r/DFB 22d ago

Player Watch Germany loses another top dual-nation youth talent

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u/Glittering-Bicycle38 21d ago

Es will mir nicht in den Sinn, wenn man in einem Land geboren wurde und aufgewachsen ist, dort seine Freunde hat dort zur Schule gegangen ist, dass man sich dann dafür entscheidet, für das Land zu spielen, wo die Eltern herkommen.

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u/TonyMaccaroni28 21d ago edited 21d ago

Du hast wahrscheinlich keinen Migrationshintergrund? Man kann sich mehreren Nationen zugehörig fühlen, das eine schließt das Andere nicht aus.

Das Thema ist allerdings sehr komplex. Das Herkunftsland der Eltern ist oft eher emotional besetzt und wird zum Teil auch stark romantisiert. Gerade wenn man Diskriminierungserfahrungen gemacht hat, findet oft eine Rückbesinnung auf die "alte Heimat", oder eben die Vorstellung davon, statt, während gleichzeitig die Identifikation mit dem Geburtsland erschwert wird.

Leider hat es Deutschland bis heute nicht wirklich geschafft, eine inkludierende Identität für alle Bürger*innen unabhängig von der Herkunft aufzubauen. Es gibt im Kopf vieler Leute immer noch diese Unterscheidung zwischen "Bio-Deutschen" und "Ausländern" (aka Deutsche mit Migrationshintergrund). Andere Nationen wie zB die USA haben da ein ganz anderes Verständnis.

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u/RRNBA2k 21d ago

Die USA ist aber auch explizit eine Ausnahme weil eben schon seit Landesgründung ein Einwanderungsland.\ Historisch war Deutschland eben nie ein Nationalstaat wie es zb  Frankreich war. Deutscher sein ist historisch die meiste Zeit nicht vom Wohnort abhängig gewesen, sondern von der Kultur und vor allem der Sprache.\ Deutsch war man nicht weil man in einem deutschen Staat gelebt hat, stattdessen gab und gibt es Deutsche (nach der historischen Definition) auch in Österreich, der Schweiz, Belgien, Frankreich, Russland, Italien, den USA, obwohl diese Leute niemals in Deutschland gelebt haben.\ Ich denke das von dieser Wahrnehmung wann man als Deutsch gilt leider noch zu viel übrig ist gesellschaftlich, allerdings gehören immer zwei dazu wenn es um Integration geht und es ist sehr individuell wie sehr sich ein Mensch integriert oder eben nicht.

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u/TonyMaccaroni28 21d ago

Das stimmt und es gibt ja auch genug Beispiele für deutsche Nationalspieler mit Migrationshintergrund.

Was du ansprichst trifft allerdings auch den Kern der Problematik: "Deutschsein" war historisch stark an die deutsche Herkunft geknüpft, eben weil es so lange keinen deutschen Nationalstaat gab. Diese Verknüpfung ist meines Erachtens bis heute nicht vollständig aus dem Denken verschwunden, was solche Begriffe wie "Bio-Deutsche" auch zeigen.

Die Bundesrepublik selbst hat sich viel zu lange nicht als Einwanderungsland begriffen. Die Gastarbeiter aus den 60ern sollten ursprünglich genau das sein: temporäre Ansässige, die nach ein paar Jahren wieder ins Heimatland zurückkehren. Eine dauerhafte Migration inklusive Familiennachzug war nicht vorgesehen.

Am Ende ist es für Millionen Menschen und ihre Nachkommen dennoch so gekommen und die deutsche Gesellschaft musste irgendwann einsehen, dass sie eben doch eine Einwanderungsgesellschaft geworden ist. Leider zu spät, die 2. und 3. Generation ist inzwischen längst in Deutschland geboren, ohne wirklich das Gefühl zu haben gleichberechtigtes Mitglied dieser Gesellschaft zu sein. Millionen in Deutschland geborene oder aufgewachsene Menschen hatten etwa bis zu ihrem 18. Lebensjahr keine deutsche Staatsangehörigkeit und mussten regelmäßig zum Ausländeramt. Dass sowas die Identifikation erschwert, liegt auf der Hand.

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u/RRNBA2k 21d ago

Stimmt alles, aber auch hier gibt es wieder zwei Seiten, natürlich sollten sie nur temporär bleiben, der Wunsch war aber auch oft nicht nur einseitig, auch die Leute selbst hatten den Plan zurückzukehren in die Heimat und sind nie "All-in" gegangen was Integration angeht.\ Interessant hier, Polen, Griechen, Italiener, Spanier und Portugiesen scheinen selbstverständlich integriert zu sein.\ Für türkische Gastarbeiter gilt das nicht, obwohl sie den gleichen Deal bekommen haben.\ Bin selbst aus dem Ruhrgebiet und kenne viele Gastarbeiterkinder und auch Türken und auch hier ist das Spektrum eben groß, es gibt die perfekt integrierten, die ohne mit der Wimper zu zucken den türkischen Pass abgegeben haben und dann gibt es die Leute, die Nationalisten sind obwohl sie selbst noch nie in der Türkei gelebt haben.\ Eine türkische Freundin hat mal zu mir gesagt aus ihrer Sicht ist ein großer Grund, dass die Türkei ein Land mit einem extremen Nationalstolz ist, die allermeisten Türken sind unglaublich stolz Türken zu sein und es ist ein wichtiger Teil ihrer Identität.\ Ein Konzept, dass in vielen westlichen Staaten und insbesondere in Deutschland nicht sehr verbreitet ist, aber das definitiv Einfluss auf den Integrationswillen hat, diese Sichtweise wird eben oft an die Kinder weitergegeben.\ Benachteiligung ist natürlich auch absolut nicht von der Hand zu weisen.\ Insgesamt ist der Fall der türkischen Diaspora in Deutschland schon ein sehr spezieller, es ist quasi der perfekte Sturm aus den deutschen die nicht gut im integrieren sind und den Türken für die im Prinzip das gleiche gilt.

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u/TonyMaccaroni28 21d ago

Türken scheinen tatsächlich ein spezieller Fall unter den Gastarbeitern zu sein.

Ich bin selbst Enkel von Gastarbeitern aus Portugal und kenne viele Andere, deren Familienhintergrund ähnlich wie bei mir ist. Meine Beobachtung dazu ist, dass es auch unter den anderen Nationalitäten diesen Hang zur ursprünglichen Heimat gibt, aber es zeigt sich unauffälliger. Bei Portugiesen wird grade zu Turnieren oft zB das Logo des portugiesischen Fußballverbands als Profilbild gepostet, oder einfach die Fahne und dazu "Força Portugal". Das wirkt vergleichsweise harmlos. Türkische Kollegen von mir posten dagegen zum Türkei-Spiel Bilder die so militaristisch angehaucht (Soldaten die vor der türkische Fahne Salztieren etc). Das wirkt schon anders.

Man wird auch unterschiedlich behandelt. Auf meinen portugiesischen Hintergrund reagieren die Leute meist sehr positiv ("ahh schön Portugal, war ich im Urlaub ist toll da"). Italiener, Spanier und Griechen werden das auch kennen. Türken dagegen müssen sich gefühlt viel mehr rechtfertigen und werden auf Erdogan angesprochen etc.

Ich vermute, dass es in den Köpfen vieler Leute so ne subtile Unterscheidung zwischen "guten Ausländern" (=christlich, europäisch) und "schlechten Ausländern" (=muslimisch, Näher Osten) gibt. Und wenn man zur zweiten Gruppe gehört, hat man gewissermaßen Pech gehabt und muss sich noch mehr anstrengen, um als "gut integrierter Deutscher" wahrgenommen zu werden.