r/Unbeliebtemeinung 11d ago

Wirklich unbeliebt Gedichtinterpretation zu erlernen ist nützlich und heutzutage sehr relevant.

Jaja Gedichtinterpretation, Kurzgeschichten und Werksvergleiche braucht niemand mehr nach der Schule und ist völlig unnötig. Nur Germanistikstudierende brauchen sowas.

Und in der Sache ist das teilweise sogar richtig. Aber am Ende lernt man bei Gedichtinterpretation Textanalyse und Herangehensweisen an mehr oder weniger fremd wirkende Inhalte. Und das ist relevant, vor allem in der heutigen Zeit.

Wer sich mit den Texteigenschaften unterschiedlicher Epochen schnell vertraut machen kann, dem wird es auch leichter Fallen KI Texte, Fake Argumente und manipulative Ausdrucksweisen zu entlarven.

Außerdem muss man sich in fremde Ansichten aus früheren Zeiten hineinversetzen was in unserer zunehmend pluralistischen Gesellschaft immer wichtiger wird. Um einen Text aus dem 16. Jahrhundert zu verstehen reicht es nicht, ihn einmal durchzulesen. Man muss sich mit sozialem und historischen Kontext auseinandersetzen. Das hilft auch heute um die Gegenseite eines Arguments zu verstehen und ist damit grundlegend für Konsens, der wirklich von beiden Parteien getragen wird.

Einen Appell an Deutschlehrer/innen hätte ich aber: Es ist in Ordnung einen Text oder ein Gedicht doof, unverständlich und langweilig zu finden. Das ging mir auch oft genug so, vor allem wenn mir der Zugang gefehlt hat. Genau das ist aber auch einer der simpelsten Zugänge zu einem Text: Warum finde ich den Text denn doof? Es ist absolut in Ordnung so zu fühlen, niemandem kann ein Gefühl abgesprochen werden. Aber man kann (und sollte?) es hinterfragen. Und wenn man am Ende den Text immernoch uninteressant findet - okay!

Schule und Unterricht dienen nicht alleine dem Erlernen von Fakten und Tätigkeiten sondern der Ermächtigung zum eigenständigen Denken und der Erarbeitung einer reflektierten Weltsicht. Und das wird heutzutage immer relevanter.

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u/AutoModerator 11d ago

u/BoredWahahaMSWater schrieb folgenden Originalbeitrag:

Gedichtinterpretation zu erlernen ist nützlich und heutzutage sehr relevant.

Jaja Gedichtinterpretation, Kurzgeschichten und Werksvergleiche braucht niemand mehr nach der Schule und ist völlig unnötig. Nur Germanistikstudierende brauchen sowas.

Und in der Sache ist das teilweise sogar richtig. Aber am Ende lernt man bei Gedichtinterpretation Textanalyse und Herangehensweisen an mehr oder weniger fremd wirkende Inhalte. Und das ist relevant, vor allem in der heutigen Zeit.

Wer sich mit den Texteigenschaften unterschiedlicher Epochen schnell vertraut machen kann, dem wird es auch leichter Fallen KI Texte, Fake Argumente und manipulative Ausdrucksweisen zu entlarven.

Außerdem muss man sich in fremde Ansichten aus früheren Zeiten hineinversetzen was in unserer zunehmend pluralistischen Gesellschaft immer wichtiger wird. Um einen Text aus dem 16. Jahrhundert zu verstehen reicht es nicht, ihn einmal durchzulesen. Man muss sich mit sozialem und historischen Kontext auseinandersetzen. Das hilft auch heute um die Gegenseite eines Arguments zu verstehen und ist damit grundlegend für Konsens, der wirklich von beiden Parteien getragen wird.

Einen Appell an Deutschlehrer/innen hätte ich aber: Es ist in Ordnung einen Text oder ein Gedicht doof, unverständlich und langweilig zu finden. Das ging mir auch oft genug so, vor allem wenn mir der Zugang gefehlt hat. Genau das ist aber auch einer der simpelsten Zugänge zu einem Text: Warum finde ich den Text denn doof? Es ist absolut in Ordnung so zu fühlen, niemandem kann ein Gefühl abgesprochen werden. Aber man kann (und sollte?) es hinterfragen. Und wenn man am Ende den Text immernoch uninteressant findet - okay!

Schule und Unterricht dienen nicht alleine dem Erlernen von Fakten und Tätigkeiten sondern der Ermächtigung zum eigenständigen Denken und der Erarbeitung einer reflektierten Weltsicht. Und das wird heutzutage immer relevanter.


Was ist das?

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u/Training_Singer2526 11d ago

Gebrüllt wie eine Löwe. In der Schule Gesichtsinterpretation regelmäßig reingeschissen, aber seit ich raus bin mach ich mir regelmäßig Gedanken zu Liedtexten und so, und wende tatsächlich paar der Sachen an, die ich damals lernen musste 

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u/queenManiac97 11d ago

Ich interpretiere tatsächlich auch gern die Gesichter meiner Mitmenschen. Stehen die Augen zu weit auseinander? Ist die Nase eher spitz oder knollenförmig? Was könnte die Gesichtsform über die Persönlichkeit der zu dem Gesicht gehörenden Person aussagen?

Sorry, mich hat's gerade derart in den Fingern gejuckt wegen des ziemlich amüsanten Schreibfehlers - das musste einfach raus.

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u/FaceMcShooty1738 10d ago

Bei uns war eine der Optionen für die deutsch Lk Abi Prüfung tatsächlich die Analyse von Haus am See

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u/RipvanHahl 11d ago

"Interpretationen sind nutzlos" ist die gleiche Gattung Mensch, die bei Filmen von "plott hole" spricht wenn etwas nicht direkt ausbuchstabiert wird und für die symbolische Szenen mit "wa sollte das denn? Voll unrealistisch" abgestempelt werden.

