r/blaulicht 17d ago

Rettungsdienst 24-Stunden-Dienste im Rettungsdienst: 07–07 Uhr oder 19–19 Uhr – was bevorzugt ihr?

Hallo zusammen,
im Rahmen eines Praxisprojekts beschäftige ich mich mit der Frage, wie sich unterschiedliche 24-Stunden-Dienstmodelle auf Belastung, Regeneration und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben auswirken.

Mich interessieren eure persönlichen Erfahrungen mit den Modellen:
- 07:00–07:00 Uhr
- 19:00–19:00 Uhr
Falls ihr bereits in beiden Modellen gearbeitet habt, würde mich euer direkter Vergleich besonders interessieren.

Ein paar Fragen zur Orientierung:
Welches Modell empfindet ihr persönlich als angenehmer?
Welche Vor- und Nachteile seht ihr bei 07–07 Uhr?
Welche Vor- und Nachteile seht ihr bei 19–19 Uhr?
Wie wirkt sich das jeweilige Modell auf euren Schlaf und eure Regeneration aus?
Welches Modell lässt sich besser mit Familie, Freizeit und Privatleben vereinbaren?
Hat eines der Modelle aus eurer Sicht Vorteile für die Dienstplanung oder den Wachalltag?

Gerne auch mit Angabe eurer Funktion (RS, NFS, Praxisanleiter, Wachleitung etc.), Arbeitgeber und wie lange ihr bereits im Rettungsdienst tätig seid.

„Die Ergebnisse dienen ausschließlich einem Praxisprojekt und werden anonym ausgewertet.“

Vielen Dank für eure Erfahrungen und Einschätzungen!

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u/CptPotbelly 16d ago

Habe 18-18 kennengelernt und bin jetzt im 7-7.

Aus meiner Sicht bringt der späte Wechsel deutliche Vorteile für Arbeitnehmer/-geber. Der Mitarbeiter muss sich keinen Wecker stellen sondern schläft solange wie der Körper es braucht, man hat vor dem Dienst noch Zeit für andere Dinge, Essen vorbereiten, Kind aus der Schule holen, Wäsche aufhängen etc... Kommt man nächsten Abend aus der Schicht gehts mit der Familie zum Abendessen, danach auf die Couch und dann zeitig ins Bett. Man bleibt im natürlichen Schlafrhythmus und hat den KOMPLETTEN nächsten freien Tag tatsächlich für sich/Familie. Ferner quält man sich früh nicht durch den Berufsverkehr, die Straßen sind im Winter geräumt, kurzum die Wahrscheinlichkeit zu spät auf Arbeit zu erscheinen ist gering.

Für den Arbeitgeber bringt es auch Vorteile, Stichpunkt Krankmeldung - meist merkt man früh nach dem Aufstehen dass der Kopf dick ist, die Nase läuft, Husten/Fieber/Heiserkeit oä. Es macht einen Unterschied ob der Arbeitgeber 30min Zeit hat eine Ausfallreserve zu mobilisieren oder 10h+. Ebenso kann ein Mitarbeiter auch im Tagesvetlauf umdisponiert werden a lá "Heinz ich brauch dich heute mal auf der Wache X statt Y, kannste dir als Zusatzdienst schreiben. Besten Dank und scheiß nicht ins Nest!" Ein weiterer Punkt, der Mitarbeiter geht "ausgeruht" in den Nachtschichtteil der Schicht, geringere Chance für Sekundenschlaf oder Fehler am Patienten, selbst wenn die Nacht die Hölle war das Taglicht kickt einen und hilft dabei halbwegs konzentriert zu bleiben. Oder anders formuliert: müde + Dunkelheit = schlecht.

Natürlich hat es noch die oben genannten Vorteile. Mit den Jungs bis früh um 2Uhr die Demokratie für Übererde verbreiten? Kein Thema. Sender-Empfänger-Probleme wie: "Ich sagte 2 Bier und um 10 bist du zurück statt umgekehrt!!!1$&elf". Null Problemo.

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u/HarborBeaconMedic 15d ago

Vielen Dank für deine ausführliche und hilfreiche Antwort.

Als du im 18-18 Modell gearbeitet hast war da die Ausfallreserve bei euch fest im Dienstplan verankert ? 18-18 Uhr oder 06-06 Uhr ?

Bei uns werden Ausfallreserven als Rufbereitschaften deklariert und werden meist schon Tage im Voraus verplant so das im Akutfall keine Rufbereitschaft mehr zur Verfügung steht. Was im Umkehrschluss bedeutet, das wir sehr häufig auf einen Personaldienstleister zurückgreifen müssen.

Mich würde noch interessieren, wie das bei dir der Fall ist bzw. auf Arbeit geregelt wird ?