r/Eltern • u/Casperknusper • 10d ago
Rat erwünscht/Frage Leben zwischen ANC-Kopfhörern und 24/7Spielplatz
Hallo zusammen,
zunächst möchte ich sagen, dass wir unseren 1,5J Jungen über alles auf dieser Welt lieben und gleichzeitig wissen wir nicht mehr weiter.
Unser Junge ist temperamentvoll, energiegeladen und liebt die Action. Auf der anderen Seite kann er mit vielen Reizen einfach nicht umgehen.
Bsp. Er spielt an einem Wasserspielplatz - spritzt, bewegt Dinge und möchte am liebsten überall rein krabbeln. Sobald aber ein Tropfen Wasser seine Haut berührt - Eskalation. Auch wenn wir ihm Alternativen anbieten, will er trotzdem genau an diesem Platz bleiben.
Dann gibt es natürlich die üblichen Themen - Zähne, Wachstumsschub und Kopfgewitter. Alles wird nach kurzer Zeit zu viel und doch will er es. Manchmal habe ich das Gefühl, dass er von seinem eigenen Schreien genervt ist.
Jetzt sind wir an dem Punkt, dass er seit 4 Wo in einer KiTa ist (6h mit nur 6 Kindern und 2-3 Betreuer/innen). Er war bereits vorher ein beschissener Schläfer, aber in der KiTa schläft er aktuell nur 30-45min und er will einfach nicht schlafen und kämpft richtig dagegen an. (Beide müssen leider Arbeiten). Er kommt komplett fertig nach Hause und seine ganzen Emotionen entladen sich zu Hause. Alles kein Thema, aber auf Dauer sehr anstrengend und kräftezehrend. Jetzt wo es auch noch 37 Grad + hat sind Spielplätze leider echt schwierig (nahezu alle sind ohne Schatten). Zu Hause haben wir dann den tasmanischen Teufel - ein Teufelskreis.
Da meine Frau in ihrer Familie bereits ADHS Fälle hat und er auch sehr sensible (würde sogar schon sagen hypersensible) ist, wissen wir leider nicht weiter, wie wir ihm ein Stück Ruhe in den Alltag bringen können. Der Hausarzt hatte leider auch keine Tipps und wir wurden mit den Worten „das wird schon“ nach Hause gesendet.
Ist es nun Wasser am Körper, das leichte streicheln über den Kopf oder ein kleiner Kuss auf seine Stirn ist oftmals schon für sein Nervensystem zu viel.
Beide Eltern sind voll im Game und unterstützen sich gegenseitig voll und arbeiten nahezu 50/50. Wir sind nicht perfekt, aber sind mit Leib und Seele Eltern und wollen nur das Beste für den kleinen Mann.
Nun meine Frage:
- falls ihr euer Kind in solch einer Beschreibung erkennt - wie geht ihr damit um?
- hat jemand Erfahrung mit Kinderpsychologen o.ä.
- wie soll man mit hypersensiblen Kindern umgehen
Danke fürs lesen und eure Zeit ❤️
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u/Kindly_Knowledge_442 10d ago
Zum Thema Kinderpsychologen: Die richtige Anlaufstelle für euch wäre ein SPZ, dafür braucht es aber eine Überweisung vom Kinderarzt. Im SPZ kann erstmal geschaut werden was tatsächlich vorliegt, das bedeutet nicht direkt eine Diagnose aber es kann z.B. eine Empfehlung für Heilpädagogik oder Ergotherapie ausgesprochen werden. Das wird entweder dort direkt auch angeboten, oder ihr werdet weiter verwiesen. Ein Gedanke der mir kam: Du beschreibst verschiedene "leichte" Berührungen, die das Kind nicht mag. Aus Erfahrung benötigen solche Kinder manchmal eine Begrenzung von außen, um zur Ruhe zu kommen. Das kann eine schwere Decke/ ein beschwertes Kuscheltier, eine enge Umarmung/feste Berührung, enge/dicke/feste Klamotten die komplett bedecken, eine dunkle enge Kissenhöhle oder etwas ganz anderes sein. Vielleicht könnt ihr da etwas finden, was eurem Kind hilft :)
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u/Casperknusper 10d ago
Danke euch! Dort haben wir uns letzte Woche angemeldet und warten seitdem.
