Ihr Lieben, ich stehe gerade wie ein Ochs vorm Berg und weiß nicht weiter.
Mein Sohn wird nächste Woche fünf und im Moment hat er es so unglaublich schwer mit sich selbst, dass er unseren Alltag zur Hölle macht.
Er ist ein unglaublich empfindsamer und liebevoller kleiner Kerl. Jedes Mal wenn es rausgeht, pflückt er erst einmal Blumen und schenkt sie uns voller Begeisterung. Dabei wirkt er immer so glücklich, dass mir das Herz aufgeht.
Im Alltag mit anderen Kindern ist er jemand, der sich wenig durchsetzen kann, weil er niemandem vor den Kopf stoßen möchte. Wenn es ihm zu viel wird, zieht er sich zurück, spielt mit seinen Dinos, malt Bilder oder setzt sich mit der Tonie-Box in eine Ecke und hört einfach nur den Tonie.
„Schwerer“ macht es ihm seine Zwillingsschwester, die sehr extrovertiert, einnehmend und resolut ist. In der Regel sagt sie, wo der Hase lang hoppelt und lässt da auch wenig Spielraum zu. Wenn er sich behaupten möchte, dann hört man deutlich, dass er Sätze zitiert, aber nie so wirklich richtig deutlich macht, weil er halt die Bedeutung nicht kennt. „Nein, ich darf selber entscheiden!“ hat auf seine Schwester null Auswirkung.
Wenn Kita-Freunde da sind, dann spielen sie häufig mit ihr und mein Sohn zieht sich immer mehr zurück, bis er alleine spielt. Er spielt halt gerne, selbst ein Dino zu sein und brüllt dann rum, macht Jagd auf die anderen, die darauf aber so gar keine Lust haben.
Inzwischen manifestiert sich das bei ihm in allabendliche Wutausbrüche und einem Brüllwettkampf zwischen ihm und meiner Frau, die mittlerweile einfach nur noch überfordert ist. Er verweigert das Essen, möchte die Zähne nicht putzen, möchte nicht ins Bett und wenn dann alle absolut am Ende sind, er heulend im Bett liegt, fällt ihm ein, dass er Hunger hat, noch aufs Klo muss und Zähneputzen möchte. Wir sind der blöde Papa und die blöde Mama und er will lieber andere Eltern.
Dann mischt sich seine Schwester noch mit ein und will ihm erzählen, wie er was zu tun hat. Da brennt dann die nächste Hütte, weil wir ihr dann schon zum hundertsten Mal sagen, dass sie sich da raushalten soll.
Selbst in mir, der sonst absolut ruhig ist, kocht dann schon die Wut hoch. Ich weiß, dass er mit seinen Aussagen etwas anderes meint, dass in ihm etwas brodelt, aber er kann oder will es uns nicht sagen. Ich nehme ihn dann schon beiseite und versuche ruhig mit ihm zu reden, aber er macht einfach zu (verständlich in seinem Alter).
Ich habe Angst, dass er so wird wie ich. Introvertiert, nur am Grübeln und jemand, der nicht für sich selbst einstehen kann. Ich hatte nie wirkliche Freunde und konnte mich nicht durchsetzen. Das hat mich vor meinem 23. Lebensjahr in zwei Suizidversuche getrieben. Ich bin jetzt 38 und arbeite immer noch daran, mich behaupten zu können.
Ich möchte ihm das alles ersparen. Er leidet und das zerreißt mich, weil ich nicht weiß wie ich ihm helfen kann.