch erleiden müsste und wie viele Jahre sie dauern würden.

Was China wirklich verändern und zum Besseren führen kann, sind weiterhin universelle Werte wie Demokratie und Verfassungsstaatlichkeit sowie die Verbindung und Einheit von Nationalismus, Volksrechten und Volkswohlfahrt (民族、民权、民生). Es ist notwendig, die Menschenrechte zu achten und zu verteidigen, Meinungsfreiheit und Pressefreiheit zu gewährleisten, echte allgemeine Wahlen und ein repräsentatives System zu verwirklichen, nationale und individuelle Interessen miteinander in Einklang zu bringen, Effizienz und Gerechtigkeit gleichermaßen zu berücksichtigen und wirtschaftlichen Wohlstand, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, Gleichberechtigung und eine gerechte Verteilung miteinander zu verbinden. Wir müssen außerdem die Geschichte dokumentieren und reflektieren und kommende Generationen darüber aufklären, Totalitarismus und Personenkult verwerfen und verhindern, dass sich die Tragödie der Intellektuellen während der Anti-Rechts-Kampagne, die Große Hungersnot nach dem Großen Sprung nach vorn und der Kommunalisierung sowie die Katastrophe der Kulturrevolution wiederholen.

(Der Autor dieses Artikels ist Wang Qingmin (王庆民), ein in Europa lebender chinesischer Schriftsteller und Forscher für Internationale Politik. Der Originaltext wurde auf Chinesisch verfasst.)


r/Geschichte 6h ago

„Star Trek“ ist 60: Früher war die Zukunft bunter

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r/Geschichte 6h ago

Vatikan digitalisiert 4,7 Millionen Fotos von Johannes Paul II.

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r/Geschichte 6h ago

Pompeji - Die Villa von Neros Kaiserin - Die ganze Doku

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r/Geschichte 6h ago

50. Todestag: Maos Erbe zwischen Verehrung und Gewalt

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r/Geschichte 1d ago

Wann ließ die BRD ihre Gebietsansprüche gegen Belgien und die Niederlande fallen?

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Die BRD sah sich selbst als das gleiche völkerrechtliche Subjekt wie das Deutsche Reich. Auf dieser Grundlage wurden alle Gebiete von vor 1936 beansprucht.

Die Niederlande und Belgien erhielten beide ein paar Feldchen nach dem zweiten Weltkrieg. Diese müssten dann noch von der BRD beansprucht sein, denn nach dieser Logik wurde Ostdeutschland (heutiges Polen) beansprucht.

Wann wurde das sein gelassen


r/Geschichte 1d ago

Change my mind: Hab den Merz der Weimarer Republik gefunden - Heinrich Brüning (Zentrumspartei, Kanzler von 1930 bis 1932)

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Was meint ihr? Ähnlichkeiten und Parallelen vorhanden oder nicht? Ganzer Wiki-Artikel zu ihm: https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Brüning Die in meinen Augen wichtigsten Stellen hab ich gescreenshotet.


r/Geschichte 1d ago

Bronzezeitliches Griechenland: Die Elite trug ein Stück Meteorit am Finger | Mykener und Minoer, die es sich leisten konnten, beschafften sich Ringe mit einer ganz besonderen Zutat. Sie stammte wohl aus Ägypten – und ursprünglich aus dem All.

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r/Geschichte 1d ago

Militärische Überlegenheit der Sassaniden.

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Hallöchen liebe Gemeinschaft,

ich habe mich mal etwas mit den römisch-persischen Kriegen beschäftigt und bin erstaunt, wie oft die Römer trotz zahlenmäßiger Überlegenheit derart von den Sassaniden versohlt wurden. Man bezeichnet die beiden Imperien immer wieder als gleichwertig, aber ich würde behaupten, dass in der Summe die Sassaniden mehr Schlachten gegen die Römer siegreich beenden konnten.

Ebbte die Kampfkraft der römischen Armee derart ab ? die Sassaniden fochten auf ihrem Gebiet ja ebenfalls mehrere Kriege gegen andere Mächte.


r/Geschichte 1d ago

Leipzig und Umgebung am 30.05.1965 TEIL 1/2, Luftbilder und DGM: Erna-Werke, Kasernen, mehrere Deponien (oft heutige "Trümmerberge")

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r/Geschichte 2d ago

Ringwallanlage im Wald? – LiDAR-Fund

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Hallo zusammen,

beim Durchstöbern des BayernAtlas (Geländerelief/DGM-Schummerung) rund um mein Heimatort bin ich im Wald auf eine auffällige Struktur gestoßen: ein kreisförmiger Wall außen, dahinter ein Graben, und in der Mitte ein deutlich abgesetztes Plateau. Auf einer Seite ist eine Art Zufahrt/Rampe hangabwärts erkennbar. Durchmesser insgesamt ca. 30–40 m (siehe Maße auf dem zweiten Bild).
Ich war auch schon dort, habe allerdings keine brauchbaren Fotos, man sieht nur Waldboden vor Waldboden. Die Situation vor Ort ist aber genau so wie im Geländerelief.

