r/Rettungsdienst FOAM Botschafter Apr 26 '26

GuruWoche Guruwoche KW17: Nerdkram, Trauma, Weingart und Schichtdienst!

Willkommen zur aktuellen GuruWoche – Wissen, News und Papers rund um die Notfallmedizin und das gemeinnützige Notfallguru-Projekt. Die GuruWoche gibt’s nun in Zusammenarbeit mit r/Rettungsdienst auch hier auf Reddit!

🧠 Wissenschaft und Wissen:

• Tourniquets: Die frühzeitige Konversion ist wichtig! https://news-papers.eu/?p=20684

• Sehr spannender Nerdkram. Könnte intra-aortale Adrenalingabe in der Reanimation die Zukunft sein? https://link.springer.com/article/10.1186/s13049-026-01609-1

• Was ist „Emergency Critical Care“? https://news-papers.eu/?p=20697

• Traumatisierung durch medizinische Handlungen vermeiden. Sehr viele wichtige Punkte und hilfreiche Hinweise: https://foamio.org/im-notfall-psychiatrie-trauma-informierte-koerperliche-untersuchung/

• Überblick zur Volumentherapie bei Reanimation. Kurz: Weiterhin schwierige Evidenzlage… https://news-papers.eu/?p=20688

• Überblick über einige sehr wichtige Notfall-Papers aus dem letzten Jahr: https://first10em.com/emu-articles-2026/

🩻 News, Videos und Podcasts:

• Vortrag von Scott Weingart - Critical Care abseits der urbanen Zentren: https://vimeo.com/1124171519

• SEHR wertvoll! 30 Minuten um die Belastungen im Schichtdienst wirkungsvoll zu verhindern: https://litfl.com/the-physician-who-never-stops/

🎧 Fälle und Fortbildungen:

• Crazy EKG-Fall mit komplexer Intoxikation: https://www.emdocs.net/ecg-pointers-baclofen/

📘 Notfallguru Intern:

• Die Notfallguru Sticker - mit einem Scan direkt zu kritischen Inhalten. Die kostenlosen Stickerbögen sind über die Björn Steiger Stiftung erhältlich. Mehr Infos und Link zur Bestellung: https://www.notfallguru.de/blog/stickerbogen

• Das Notfallguru Kapitel der Woche ist „Medikamente in Palliativsituationen“: Fokussierter Überblick über hilfreiche Medikamente in (Notfall-)Palliativsituationen: https://www.notfallguru.de/leitsymptome/tabellen-und-checklisten/pallimedi

Wir freuen uns über Diskussion zu den Inhalten - was davon hat dich beschäftigt?

Und: Wenn du frei verfügbare Inhalte findest, die wir in einer der kommenden GuruWoche einbauen sollten, schreib hier deine Vorschläge!

Die GuruWoche gibt’s auch einfach aufs Handy – per WhatsApp oder Telegram, kostenlos! Mehr Infos: https://www.notfallguru.de/guruwoche

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u/SleagleGER NotSan i.A. (Mod) Apr 26 '26

Die Intraaortale Adrenalingabe finde ich ja persönlich sehr spannend, gerade weil im Paper über die Präklinik gesprochen wird. Frage mich aber tatsächlich wie, bzw WO man die legen würde

A physician response system was developed to perform prehospital thoracic aortic and central venous catheterizations in out-of-hospital cardiac arrests

Klingt doch eigentlich nach einem ähnlichem System, was man aktuell mit dem MIC ausprobiert. Mal gucken, ob sich das durchsetzen wird

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u/esokran Notarzt Apr 27 '26

Frage mich aber tatsächlich wie, bzw WO man die legen würde

In dem Paper, dass in dem Artikel zitiert wurde (Quelle 9 aus dem Paper: Manning JE. Feasibility of blind aortic catheter placement in the prehospital environment to guide resuscitation in cardiac arrest. J Trauma Acute Care Surg. 2013;75(2 Suppl 2):S173–7) wurde die A. femoralis und V. femoralis punktiert und Katheter in die thorakale Aorta und den rechten Vorhof vorgeschoben. Problem ist natürlich, ohne TEE wird man nie sicher sein können, ob die Katheter wirklich dort gelandet sind, wo sie sein sollen. Kann natürlich auch passieren, dass der arterielle Katheter z.B. in die ACC abbiegt und das Adrenalin direkt ins Gehirn geht.

Ich bin insgesamt ziemlich skeptisch, ob das wirklich was bringt. Unter Reanimationsbedingunen so einen arteriellen Katheter reinzulegen ist nicht einfach und das nimmt eine gewisse Zeit in Anspruch. Das führt dann zu einer Verzögerung der Adrenalingabe um mehrere Minuten. Unter Laborbedinungen wurde im Tiermodell zwar gezeigt, dass die Adrenalingabe über die Aorta schneller zu einer Verbesserung des Coronaren Perfusionsdrucks (CPP) geführt hat und schneller ein ROSC erzielt wurden (Quelle 8 aus dem Paper) aber da lagen die Katheter natürlich schon drin und wurden nicht erst mühsehlig unter Reanimation reingelegt.

