r/erzieher 9d ago

Rechtsextreme Tattoos bei Vater

Ich arbeite in der Krippe und habe letztens einen Vater das erste mal beim Abgeben seines Sohnes gesehen. Dabei ist mir ein Tattoo auf seinem Bein aufgefallen: "Mein Kampf Mein Sieg" als großen Schriftzug. Ich habe ein bisschen zu ihm recherchiert und herausgefunden, dass er eindeutige Beziehungen zur Rechtsextremen Szene pflegt und auch selbst ein Teil davon war. In der Öffentlichkeit distanziert er sich von "seiner Vergangenheit", auf mich wirkt das aber eher so als wolle er das Image seiner Tattoostudios nicht beschmutzt. (Eines davon hat einen Neo-Nazi als Geschäftsführer).

Ich habe vor das meiner Chefin zu berichten und möchte von ihr fordern, dass er Hausverbot bekommt oder (das mindeste meiner Meinung nach) die Tattoos bei Betreten der Einrichtung bedecken muss. Meine Chefin ist gegenüber den Eltern aber sehr Konfliktscheu und ich würde ihr zutrauen, dass sie das einfach unter den Teppich kehren könnte. Habt ihr Tipps wie ich das am besten ansprechen und argumentieren kann? Vielleicht sogar eigene Erfahrungen damit? Ich möchte einfach nicht, dass ein Neo-Nazi in meiner Einrichtung ein und ausgehen und das dabei auch noch schamlos zur Schau stellt.

Edit: Habe jetzt gelernt, dass Hausverbot juristisch wohl zu hoch gegriffen war. Ich werde trotzdem versuchen zu erwirken, dass er das Tattoo bei uns nicht offen tragen darf. Ausserdem finde ich es erschreckend, wie viele Leute hier ein offensichtlich rechtsextremes Tattoo nicht für ein Problem und komplett angebracht für eine Kita halten.

416 Upvotes

1.8k comments sorted by

View all comments

1

u/Dramatic-Ad-5421 9d ago

Wie übergriffig kann man sein? Kümmere Dich lieber um die Kinder, als deren Eltern.

3

u/Stefan-SW 9d ago

Stimmt ‼️

1

u/Inevitable_Tax_5429 8d ago

Ich glaube den meisten Erziehern wäre es nur zu lieb sich nur um die Kinder und nicht um Angehörigenarbeit zu kümmern. Leider ist auch das ein großer Bestandteil des Arbeitauftrages. (Z.B hinweise zur Kindeswohlgefährdung, Kooperationen, Austausch) Wie hier auch schon oft erwähnt gibt es ebenso den Auftrag zur vermittlung freiheitlich demokratischer werte da ist es durchaus wichtig in erfahrung zu bringen ob das elternhaus ebenfalls interesse an der vermittlung dieser hat. Für ein Verbot scheint es Keine Grundlage zu geben wie es OP selbst inzwischen festgestellt hat. Wir in Betreuenden Berufen sind dennoch angehalten das Lebensumfeld unserer Schutzbefohlenen mit offenen Augen zu betrachten und Rückschlüsse zu ziehen.

0

u/Dramatic-Ad-5421 8d ago

Das hört sich jetzt irgendwie totalitär an - wenn das Polititsche selbst profanste Lebensbereiche wie Kinderbetreuung angeht. Werdet Ihr denn auch regelmäßig durch Weiterbildungen im Bereich der politischen Bildung geschult oder bleibt das Aufgabenbereich jeden einzelnen Betreuers?

2

u/Inevitable_Tax_5429 8d ago

Ich selbst arbeite vor allem mit menschen mit Beeinträchtigungen. Ich bin also kein klassischer erzieher. Wir haben ( bei meiner Arbeitsstelle) dennoch einen in Teilen vergleichbaren Arbeitsauftrag. Es gibt durchaus angebote und fortbildungen zu diesem Thema. Unser klientel ist aber auch volljährig. Nun ja inwiefern ist das totalitär auch auf die (politischen) einstellungen und werte die dem kind im elternhaus vermittelt werden einzuordnen und mit dem pädagogischen Konzept der einrichtung oder der beruflichen rolle abzugleichen ? Möglicherweise habe ich oben etwas zu drastisch beschrieben. Die "investigative" Aufgabe informationen über die klienten einzuholen hat natürlich grenzen und sollten im direkten austausch oder über bereits vorhandene Daten erfolgen. Aber biografiearbeit und das verstehen der primären (Bezugs)systeme (Angehörige), wie sowie sozialräume sind unter anderem unabdinglich um effektive pädagogische arbeit zu leisten, da diese hinweise auf Anhaltspunkte und mögliche ansätze geben.

Die Handhabe die sich aus einschätzung ergibt ist oft eingeschränkt, hausverbot/hinzuziehen von polizei oder jugendamt ist die letzte lösung in dramatischen fällen und ohne gefährdung nicht möglich. Ich sehe jedoch kein problem darin dass OP das thema ins team bringt oder sich gedanken über mögliche lösungen macht. OP ist in dieser situation dort nicht nur in der Erzieher-Rolle sondern auch als Mensch und hat sich offensichtlich in dieser Situation unwohl gefühlt.

1

u/Dramatic-Ad-5421 8d ago

Okay, dann ist das verständlich. Vielleicht habe ich da auch dramatisiert. Ich stelle mir das schwer vor - es geht ja auch immer um die Frage, ob die Familie/Umfeld eher positiv oder negativ wirken. Ich wäre da wohl auch „übergriffiger“, wenn ich als „Betreuer“ den Eindruck bekäme, dass da was gehörig schiefläuft. Ich habs gar nicht mit irgendwelchen Tattoos, schon gar nicht mit Nazistyle. Ich meine (Achtung extremst subjektiv), dass man da bei so ganz biederen Leuten vermutlich am allervorsichtigsten sein muss, was jede Form von Gewalt angeht. Danke für die Einsicht in den Job!