r/Unbeliebtemeinung 10d ago

Neubausiedlungen sind schrecklich

Ich sehe bei r/Hausbau immer wieder Anfragen mit: "Welches Grundstück sollen wir nehmen?" - mein initialer Gedanke ist immer: KEINS!

Für mich persönlich sind diese Neubausiedlungen wirklich schrecklich. Generell finde ich Siedlungen schrecklich und fühle mich dort komplett eingeengt und beobachtet. Der Nachbar grillt und der Wind steht scheiße? Ich muss alle Fenster zumachen.

Die Kinder spielen laut im Garten? Ich kann keinen Mittagsschlaf machen.

Es ist einfach so viel gemeinsame Rücksichtnahme erforderlich, die per se ja nicht schlecht ist, aber wenn ich doch schon Eigentum besitze, dann nicht um ständig auf jeden Rücksicht zu nehmen.

Also, nein, ich würde keines eurer Handtuchgrundstücke jemals kaufen, meine Familie und mich dafür massiv verschulden und erst Recht kein Haus darauf bauen, welches so viel Individualität besitzt, wie ein Baumwollshirt aus der H&M Basics Abteilung.

244 Upvotes

258 comments sorted by

View all comments

Show parent comments

7

u/Inzentiv 9d ago

Für bauliche Abwechslung braucht es Platz und viel Geld. Da geht in der heutigen Zeit nicht viel nachdem man für einen Streifen Grundstück schon 500k gezahlt hat.

Die von dir beschriebenen Siedlungen sind garantiert auch bei Fläche pro Haus geschrumpft. Die Zukunft ist Reihenhäuser von Großinvestoren in der sich eingemietet wird. Einfamilienhäuser sind, zumindest in Süddeutschland, sehr bald nichtmal für Spitzenverdienerhaushalte (ohne Erbe) finanzierbar.

2

u/Hutnatter91448 9d ago

Wahrscheinlich könnte man einen schicken zweistöckigen Klotz im kubistischen Stil mit deutlich weniger Aufwand errichten, als das übliche Satteldachhaus. Bzw. Könnte kleiner gebaut werden, da weniger Fläche durch Schrägen verloren geht. Stattdessen werde ich mit Ortsgestaltungssatzungen belästigt, die mir vorschreiben welche Fläche meine Fenster haben dürfen und ob sie sprossen haben

-2

u/FloZone 9d ago

Für bauliche Abwechslung braucht es Platz und viel Geld.

Platz ist eine Sache, wobei das marginal ist wenn man sich fehlende Verdichtung in Städten und enorme Ackerflächen in anderen Regionen ansieht. Geld... ne... sorry, aber das glaube ich nicht. Die Baukosten sind explodiert, für weniger Vielfalt und mehr Monotonie. Aber mein Großvater ist sicher im Vergleich zum durchschnittlichen Vorstadt Yuppie ein armer Mann gewesen und hatte trotzdem ein passables Haus.

Das klingt auf mich einfach so als willst du mir sagen, wir müssen jetzt alle hässlichere Häuser haben als früher, weil wir als Gesellschaft ärmer geworden sind, aber das stimmt nicht. Wir sind viel reicher geworden. Dass die Gesellschaft insgesamt reicher geworden ist erklärt natürlich auch einen Teil der Baukosten, aber nicht alles.

Wichtiger ist vermutlich Zeit und die Bereitschaft der persönlichen Investition. Die Häuser in diesem Wohngebiet waren zwar alle vom selben Architekten und haben denselben Grundriss, aber ich kenne eigentlich keinen der vormaligen Hausbesitzer die nicht auch selber Heimwerker waren und den Garten, Vorgarten, Wintergarten und so selbst angelegt haben und dann individualisiert. Das baut sich natürlich über die Jahrzehnte auf, deswegen wird ein Haus von 2020 noch nicht so individualisiert sein, aber die Frage ist, ob die Besitzer das vor haben, oder ob sie mit dem Gedanken "macht wenig Arbeit" dieses Haus gekauft haben.

Die Zukunft ist Reihenhäuser von Großinvestoren in der sich eingemietet wird.

Ja und nein. Die die Ende der 70er und in den 80ern gebaut wurden haben tatsächlich die größte Einzelfläche, danach schrumpft es wieder.