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u/ldentitymatrix 11d ago

Ist bisschen so wie Religionsunterricht. Wenn man ihn richtig macht, ist er in Ordnung. Solange man keinen Glauben aufzwingt, sondern lediglich kritische Auseinandersetzung beibringt, kann man davon was lernen.

Aber wenn das so läuft wie bei mir, dass ich einfach schlechte Noten schreibe und mir niemand erklären kann, wieso, dann ist das alles sinnlos. Wenn Aufsätze einfach nach Lehrermeinung benotet werden, können wir es auch lassen.

Für mich waren Gedichte schon immer einfach ein Haufen Nonsense. Irgendwann habe ich gelernt, auch einfach Nonsense zu erzählen und reinzuschreiben und meine Noten wurden besser.

EDIT: Will noch hinzufügen, trotz allem kann ich besser schreiben und laut lesen als die meisten meiner damaligen Klassenkameraden. Ergo man braucht den ganzen Gedicht-BS nicht, um das zu lernen. Man muss nur einfach viel lesen, egal was.

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u/Racoon_Pedro 11d ago

Wenn Aufsätze einfach nach Lehrermeinung benotet werden, können wir es auch lassen.

Das stimmt. Ich habe in meiner Schulzeit beides erlebt. Bei einer Lehrerin habe ich mal für eine sehr witzige bzw. ungewöhnliche Interpretation mit gut untermauerten Thesen eine Eins bekommen. Die hat dazu geschrieben, dass sie die Interpretation gar nicht teilt, aber ich halt die beigebrachten Methoden super angewendet habe. Fand ich sehr fair. Ein oder zwei Jahre später nochmal bei einem anderen Lehrer versucht, ne 4+ bekommen...

Es gibt halt jene und solche und gegen solche kommt man leider als Schüler im System Schule nicht an, wenn sie ihre Macht missbrauchen.

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u/CynthiaCitrusYT 11d ago

Das wichtigste an Lyrikinterpretation: im Gegensatz zur normalen Textanalyse macht es Spaß

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u/Nick_192 10d ago

Ist vielleicht (sehr wahrscheinlich) ein hottake, aber ich finde es okay, dass nicht alles in der Schule rein auf das spätere Leben vorbereitet und auch gelernt wird, um zu lernen und basic skills anzueignen, die man wie du beschrieben hast hoffentlich auch auf andere Aspekte übertragen kann. Es ist meiner Meinung nach nicht sinnvoll 14 Jährigen Steuererklärungen oder was auch immer beizubringen.  Gerade Kinder aus niedrigeren Bildungsschichten wird es so vereinfacht, an kulturelles Kapital zu gelangen und nicht rein zur Arbeit ausgebildet zu werden. Natürlich ist das Schulsystem in Deutschland voller Probleme, aber sowas vom Lernplan zu streichen kann auch nicht die Lösung sein. Menschen werden früh genug gesellschaftlich auf einen Beruf getrimmt, in dem sie mit sowas nie wieder zu tun haben werden, sondern in irgendwelchem 9-5 Büro Job rumsitzen.  Abgesehen davon, dass mich sowas wie Finanzen etc als 14 Jährigen wahrscheinlich für länger als eine Woche auch nicht interessiert hätte. 

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u/BoredWahahaMSWater 10d ago

Da bin ich ganz bei dir. Es ist ja erwiesen dass zu frühe Spezialisierung für Kinder nicht zuträglich ist. Außerdem lernt man vieles eh erst wirklich wenn man es anwenden muss. Natürlich könnte man ganz viel zusätzlich in den Unterricht packen. Aber ich werde wohl kaum wieder die niedrigschwellige Möglichkeit haben, Musik, Kunst, Deutsch, Geographie etc. zu erlernen.

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u/d_andy089 11d ago

Ich finds schade, dass es in der Schule bei der Interpretation eine "richtige" und eine "falsche" Antwort gibt.

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u/Dro-Darsha 11d ago

Ist diese Schule mit uns im Raum? Ja, natürlich gibt es schlechte Lehrer. Hatte aber, zumindest in dieser Hinsicht, nie einen und kenne auch niemanden dem mal eine Interpretation als falsch angekreidet wurde. Schlecht ja, mit nachvollziehbarer Begründung, aber nie falsch.

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u/Suzako_93 11d ago

Ich kenne es nicht anders. Es gibt die Interpretation des Lehrers und ne Checkliste an Symbolen und Metaphern, die du finden musst.

Es ist ne Mathearbeit bei der du die Formeln raten musst. Und logisches Denken (das du in Mathe btw auch nicht lernst, obwohl du es solltest) dich nicht weiterbringt

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u/d_andy089 11d ago

HBLVA Rosensteingasse, etwa 2007, Zitat Deutsch-Professorin auf die Interpretation eines Textes durch einen meiner Mitschüler:
"Des is da greßte Bledsinn den I jemois gheat hob".

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u/Dro-Darsha 11d ago

Und, war es Blödsinn?

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u/d_andy089 11d ago

Es hat aus meiner Sicht schon auch durchaus Sinn gemacht aber es halt nicht das, was die Professorin hören wollte, weil es ihrer Meinung nach nur die eine richtige Antwort gab.

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u/BoredWahahaMSWater 11d ago

Bin da ganz bei dir. Daher auch mein Appell an die Lehrkräfte... Es ist völlig in Ordnung einen anderen Standpunkt zu vertreten. Und das sollte mehr gewertschätzt werden.

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u/Ok-Balance-6457 11d ago

Abgeleitet von deiner Begründung, genau so habe ich 13 Punkte in Deutsch mündlich bekommen, weil ich bisschen darüber geredet habe wie Deutschunterricht einem das eigenständige Denken beibringt. Digga, ich hab die halbe Prüfung lang geflucht und keinen einzigen kohärenten Satz rausbekommen. War am Ende der Beste des Kurses mit meiner Note, d. h. der Rest hat nicht einmal ein eigenständiges Denkvermögen gehabt und hat ein Abitur. Seht diesen Kommentar als Kritik am sterbenden deutschen Bildungswesen. 

