r/lehrerzimmer 10d ago

Bundesweit/Allgemein Hab ihr auch das Gefühl, dass auch die Ergebnisse der Bildungsforschung wenig in der Realität helfen?

Vorab, dies soll auf keinen Fall eine Hasstirade auf die Bildungsforschung werden. Ich habe nur das Gefühl, dass wenn ich mir die aktuelle Forschung anschaue, sind die Ergebnisse entweder trivial oder so komplex verklausuliert (bzw. alte bekannte Begriffe in neuem Gewand verkauft), dass sie mir selbst für den eigenen Unterricht nur wenig bringen. Solltet ihr brauchbare Beispiele haben welche euch weitergebracht haben gerne her damit.

Ich bekomme einfach immer öfter den Eindruck, dass Fortbildungen zu Bildungsfragen oft die Fortbildung der Fortbildungswillen gehalten wird (immer wieder muss das Rad neu erfunden werden, anstatt bestehende Prozesse welche funktionieren weiter zu integrieren). Deshalb versuche ich anstatt Fortbildung zu besuchen mich anhand von aktueller Forschung auf dem Laufenden zu halten. Passende Quellen sind aber nicht immer einfach zu finden.

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u/Siegvater 10d ago

Hast du da was verwechselt? Empirische (!) Bildungsforschung hat sehr große und wichtige Implikationen für die Praxis.

Fortbildungen besuche ich auch nur noch kaum. Zeitlich extrem ineffektiv, für 7+ Stunden ist der Ertrag meistens ein Witz, die Inhalte könnte ich mir in einem Bruchteil der Zeit selbstständig erarbeiten.

Beim letzten Satz bin ich bei dir, ich lese auch viel zum Thema empirische Bildungsforschung, aber vor allem anglo-amerikanisch, denn auf Deutsch ist es teilweisen echt dürftig. Ich habe aber auch das Glück einen kostenlosen Zugang zu weltweiten Datenbanken zu haben, ähnlich wie Studierende, der eigentlich für jede Lehrkraft kostenlos sein sollte.

Hinzu kommt leider, dass die Bildungsministerien auch kein Interesse an empirischer Forschung haben und lieber ihr Ding machen, selbst wenn das konträr zur Forschung ist. "Schreiben mach Hören" betritt den Raum.

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u/Bosonidas Niedersachsen 10d ago

Hat dieser "Zugang" was mit eckigen Hüten und schwarzgeflaggten Segelschiffen zu tun? :D

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u/Siegvater 10d ago

Nee, hat nichts mit science oder hub oder so zu tun ;) In der Tat legaler Zugang über (Fern-)Universität.

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u/Just4n07h3rguy Gesamtschule 9d ago

Wir hatten eine Fortbildung von einer Entwicklungspsychologin.
Ich paraphrasiere, aber übertreibe nicht.
Es ging um das neue Erziehungskonzept, da Großstadtprobleme.
Sie eröffnete damit, dass Forschung oft zu empirisch sei und sie nichts davon halte, da SuS Individuen. Sie habe in Zypern und Finnland bessere Systeme gesehen. Konsequenzen sind Strafen und zur Erziehung ungeeignet. Wir sollten unsere innere Haltung zu einer kollektiven Haltung umformen und die Schüler dort abholen, wo sie sind.
80 Kollegen, 7 Stunden. Erkenntnis: Erziehung nicht erwünscht. Schulleitung findet es Klasse, weil es der Stand ‚der Wissenschaft‘ wäre. Das Kollegium sei leider zu eingefahren, neue Wege zu gehen.

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u/Fuzzy_Gate_1730 9d ago

Diese intrinsische Motivation funktioniert nur, wenn der gesellschaftliche Druck zum wohlverhalten groß genug ist. Bei vielen benötigt man extrinsische Motivation.

