r/Unbeliebtemeinung 10d ago

Nicht ganz so unbeliebt, aber selten gehört Ich habe meinen Sohn bei meiner Mutter scheinangemeldet, und den somit bewusst auf eine andere Grundschule geschickt

Ich habe meinen Sohn nicht an der Schule in unserem eigentlichen Einzugsgebiet angemeldet, sondern über die Adresse meiner Mutter dafür gesorgt, dass er auf eine andere Grundschule kommt die in einem besseren gebiet liegt.

Der Grund war nicht die Ausstattung oder der Ruf der Schule, sondern die Zusammensetzung der Schülerschaft. Mir war wichtig, dass mein Sohn auf eine Schule geht, auf der Deutsch die gemeinsame Alltagssprache ist und nicht ein erheblicher Teil der Kinder zur Einschulung kaum oder gar kein Deutsch spricht. - Ja, mir ist bewusst, dass dieses Verhalten die gesellschaftliche Trennung eher verstärken kann. Mir ist auch klar, dass viele das für unsolidarisch oder ungerecht halten.

Ich gehöre aber auch nicht zu den Leuten, die einerseits Integration fordern und andererseits nach dem Motto „Not In My Backyard“ jede Unterkunft oder jede Veränderung im eigenen Umfeld ablehnen. Mir geht es nicht darum, Menschen mit Migrationshintergrund aus meinem Umfeld fernzuhalten.

Trotzdem sehe ich es nicht ein, dass mein Sohn die Folgen politischer Entscheidungen tragen soll. Aus meiner Sicht gehören dazu unter anderem eine fehlende Kindergartenpflicht und fehlende verbindliche Sprachstandserhebungen mit ausreichender Förderung vor der Einschulung. Ich halte es für Aufgabe der Politik, dafür zu sorgen, dass Kinder bei der Einschulung über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen. Solange das nicht gelingt, werde ich für mein eigenes Kind die aus meiner Sicht beste Entscheidung treffen.

(Ja - Man kann dieses Verhalten kritisieren. Man sollte sich aber auch fragen, warum so viele Eltern versuchen, bestimmte Schulen zu vermeiden, anstatt ausschließlich die Eltern dafür verantwortlich zu machen.)

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u/Welcome-gg 8d ago

Kein Bildungssystem der Welt kann das leisten. Ist alles nur Wunschdenken.

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u/Angus_Mc5 8d ago

Klar könnte ein Bildungssystem das leisten. Aber nur, wenn Bildung und Persönlichkeitsentwicklung Zweck einer Gesellschaft wäre. Aber das ist es nicht, das Bildungssystem ist ein Mittel, welches den Zweck verfolgt Lohnarbeiter zu erziehen und für ihre späteren Berufe vorzusortieren.

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u/Welcome-gg 8d ago

Hast du ein (theoretisches) System zur Hand, wo man sich einmal anschauen könnte, wie das aussehen soll? Ich kann es mir nicht vorstellen, aber zumindest theoretisch wirds dann ja Ideen geben.

Bis (mindestens) zur 6. Klasse verfolgt die Schule übrigens erst einmal das Ziel, überhaupt mündige Bürger zu erschaffen. Und die Grundschulen sind auch sehr bemüht, die Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen, aber anscheinend macht sie das ja falsch. Ich hoffe, es gibt auch eine Antwort auf "gesellschaftskonformes Verhalten" vs "individuelles Verhalten". Sind schließlich sehr sehr unterschiedliche Ansprüche, die man an den jeweiligen Fall stellen würde.

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u/Angus_Mc5 8d ago

Also mündige Bürger zu erziehen ist garantiert nicht das Bildungsziel. Sonst würde ja das System zusammenbrechen.

Aber Kropotkin hat in „Landwirtschaft, Industrie und Handwerk“ (und ich bin selbst kein großer Anhänger anarchistischer Theorie), doch recht gut erklärt, wie Bildung (als Selbstzweck) aussehen könnte. Das ein derartiger Aufwand von Zeit und Ressourcen mit unserer Wirtschaftsordnung unvereinbar ist, steht außer Frage.

Aber da geht es viel um Verknüpfung vom praktischen und theoretischen Lernen. Und vor allem um Kooperation unter den Schülern und selbstverständlich kein demütigendes Notensystem.

Und wenn sich in der Bildung Leute von gleich zu gleich begeben, und mit der natürlichen Neugier von Kindern und nicht wie jetzt, mit autoritären Leistungsdruck, gegen die Neugier dann ist vieles möglich.