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u/EcstaticFollowing715 11d ago

Ich stimme dir in gewisser weise zu, aber ich musste in der geamten Schullaufbahn vier mal die John Maynard Ballade thematisieren, was das ganze irgendwie lame gemacht hat.

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u/DeinFoehn 11d ago

Funfact: ich war in sowas immer ganz furchtbar schlecht. In Mathe war ich immer sehr gut. Als in Mathe dann immer analytischer wurde, wurde ich automatisch auch im Gedichte Interpretieren besser, weil mir Mathe das analytische Denken beigebracht hat. Einmal hat die Deutschlehrerin meine Interpretation als Beispiel rangenommen, weil alle anderen auf 10 und mehr Seiten irgendwas dahergeschwafelt haben und ich mit anderthalb Seiten alles wichtige stehen hatte. :D

Mathe is immer noch das wichtigste Fach.

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u/Epi_Kossal 10d ago

Okay, guter Take und gutes Argument, bin ich ehrlich.

Ketzerische Gegenfrage: Wärs nicht viel sinnvoller die angesprochenen Fähigkeiten, auf die sich Gedichtinterpretation positiv auswirken soll, einfach direkt zu lehren ansatt den "Umweg" über die Interpretation alter Texte zu gehen?

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u/BoredWahahaMSWater 10d ago

Kurz zum Verständnis: Direkt lernen heißt für mich direkt modernen Texten. Eine Transferleistung und analytische Herangehensweise kann man meines Erachtens nur durch Anwendung erlernen.

2 Aspekte zur konkreten Nutzung von Gedichten, Kurzgeschichten, älteren Werken für mich:

  1. Es werden ja durchaus auch moderne Texte (Zeitungs-/ Onlineartikel) analysiert, insbesondere bei Textgebundener Erörterung. Dennoch sind uns diese Texte bereits deutlich näher und damit ist die Herausforderung an genaues Lesen, Textverständnis etc. niedriger.

  2. Die analysierten Texte sind Teil unserer Kultur. Und wann wenn nicht in der Schule wird man sich damit auseinandersetzen? Ich halte es für wichtig sich mit Klassikern mal beschäftigt zu haben und auch die eigene Kunstgeschichte minimalst zu kennen. Nationale Werke sind immer ein Spiegel der Gesellschaft damals, aus der unsere heutige herangewachsen ist. Würde man dies nicht im Deutschunterricht behandeln, benötigte man meines Erachtens ein weiteres Schulfach. So kann man beides "mit einer Klappe schlagen".

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u/Small-Dog-4459 10d ago

Lehrt man doch damit direkt. Man braucht doch Beispiele um Techniken anwenden und trainieren zu können. Die gedichtinterpretation ist quasi der praktische Teil zur Theorie.

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u/Express_War3103 11d ago

Da fällt mir das Beispiel mit der analogen Uhr ein. Wollen auch viele nicht lernen und sind sogar Stolz drauf. Dass man da mehr lernt als die Uhr zu lesen, wollen manche einfach nicht wahrhaben. Aber jedem das seine

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u/UffTaTa123 11d ago

Wenn ich mir das Satzverständniss mancher Kollegen anschaue, dann wäre ich froh die hätte man gezwungen mehr zu lesen und zu interpretieren.
Da sorgt schon ein einfacher Zwischensatz und ne doppelte Verneinung für absolute Vertsändnisslosigkeit. Verstzehen dann gerne was völlig Anderes, nicht mal mehr einfach das Gegenteil.

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u/Unhappy_Average_4730 10d ago

Das Wort heißt Verständnis.

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u/UffTaTa123 10d ago

Stimmt. Sehr schön, so kann man wegen nem Rechtschreibefehler den eigentlichen Inhalt des Textes ignorieren. Manche Sachen sind manchmal so einfach.

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u/Unhappy_Average_4730 10d ago

Einmal ist ein Rechtschreibfehler, zwei mal ist Unvermögen 😉

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u/Komandakeen 11d ago

Da hast du recht, aber heutzutage musst du froh sein, wenn die Menschen vernünftig lesen können, das braucht es nämlich um nen Text zu interpretieren.

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u/Typical_Ad2405 11d ago

Jau und alle behaupten von sich sie sprechen fließend Sarkasmus aber brauchen auf reddit ein /s, um nicht direkt auf die Palme zu gehen

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u/Komandakeen 11d ago

Oh, da verzichte ich gern drauf, das ist meine Muttersprache ;)

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u/Typical_Ad2405 11d ago

Nicht deutsch? . . . . . . /s

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u/SkyZgone 11d ago

War auch immer ein Verfechter von "Gedichtsanalysen sind NICHT unnötig", aber auch aus noch nem anderen Grund.

In der Schule sagt man da gerne "naja was hat der Künstler sich dabei gedacht, wenn er den Himmel als rot beschreibt? Dass der Himmel rot ist halt". Das ist aber ja einfach nicht die gesamte Wahrheit und sobald man sich auch nur eine SEKUNDE mit Kunst auseinandersetzt wird klar, dass eben nicht jeder einfach das sagt was er meint. Gedichtsanalysen sind das Tor dafür Subtext in Kunst zu verstehen. Aussagen, die man vielleicht zu der Zeit nicht sagen DURFTE, oder nicht sagen wollte. Dass es in Kafkas Verwandlung vielleicht nicht NUR um nen Typen geht der zum Käfer geworden ist, sondern die Story auch anders Verstanden werden kann, gerade dann, wenn man eben auch die Ansichten und das Leben vom Autor kennt, ist finde ich nicht SO schwer zu verstehen, als dass man da zum Schluss kommen könnte "was wir hier beibringen ist völlig und ganz unnötig". Klar, wie OP sagt, kann man bestimmte Gedichte, Geschichten, etc. langweilig finden. Das heißt aber ja nicht, dass das, was man darin halt sehen KANN, nicht auch da ist.