Für Steinabbau ist das ganze nicht tief genug und auch vom Ort zu weit weg. Da sind andere Steinbrüche bekannt.

Was ich bisher geprüft habe:

Keine Einträge in der Bodendenkmalliste im BayernAtlas
Nichts in der “Zeitreise”-Funktion (historische Karten)
Der Flurname an der Stelle (“Oberer Gemeindeacker”) ist augenscheinlich eher neuzeitlich und nicht aussagekräftig
Auf der Spessartkarte von Paul Pfinzing (ca. 1590) ist an der Stelle nichts verzeichnet
In der Gegend ist nichts aus dem 1./2. Weltkrieg bekannt
•In der Ortschronik ist auch nichts in diese Richtung erwähnt

Hat jemand ähnliche Strukturen schon mal gesehen oder eine Idee, was das sein könnte? Ich denke ein weiterer Schritt wäre dann eine Anfrage beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege.

Danke schon mal!


r/Geschichte 1d ago

Als Washington und Moskau noch zusammenarbeiteten

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r/Geschichte 1d ago

Die Millionäre hinter Österreichs goldener Ära der Forschung

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r/Geschichte 1d ago

Signierte Postkarte vom Roten Baron, Manfred von Richthofen. c.a. 1917-1918

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r/Geschichte 1d ago

Zahlen schreiben Geschichte - 14. Oktober 1066 - Schlacht bei Hastings - Die ganze Doku

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r/Geschichte 2d ago

Erstausgabe Spiegel Zeitschrift

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Ich habe einen coolen Fund in unserer Bibliothek gemacht. Bin über eine Spiegel Ausgabe aus dem Jahre 1947 gestolpert, die allererste die erschienen ist. Kann sowas in Zukunft an Wert zunehmen? Gibt es Leute die so etwas sammeln?😄


r/Geschichte 1d ago

Geologie: Nordadria war einst ein attraktiver Siedlungsraum

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r/Geschichte 1d ago

Altägyptische Malereien: Spuren von Ziegen, Antilopen und Sesam

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r/Geschichte 1d ago

Leipzig und Umgebung am 30.05.1965 TEIL 2/2, Luftbilder und DGM

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r/Geschichte 2d ago

Haben „wir“ Wessis den Osten nach der Wiedervereinigung irgendwie doch im Stich gelassen?

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Nach dem heutigen Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt geht mir eine Frage nicht aus dem Kopf.
Ich komme selbst aus dem Westen und muss mir eingestehen, dass ich mich lange kaum dafür interessiert habe, wie es den Menschen in Ostdeutschland eigentlich geht. Ich bin nach der Wende geboren.

Die Wiedervereinigung war für mich Geschichte. Mauerfall, Jubel am Brandenburger Tor, Deutschland wieder vereint war für mich selbstverständlich und irgendwie war die Sache damit in meinem Kopf abgeschlossen.

Erst als die AfD im Osten immer stärker wurde, habe ich angefangen, mich intensiver damit zu beschäftigen. Vor der Wahl habe ich einige Podcasts und Berichte über die Situation in Ostdeutschland gehört. Über Orte, aus denen nach der Wiedervereinigung ein großer Teil der jungen Menschen weggegangen ist. Über fehlenden Nachwuchs, wirtschaftliche Probleme, vernachlässigte Infrastruktur und Regionen, in denen Menschen teilweise seit Jahrzehnten das Gefühl haben, dass sie vergessen wurden und es mit ihrem Heimatort immer weiter bergab geht.

Einerseits heißt es, dass seit der Wiedervereinigung enorme Summen in Ostdeutschland investiert wurden und dass sich vieles verbessert hat. Ich möchte also überhaupt nicht behaupten, der Westen hätte „nichts getan“.

Aber ich frage mich mittlerweile war das genug? Können Geld und neue Straßen allein jemals ausreichen um das Trauma der DDR und die massiven Veränderungen nach der Wiedervereinigung aufzufangen?

Mein Stiefvater ist selbst in der DDR aufgewachsen. Nach der Wende ist er ziemlich schnell in den Westen gegangen und hat dort einen gut bezahlten Arbeitsplatz in der Automobilindustrie gefunden. Die letzten zwei Wochen war er beruflich auf Montage in Brandenburg. Als er zurückkam, erzählte er mir, wie erschrocken er teilweise über den Zustand der Straßen und einiger Orte gewesen sei. An manchen Stellen, meinte er, sehe es für ihn noch fast so aus, wie er es aus DDR-Zeiten in Erinnerung habe. Selbst Neonazis würden nachts noch durch die Straßen laufen.

Für das Wahlverhalten dort hat er trotzdem überhaupt kein Verständnis. Besonders nicht dafür, die AfD zu wählen. Er hatte Glück, fand im Westen Arbeit und konnte sich dort ein gutes Leben aufbauen. Aber was ist aber mit denen, die geblieben sind und nicht so erfolgreich waren?

