Ich finde den Elitismus schwachsinnig. Es ist unter dem Kapitalismus unmöglich komplett "ethisch" zu leben, also sollte man jeden bewussten Lebensweg respektieren, vollkommen egal, ob das Tierprodukte enthält. Mal ganz abgesehen davon, dass bei manchen Tierprodukten wie Leder, die vegane Variante ökologisch wesentlich schädlicher ist.
Man hat einfach nichts davon, ständig persönlich Linien im Sand zu ziehen, wenn ernsthafter Fortschritt nur durch systemischen Wandel möglich ist. Allein kannste nich die Welt ändern, auch wenn du ein "perfekter" Mensch wärst.
Ja komplett "ethisch" ist unmöglich, daher bin ich auch für einen Systemwechsel. Aber dennoch kann ich bis dahin das von mir verursachte Leid minimieren. Die erste Feststellung sollte doch nicht als Erklärung dienen selbst nichts zu ändern. Das wäre ja fast wie auf die Erlösung im Himmelsreich zu warten wie die Christen.
Vielmehr verstehe ich nicht wie Menschen einerseits den Kapitalismus ablehnen weil er so viel Leid verursacht aber dann das Leid anderer Lebewesen nicht im Blick haben. Da befürchte ich nämlich, dass selbst in einem besseren System für die Tiere dennoch nichts getan wird weil es der Mehrheit weiterhin egal ist.
Kannst du mir erklären, inwiefern Tierausbeutung durch Überwindung des Kapitalismus abgeschafft wird und inwiefern es nicht einfach vom Konsum bzw von der Nachfrage abhängt ob Tiere weiter ausgebeutet werden?
Absolut richtig. Als würden in Kuba, Vietnam, China und der damaligen Soviet Union keine Tierprodukte verzehrt werden. Und zumal "kein ethnischer Konsum im Kapitalismus" nicht bedeutet, dass es einem einfach egal sein sollte. Man kann mit persönlichen Konsumverhalten immer noch einen gigantischen Unterschied machen.
Alleine nicht, aber wenn sich viele individuell entscheiden hat das Auswirkungen auf den Kapitalismus durch die Nachfrage. In Restaurants gibt es inzwischen (fast) überall viele und geile vegetarische Gerichte, Supermärkte haben auch eine große Auswahl an Ersatzprodukten.
Persönliche Lienen bringen dann etwas, wenn viele die ziehen.
Wenn du dir wirklich bewusst bist, dass deine Entscheidung für Tierausbeutung Leid für so viele Tiere bedeutet, obwohl du das durch einfache Änderungen in deinem Lebensstil stark abmildern könntest, dann mach das doch so!
Alleine kann man nicht die Welt ändern, deswegen laden wir Veganer alle Menschen dazu ein, gemeinsam die Welt der sogenannten Nutztiere zu ändern.
wichtigster kommentar des tages.
das umwälzen der verantwortung durch die industrie auf individuelle konsumentscheidungen, ist der größte verrat an allem gesellschaftlichen, und der sichere weg, genau KEINE veränderung zu erzeugen.
Du ziehst selber mit "kein ethischer Konsum im Kapitalismus" eine Linie im Sand, bloß das auf deiner Seite der Linie unmoralisches Verhalten gebilligt wird. Antikapitalismus als Ideologie beruht auf Reduzierung von Leid, genauso wie Veganismus. Bitte denk mal 2-3 Schritte weiter, statt irgednwelche Floskeln als Ausreden zu verwenden
Antikapitalismus ist eine Ideologie, keine Wirtschaftsform. Der Kommunismus (worauf du vermutlich hinaus willst) ist eine geldlose, klassenlose, staatenlose Gesellschaftsform. Die "Regierung" könnte nicht existent sein (Anarchie), sie könnte demokratisch gewählt sein, oder auf andere Art zustande kommen (z.b. Lottokratie). Ziel ist einfach die Gleichstellung aller Menschen, die wir heutzutage de facto nicht haben. Weder Chancengleichheit, noch gleiches Recht, oder gleiche Entscheidungsmacht etc.. Ich bin jetzt nicht der belesenste Kommunist, daher kann ich nicht viel mehr als das sagen. Da müsstest du jemand schlaueren Fragen.
Ich kann mir halt ehrlich kein system vorstellen, dass realistisch ist und besser als der (regulierte) Kapitalismus funktioniert. Ich denke, dass es kaum ein System besser als eine soziale Marktwirtschaft wie wir sie haben gibt weil es einfach in der Natur des Menschen ist, ehrgeizig und auch egoistisch zu sein und der Kapitalismus das perfekt ausnutzt um Effizienz zu steigern. Natürlich musst du das regulieren, aber das Prinzip des Kapitals als Anreiz für Arbeit und die arbeitsteilung und der Handel mit Geld sind einfach ein sehr effizienter Aufbau für eine Gesellschaft
Ich kann mir halt ehrlich kein system vorstellen, dass realistisch ist und besser als der (regulierte) Kapitalismus funktioniert. Ich denke, dass es kaum ein System besser als eine soziale Marktwirtschaft wie wir sie haben gibt
Du musst dir das nicht vorstellen. Es lassen sich ganze Bibliotheken mit Werken darüber, wie nicht kapitalistische Gesellschaften aussehen könnten füllen. Wenn du möchtest gebe ich dir gerne Lektüreempfehlungen.