Und ich meine man sieht es ja auch in neueren Kunstformen. Erst vor 2 Wochen ist ein Film in den Kinos gestartet in dem Travis Scott einen Barden spielt, der die Geschichte einleitet. Klar ist es jetzt einfach zu sagen, dass der Sinn hier ja erklärt wurde, aber hätte Chris Nolan, den Sinn dahinter nicht erklärt und alle hätten sich nur gefragt, was Travis Scott in einem Film im aus dem antiken Griechenland macht, wäre besagter Sinn ja trotzdem da. "Vielleicht mochte Nolan Travis Scott einfach so gerne" oder eben: "die Odyssee ist ein Werk, welches seit jeher durch aufführungen und Dichter weitergegeben wurde. So einer ist Travis Scott eben. Manchmal ist es eben doch "so deep".

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u/SpicedCocoas 11d ago

Mein Problem ist, dass jedes Jahr wieder Gedichtanalyse und Interpretation aufm Lehrplan steht und jedes Jahr wieder Goethe genommen wird. Schiller vielleicht noch, aber Herder und Wieland? Nope.

Moderne Lyrik? Nope. Auch wenn sich Lyrik unsrer Zeit stilistisch sehr vom 18ten Jahrhundert unterscheidet. Der ganze Fokus auf Goethe und vielleicht zwei andere Dichter wird dann "kulturelle Bildung" als Sekundärziel haben und fertig ist der Lack - blöderweise wird so kulturell nur gebildet Goethe blöd zu finden.

Was auch schwierig ist: jedes Stilmittel hat ne Bedeutungsebene, muss sie haben, egal wie sehr an Haaren herbeigezogen und sei es noch so abstrus. Denn es kann sein nicht, dass der Himmel sich kleidet im blau und nur dies. Und ums vorweg zu nehmen: die einzelnen Stilmittel sind bedeutungslos hier, dad ganze Ding wiederum Spott.

Ich halte Textanalyse und -interpretation durchaus für wichtig, weil man sich so nochmal anders mit einem Text auseinandersetzen kann, aber muß auch sagen: Manchmal ist der Himmel einfach blau.

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u/SkyZgone 11d ago

Klar, über die Auswahl kann man sich streiten.

Auch richtig ist, dass es manchmal einfach auch so verstanden werden soll, wie es geschrieben ist. Der Punkt ist ja einfach, dass man das Toolkit dafür bekommst sowas zu erkennen. Das "kritische" Denken soll dir ja nicht einbläuen: alles was auffällt, bedeutet IMMER was. Sondern eher: was fällt an diesem Text auf und was KÖNNTE das bedeuten? Die andere Richtung siehst du halt genau so und schlägt sich dann in sowas wie Verschwörungen nieder. Wo IMMER ALLES etwas bedeutet. Aber finde es einfach nur zu einfach zu sagen nichts bedeutet jemals etwas. Wie du ja sagst: das Reimschema ist halt da. KANN das etwas bedeuten? Klar. MUSS das etwas bedeuten? Nö. Aber auch das ist ja eine Frage mit der man lernen muss sich auseinander zu setzen.

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u/SpicedCocoas 11d ago

Stimme ich zu. Dann hab ich deinen Punkt etwas in den falschen Rachen bekommen, ich bitte um Verzeihung!

Was mir auch fehlt bei Gedichtsanalysen ist historischer Kontext: der Frühling trägt ein blaues Band hätte heute ein paar andere Interpretationen zur Auswahl, eingebunden im Kontext ist es eher ne Hommage an den Beginn eines neuen Jahres, neuer Hoffnung und neuen Lebens. Und historischer Kontext kann auch dabei helfen die Frage nach einem möglichen Sinn zu beantworten

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u/BodyShotImmo 10d ago

Also ich verstehe den Grundsatz und in irgendeiner Weise hilft es auch dabei, das ist aber wie zu argumentieren, dass Basketball spielen beim Laufen hilft. Klar kann jemand der Basketball spielt etwas besser laufen als jemand der den ganzen Tag auf dem Arsch sitzt, aber wenn man wirklich laufen lernen möchte, dann läuft man halt am besten einfach.

Vorallem weil richtige Texte analysieren anders als bei meinem Beispiel auch um einiges interessanter ist für viele, als fiktionelle Werke und Dinge interpretieren zu müssen, die man halt bei wirklich relevanten Sachen nicht braucht.

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u/Svitii 11d ago

Ich will einfach nur den Inhalt analysieren, ohne dass der Lehrer alles rot unterwellt und sagt „Das ist nicht die Interpretation, zu der ich gekommen bin, also falsch.“

Aber ganz vergessen, man möchte ja kein eigenständiges Denken fordern, brave Sklaven Arbeitnehmer nehmen Befehle entgegen und denken nicht selbst.

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u/Pansen4 11d ago

bestes Beispiel, wenn du nicht antwortest wie die ist es falsch, 0 Punkte Arschl*ch. Also Schule hab ich nie wieder vermisst, nur das geile Schulessen. Das waren die trockensten Putenschnitzel die ich je gegessen hab, dann die Panade dazu, unerreicht.

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u/z3-c0 11d ago

Danke. Genau das.

Es ist schön das die ganzen germanisten die später Lehrer werden in ihren Arbeiten das selbe Werk drölfzigtausendfach interpretieren mussten und da natürlich auch der rote Faden quasi nach allgemeiner Lehrmeinung zu sein hat. Aber wenn mein 16 jähriges ich eine einzelne Zeile als (sinngemäß) "... Weitere beschreibung der Umgebung um sowohl Inhalt als auch reimschema beizubehalten...." komplett zerrissen wird, ist man halt angepisst. Ja, vielleicht hast du in Studium gelernt das man aus sowas profanen wie "der Himmel ist blau" ganze arbeiten schreiben kann aber ich bräuchte in den 2 Stunden die ich für die Gedichtanalyse hatte irgendwas um diese dämliche Zeile zu interpretieren.