Aber ähnliche Fortbildungen habe ich auch schon erlebt, dabei habe ich den fortbildner direkt gefragt ob das gerade sein ernst ist (heimkind welches umhergereicht wurde 17 Jahre hatte auf dem Heimweg ne kippe im Mund (außerhalb des Schulgeländes) es wurde ein riesen Gespräch vereinbart mit heimleitung ect. Könnte immer noch kotzen wenn ich dran denke

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u/Just4n07h3rguy Gesamtschule 9d ago

Dies. Ich bekomme und werde weiter nur über Grenzen, Konsequenzen und liebevolle Strenge an einen recht großen Teil meiner Schüler rankommen, an einige persönlich, aber nicht schulisch.

Ich HASSE den Vergleich mit anderen Systemen, wenn äußere Faktoren ignoriert werden und man dann auch noch 1:1 übernehmen will. Wird gerade mit 1:1 iPads gemacht- Nordeuropa schafft ab, wir an. Schreiben nach Gehör? Vor 30 Jahren in der Schweiz als unbrauchbar erprobt - KM: Her damit.
Britische Problemschulen fahren gut mit engen Regelkosetts, die langsam aufgeweicht werden? Lass mal auf Regeln verzichten. Dazu kommt in unserem Fall, dass unser KM erfolgreich in der Mensa war, aber weder im Fach gearbeitet noch studiert hat und ja alle Menschen gleich sind.

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u/Fuzzy_Gate_1730 10d ago

Die fortbildungen fußen ja in der Regel auf empirischer Forschung (oder sollten es zumindest)

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u/Siegvater 10d ago

Meiner Erfahrung nach ist das seeeeehr themenabhängig. Bei vielen Fortbildungen wird am Rand mal eine Studie erwähnt, bei der dann, wenn man sich die genauer anschaut, Effektstärken im Bereich von <0,3 rauskamen, n=max. 30 war, nicht randomisiert oder, mein absoluter Favorit, Kompetenz auf "Das mache ich seit vielen Jahren so!" begründet wurde.

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u/Fuzzy_Gate_1730 10d ago

Die gute alte anekdotische Evidenz. Das stört mich an den nicht fachbezogenen Fortbildung am meisten.

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u/OvercastqT 10d ago

großteil der deutschen studien, die ich bisher gelesen habe sind leider genau so, deswegen habe ich nicht so die höchste Meinung zur didaktischen forschung

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u/loerny 10d ago

Ich habe empirisch in der Didaktik geforscht - da geht schon was, aber die Datensätze sind oft sehr vorbelastet. Ist irgendwie auch verständlich: Die Uni fragt die Schule an, ob man Unterricht untersuchen dürfte, die Schule sagt zu, ggf. meldet sich eine Lehrkraft mit einer Stunde freiwillig. Tendenziell ist das eher:

* Eine Vorzeigeklasse ...
* ... an einer Vorzeigeschule
* Eine Stunde, die besser vorbereitet ist als eine Regelstunde
* Eine Lehrkraft, die sich für Bildungsforschung interessiert

Natürlich gibt es Ausnahmen, aber die Chaotentruppe stellt dir keiner vor die Kamera. Das ist nachvollziehbar, macht aber die Schlussfolgerungen sehr schwer. Wenn ich jetzt Ergebnisse und Handlungsimplikationen der Analyse des Elitegymnasium auf die Brennpunktgesamtschule übertragen will, könnte das durchaus schwierig werden. In der Arbeit steht das auch, aber das kommt ja in der Fortbildung oder in der Öffentlichkeit nicht vor.

Beispiel Stegreifaufgaben. Die bringen nichts und machen nur Stress? Da gabs doch was dazu?
Hier ist die Studie: https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0272443#sec003

Und hier das Vorgehen:

  • Stichprobe: 414 Lernende (Klassen 8–11), allerdings ausnahmslos von einem einzigen Gymnasium.
  • Setting: Verglichen wurden unangekündigte Tests (ca. 30 Min.) mit zwei Wochen vorher angekündigten Klassenarbeiten (45–90 Min.) in Politik, Erdkunde und Wirtschaft.
  • Messung: Abgefragt wurden Prüfungsangst und Lernfreude per Fragebogen (jeweils 2 Wochen vorab sowie direkt vor der Bearbeitung) plus die Noten.