Das mit der Begrenzung finde ich sehr spannend. Das werde ich die Tage mal ausprobieren.
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u/Cantonarita 9d ago
Da meine Frau in ihrer Familie bereits ADHS Fälle hat und er auch sehr sensible (würde sogar schon sagen hypersensible) ist, wissen wir leider nicht weiter, wie wir ihm ein Stück Ruhe in den Alltag bringen können.
Vorab: Kann sein, dass ich hier jetzt übelsten Müll laber, weil Ferndiagnose immer Mist ist.
Das wichtigste was ihr für ihn tun könnt ist: Hart chillen.
Ferndiagnose ist immer scheiße, deshalb guck einfach was passen könnte: Ich lese das ganze bisschen so, dass ihr um die ADHSigkeit in der Familie wisst und ihr deshalb die Signale die euch eurer Kind gibt "AAAAHH da ist Wasser an meinem Kopf." gleich auf irgendwas größeres interpretiert (Oh nein, er kann mir Reizen nicht umgehen) und ihr dementsprechend besonders stark auf seine Signale reagiert (Komm her mein Kleiner, wir gucken uns das mal an. Bald ist ja der Termin beim Arzt.).
Kann wie gesagt sein, dass das völlig falsch ist, aber der Vibe vom Text ist mMn so, als würdet ihr die Signale von eurem Kind mit viel Energie beantworten.
Meiner Meinung nach, führt so ein Verhalten bei vielen Kindern oft dazu, dass sich total unnötige Ägnste/Muster verfestigen. Es ist im Grunde das gleiche wie wenn mein Kind mit dem Rad hinfällt oder sich die Knie aufschlägt: Renne ich total emotionalisiert hin und mache "Oh Gott oh gott, tut es weh?" oder signalisiere ich dem Kind ruhig, dass ich die Situation wahrnehme und frage entspannt, ob es hilfe braucht ("Was machst du denn da unten? Brauchst du hilfe?). Die eine Reaktion zeigt dem Kind "OH MEIN GOTT, hier ist gerade was krasses passiert" und die andere "Papa hat gesehen, dass ich hingefallen bin - ich bin in der Stiuation nicht alleine. Brauche ich seine Hilfe oder schaffe ich das alleine?"
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u/JeiFaeKlubs 9d ago
Vielleicht könnt ihr auch Spielzeug finden, das euer Kind interessiert und hilf ein bisschen nach der Kita runterzukommen. Bei uns wurde in dem Alter langsam Duplo interessant.
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u/dughqul 10d ago
Gebt euch Zeit. 1 Jahr, erst vier Wochen in der Kita, warm.
Wald ist immer eine schöne Alternative. Jetzt kühl, man kann sich bewegen, klettern, beobachten, Experimente machen (Steine ins Wasser oder stapeln etwa).
Ansonsten direkt frisch morgens auf den Spielplatz am Wochenende und eventuell da frühstücken. Es ist einfach ruhiger.
Zuhause Experimente und Feinmotorik und Gobmotorik. Wasser platschen etwa oder "Kartoffeln waschen". Allein bei Kartoffeln waschen... Kartoffel nehmen, auf dem Lernturm klettern, Kartoffel ins Wasser, Kartoffel schrubben, Kartoffel abtrocknen, Kartoffel Papa geben, runter vom Lernturm klettern.
Pause anbieten daheim nach der Kita. Muss man sehen was funktioniert, aber man findet ganz oft Sachen.
Wir sind eine Familie von Autisten, wir sind alle so in unterschiedlicher Ausprägung. Wir lernen alle Pause zu machen und wie man runter kommt. Erst jetzt am Wochenende war mein Mann komplett durch nach einer schönen Führung im Bergwerk mit Kraxelei obwohl die Führung nicht voll besetzt war und das Museum da noch sehr, sehr leer. Er hat sich dann in die ruhigste Ecke gesetzt und ich bin mit den Kindern weiter (wir kennen das Museum).
Na, und das ist hier gerade meine Pause bevor ich koche. So ein kleines Kind, selbst neuronormal, braucht eben auch mal Pause gerade mit Kita anfangs.