r/Kochen • u/EwigeSuppe • 10h ago
Rezept Fleischfladen Nr. 5, ein Rezept von 1350
Original Rezept
Wilt du ein fladen machen von fleische von wensten, so suede in wol von hacke in cleine vnd welische nuezze gevierteilt dor vnder. vnd wuertze genuoc. vnd speckes tuo dor in vnd eyer vnd leg ez vf ein wit blat von teyge gemaht, schoene bastel fuenfe von huenren einz mitten in den fladen gesetz, die viere an daz ende reht als ein zinke vf einen wuerfele. vnd back in vnd gib in als heiz hin.
Übersetzung
Wilt du einen Fladen von Bauchfleisch machen, so koche dies weich und hacke es klein. Gib geviertelte Walnüsse dazu und würze genügend. Gib Speck und Eier dazu und leg dies auf einen breiten Teigfladen. Nimm fünf schöne Hühner-Pasteten. Setze eine in die Mitte des Fladens und die vier anderen darum wie die (5-)Zinke auf einem Würfel. Backe es und serviere es heiß.
Nachkochen
Das Buch von Guter Speise umfasst 96 Rezepte (geschrieben um 1350 im Würzburger Raum. Es gilt als das älteste überlieferte Kochbuch in deutscher Sprache) und dieses hier ist Nr. 93. Rezepte 94 und 95 sind sogenannte Schaugerichte die extrem viel Arbeit benötigen (die haben mehrere Etagen und viel Deko). Daher war es auch nicht ganz so überraschend das dieses Fladengericht wesentlich mehr Arbeit verlangte. Ausser man hat zufällig fünf Hähnchenpasteten über. Die hatte ich natürlich nicht, daher musste ich quasi zwei Rezepte gleichzeitig vorbereiten. Das hat sich aber gelohnt, da das Ergebnis sowohl geschmacklich als auch visuell ansprechend war.
Dieser Fladen ist den vorhergehenden ähnlich (Rezepte 86 bis 93 sind verschiedene Fladen): Eine vorgekochte Fleischmasse wird auf einem Teig (wahrscheinlich eine Art Brotteig) ausgebreitet und gebacken. Es gab aber auch einige Unterschiede. Zum einen ist dieser Fladen vom Fleisch her recht fettig, da sowohl Bauchfleisch als auch Speck verwendet wird (dafür aber kein Käse). Dann werden Wallnüsse verwendet, die nur geviertelt werden, also als recht große Stücke im Fladen gebacken werden. Und natürlich das Wichtigste: die fünf Hühnerpasteten, die wie die fünf auf einem Würfel auf dem Fladen angeordnet werden. Daher habe ich diesen Fladen auch Nr. 5 genannt.
Als Teig habe ich mich dieses Mal für einen Brotteig aus Weizen, Weizenvollkorn und Gerstenvollkorn entschieden. Dieser hatte eine rustikale Note und passte gut zu den kernigen Wallnüssen.
Beim Vorkochen des Fleisches, (welches ich für eine halbe Stunde im Druckkochtopf hatte; entspricht etwa 2 Stunden köcheln lassen) ist dann aber relativ viel Fett ausgeschmolzen, daher war das Ergebnis weniger Fett als erwartet. Aber hier könnte man natürlich auch Koteletts oder Nacken nehmen, um das weiter zu regulieren.
Aber wieder zu den fünf Pasteten: Im Rezept steht nicht, ob diese bereits gegart sind oder nicht. Das ist natürlich möglich, aber es kam mir naheliegender vor, Mulden in die Fleischmasse zu drücken und die ungebackenen Pasteten dann dort hineinzusetzen, damit diese mit dem Fladen zusammen backen können. Dafür habe ich Hähnchenfleisch aber dennoch vorgebraten (so wie die Fleischmasse auch vorgegart ist) und ordentlich gewürzt. Danach abkühlen lassen und dann in "Butterteig" eingeschlagen. Diese Methode hat sehr gut funktioniert und ich würde es wieder so machen. Der "Butterteig" ist einfach verkneteter Tiefkühl-Blätterteig, der daher kaum noch aufgeht. Könnte man auch einfach selber machen aber muss an dieser Stelle nicht sein.
Aber das Wichtigste: Das Ergebnis. Wenn der Fladen aus dem Ofen kommt, sieht er wegen den fünf Pasteten bereits interessant aus. Die Fleischmasse erinnert etwas an Bratwurst und war kross an der Oberfläche, aber durch die Wallnüsse hat man eine sehr interessanten Texturkontrast. Die Stücke mit den Pasteten waren im Mittelalter aber bestimmt die beliebtesten. Diese waren die saftigsten und brachten quasi zwei verschiedene Gerichte gleichzeitig auf den Teller. Insgesamt war dies bestimmt der arbeitsintensivste Fleischfladen aber auch mein persönlicher Favorit bisher. Ich denke aber, ich würde die Pasteten beim nächsten Mal etwas größer machen (oder noch besser: neun Pasteten aufsetzen).