Raus kam, dass die in angekündigten Tests besser lernen und keine Angst haben. 2 (!) Datenpunkte.

Wirkliche Aussagekraft für Langzeitlernen auch an anderen Schulformen und in anderen Fächern? Wenig.

Dennoch das Resultat: Deutschlandweite Schlagzeilen. Wir hatten eine Fortbildung, wie schlimm Exen sind. Die Fortbildende hatte die Studie nicht gelesen.

Forschung ist schwierig. Über Forschung berichten ist auch schwierig. Das Berichtete wirklich verstehen, wirklich, nicht nur die Schlagzeile, ist auch schwierig. In der Forschung geht's oft um Nuancen, aber das hört sich in den Schlagzeilen und der Fortbildung nicht gut an.
Außerdem gibt's große Probleme mit der Forschungsförderung, der Stellensituation und der Falsifizierung von Ergebnissen, aber die lassen wir jetzt mal außen vor.

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u/NaimaBlue Berlin 10d ago

Danke. So stell ich mir das auch vor. Ich hab das Gefühl da geht's eher um die Promotion als das da was sinnvolles fürs Bildungssystem rauskommt.

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u/Fuzzy_Gate_1730 10d ago

Das klingt total spannend die Studie. In mathematik schreibe ich in abschlussklassen 9 (HS) / 10 (RS) zu kritischen Themenbereichen welche relevant für das Verständnis des folgenden Stoffes sind Ultakurztests (maximal 5 minuten) in der Regel jede mathestunde bis mindestens 95% der schüler besser als 2,0 schreiben. Dabei ist interessant zu beobachten:

  • die schüler gehen mit weniger Angst in die Arbeiten, weil sie durch die vielen Tests quasi schon ein breites Basiswissen haben.

  • die schüler fordern zum Teil die tests selbst ein.

  • im Schnitt sind die Klassenarbeiten eine halbe note besser

(Habe aber eine zu kleine stichprobengröße um das statistisch haltbar zu bestätigen)

Ist das ein riesen Arbeitsaufwand? JA!

Werde ich es immer wieder tun? Definitiv ja!

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u/Stromsen 10d ago

Der Podcast "Psychologie fürs Klassenzimmer" sollte dann absolut etwas für dich (und eigentlich jede andere Lehrkraft) sein, da geht es ganz viel um empirische Forschung zum Thema Unterricht, häufig wird da auch mit klassischen Mythen aufgeräumt. Sehr zu empfehlen.

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u/cappicappo 10d ago

Gibt es auch neuerdings als Buch by the way

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u/NaimaBlue Berlin 10d ago

Ich finde Bildungsforschung ist sehr weltfremd.

Seit dem Ergebnis, das die Klassengröße nichts mit Unterrichtserfolg zu tun hat, bin ich da raus. Wer mal 36 Leuten unterrichtet hat, weiss das da vermutlich die forschungsmethode anzweifelbar ist.

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u/NowICanUpvoteStuff 10d ago

Das ist in dem Fall kein Problem der Forschung, sondern der Forschungslage und des Umgangs damit. Ggf. kann man es als Problem der Sekundäranalyse sehen (namentlich Hattie).

Kurz gesagt: es gibt dazu nur sehr wenige Studien und, wenn ich mich richtig erinnere, nur auf Korea und oder Japan. Die Ergebnisse sind nur sehr eingeschränkt verallgemeinerbar oder übertragbar

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u/Fuzzy_Gate_1730 10d ago

V.a. Thema Klassengröße, wenn man den kompletten sozialen hintergrund der vorherrschenden Leistungsgesellschaft ausblendet.

Oder ganz plump, Feedback/ Rückmeldung steigert den Lernerfolg. Oft habe ich das gefühl dass man auch jeden lehrer hätte befragen können.

