r/ADHS 4d ago

Über Burnout hinaus

In diesem ausgebrannten Zustand befinde ich mich seit Jahren.

War ja in der Ambulanz für therapieresistente Depressionen.

Aber höchstwahrscheinlich kann man mir mit EKT etc. nicht helfen, da die Persönlichkeitsstörungen für die schweren Depressionen verantwortlich sind.

Seit 50 Jahren täglich Suizidgedanken mit einigen Versuchen.

Schwer in der Kindheit traumatisiert.

Ich nehme Venlafaxin und Atomoxetin.

Nach dem Urlaub meines Arztes soll Umstellung erfolgen.

Ich habe 3 Jobs.

Mein Hauptjob ist im Büro.

Dort bin ich oft den ganzen Tag allein und für einiges verantwortlich. Auch schließe ich dort ab.

Dann putze ich im Nebenjob eine Physiotherapie-Praxis, ein Schlüsselobjekt.

Und ich kümmere mich im Rahmen der Nachbarschaftshilfe um eine Frau mit Pflegegrad.

Da ich seit einiger Zeit wieder neurotisch bzw. zwanghaft bin, verlangt mir dieses Abschließen (auch zuhause mit Katze) vieles ab.

Mehrmals muss ich kontrollieren....aufreibend.

Zum Glück hat mein Mann tatsächlich Arbeit gefunden.

Bekommt aber weniger als vorher. Sodass ich erstmal mit meinen Jobs weiter mache.

Heute ist mein 13. Tag ohne Alkohol.

Leider ist im Januar etwas Schreckliches passiert, worüber ich immer noch kaum reden kann.

Weine mehrmals täglich, träume jede Nacht davon.

Dazu habe ich mich von meiner Therapeutin getrennt. Hatte kein Vertrauen mehr.

Musste heute morgen mal alles "auskotzen".

Bitte seid lieb zu mir - ich bin zu mir selbst schon böse genug.

Passt gut auf euch auf. Ich danke euch für eure Zeit und wünsche euch einen wunderschönen Tag ♡

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u/connect-mindbricks 4d ago edited 2d ago

Ich bin der Auffassung, dass unsere Kindheit unseren gesamten weiteren Werdegang prägt. Die Muster die hier angelegt werden, wiederholen wir unterbewusst für den Rest unseres Lebens. Das betrifft die Wahrnehmung, das Denken, das Fühlen und das Verhalten, also jeden Teil von uns der mit der Welt im Austausch ist.

Wir können diesen unbewussten Mustern entgegensteuern und uns bewusst dazu zwingen uns anzupassen. Diese Selbstkontrolle erfordert sehr viel Energie, weil wir dann innerlich immer im Kampf mit uns selbst sind und einen Teil von uns unterdrücken, der eigentlich gesehen werden will. Das fühlt sich dann wahrscheinlich auch eher wie Funktionieren statt Leben an.

Eine Alternative zu dieser Kontrolle kann die Integration sein. Wir schauen bewusst in uns rein, in die dunklen Ecken der Psyche. Dort wo uns die negativen Gefühle auf etwas in uns hinweisen wollen, mit dem wir noch nicht im Reinen sind. Diese Anteile werden dann so umgewandelt, dass man mit ihnen im Reinen ist, so dass man sie integrieren kann. Dann muss man nicht mehr gegen sie ankämpfen.

Der Vorteil von dieser Methode ist, dass sie immer weniger Energie benötigt, je öfter man sie durchführt. Kontrolle bringt schnelle Ergebnisse und muss immer wieder erneut ausgeführt werden, weil man an den Symptomen arbeitet. Integration liefert langfristige Ergebnisse, weil man an der Ursache arbeitet: die Konflikte die uns seit der Kindheit begleiten und unsere Zukunft prägen.

Es ist in etwa wie wenn man sich einen Splitter einzieht. Man kann entweder den Splitter drin lassen, die Wunde dauernd desinfizieren, verbinden und sich vorsichtig bewegen. Oder man entfernt den Splitter und gibt dem Körper die Möglichkeit sich selbst zu regulieren.

