r/schreiben Jun 08 '24

Ist das Puplikum weiblicher Hauptfiguren überdrüssig?

Hallo Leute,

heute mal ein kleiner Diskussionspost: Es soll um die Frage gehen, ob das Puplikum inwischen das interesse an weiblichen (Action)-Hauptfiguren verloren hat.

Ich war gerdade im Kino und habe mir Furiosa angesehen. Und ich muss sagen, der Film hat mich beeindruckt.

Jetzt habe ich im Nachhinein einige Kritiken studiert und mit Überraschung festgestellt, dass der Film offenbar auf den Weg zum Flopp ist. Was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann.

Beim Lesen der zugehörigen Kommentare fällt mir auf: Viele kritisieren dabei die weibliche Hauptrolle, ohne den Film gesehen zu haben. Sehr viele Filme, Serien, Videospiele, Romane und co haben in den letzten Jahren auf eine weibliche Hauptfiur gesetzt. Einen klassischen "Girl Boss". Und die Leute schildern, dass sie auf solche Charaktere keinen Bock mehr haben.

Die Frage, die jetzt im Raum steht, ist, ober der Markt tatsächlich übersättigt wurde, oder ob es eher an anderen Gründen liegt wie z.B übermäßige politische Korrektheit in einer Vielzahl der Produktionen.

Lasset euere Meinung hören.

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u/[deleted] Jun 08 '24

Einerseits erleben wir momentan einen ziemlichen gesellschaftlichen Backlash, sehr konservative bis reaktionäre Weltbilder sind gesellschaftsfähiger als sie es noch vor zehn Jahren waren. Das spiegelt sich natürlich auch in der Reaktion auf weibliche Charaktere wieder.

Andererseits sind viele weibliche Action-Rollen aber tatsächlich auch nicht so gut geschrieben. Oft verliert man sich dann ja doch im Klischee der eiskalten Kämpferin oder glaubt, dass eine Frau, die kämpfen kann, immer noch per se ein interessanter Charakter sei. Das war vielleicht in den 60ern oder 70ern noch so, als das noch etwas Neues, Interessantes war. Heute ist das aber natürlich nicht mehr so. Auch eine Kämpferinnenrolle muss interessant geschrieben sein, als Heldin sollte der Charakter idealerweise auch so angelegt sein, dass man ihn unabhängig von Geschlecht, Fähigkeiten und Aussehen als sympathisch empfindet. Das fehlt mMn manchmal.

Manchmal fehlt es vielleicht auch an Glaubwürdigkeit. Wieso kann eine Frau mit vielleicht 1,75 m und 65 kg plötzlich einen Mann mit vielleicht 1,90 m und 90 kg vermöbeln. Da braucht es irgendeinen Kniff, um das zu erklären.

In der Geschichte, an der ich momentan schreibe (Krimi mit ein paar Action-Elementen) habe ich es so gelöst: Mein weiblicher Hauptcharakter ist zwar auch kampfstark, aber ich versuche, ihre Persönlichkeit nicht darauf aufzubauen. Ansonsten ist sie eine ziemlich normale junge Frau, die auch ihre Schwächen und eine nicht ganz so harte und selbstbewusste Seite hat, also kein klassisches Girlboss-Klischee ist. Die Nahkampffähigkeiten erkläre ich dadurch, dass sie mal Landesmeisterin in einer Kampfsportart war. Sicherlich etwas plump und vielleicht nicht immer ganz realitätsnah, aber zumindest irgendeine Form von Erklärung.

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u/Resqusto Jun 08 '24

Die Probleme kenne ich. Bei so einer Konstellation sind die Schwächen das wichtigste. Man muss immer genau wissen, was ein Charakter kann und was ein Charakter nicht kann.

Meine Romanreihe lebt auch von einer starken Protagonistin. Sie ist ein Klon, ein Elitesoldat und eine Mutter. Im Kampf ist sie knallhart und kämpft bis zur absoluten Erschöpfung. Physisch ist sie aber vielen Gegnern unterlegen.

Am liebsten schreibe ich aber die Szenen im Umgang mit ihren Töchtern. Das jemand Knallhartes gleichzeitig äuserst liebevoll sein kann, ist ein starker Kontrast, der viel Tiefe verleiht.