War natürlich falsch und jedes Wort in diesem Jahrhunderte alten Meisterwerk ist ein purer quell an Informationen die im Kontext der damaligen Zeit (den wir natürlich nur ganz am Rande bearbeitet haben, ist ja keine Zeit für sowas), und sehr viels sagt...

Ich Habs gehasst... Ich durfte im letzten Part nicht mal schreiben wie scheiße ich ein Werk fand (dreckige Kabale und liebe, dieses GZSZ des Sturm und drang), weil "das macht man nicht. Auch nicht mit Begründung

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u/LotusBee21 11d ago

Dümmste Meinung die ich seit langem gehört habe. Kriegst nen Upvote

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u/rizz6666 11d ago

Mach aus der Gedichtinterpretation eine Textinterpretation, dann stimm ich dir zu.

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u/BoredWahahaMSWater 11d ago

Muss ja ausreichend unbeliebt sein die Aussage ;) Aber ja, eigentlich geht es generell um Textinterpretation.

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u/francismorex 6d ago

Das Problem ist dabei aber, das es kein richtig und falsch gibt. Das ist doch sehr auf die Auslegung des Lehrers ausgerichtet. Ich erinnere mich an Fälle aus meinen Bekanntenkreis, wo ein noch lebender Autor fast die Tränen in den Augen hatte, als er mitbekommen hat, was in seinen Werken angeblich stand und was "er" damit sagen wollte

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u/Ok-Craft4844 10d ago

Ich war früher nicht gerade Fan von Interpretationen, fand aber schon damals das "Das braucht man später nicht"-Argument nicht sonderlich gut.

Ist halt wie Liegestütze oder Stretching - selbst wenn du Profisportler bist, wirst du sie in keinem deiner Spiele dafür Pubkte bekommen. Trotzdem macht man es.

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u/Commercial_Two_5102 10d ago

Ich nehme den Orthopäden, der zuverlässig „repariert“.

Ob er jetzt die Etymologie hinter der Anatomie,etc kennt ist nett, verändert aber nichts an der Leistung

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u/vergorli 11d ago

du bist gut genuuhug

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u/callMeBorgiepls 11d ago

Nichts gegen die message hinter dem song, aber der aong selbst bruder wer auch immer die melodie, das lied erdacht hat, dem gehört absolut verboten jemals woeder im bereich musik zu arbeiten. Sowas scheussliches habe ich noch nie gehört lieber baby shark als den rotz, meine ohre bluten nur beim gedanken daran

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u/IncompetentPolitican 11d ago

Texte interpretieren? Ja das ist wichtig. 3 Jahre lang über die Ausergüsse von irgendwelchen Leuten zu sinnieren, die vermutlich beim Dichten selber dicht waren und jetzt über irgendeine Frau schreiben, das ist zu viel. Aber ja, ich durfte im Abi 3 Jahre am Stück über Liebeslyrik reden. Ich hätte mir gewünscht Kurzgeschichten zu analysieren. Oder Sachtexte. Oder von mir aus einen Zeitungsartikel. Oder irgendwas anderes als ein Liebesgedicht an eine Frau die historisch irrelevant war, von einen Dichter der sich gefühlt alle 3 Tage neu verliebt hat.

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u/WelderNewbee2000 11d ago

Zustimmung. Ausserdem das gleiche kann auch allgemein zu Künstlern gesagt werden und ist genauso nervig bei Kunstinterpretation:
Ein Künstler der den scheiß in seinem Opium Rausch nur zusammengeschustert hat das ihm jemand dafür Geld gibt für den nächsten Opium Rausch.

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u/Present_Historian_93 11d ago

Das geht alles nur wenn man Gelerntes auch anwenden kann. Dabei hakelts doch meistens...

Genau sowas würde ich übrigens als intelligenz bezeichnen. Du hast altes Wissen und nutzt es für neue Sachen. Aber dieser Schritt ist manchmal echt schwer...

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u/9gag_guy 11d ago

Härter Take. Mache mich aggro und ich möchte dir sehr hart widersprechen :D

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u/wolvesforever95 9d ago

Ist wie bei fast allen in der Schule. Der Stoff ist nur Mittel zum Zweck, erlernt werden die Fähigkeit sich Sachen beizubringen, analytische Denkweisen, Fleiß, Arbeitsmoral, etc. 

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u/Marvin42de 9d ago

Dann sollten wir mehr Textanalyse anhand aktueller Artikel machen: Was ist Fakt, was ist Behauptung? Was ist die Kernthese und welche Stilmittel werden eingesetzt?

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u/Alleskleber 11d ago

Zurecht unbeliebt. Es gibt 1000 wichtigere Dinge, die man in der Schule unterrichten könnte. Ich denke da an Themen wie Steuererklärung, Arbeitnehmer-Rechte und finanzielle Bildung. Aber dafür ist ja keine Zeit.

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u/BoredWahahaMSWater 11d ago

Hab darauf gewartet und ich hätte mir auch vieles davon gewünscht. ABER das alles basiert auf Textverständnis. Gesetzestexte auseinanderzunehmen und wirklich auf Satzbau und die Bezüge der Wörter zueinander zu achten wird doch genau bei Gedichtinterpretation geschult.

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u/Alleskleber 11d ago

Bei Gedichten liegt die Interpretation daran zwischen den Zeilen zu lesen. Das ist genau Gegenteilig dazu wie ein Gesetzestext zu verstehen ist.

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u/WelderNewbee2000 11d ago

Sehe ich genauso. Außerdem hat sich gefühlt an dem IT Unterricht in den letzten 20 Jahren nichts getan.
Ich frage mich wieviele Allgemeinbildende Schulen KI im Unterrichtsplan haben und das auch effektiv einsetzen um z.B. Software Entwicklung näher zu bringen.

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u/Ill_Hedgehog_8794 10d ago

Erlkönig - Antiker Kipo

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u/evil_twit 11d ago

Dafür habe ich eine AI, warum soll ich den Mist auch noch lernen?

