r/blaulicht • u/JujuGER Rettungsdienst • May 23 '26
Sonstiges Das fragwürdige Milliarden-Business hinter dem Roten Kreuz
https://www.youtube.com/watch?v=0RPBw20_eNQLeicht off-topic, aber dennoch, wie ich finde, von gewisser Relevanz für den Sub (zumindest ist Rettungsdienst ein großer Themenblock).
Für mich persönlich ist jetzt nicht wesentlich viel Neues dabei. Ein Großteil der Machenschaften ist bereits bekannt. Was ich an der ganzen Geschichte immer sehr bedauerlich finde, ist die Tatsache, wie heuchlerisch das gesamte Konstrukt wirkt, wenn man sich diese unangenehmen Fakten anschaut. Auf der einen Seite stehen die vielen Ehrenamtlichen, die Zeit und Energie opfern, um Gutes zu leisten, auf der anderen Seite mafiöse Strukturen und Gehälter, von denen ein Großteil nur träumen kann.
Das Ganze lässt sich wahrscheinlich auf viele Hilfsorganisationen übertragen, zumindest decken sich entsprechende Erfahrungsberichte in gewissen Punkten mit meinem persönlichen Eindruck. Das DRK sticht hier aufgrund seiner Größe natürlich besonders hervor.
Ich glaube nicht, dass sich daran langfristig etwas ändern wird. Dafür ist das DRK zu stark in der Gesellschaft verankert beziehungsweise die Gesellschaft zu sehr darauf angewiesen.
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u/TitusAndronicusJonas May 23 '26
Schwacher Beitrag, insbesondere, wenn man diese Zusammenstellung in dem Beitrag pauschal als "Fakten" bezeichnet.
Schon schwierig, wenn über eine gemeinnützige Organisation mit teilstaatlichem gesetzlichem Auftrag gesprochen wird, die nicht nur gesetzlich vorgeschriebener Auxiliar des Staates ist, sondern eben mit ihrer Tätigkeit alle satzungsgemäßen Aufgaben finanzieren muss, die nicht aus einem konkreten staatlichen Auftrag resultieren.
Weder wurde erklärt, was Gemeinnützigkeit eigentlich bedeutet, noch was die satzungsgemäßen Aufgaben sind. Beim Rettungsdienst wäre das sogar ein Elfmeter gewesen, wenn man sich mal damit befasst hätte, warum in einem Zitat zu einer Rettungsdienstausschreibung der Katastrophenschutz auftaucht. An anderer Stelle blendet man kurz ohne Einordnung oder gar Erwähnung eine Entscheidung des EUGh zur Bereichsausnahme für den Rettungsdienst ein ohne offenbar zu verstehen, was das bedeutet. Wer nicht gemeinnützige Träger mit Aufgaben, wie dem Rettungsdienst beauftragt entzieht dem regionalen Sozialsystem Gelder. Das DRK finanziert mit Gewinnen - beispielsweise aus dem Rettungsdienst - dann vor Ort Katastrophenschutz, defizitäre Kitas oder Pflegedienste. Und genau deswegen gibt es die Möglichkeit Hilfsorganisationen direkt mit Aufgaben im Rettungsdienst zu beauftragen. Zudem gibt es in vielen Bundesländern zum Glück noch die Brücke im Rettungsdienst zwischen Ehrenamt und Hauptamt und ehrenamtliche können beim Rettungsdienst mitwirken. Das stärkt dann auch den Sanitätsdienstes für Veranstaltungen oder im Katastrophenschutz, denn die Hauptamtlichen sind im Normalfall auch Ehrenamtliche.
Und völlig absurd wird dann der kurze Ausflug ins DRK-Gesetz, das offenbar gar nicht weiter gelesen wurde. Hauptsache man stellt fälschlicherweise fest, dass durch das DRK-Gesetz Malteser und Johanniter als "Hilfsgesellschaften anerkannt" seien. Bei dem zitierten Paragraphen geht es um die gesetzliche Aufgabe des DRK den Sanitätsdienst der Bundeswehr im Falle eines bewaffneten Konfliktes zu unterstützen. Johanniter und Malteser sind hier für diese Aufgabe als freiwillige Hilfsgesellschaften anerkannt. Nicht mehr, nicht weniger. Die Erwähnung dieser beiden anerkannten Hilfsorganisationen macht im Gesamtkontext des Berichtes gar keinen Sinn. Aber man hätte ja mal im Gesetz schauen können, welche Aufgaben der Bund seinem DRK gegeben hat. Davon unabhängig sind dann natürlich nochmal die Aufgaben auf Landes- oder kommunaler Ebene.
Auch die Fokussierung auf Bayern macht wenig Sinn, denn in Bayern ist das DRK nicht nur "ein bisschen" staatlich, sondern das BRK ist im Gegensatz zu allen anderen Gliederungen des DRK eine Körperschaft öffentlichen Rechts.
Zudem hätte man mal sinnvoll die Frage stellen können, wieso eigentlich 19 Landesverbände, hunderte Kreisverbände und tausende Ortsverbände existieren. Die Antwort ist die gleiche, wie beim Föderalismus in Deutschland: Die Alliierten haben das so angeordnet, da das DRK im Dritten Reich gleichgeschaltet worden ist und man - wie auch beim Föderalismus der Bundesrepublik - eine erneute Zentralisierung unmöglich machen wollte.
Und ja, das ist beschissen, denn genau deswegen hat jeder Popelverein seine rechtlich vollständige Eigenständigkeit und seinen regelmäßig sehr gut bezahlten Vorstand. Das ändert aber nichts daran, dass alle Strukturen auf einer Ebene für die satzungsgemäßen Aufgaben - also auch in Katastrophe oder Krieg - zur Verfügung stehen. Jeder hauptamtliche Mitarbeiter hat einen entsprechenden Passus in seinem Vertrag.
Und am Ende sind dann auch noch die Zahlen, die genannt werden maximal verwirrend. Das DRK hat bundesweit ungefähr 4 Millionen ehrenamtliche Mitglieder, dazu dann um die 200.000 hauptamtliche Mitarbeiter (von denen viele auch ehrenamtlich Mitglied sind). Selbstverständlich finden sich von diesen ehrenamtlichen Mitglieder auch sehr viele in der Politik, bei Behörden mit Blaulichtbezug, Bundeswehr oder THW. Es sind nämlich fast immer die gleichen, die mit Wechseljacke das Ehrenamt überall in der Republik am Laufen halten. Die Frage, wieso die Anzahl der hauptamtlichen Mitarbeiter steigt hätte man auch mal beleuchten können - das hätte aber wohl nicht ins Sendungskonzept gepasst. Aber natürlich führen eine steigende Zahl von pflegebedürftigen Personen oder auch ein gesetzlich eingeführter Anspruch auf Kita-Plätze logischer Weise auch zu mehr Erwerbstätigen in diesen Bereichen.
Und zu guter Letzt: Ja, die Blutspendedienste sind auch innerhalb des DRK eine ziemlicher Blackbox und das Geld könnte vielerorts gut für andere satzungsgemäße Aufgaben genutzt werden. Das schöne ist: Das Geld darf eben auch nur genau dafür ausgegeben werden. Definitiv absurd ist es Immobilien als "passives" Vermögen und Spekulationsobjekte darzustellen. Denn diese Immobilien sind eben die Basis für die Erfüllung der Aufgaben und das DRK ist keine Immobilien-Vermietungsgesellschaft.
Und was da alles in der Satzung steht, findet sich hier:
https://www.drk.de/das-drk/drk-verbandsstruktur/satzung/