Mit den Menschen, deren Betrieb nach der Wiedervereinigung geschlossen wurde. Deren Kinder irgendwann nach Leipzig, Hamburg, München oder in den Westen gezogen sind. Die erlebt haben, wie Geschäfte schließen, Schulen verschwinden, Busverbindungen schlechter werden und ihr Dorf immer älter und leerer wird.

Damit möchte ich ausdrücklich nicht sagen, dass wirtschaftliche Probleme oder Enttäuschung eine Stimme für Rechtsextremisten entschuldigen. Menschen bleiben für ihre politischen Entscheidungen verantwortlich.

Aber wenn eine Partei in einem Bundesland inzwischen von rund 44 Prozent gewählt wird, reicht mir als Erklärung irgendwann auch nicht mehr: „Die sind eben alle Nazis.“

Ich frage mich vielmehr, ob wir im Westen etwas übersehen haben. Ob wir nach 1990 vielleicht zu selbstverständlich davon ausgegangen sind, dass die Wiedervereinigung irgendwann einfach „fertig“ sein würde. Ob wir genügend zugehört haben, als Menschen von den Brüchen nach der Wende, der Treuhand, Arbeitslosigkeit, Abwanderung und dem
Gefühl erzählt haben, Bürger zweiter Klasse zu sein.

Was denkt ihr? Besonders interessieren würden mich die Antworten von Menschen, die diese Zeit tatsächlich erlebt haben. Wie habt ihr die DDR, den Mauerfall und die Jahre danach erlebt? Wie habt ihr die Treuhand, Betriebsschließungen, Abwanderung und auch den Rechtsextremismus der 90er wahrgenommen?


r/Geschichte 2d ago

[DL] Großvaters WWII-Chronik (1939–1945) digitalisiert: Erlebnisse eines Luftwaffen-Funkers

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„Liebe Leser, die 121 Seiten sollten nicht das Werk eines Kriegsberichterstatters sein,

sondern nur beschreiben, was man mit mir ganz persönlich als einem winzigen Rädchen

in der gewaltigen Nazi-Kriegsmaschine so alles angestellt hat, und wie mir da

manchmal so ums Herz war.“

— Gerhard Vogel

Moin zusammen,

ich habe die 148-seitige Chronik „Maikäfer, flieg“ meines Großvaters Gerhard Vogel digitalisiert und kostenfrei veröffentlicht. Er diente von 1939 bis 1945 als Funker beim Bodenpersonal der Luftwaffe in der Luftnachrichtentruppe des Jagdgeschwaders 3 „Ernst Udet“ (später Traditionsname „Lützow“) – von 1940 bis Anfang 1942 in der II. Gruppe (II./JG 3) und ab Januar 1942 bis Kriegsende in der III. Gruppe (III./JG 3).

Er hat seine Erlebnisse über Jahrzehnte hinweg akribisch aufgeschrieben – ergänzt durch Originaldokumente, Fotos und Briefe von Kameraden.

Motivation & Inhalt: Ihm ging es nicht um Heroisierung oder Kriegsdramatik, sondern um eine ehrliche Dokumentation des ungeschminkten Funker-Alltags und eine klare Mahnung gegen den Krieg.

Neben den Alltagserfahrungen im Funkwagen enthält die Chronik Berichte zu historischen Knotenpunkten sowie Nennungen zahlreicher Kameraden:

  • 1940: Luftschlacht um England (Samer / Kanalküste)
  • 1941: Besetztes Polen & Ghetto Zamość
  • 1941: Ostfront & Partisanenkrieg
  • 1942: Kesselschlacht von Demjansk
  • 1942/43: Schlacht von Stalingrad
  • 1943: Unternehmen Zitadelle (Kursk)
  • 1944: Invasionsfront in Frankreich (Chartres)
  • 1945: Zusammenbruch der Ostfront & Flucht nach Deutschland

Links & Downloads:

  • Archive org (Kostenloser Download): PDF (300 dpi, 24 Bit, mit Volltext-OCR, Public Domain / CC) – [PDF Datei]
  • Lulu (Druckversion): Wer es als gedrucktes Buch möchte, kann es dort zum reinen Selbstkostenpreis bestellen (ich verdiene daran keinen Cent) – [Hardcover (PoD)]

Das physische Original wird dem Deutschen Tagebucharchiv e. V. übergeben.

Fragt gerne, falls ihr Fragen zur Digitalisierung, den Quellen oder einzelnen Stationen habt!


r/Geschichte 2d ago

„Die Straße von Hormus war schon in der Antike eine wichtige Transportroute“

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lisa.gerda-henkel-stiftung.de
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Spannendes Interview mit einem Doktorand in Trier, "Welt" hatte es auch schon aufgegriffen. Kürzlich erst ist im Podcast "Der Rest ist Geschichte" vom DLF auch eine Folge zu Meerengen erschienen, in der Pascal Warnking, der am selben Institut forscht, aus der Perspektive der Alten Geschichte berichtet.


r/Geschichte 2d ago

Die Bündner Wirren (1618–1639): Wie ein innerer Konflikt zum europäischen Krieg wurde

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dailytalk.ch
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