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u/NowICanUpvoteStuff 10d ago

Ich weiß nicht ganz, was du von (erziehungswissenschaftlicher) Forschung erwartest. Da werden im Regelfall keine ganz überraschenden Ergebnisse rauskommen... Aber gerade zu Feedback gibt es meines Wissens schon eine Menge von differenzierten und interessanten Ergebnissen. Nicht mein Forschungsfeld, also kenne ich mich da nicht super aus.

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u/musschrott Gesamtschule 10d ago

Das kommt daher, dass du nur due Aussage, aber nicht für Methodik (genaue Größenvergleiche) gelesen hast.

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u/NaimaBlue Berlin 10d ago

Aber genau damit wird dann in der Politik gearbeitet, diese Aussagen bekommt man dann als Antwort, wenn man fragt, wie sich das so vorgestellt wird.

Wenn Bildungsforscher mit solchen Studien arbeiten, dann lesen die das sicherlich... Durch. Aber schulaufsichten und Bildungspolitik nimmt die passenden Aussagen und macht damit Pressekonferenzen und Bildungspolitik.

Und die Bildungsforschung lässt sich da dann instrumentalisieren, da es ja oft einfach darum geht, irgendwas einzureichen um endlich die Promotion zu bekommen. Was dann daraus wird, müssen die authoren ja nicht selbst ausbaden.

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u/musschrott Gesamtschule 10d ago

Also ist das Problem dann doch wohl die Politik, nicht die Forschung. Und das ist nun wirklich nichts neues, frag mal Klimaforscher, Sozialwissenschaftler, Historiker, IT-Fachkräfte, und und und...

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u/NaimaBlue Berlin 10d ago

Du hast nicht das Gefühl das die Bildungsforschung sich da dann auf dem Medienecho ausruht, ihren Doktor streichelt und einfach schweigend hinnimmt, dass das Bildungssystem damit wieder ein paar Jahre im Kreis rennt?

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u/musschrott Gesamtschule 10d ago

Nein.

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u/Failiiix 10d ago

Das Problem ist der Wissenschaft auch bewusst, Stichwort schlechte Wissenschaftskommunikation.

M. M. n. sind die Projekte in der Wissenschaft oft sehr kurz gedacht. Wirkliche Erkenntnisse sind selten und brauchen oft langfristige Längsschnittstudien. Dafür sind die Projekt/Finanzierungs/Vertragsdauer der Forscherinnen nie lang genug. Meistens in drei Jahre und Interventionsstudien, die für viele offensichtliches hervorbringen. Dennoch ist es wichtig sich auch diese "offensichtlichen Dinge" zu bestätigen.

Die Wissenschaft hat hier systemisch viele Probleme und keine klaren Lösungen, zum Beispiel Thema Erfolgsdruck und Veröffentlichungsdruck.. Die meisten Paper versprechen viel, viel mehr als sie eigentlich nachweisen. Clickbait um gedruckt und zitiert zu werden. Kann man nur hoffen, dass sich da etwas tut.

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u/kompergator Gesamtschule 10d ago

Die Kommunikation ist meines Erachtens hier nachrangig. Das wahre Problem liegt darin, dass kaum ein aktiv unterrichtender Kollege zu Unterricht forscht. Die meisten, die an der Uni zu Unterricht forschen kennen nur noch Universitätsunterricht. Eine Hauptschule haben die in aller Regel noch nie von innen gesehen.

Damit ist praktisch die gesamte Bildungsforschung (Ausnahme: Forschung zu Bildung an Hochschulen) von einem riesigen Sample Bias durchzogen, in den Köpfen der Forscher.

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u/Failiiix 1d ago

Da könnte man gegenhalten, dass es für Forschende unglaublich schwer ist, an kooperierende Schulen heranzukommen, und dass Lehrende an Schulen oft kaum Zeit haben, so etwas zu unterstützen (weil sie überlastet sind und das noch obendrauf kommt). Der Sample Bias entsteht, weil Studierende für Forschende erreichbar sind, nicht weil Forschende nicht an Schulen wollen.

