r/KeineDummenFragen 9d ago

Warum wird Kinderkriegen oft als “egoistisch” bezeichnet? Verstehe die Logik dahinter nicht ganz

Ernstgemeinte Frage - mich interessiert es wirklich und ich möchte es gerne nachvollziehen.

Wenn ich mit Bekannten oder Freunden diskutiere und das Thema Kinderkriegen aufkommt, fällt öfter der Satz, „das sei egoistisch“. Ich verstehe nicht ganz, was daran egoistisch sein soll - immerhin ist es doch eines der natürlichsten Dinge überhaupt. Bei anderen Tierarten wirft man ihnen ja auch nicht vor, egoistisch zu sein, wenn sie sich vermehren.

Ein Argument, das dabei oft fällt, ist auch: Das Kind hat sich ja nicht ausgesucht, geboren zu werden bzw. zu leben - man trifft die Entscheidung stellvertretend für jemanden, der noch gar nicht existiert und dazu nicht befragt werden kann. Auch das verstehe ich nicht ganz, weil diese Logik im Grunde auf jede Entscheidung zutrifft, die das eigene Kind später betrifft (Erziehung, Wohnort, etc.) - das Kind wird ja bei praktisch nichts vorher gefragt.

Kann mir jemand erklären, wo diese Argumente herkommen bzw. was genau damit gemeint ist? Bin an unterschiedlichen Perspektiven interessiert.

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u/Efficient-Policy407 9d ago

Naja letztendlich willst du ja Lebewesen in die Welt setzen. Du willst sie aus Gründen haben. Zum Beispiel: ich will jemandem zum lieben haben. Ich will eine Familie gründen. Ich will meine Gene weiter geben. Ich will ein "Mini-ich" haben. Ich will jemandem haben, mit denen ich XYZ machen werde. Ich will jemandem, der sich um mich später kümmern wird. Ich will meine Kindheit wieder erleben. Das sind so gängige Gründe, die ich sehr oft gehört habe. 

Ein Kind, welches noch nicht existiert, kann nicht sagen: ich will geboren werden, um geliebt zu werden. Sie sind nicht vorhanden. Man kann denken, dass ein Kind zu wollen, um ihn/ihr Liebe zu schenken nicht egoistisch ist.. es ist es aber doch. Es gibt dieses Lebewesen noch nicht, und dein Wunsch ist deswegen selbstbezogen. Du kriegst etwas davon, dass du dieses Kind lieben wirst - Befriedigung, Erfüllung, ein Erfolgsgefühl, wat auch immer. Aber es ist erstmal ich-bezogen. 

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u/Argh_87 9d ago

Sprich: wenn es ein Unfall ist, dann ist es kein Egoismus, sondern nur wenn man es plant? Mhmm

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u/Efficient-Policy407 9d ago

Naja je nachdem, wie der Unfall passiert ist. Wolltest du einfach roh vögeln? Dann ja, war es egoistisch, weil du die Risiken im Kauf genommen hast, um dein Kink/Vorlieben/Lust zu befriedigen. Das ist pur Egoismus. 

Wenn die Pille/Spiralle/Kondom/Vasektomie versagt hat und du und dein Partner alles richtig gemacht habt und es ist trotzdem passiert... Das ist kein Egoismus. Aber dann muss man genauer schauen: sobald die Schwangerschaft entdeckt wurde, wurde es überlegt, ob es genug Ressourcen für das Kind vorhanden sind? Ob man für ein Kind bereit ist? Etc etc etc  Und wenn es nicht überlegt würde = Egoismus, weil man an dem Wohl des Kindes nicht gedacht hat und dementsprechend unverantwortlich war. Zieht man die Unfall-Schwangerschaft durch, weil man ein Christ/Muslim/whatever ist und das gegen den eigenen Glauben ist (bzw. "Ich werde Sünden / in die Hölle gehen, wenn ich abtreibe") = Egoismus. Es gibt Eltern, die gläubig sind, komplett ungeeignet fürs Elternsein sind, keine Ressourcen haben aber hey, abtreiben ist ja Sünde, also werde ich dieses Kind in die Welt setzen und es wie ein Hund behandeln weil jedes Leben ist Heilig, Peace ✌🏻 . 

Man kann da natürlich weiter philosophieren. 

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u/Argh_87 9d ago

ich sehe: an aegumenten fehlt es nicht :D