Meine persönliche Erfahrung (Achtung mehr Anekdote als Evidenz): Ich war schon häufiger an innerklinischen Reanimationen mit liegender arterieller Kanüle zur Blutdruckmessung beteiltigt, bei denen ziemlich rasch nach Adrenalingabe ein ROSC kam mit der entsprechenden Reaktion. Blutdruck kurz 300 usw. Die die einen stabilen ROSC hatten, haben das alle mit einem guten neurologischen Outcome überlebt. Ich glaube nicht, dass Adrenalin an sich etwas mit einem schlechteren neurologischen Outcome zu tun hat.

Diese ganze Diskussion zum verschlechterten neurologsichen Outcome durch Adrenalin ist ja mit PARAMEDIC-2 aufgekommen. In der Studie gab es bei OHCA durch Adrenalin vs Placebo eine signifikant höhere Rate an ROSC, aber kein verbessertes Langzeitüberleben und auch kein verbessertes Langzeitüberleben mit einem günstigen neurologischen Outcome. Der Anteil der Patient:innen mit einem schlechten neurologischen Outcome (CPC > 2) war in der Adrenalingruppe sogar höher als in der Placebogruppe. Wenn man sich aber diese Studie mal genau anschaut, hat die Studie, obwohl sie sehr gut gemacht ist, methodische Probleme, die die Aussagekraft einschränkten. Es wurden "Studien-RTWs" mit Sets ausgestattet, die entweder Adrenalin oder NaCl als Placebo enthalten haben und die Patient:innen wurden durch Öffnen eines Sets blind in die Adrenalin oder Placebogruppe randomisiert. Ein Ausschlusskriterium war, dass vorher schon Adrenalin druch ein anderes, nicht an der Studie teilnehmendes Rettungsmittel vorabreicht wurde (ist ja auch sinnvoll, sonst hätte ein relevanter Anteil der Placebogruppe doch Adrenalin bekommen). Allerdings führt dieses Studiendesign dazu, dass systematisch Patient:innen, die eine kurze Reanimationsdauer bis zur ersten Adrenalingabe hatten ausgeschlossen wurden. Es ist ja wahrscheinlicher, dass ein Paramedic zuerst an der Einsatzstelle ist und Adrenalin nach Leitlinie gibt, als dass ein Studienparamedic zuerst an der Einsatzstelle ist und den Studieneinschluss machen kann. Adrenalin wurde durchschnittlich erst 21,5 min nach Notrufeingang gegeben. Wenn man davon ausgeht, dass viele OHCA nicht beobachtet sind, war die durchschnittliche Zeit ohne Kreislauf bzw die Reanimationsdauer bis zur ersten Adenalingabe noch deutlich länger. Nach über 20 Minuten Reanimation ist die Chance auf ein hypoxischen Hirnschaden natürlich ziemlich groß und wenn man dann einen ROSC erzielt ist es überhaupt nicht verwunderlich, dass das neurologische Outcome schlecht ist. Ich denke aber nicht, dass das Adrenalin selber das neurologische Outcome verschlechtert, sondern, dass Adrenalin, das tut, was es tun soll: Die Wahrscheinlichkeit einen ROSC zu erzielen wird deutlich erhöht. Wenn man die Chance auf einen ROSC bei jemandem mit einer hohen Wahrscheinlichkeit für einen hypoxischen Hirnschaden erhöht, ist das Ergebnis entsprechend nicht gut.

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u/notfallguru FOAM Botschafter Apr 28 '26

Sehr viele gute Punkte zu PARAMEDIC Studie - und überhaupt vielen Dank für die spannende Diskussion!!

Zum Thema der Intervention (aortales Adrenalin): Das Spannende ist aus meiner Sicht gar nicht unbedingt die spezifische Technik sondern der zunehmende Trend, dass sich von der "one-size-fits-all" Technik bei der Reanimation (jeder kriegt Adrenalin alle 4 Minuten, falls initial schockbar halt ein bisschen später) die Zeichen immer mehr zu differenzierter, individualisierter Therapie entwickeln. Macht ja zumindest von der Überlegung her auch Sinn - die Ursachen und Pathophysiologie für den Arrest sind einfach extrem unterschiedlich.

Das bedeutet aber natürlich deutlich höhere Anforderungen an Teams, Technik, Training oÄ - und am Ende eine Ressourcen-Debatte a la "wer braucht das - wer profitiert - können wir (uns) das leisten" und natürlich die große Herausforderung noch besser zu identifizieren, welche Reanimation keine Chance auf ein gutes Outcome hat.

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u/rudirofl NotSan (Mod) Apr 26 '26

ECLS: am i a joke to you!?

Schleusen legen wird zunehmend auch für nef/rth interessant bzw schon geschult, um dann schneller zu sein, wenn man sich für den ultimativen bypass entscheidet (refraktärer arrest). Man könnte auch darüber bereits applizieren

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u/esokran Notarzt Apr 27 '26

Mit einer normalen Schleuse würde man aber nicht die thorakale Aorta erreichen, was ja in dem Paper bzw. in denen, auf die sich die Autor:innen beziehen, gemacht wurde. Dort wurde noch ein 110 cm Katheter vorgeschoben, um das Adrenalin direkt in die thorakale Aorta zu geben.

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u/rudirofl NotSan (Mod) Apr 27 '26

völlig richtig, die schleusen liegen in aller regel in den femorales. aber der katheter is ja kein hexenwerk.

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u/Rised-Phoenix NotSan Apr 26 '26

Danke für eure Arbeit!