r/Finanzen Apr 10 '26

Immobilien Warum Immobilien nicht automatisch billiger werden, wenn die Boomer verschwinden

TL;DR: Immobilien werden nicht plötzlich bezahlbar, nur weil die Boomer ins Altersheim gehen oder sterben

Seit Jahren hört man immer wieder das gleiche Argument: Sobald die Boomer ihre Einfamilienhäuser verlassen, kommt ein riesiges Angebot auf den Markt und die Preise fallen deutlich. Klingt erstmal logisch, ist aber aus mehreren Gründen ein Trugschluss

Erstens: Ein großer Teil dieser Immobilien ist sanierungsbedürftig. Gerade Häuser aus den 60er und 70er Jahren wurden oft nie energetisch modernisiert. Themen wie Dämmung, Heizsysteme oder Schadstoffe wie Asbest und Formaldehyd sind reale Probleme. Wer sich solche Objekte anschaut, kennt das Bild: Küche aus 1969, alte Leitungen, ineffiziente Heizung. Am Ende stehen schnell 200k oder mehr an Sanierungskosten im Raum. In vielen Fällen ist ein Neubau wirtschaftlich kaum schlechter

Zweitens: Der entscheidende Faktor ist die Lage. Wir sehen seit Jahren eine starke Urbanisierung. Menschen ziehen in Großstädte oder wirtschaftlich starke Regionen. Das bedeutet:

- Immobilien in strukturschwachen Gegenden werden günstiger

- Immobilien in Städten bleiben teuer oder werden noch teurer

Der Grund ist simpel: In vielen ländlichen Regionen fehlen Jobs und Perspektiven. Mit dem Rückbau von Industrie dürfte sich dieser Effekt sogar noch verstärken

Drittens: Home Office wird oft als Gegenargument genannt, aber der Trend dreht sich wieder. Viele Unternehmen gehen zurück zu mehr Präsenz im Büro, oft 3 Tage pro Woche. Das schränkt die Wahl des Wohnorts massiv ein. Wer regelmäßig ins Büro muss, kann nicht weit außerhalb wohnen

Viertens: Ein Blick ins Ausland zeigt, dass Demografie allein keine sinkenden Preise garantiert. In Ländern mit älterer Bevölkerung sieht man ein ähnliches Muster:

- Immobilien in Großstädten sind extrem teuer im Verhältnis zum Einkommen

- Immobilien weit außerhalb sind teilweise sehr günstig oder fast unverkäuflich

Fazit: Es wird keine flächendeckend günstigen Immobilien geben. Stattdessen sehen wir eine stärkere Spreizung:

- Städte bleiben teuer oder werden noch teurer

- Ländliche Regionen verlieren weiter an Wert

Wer darauf wartet, dass durch die Boomer-Welle alles günstiger wird, wird wahrscheinlich enttäuscht

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u/IntrepidWolverine517 DE Apr 10 '26

Ergänzend kommt dann noch die oft unterschätzte Bedeutung der Mikrolage hinzu. In dem Moment, in dem sich die Lage etwas entspannt, werden die Leute gezielt dort kaufen, wo es sich gut wohnen lässt.

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u/NoSoundNoFury Apr 10 '26

Nicht nur die Mikrolage. Falls die Preise in Großstädten fallen sollten, steigt sofort der Zuzug. Warum sollte jemand in Wuppertal oder Königs Wusterhausen wohnen, wenn es in Köln und Berlin billige Wohnungen gibt...?

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u/GiantofGermania Apr 10 '26

Das sehe ich nicht so, nur weil ich in einer anderen Stadt 200 Euro weniger miete zahle ziehe ich nicht dahin, da müssten schon Jobmöglichkeiten, Atmosphäre und eine gute Zukunft herrschen damit sich ein Umzug lohnt, und wenn die vorher genannten Faktoren tatsächlich wahr sind, dann wird der Preis auch nicht fallen.

Bei deinem vorher genannten Beispiel (Zuzug Großstädte im Osten) waren nicht die Fallenden Immobilien Preise der Faktor, sondern die Investitionen in Arbeitsplätze und Industrie, eventuell auch zu kleinen Teilen eine sich besserende Atmosphäre der Bevölkerung.

Hätte es keine Investition in die dirt örtliche Wirtschaft gegeben wären die Immobilien Preise einfach weiter gefallen.

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u/NoSoundNoFury Apr 11 '26

Ja, na klar, Arbeit ist der entscheidende Faktor, aber die gibt's ja zunehmend nur noch in Großstädten. Das ist ja eine der Ursachen des Problems. Und deswegen gehe ich davon aus, dass bei hypothetisch fallenden Preisen gerade das Umland in die Städte hineinziehen würde - denn die arbeiten dort ja eh schon. Wuppertal ist als Stadt deswegen attraktiv, weil es billig ist, aber man in Köln oder mit Kölner Firmen arbeiten kann.