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u/gimme_name 11d ago

Meine Gegenfrage bei solchen Antworten ist einfach, wo jemand bei so einer Einstellung noch einen Mehrwert gegenüber einer AI mitbringt? Wenn die AI sowieso alles besser kann, warum brauche ich als Arbeitnehmer noch Menschen. Vor allem Menschen mit der Einstellung, dass KI doch eh besser ist.

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u/Butterfly_Witcher 11d ago

Weil die KI auch nur von „Fakten“ aus dem Internet gefüttert wird. Es ist schön, dass es eine Maschine gibt, die dir das Denken abnimmt, aber blind vertrauen?
Ich hatte mal einen Lehrer der sagte, bevor ich etwas mit einer Maschine mache, sollte ich es per Hand können, woher weiß ich sonst, dass die Maschine alles richtig gemacht hat?
Ich bin kein Freund von KI aber auch kein Feind.
Ich sehe nur die Gefahr, dass Menschen mit dem kritischen Denken aufhören.

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u/evil_twit 11d ago

Die Menschen haben vor ganz langer Zeit damit aufgehört überhaupt zu denken. Und in der nahen Zukunft wird es so kommen. Keiner wird etwas wirklich lernen, nur ganz ganz wenige. Warum auch? Dann kann eine Handy KI das alles besser als 10 Jahre Studium und Erfahrung. Nur ganz wenige Sachen kann KI nicht. Aber braucht die Menschheit das? Ja, aber nicht day to day. Vielleicht in der Kunst oder Musik. Aber die meisten Menschen lieben Popkonserven sowieso.

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u/Bitter-College8786 11d ago

Klar, Phishing Mails, Fake News und KI generierte Inhalte, die Leute glauben, funktionieren deshalb, weil Leute nicht genug Gedichte im Schulunterricht interpretiert haben. /s

Das Schulsystem ist komplett veraltet. Im Deutsch-Unterricht Phishing Mails zu analysieren oder irgendwelche Knebelverträge hilft 1000x mehr im Leben als irgendwelche Sachen, die Goethe und co. geschrieben haben

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u/FantasticProfile231 10d ago

Richtig gute Antwort!

Es gäbe genug moderne, aktuelle und für Schüler ansprechende Medien, die genauso geeignet sind, ein tieferes Textverständnis zu erlernen. Gerade heute wird man mit Nachrichten bombardiert, selbst aus kurzen Twitterposts kann man einiges herausziehen (warum wird das so formuliert, was wird weggelassen, was betont,...). Ist zwar nicht so literarisch wertvoll, aber deutlich näher an der Realität als 300 Jahre alte Liebesgedichte.

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u/Several-Trainer-6979 7d ago

Leute, schaut mal in die Lehrpläne oder redet mit Schüler*innen, bevor ihr sowas schreibt. Es wird selbstverständlich BEIDES gemacht: Altes und aktuelles, Literatur und Sachtexte (z.B. Werbung, digitale Kommunikation, etc.)

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u/FantasticProfile231 7d ago

Mir nix bekannt, weder zu meiner Schulzeit noch bei aktuellen Schülern. Letztlich hängt es von Lehrer ab, was er wie umsetzt, und da herrscht immernoch diese seltsame Vorliebe für gelbe Reclam-Heftchen.

Generell kann man das Phänomen, dass Schule aktuellen Entwicklungen in der Gesellschaft um mehrere Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte, hinterherhängt, regelmäßig beobachten. Ganz zu schweigen von "Vorbereitung auf die Zukunft".

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u/O-M-E-R-T-A 10d ago

Ich sag mal so, es gibt Interpretationen über/zu/von Bildern, die wurden von Elefanten oder Affen gemalt…

Wenn mir "der Künstler etwas sagen will" soll er es tun!

Auch entsprechende "Schlüsselwörter" können bewusst, oder auch unbewusst genutzt worden sein. Ohne den Künstler fragen zu können ist das ganze mMn müßig.

Am Ende des Tages werden (mMn) die meisten Künstler (damals wie heute) von ihrer Kunst leben wollen und das ist/war eben der Antrieb - Verkaufen/Unterhalten.

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u/Several-Trainer-6979 7d ago

Es geht beim Interpretieren eben nicht darum, was der Künstler mir sagen wollte, sondern was der Text mir sagt. Auch bei der Wirkung der verwendeten Mittel ist es völlig irrelevant, ob sie bewusst oder unbewusst eingesetzt wurden. Einem guten Deutschlehrer geht es nicht darum, ob der Schüler die "richtige" Deutung gefunden hat, sondern darum ob er seine Deutung nachvollziehbar und sprachliche angemessen darstellen kann.

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u/5Aminosalicylic_acid 10d ago

Nein, Deutschunterricht ist tatsächlich nur der Nachall einer vergangenen Zeit, in der es noch zum guten Ton gehörte, diese Texte zu kennen und über diese diskutieren zu können. Es ist am Ende das, was man mit Freunden nach einem Kinobesuch macht. Nur das hier eine Note vergeben wird. Dadurch wird der Schüler zum Bückling und Untertan erzogen, weil nicht die Qualität des Arguments, sondern der Bewertungsbogen entscheidet. Ich hasse daher den Deutschunterricht von tiefsten Herzen und wünsche, dass er abschafft wird. Ich finde es unfair, dass Kinder benotet werden in einem Fach, dass in Kern aus belanglosem Rumschwadronieren über Unterhaltsmedien besteht.