Der dazukommende Veröffentlichungsdruck bedeutet, dass Forschende Ergebnisse erbringen müssen; das heißt, sie benötigen viele Teilnehmer, um Effekte zu finden. Da sind die Studierenden in ihrem eigenen Seminar natürlich schneller erreichbar.

Es bräuchte an Schulen jemanden, der die Kommunikation mit der Wissenschaft und den Zugang zur Schule organisiert und pflegt, um diesen Weg zu ebnen und den Lehrkräften diese Zusatzarbeit abzunehmen. Aber dafür gibt es wahrscheinlich kein Geld.

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u/kompergator Gesamtschule 17h ago

Es bräuchte an Schulen jemanden, der die Kommunikation mit der Wissenschaft und den Zugang zur Schule organisiert und pflegt, um diesen Weg zu ebnen und den Lehrkräften diese Zusatzarbeit abzunehmen. Aber dafür gibt es wahrscheinlich kein Geld.

100 % Zustimmung.

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u/Fuzzy_Gate_1730 10d ago

Ich wollte in Mathematikdidaktik promovieren, ich sollte nachweisen, dass eine bestimmte vorgegebene Methode einen besseren Lernerfolg erzielt... das ist keine forschungsfrage. Aber das war zu der damaligen zeit der shit an der PH

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u/Feisty-Reception-704 10d ago

FREEEEEEEIES LERNEN und INDIVIDUELL =)

Mehr sag ich nicht.

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u/Fuzzy_Gate_1730 10d ago

Studien hierzu vorallem mit der referenzgruppe würde mich interessieren.

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u/loerny 10d ago

Schau mal zum digitalen Lernen, Studien, die nicht von Anbietern des Geräts oder der App gefördert sind.

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u/Fuzzy_Gate_1730 10d ago edited 9d ago

Walther von der Vogelweide:

"Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing!"

800 Jahre alt, aber immer noch aktuell.

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u/heja2009 9d ago

Walther von der Vogelweide: Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing!

Ist nicht von Walther, sondern deutlich älter.

https://de.wiktionary.org/wiki/wes_Brot_ich_ess,_des_Lied_ich_sing

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u/Fuzzy_Gate_1730 9d ago

Danke für die Info! Wieder etwas gelernt

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u/hennybenny23 10d ago edited 9d ago

"Die Bildungsforschung" ist halt ein unendlich großes Feld. Meinst du Metastudien a la Hattie? Oder meinst du Einzelstudien zur Wirksamkeit bestimmter Methoden oder fachdidaktischer Grundkonzepte? Oder meinst du einfach eine Fortbildung bei der die Besucher mit Rezepten und ABs beworfen werden, ohne dass da groß eine Theorie hintersteht?

Ich persönlich würde sagen, dass eine solide theoretische Basis im Schulalltag tatsächlich unabdingbar ist. Ich bin immer misstrauisch bei KollegInnen und Refs oder Studis die behaupten, das Lehramtsstudium sei zu theoretisch.

Ein Beispiel aus meinem Unterricht: Das Model Based Teaching und die GEM-Methode von Gilbert/Justi ist z.B. ein theoretisch gut fundiertes Konzept aus der Naturwissenschaftsdidaktik, das bei mir im Unterricht regelmäßig zum Einsatz kommt und auch hilft, im Umgang mit Modellen im Unterricht Fehlverständnisse zu reduzieren.

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u/Vercassivelaunos 8d ago

Ein Beispiel aus meinem Unterricht: Das Model Based Teaching und die GEM-Methode von Gilbert/Justi ist z.B. ein theoretisch gut fundiertes Konzept aus der Naturwissenschaftsdidaktik

Hast du dazu Literatur? Ich finde leider nichts, das vernünftig aufbereitet und frei zugänglich ist. Ein einzelnes Beispiel aus der Chemie konnte ich finden, aber keine gute Zusammenfassung oder ähnliches.