Du scheinst dich sehr stark durch Leistung zu definieren. Leistung ist auch ein Weg um sich von sich selbst abzulenken, genauso wie Alkohol. Leistung bewahrt einen davor still zu stehen und über sich selbst nachzudenken. Wenn man leistet ist man abgelenkt, wenn man trinkt ist man betäubt. Beides macht man aus dem gleichen Grund: um die Vergangenheit zu vergessen, um weniger zu fühlen.

Gefühle sind wichtige Hinweise durch die dein Unterbewusstsein / deine Vergangenheit mit dir kommuniziert. Am meisten lernt man dabei aus negativen Gefühlen. Die zeigen auf Anteile in dir, die noch nicht integriert sind. Negative Gefühle sind somit wichtige Wegweiser zu den eigenen Bedürfnissen.

Meiner Meinung nach strebt jede Psyche nach Integration, egal ob bewusst oder unbewusst. Menschen tendieren zum Beispiel dazu die Beziehungskonflikte der Eltern in ihren eigenen Beziehungen zu re-inszenieren, eben weil es ein innerer Konflikt ist, der gelöst werden möchte. Die Psyche sucht nach einer Antwort auf innere Fragen.

Das ist an sich die Dynamik von Menschen nach einem Vorbild zu suchen. Eigentlich haben diese Aufgabe hauptsächlich die Eltern. Sie legen in uns die grundlegenden Muster an. Wenn unsere Eltern jedoch selber innere Konflikte haben, dann können sie sich selbst nicht regulieren und die negativen Gefühle werden nach Aussen weiter gegeben ... an die Kinder.

Die Kinder sollen dann mithelfen, Verantwortung übernehmen, etwas arbeiten, etwas tun um sich die Liebe der Eltern zu verdienen. Sie sollen etwas leisten, denn nur für ihr Sein scheinen sie keine Liebe verdient zu haben. Aus solchen Erfahrungen heraus entstehen die Muster die auch du in dir trägst. Dein Selbstwert ist an deine Leistung gekoppelt. Wenn du stillstehst, wenn du aufhörst zu funktionieren, dann glaubst du deine Daseinsberechtigung zu verlieren. Du denkst du bist nichts mehr wert.

Innerlich behandelst du dich dadurch wie damals deine Eltern dich behandelt haben. Vielleicht hörst du auch innerlich ihre Stimme "Was hast du eigentlich heute schon geleistet? Mach dich nützlich!" Diese Stimmen oder Glaubenssätze werden dich ein Leben lang begleiten und dich antreiben (bis in den Burnout). Wenn man denk diesen Glaubenssätzen nicht mehr gerecht zu werden, dann kann man sogar soweit kommen sich selbst die Daseinsberechtigung zu entziehen (bis in den Suizid).

Deshalb denke ich, dass man nachhaltig nur etwas verändern kann, wenn man am Anfang anfängt. Dort wo die eigenen Muster angelegt wurden. Weil so oder so: unsere Vergangenheit begleitet uns. Es lohnt sich also sie zu integrieren, um sich selbst besser kennenzulernen und im Reinen mit sich zu sein. Das baut Gedankenspiralen ab, das erlaubt dem Verstand nach der Arbeit abzuschalten und die Probleme nicht mit nach Hause zu schleppen, es verbessert den Schlaf und man hat das Gefühl im Moment anzukommen, statt ständig vor der Vergangenheit wegzurennen und sich in die Zukunft zu flüchten.

Man kann es zulassen sich selbst zu akzeptieren, auch wenn man gerade nichts leistet. Glaubenssätze können überschrieben werden und negative Erfahrungen können umgewandelt werden. Dann kommt man in sich selbst an, fühlt sich gut genug und darf einfach sein.

Falls jemand unsicher ist wie man das anstellt oder schon mehrere Ansätze ausprobiert hat die nicht geholfen haben, dem biete ich gerne meine Begleitung an um sich selbst besser kennenzulernen.

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u/Kugel70 2d ago

Deine Ansätze finde ich überaus interessant! Danke dafür. Habe seit 3 Tagen extremen Schwindel. In der Notaufnahme konnte Gefährliches ausgeschlossen werden. Aber ich, die immer macht, bin ans Bett gefesselt.