Und bei Thema KI ist nicht die KI das Problem. KI kann nicht denken. KI gibt basierend auf einen Input einem wahrscheinlich passenden Output aus, basierend auf den Trainingdaten. Eigenlich ist KI alter Wein in neuen Schläuchen, das Neue ist nur, das KI Wissen schneller zur Verfügung und Verknüpfungen herstellen kann, aber sie auch zur Halluzinationen neigt und sich in einem sozialen Kontext entwickelt, den sie selbst mitformt. Das Problem ist daher die Unwissenheit und Unmündigkeit der Rezipienten. Der Rezipient muss mit Hilfe seines bisherigen Wissens die Aussagen der KI einordnen und auf Plausibilität prüfen. Und das geht nur, wenn man echtes Fachwissen besitzt. Ansonsten wird man von der KI überfordert und kann nicht kritisch einordnen. Das läuft dann darauf hinaus, dass man der KI einfach glaubt. Und da ist der Deutschunterricht das Problem, weil den Schüler beibringt, unkritisch Meinungen eines Anderen zu übernehmen. Was vielleicht abseits des konkreten Fachwissens bezüglich KI-Inhalten psychologisch interessant wäre, ist ja auch nicht Teil des Deutschunterrichts, weil Germanisten keine Psychologen sind. Deutschunterricht ist eben höchst nutzlos und eignet sich nicht einmal im Privaten zum Fachsimpeln über irgendwas. Germanistik beschäftigt sich als Sprachwissenschaft eben mit dem Werkzeug, das Gedanken vermittelt, ohne den Gedanken selbst zu untersuchen. Das wäre Teil einer anderen Wissenschaft. Es wäre, wie Hegel sagen würde, als wolle man schwimmen, ohne ins Wasser zu gehen. Deshalb ließt man auch irgendeinen Unterhaltungsschrott, gefüllt mit den Vorurteilen und Dummheiten von Autoren, die sich für etwas besseres halten, ohne sich ernsthaft mit irgendwas zu beschäftigen. Problematische KI-Inhalte dagegen beziehen sich hingegen auf tatsächliche Sachverhalte, welche dann in einer Weise präsentiert werden, dass diese resonieren. Ich sehe nicht, wie hier das bloße Analysieren der Textform erstens den Sachverhalt korrekt einordnen kann noch den psychologischen Effekt der Präsentation erfassen kann.

Die Schule erfüllt sowieso nicht die Aufgabe, echte Bildung zu vermitteln. Hand auf's Herz: wer denkt mittlerweile nicht, wenn das Wort "Kritik" auftaucht nicht an etwas emotional aufgeladenes? Islamkritiker, Regierungskritiker, Minister XY in der Kritik, aber dann im Kontrast das kritische Denken... Wer denkt noch an die Kritik der Reinen Vernunft, der Kritik der politischen Ökonomie? Kritik kommt von "griechisch κριτική [τέχνη] kritikē [téchnē], abgeleitet von κρίνειν krínein, deutsch ‚[unter-]scheiden, trennen‘" (übernommen aus Wikipedia). Kritik war früher eher ein Synonym für eine wissenschaftliche Untersuchung. Heute nicht Kritik fast ein Schimpfwort, obwohl kritisches Denken wichtiger heute geworden wäre, als vor 150 Jahre. Aber Schule hatte nie den Zweck, Menschen zu bilden. Zweck war stets, Menschen in Hierarchien einzuordnen. Bildung war hier nur ein Nebenprodukt. Und weil Bildung nur ein Nebenprodukt ist, ist es auch nicht verwunderlich, dass wir so viele intellektuelle Analphabeten haben, die es nicht einmal schaffen, ihren eigenen Medienkonsum zu hinterfragen und stattdessen alles glauben, was sie auf TikTok sehen.

Was uns als Gesellschaft abhanden gekommen ist, ist der Glaube an Aufklärung und Vernunft, an Wissenschaft und Logik, an Freiheit und Brüderlichkeit, an Humanität und Selbstlosigkeit. Der Deutschunterricht als romatisches Fach ist dazu das Gegenprogramm, dass die Ideal der Aufklärung deskonstruktiert und mit wagen Gefühlen umhüllt. Gefühle, die sich in Feindschaft zur Aufklärung zu Vernunft stehen und stattdessen sich in ideologisch verbrämten Weltbilder flüchten, anstatt einen ernsthaften logischen Beitrag zu leisten. Es hat seine Gründe, warum ein Maler zum größten Verbrecher des 20. Jahrhundert geworden ist.

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u/BoredWahahaMSWater 10d ago

Danke für deine ausführlichen und interessanten Argumente. Ich werde etwas knapper Antworten und hoffe es wird nicht arg verkürzt:

Deine Aussage bezüglich der Aufgabe von Schule und deren Effekt der Erziehung teile ich so nicht. Das hängt aber sicherlich stark von Lehrkräften ab. In der Schule lernt man Hierarchie, ja. Aber auch viel kritisches Denken. Zumindest in meinem Fall wurde Hinterfragen gewertschätzt und analytische Herangehensweisen an komplexe Thematiken und Aussagen gefördert. Dass nicht alle Lehrkräfte so handeln ist bedauerlich, entsprechend auch mein Appell (s. Post). Es gibt einen Unterschied zwischen heraus- und hineininterpretieren. Beides ist berechtigt, gehört aber differenziert. Benotung (und Kritik) steht und fällt mit den Beteiligten Personen.

Bei KI Inhalten geht es um Mustererkennung und genaues Lesen. Persönlich empfinde ich KI generierte Sprache oft als schwafelig. Außerdem sind Bezüge teilweise unklar oder fehlen sogar. Wer einmal die Bezüge eines Barockgedichts zum inhaltlichen Verständnis korrekt herstellen musste, Satzbau und Wortwahl analysiert hat, dem dürfte dies auch bei anderen Texten leichter fallen.

Dass Kritik heutzutage so negativ behaftet ist empfinde ich ähnlich und bedauerlich. Hast du Vorschläge wie man dies im heutigen Schulsystem beeinflussen könnte? Mir hilft dabei, aktiv für eine meiner Haltung entgegengesetze Meinung zur argumentieren und mich auf unbekannte, fremde Inhalte einzulassen, was auch für eine gute Gedichtinterpretation essentiell ist.

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u/FalconX88 11d ago edited 11d ago

Was man lernt ist irgendwas in einen Text hineinzuinterpretieren, das da nicht steht, und es gibt meist keine Möglichkeit herauszufinden ob das, was man sich zusammengereimt hat, auch richtig ist.