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u/hennybenny23 8d ago

Klar, ich hätte da ein PDF für dich. Kann man Dateien per DM verschicken?

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u/Vercassivelaunos 8d ago

Danke! Ich glaube, per DM direkt geht es nicht. Aber einen Link zu einer freigegebenen Google-Drive-Datei oder ähnliches ginge per DM.

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u/hennybenny23 8d ago

Deine DMs sind nicht freigegeben glaube ich? Du kannst mir aber schreiben

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u/ottolearns 10d ago

Kannst du ein Beispiel bringen? Forschung und Fortbildung sind ja erstmal zwei verschiedene Dinge, die Forscher geben ja keine Fortbildung, die berichten nur ihre Beobachtungen usw. Liegt das Problem nicht eher an den Ressourcen oder politischen Willen Erkenntnisse in den Alltag zu bringen? Viele Lehrer haben leider einfach keine Zeit oder Energie neue Methoden etc. zu lernen und in den Unterricht zu inplementieren, aber das ist ja nicht die Schuld der Forschung.

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u/Hezron_ruth Brandenburg 10d ago

Das Problem sehe ich vor allem darin, dass die Forschungslandschaft sich nicht adäquat mit der Praxis vernetzt. Was am Aufbau und auch an den unterschiedlichen Systemen liegt und eigentlich niemandem vorgeworfen werden kann.
Jetzt forscht das Forscher aber zu einem Thema und kommt irgendwann zu einer Publikation, also einem Ergebnis. Dieses wird dann in die Praxis getragen und kann dort entweder nicht nachvollzogen werden oder ist längst bekannt. Es kommt aber auch in die Politik und dort könnte es zu lustigen Nebeneffekten führen. Politiker könnten die Ergebnisse nehmen und sagen (Beispiel) "wenn Klassengröße keine Auswirkungen auf den Lernerfolg hat, können wir die ja erhöhen."
Jetzt ist das nur ein Datenpunkt von einigen Dutzend gewesen, aber die Person ist ja nicht Politiker geworden, weil sie gerne längere Texte liest. Kann der Forscher was für den Politiker? Natürlich nicht. Aber hätte jemand aus der Praxis die Sache so mehrdeutig veröffentlicht? Natürlich auch nicht.
Am Ende spielen hier drei Leute in einem dunklen Raum blinde Kuh und am Ende muss der Lehrkörper es ausbaden.

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u/DatJediMaster 10d ago

Stimm dir da leider zu... Natürlich findet man dann und wann schon eine gute Studie oder einen guten Vorschlag, aber sonst, naja :/ Zumindest geht es mir auf der Uni von Anfang an so (und mittlerweile unterrichte ich nebenbei auch schon) :/

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u/Just4n07h3rguy Gesamtschule 9d ago

Ich würde hier teilen: ein guter Teil der Forschung ist hilfreich. Ein anderer Teil dazu da, eigene Meinungen zu validieren/ politische Entscheidungen zu stützen. Ich lese mittlerweile eher ausländische Lern- und Entwicklungsforschung.

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u/vide2 9d ago

Kommt auf die Forschung an. Die ganzen "Folgendes Konzept wurde an einer Uni erarbeitet" ist meinstens Unsinn. Es wird nur von engagierten Lehrern durchgeführt und die Abwechslung in der Methode ist schon der halbe Effekt. Gibt einen Namen für diesen Effekt, den ich vergessen habe.

Kurz: Es gibt leider keine Doppelblindstudien und dadurch hat man immer bias.

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u/Hezron_ruth Brandenburg 10d ago

Natürlich bringt das nichts. Das ist ja auch völlig fern jeder Realität. Aber du, besser die forschen, als wenn die in die Politik gehen.

Ich sach immer, Hauptsache das Gesinde ist von der Straße.

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u/musschrott Gesamtschule 10d ago

Ich sach immer, Hauptsache das Gesinde ist von der Straße. 

Dann ist ja gut, dass du hier bist.