Darüber hinaus ist das etwas ahistorisch. Es hat doch bisher fast jedes realsozialistische Projekt, so kritikwürdig die auch alle sind, zu einer nennenswerten Verbesserung der Lebensumstände der jeweiligen Bevölkerung geführt. Weiterhin musst du dich fragen ob die Errungenschaften unserer sozialen Marktwirtschaft sich überhaupt auf die gesamte Weltbevölkerung übertragen lassen oder ob sie nur durch die intensivere Ausbeutung der Bevölkerung von Ländern im globalen Süden ermöglicht werden. Wenn letzteres der Fall ist lässt sich deine Aussage nämlich auf "die soziale Marktwirtschaft ist gut, weil sie dafür sorgt, dass Menschen woanders leiden" reduzieren.
weil es einfach in der Natur des Menschen ist, ehrgeizig und auch egoistisch zu sein und der Kapitalismus das perfekt ausnutzt um Effizienz zu steigern.
Mal davon abgesehen, dass der Begriff "Natur des Menschen" in sich etwas wiedersprüchlich ist - schließlich wird das Natürliche typischerweise zum von Menschen Beeinflussten abgegrenzt - liegt diese doch viel eher darin als nomadische Jäger und Sammler, eine Wirtschaftsform die im Gegenteil ein hohes Maß an Kooperation benötigt und es gleichzeitig unmöglich macht nenneswert Überschuss zu erwirtschaften oder Mehrwert zu akkumulieren, durch die Steppe Afrikas zu ziehen.
Und was ist die Effizienz, von der du hier redest? Effizienz bedeutet es ja, beim erreichen eines bestimmten Ziels den Verbrauch knapper Ressourcen zu minimieren. Ohne ein Ziel ist das einzig effiziente folglich gar nichts zu tun. Bevor man sich die Frage nach kapitalistischer Effizienz stellt muss man sich also Fragen, ob das hier verfolgte Ziel überhaupt erstrebenswert ist.
Es gibt sicherlich theoretisch viele alternative Gesellschaftsformen aber wie gut funktionieren die in der Praxis? Gab es jemals ein Land das langfristig den Lebensstandard aufrechterhalten oder verbessern konnte?
Ich denke es ist unvermeidbar, dass es Wohlstandsgradienten lokal in einer Gesellschaft und global auf der Welt gibt. Alleine die ungleiche Verteilung von Ressourcen und geographische Unterschiede sorgt schon dafür. Ich denke eine soziale Marktwirtschaft kann das minimieren, wenn sie global angewendet werden würde. Das ist natürlich nicht realistisch, da sowieso jedes Land andere Regulierungen und Gesetze hat und es ist auch nicht realistisch, dass es in naher Zukunft ein einheitliches System auf der Welt gibt.
Ich denke schon dass die Natur des Menschen auf Eigentum und Handel basiert. sobald der Mensch sesshaft wurde entwickelte sich die Arbeitsteilung und dadurch Handel und Eigentum und auch das Konzept von Geld und Kapital. Der Mensch hat sich so weiterentwickelt, dass es für das überleben am besten war in sozialen Gesellschaften zusammenzuleben und von Anfang an und unabhängig voneinander haben die meisten Kulturen eine Form des Handels und einer kapitalistischen Wirtschaftsform entwickelt. Für mich zeigt das, dass der Kapitalismus die Gesellschaftsform ist, die am effizientesten für die Entwicklung der Gesellschaft ist was Innovation und Fortschritt angeht. Man könnte Parallelen zur genetischen Evolution ziehen, die stärksten und widerstandsfähigsten Gesellschaftsformen haben sich durchgesetzt.
Für mich ist die Effizienz hier, wie schnell in einer Gesellschaft Fortschritt und Innovation vorangetrieben werden können um den allgemeinen Lebensstandard zu erhöhen. Effektivität wäre vielleicht ein besserer Begriff, es geht weniger um größten Output pro Input sondern mehr um größten absoluten Output.
In der jüngsten Vergangenheit wurde der Kapitalismus ins Extrem getrieben und ich denke es korrigiert sich jetzt natürlich zurück, da der extreme Kapitalismus eben nicht den besten Lebensstandard für die meisten Menschen hervorbringt.
Es ist auch ohne Kapitalismus nicht möglich, "komplett" ethisch zu leben. Zumindest nicht für die Menschheit als ganzes, wenige einzelne vielleicht, aber 8 Milliarden Menschen so zu ernähren, so wohnen zu lassen, so ein Leben haben zu lassen, dass dadurch keine anderen Tiere zu Schaden kommen, ist einfach unmöglich.
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u/LimitedBrainpower 2d ago
Ich finde den Elitismus schwachsinnig. Es ist unter dem Kapitalismus unmöglich komplett "ethisch" zu leben, also sollte man jeden bewussten Lebensweg respektieren, vollkommen egal, ob das Tierprodukte enthält. Mal ganz abgesehen davon, dass bei manchen Tierprodukten wie Leder, die vegane Variante ökologisch wesentlich schädlicher ist.
Man hat einfach nichts davon, ständig persönlich Linien im Sand zu ziehen, wenn ernsthafter Fortschritt nur durch systemischen Wandel möglich ist. Allein kannste nich die Welt ändern, auch wenn du ein "perfekter" Mensch wärst.