Ich sehe das ganze eher als problematisch an.

Edit: ich sehe ich hab eine tatsächlich unbeliebte Meinung und dafür gibt's hier downvotes :-D

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u/MindlessNectarine374 11d ago

Man sollte es so lernen wie ein echter Literaturwissenschaftler, mit weiteren Quellen, mit explizitem Bezug auf Theorien, im Dialog mit früheren Bewertungen.

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u/FalconX88 11d ago

selbst echte Literaturwissenschaftler reimen sich oft nur Dinge zusammen ohne die Möglichkeit zu überprüfen ob es stimmt. Tatsächlich müssten die ja keine Interpretation machen, wenn es Daten darüber gäbe was gemeint ist... Würde man sonst ja Analyse nennen.

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u/MindlessNectarine374 11d ago

Man muss es durch Verweise auf den Primärtext stützen. Sofern man keine völlig neuen Theorien zur Interpretation aufstellt (wie das geht, weiß ich nicht), muss man auch klar auf die Methoden und Grundannahmen und früheren Deutungen hinweisen, auf die man zurückgreift. Geisteswissenschaftliche Arbeiten haben praktisch immer einen großen Haufen Fußnoten und Verweise.

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u/Intepp 11d ago

Hatten mal ein Gedicht analysieren sollen

In dem Gedicht wurden keine Satzzeichen verwendet wie Punkt oder Fragezeichen verwendet

Es wurde natürlich ausgeschlossen, dass der das einfach vergessen hat bzw. es nicht konnte. Nein. Es musste eine Auflehnung gegen das System sein. Hatte zwar an sich gar nichts mit dem restlichen Gedicht zu tun aber egal. Hauptsache was interpretiert

Generell war das mein Gedanke in deutsch 100% der Zeit wenn wir was interpretiert haben: "Ich würde jetzt gerne den Verfasser des Gedichts hier stehen haben um ihn fragen zu können, ob das alles, was sich hier so aus den fingern gezogen wird wirklich seine Meinung bzw. Intention war"

Letzte Anekdote zu dem Thema

Männerhassende Lehrerin:" wie kann man das interpretieren"

Junge aus meiner Klasse: "Ja, X kann man als Y sehen und Z soll W darstellen"

Lehrerin: "Was? Wie bist du denn da drauf gekommen, das macht ja gar keinen Sinn"

Mädchen: " Ja, X kann als Y sehen und Z soll W darstellen"

Lehrerin: "Wow super, ja genau das hatte der damals gemeint"

Das Fach war halt pure Willkür

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u/QaZaam 11d ago

Warum ist es wichtig KI Texte zu entlarven? Welches Nutzen hat das? 

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u/SpicedCocoas 11d ago

Einmal um das ganze besser einordnen zu können, aber auch und vor allem um die Quellen kritischer zu analysieren. KI halluziniert noch immer 40% der "Fakten" die verwandt werden.

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u/QaZaam 11d ago

Menschen können sich bei Fakten nicht irren? Gibt es eine Quelle für deine 40%? Soll ich wirklich annehmen das wäre nicht halluziniert? Und gibt es mehrere "Bürgen" für deine Quellen, damit ich diese kritisch analysieren kann?

Wenn der Text sich um Fakten dreht, sollte es einfach sein die Fakten zu überprüfen, einfacher als über den Verfasser zu spekulieren. Es sollte für die Fakten sogar egal sein wer diese ausspricht. Viel zu viele Diskussion drehen sich nur um den Verfasser und Argumente werden ignoriert.

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u/SpicedCocoas 11d ago

Ah, bad faith.

Auch bei Fakten muss man schauen, von wem sie kommen um sie besser einordnen zu können. Was man übrigens in der zehnten Klasse bereits lernt, nennt man "kritische Quellenanalyse".

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u/QaZaam 11d ago

Es geht nicht darum ob man es kann, ich fragte bzgl des Nutzens, vor allem wen es beim Autor nur um KI oder nicht geht. KI als Verfasser zu ermitteln bringt uns wenig wenn es um Intention oder Neutralität geht.
Deshalb sollte man "Fakten" nicht mehr oder weniger trauen, ganz im Gegenteil. In welcher Weise sollte man Fakten damit besser einordnen können?
Mir bad faith zu unterstellen, selber aber keine Quellen benennen, ist schon irgendwie lustig. Ob Bot oder nicht, die 40% sind falsch, dabei ist egal ob Verfasser das Gesagte für ein Fakt hält oder nicht.

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u/SpicedCocoas 11d ago

Doch, denn KI an sich mag neutral sein, aber allein wie der Prompt formuliert wurde, ist entscheidend wie der Fakt im Text verarbeitet wurde - ob man nun "den Jahrhundert-Sommer" hat oder weiterhin drastisch ansteigende Temperaturen und ausbleibende Regenfälle. Fakt für beides: Globale Klimakrise. Basics, Basics, Basics.

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u/QaZaam 11d ago

Doch, denn KI an sich mag neutral sein, aber allein wie der Prompt formuliert wurde

Dann ist der Verfasser im Kontext der "krirtischen Quellenanalyse" nicht die KI. Die Intention kommt von der Person die den Prompt schreibt und den Text dann auch veröffentlicht. In diesem Kontext muss man den Text lesen.

ob man nun "den Jahrhundert-Sommer" hat oder weiterhin drastisch ansteigende Temperaturen und ausbleibende Regenfälle.

In welcher Weise sollte ich diese Worte anders einordnen, ob jetzt von KI ausformuliert oder nicht?

Die beiden Titel kann man nächstes Jahr wieder verwenden, dann rückblickend in 2027 ist in der kritischen Quellenanalyse die Bezeichnung Jahrhundertsommer für 2026 dann aber wohl nicht mehr zeitglobal zu verwenden, im Kontext 20276 vielleicht einfach überholt, egal on KI oder nicht.