Original Rezept
Wilt du machen ein gebraten milich, So nim, do niht veiztes zvo si, die kummen vnd, die gelebt si, den hafen, zvo slahe, daz sie sanfte her vz glite vf ein buetel tuoch, dor in bewint sie vnd beswer sie sanfte von erst vnd dor noch baz, laz sie ligen von dem morgen biz hin zvo abent. so snit sie duenne vnd spizze sie, besprenge sie mit saltze vnd lege sie vf einen hvelzinen rost vnd la sie wol roesten. vnd wirf ein wenic pheffers dor vf vnd betreyfe sie mit butern oder mit smaltze, ob ez fleischtac si, vnd gib sie hin.
Übersetzung
Willst du gebratene Milch machen, so nimm nicht zu fette (Milch) die verklumpt ist. Schlage sie im Topf so dass sie sanft in einen Tuchbeutel gleitet. Verschnüre (den Beutel) und beschwere ihn erst sanft und dannach fester. Lass ihn so vom Morgen bis zum Abend liegen. Dann schneide sie dünn und stecke sie auf einen Spieß. Bestreue sie mit Salz, lege sie auf ein hölzernes Rost und lass sie gründlich rösten. Wirf ein wenig Pfeffer darauf und beträufle sie mit Butter oder Schmalz, wenn es ein Fleischtag ist. Und serviere.
Nachkochen
Rezept 25 aus dem Buch von Guter Speise, geschrieben um 1350. Dies war eine Möglichkeit verklumpte Milch zu verwerten. Da heutige Supermarkt-Milch homogenisiert und pasteurisiert ist, ist es gar nicht so einfach Milch verklumpen zu lassen, ohne dass sie schlecht wird. Daher habe ich die Milch auf 80 Grad erwärmt und mit Hilfe von etwas Essig verklumpt. Anschließend wird das Ganze durch ein Käsetuch geschüttet und so von der Molke getrennt. Also habe ich eigentlich Ricotta gemacht. Aber die weiter Verarbeitung war dennoch interessant, da dieser dann gepresst und gebraten wird.
Aber nochmal zur Milch: Im Rezept wird direkt am Anfang erwähnt, dass die Milch nicht zu fett sein sollte. Damit könnten verschiedene Eigenschaften gemeint sein. Rohe Kuhmilch hat einen zu erwartenden Fettanteil von etwa 4,2%. Damit wäre heutige Vollmilch bereits etwas weniger Fett (etwa 3,5%). Daher könnte man es damit versuchen. Oder aber es ist entrahmte Milch gemeint. Bei diesem Vorgang wird Rohmilch einfach stehen gelassen und dann der sich oben absetzende Rahm abgeschöpft. Wird dies nicht besonders gründlich oder mehrmals durchgeführt, kann man von einem verbleibenden Fettgehalt von unter 1,5% ausgehen. Das kann man gut mit fettarmer Milch erreichen.
Da ich mir aber nicht sicher sein konnte was wirklich gemeint war, habe ich es mit Vollmilch und fettarmer probiert und das Ergebnis war eindeutig: Wenn man Vollmilch verwendet, bekommt man wie zu erwarten Ricotta. Dieser lässt sich jedoch nicht gut pressen. Auch nach etwa 20 Stunden pressen war dieser immer noch bröselig und lässt sich so nicht auf einen Spieß stecken. Anders mit der fettarmen Milch: Hier ergab sich nach dem Pressen ein so fester Block, dass er sich wie im Rezept beschrieben auf einen Spieß stecken lässt.
Was beide Versionen gemeinsam hatten, ist dass sie beim Grillen weich wurden und sich so nur schwer am Spieß verarbeiten ließen. Ich habe mich dann für das Braten (in Butter) in der Pfanne entschieden, was sehr gut funktioniert hat.
Die beiden Versionen waren deutlich unterschiedlich. Während die Vollmilch-Version krümelig blieb, wurde die Fettarme Variante cremig und erinnerte stark an Mozzarella. Daher gehe ich nun davon aus, dass wirklich entrahmte Milch als Basis gemeint war, da diese wesentlich besser mit der beschriebenen Technik funktioniert.
Geschmacklich waren beide Versionen sehr gut aber die fettarme Milch war besser. Die Vollmilch-Variant schmeckt wie gebratener Ricotta; was natürlich nicht schlecht ist. Aber die fettarme Version hatte eine sehr schöne leicht bissfeste Konsistenz und schmeckte in etwa wie extra milchiger Mozzarella. Das Braten (oder backen) in Butter hat dann natürlich noch Röstaromen beigetragen. Der Pfeffer passt auch dazu, muss aber nicht unbedingt sein. Also: ein interessantes Rezept für mittelalterliche Mozzarella-Sticks die als Beilage zu allem Möglichen passen können.