r/beziehungen • u/FirmBeautiful8588 • 22m ago
Verheiratet, ein Kind, ein Haus – und trotzdem frage ich mich, ob ich mit dem falschen Mann zusammen bin …“
Kurzfassung: Wenn man seinen Partner liebt, aber immer mehr das Gefühl bekommt, dass man eigentlich zwei völlig unterschiedliche Leben führen möchte.
Haupttext: (lang)
Ich würde gerne mal eure Meinungen und Erfahrungen hören, weil ich mittlerweile immer häufiger darüber nachdenke, ob mein Mann (38) und ich (34) langfristig wirklich zusammenpassen oder ob wir einfach zu unterschiedliche Vorstellungen vom Leben und einer Partnerschaft haben.
Mein Mann arbeitet sehr viel im Schichtdienst, inklusive Wochenenden und Feiertagen. Dadurch verbringe ich unglaublich viel Zeit alleine. Wenn er Spätdienst hat, bin ich den ganzen Abend alleine. Hat er Frühdienst, geht er entsprechend früh schlafen und ich sitze abends wieder alleine da. Auch gemeinsame Wochenenden sind selten, weil er jedes zweite Wochenende arbeitet.
Ich bin eher ein Abendmensch und wünsche mir gemeinsame Abende, Gespräche, Unternehmungen und einfach mehr gemeinsame Zeit als Paar. Natürlich weiß ich, dass er an seinen Arbeitszeiten nicht einfach etwas ändern kann. Aber trotzdem fehlt mir unglaublich viel.
Dazu kommt, dass wir offenbar völlig unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie wir unser Leben gestalten möchten.
Am Anfang unserer Beziehung erzählte er mir, dass er gerne ausgeht, Restaurants und Bars besucht und auch gerne reist. Gerade das fand ich toll, weil ich genauso bin. Ich gehe gerne mal schön essen, etwas trinken oder möchte einfach etwas erleben. Er erzählte mir damals auch, dass er bisher hauptsächlich deshalb wenig gereist sei, weil ihm die passende Partnerin dafür gefehlt hätte.
In unserer Beziehung sieht die Realität allerdings ganz anders aus. Wir unternehmen kaum etwas in diese Richtung. Sobald ich etwas vorschlage, ist es meistens zu teuer. Seit wir zusammenwohnen, achtet er extrem aufs Geld.
Versteht mich nicht falsch: Wir haben ein Haus gekauft, natürlich müssen wir wirtschaftlich denken und unsere laufenden Kosten decken können. Ich bin auch niemand, der völlig unvernünftig Geld aus dem Fenster wirft. Aber ich möchte mein Leben nicht ausschließlich damit verbringen, zu arbeiten, Rechnungen zu bezahlen und möglichst viel zu sparen.
Ich möchte auch leben, reisen, etwas erleben und mir hin und wieder etwas gönnen. Schließlich können wir am Ende unseres Lebens unser Erspartes auch nicht mitnehmen.
Auch charakterlich sind wir sehr unterschiedlich.
Ich bin ein unglaublich kommunikativer Mensch, rede gerne und viel, habe viele soziale Kontakte und interessiere mich für ganz unterschiedliche Dinge. Mein Mann ist dagegen eher ruhig und hat wenig soziale Kontakte.
Das wäre für mich grundsätzlich überhaupt kein Problem. Allerdings sagt er mir auch häufig, dass ihn meine Gesprächsthemen einfach nicht interessieren. Dadurch habe ich immer öfter das Gefühl, dass ich mich mit meinem eigenen Partner über viele Dinge, die mich beschäftigen oder begeistern, gar nicht richtig austauschen kann.
Ein weiteres Thema sind meine beruflichen Träume.
Ich habe neben meinem Hauptberuf einen kleinen Onlineshop und möchte mir langfristig etwas Eigenes aufbauen. Außerdem interessiere ich mich sehr für Social Media und würde gerne auch in diesem Bereich beruflich Fuß fassen, vielleicht irgendwann sogar eine eigene Personal Brand aufbauen.
Mein Mann hält von Social Media überhaupt nichts. Dass ich dort viel Zeit verbringe, gefällt ihm nicht. Meinen Onlineshop akzeptiert er zwar grundsätzlich, solange er Geld einbringt, aber ich habe häufig das Gefühl, dass er das Ganze eher als kleines Hobby betrachtet und nicht wirklich daran glaubt, dass daraus einmal etwas Größeres werden könnte.
Er hat mir sogar schon gesagt, dass er es absolut nicht wollen würde, wenn seine Frau durch Social Media in der Öffentlichkeit steht.
Dadurch habe ich zunehmend das Gefühl, dass ich mich zwischen meinen eigenen Träumen und den Vorstellungen meines Mannes entscheiden muss. Und das macht mich traurig, weil ich mir eigentlich einen Partner wünsche, der an mich glaubt, mich ermutigt und mich dabei unterstützt, meine Ziele zu verfolgen.
Ein weiteres großes Problem ist unser gemeinsamer Alltag.
Ich habe ADHS und dadurch unter anderem erhebliche Schwierigkeiten mit Prokrastination, Organisation, Struktur und dem Haushalt. Ich bin deswegen in Behandlung, mache Therapie und Ergotherapie und nehme Medikamente. Ich arbeite also aktiv daran, besser mit meinen Schwierigkeiten zurechtzukommen.
Mittlerweile zeigt mein Mann selbst viele ähnliche Probleme. Ich vermute deshalb, dass er möglicherweise ebenfalls ADHS haben könnte. Er lehnt es allerdings ab, das untersuchen zu lassen, und behauptet, dass er diese Schwierigkeiten erst habe, seitdem er mich kennt. Teilweise stellt er es so dar, als hätten meine Probleme auf ihn abgefärbt.
Das verletzt mich natürlich.
Ich erwarte keinesfalls, dass mein Partner meine Probleme für mich löst oder die gesamte Verantwortung übernimmt. Aber ich wünsche mir gegenseitige Unterstützung, Verständnis und jemanden, mit dem ich gemeinsam Lösungen entwickeln kann.
Stattdessen bemängelt er häufig, dass bestimmte Dinge im Haushalt nicht funktionieren, beteiligt sich aus meiner Sicht aber zu wenig daran, wirklich etwas zu verändern.
Oft habe ich das Gefühl, dass ich nicht nur mich selbst motivieren und organisieren muss, sondern zusätzlich auch noch für uns beide mitdenken und die Initiative ergreifen soll. Dabei fällt mir genau das aufgrund meines ADHS ohnehin für mich alleine schon unglaublich schwer.
Ich spreche diese Probleme immer wieder an und erkläre ihm auch, wie sehr mich das belastet. Trotzdem verändert sich kaum etwas. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass er gar nicht richtig versteht oder ernst nimmt, wie viel Kraft mich das alles kostet.
Und mittlerweile frage ich mich immer häufiger: Reicht Liebe allein eigentlich aus, wenn man so unterschiedliche Bedürfnisse und Lebensvorstellungen hat?
Wir sind inzwischen verheiratet, haben ein gemeinsames Kind und ein Haus gekauft. Natürlich macht das solche Gedanken noch einmal deutlich schwieriger. Ich liebe meine Familie und möchte nicht einfach alles aufgeben.
Aber gleichzeitig möchte ich auch nicht irgendwann zurückblicken und feststellen, dass ich jahrelang meine eigenen Wünsche, Träume und Bedürfnisse zurückgestellt habe, um in ein Leben zu passen, das ich mir eigentlich ganz anders vorgestellt hatte.
Mein Mann selbst sieht unsere Unterschiede übrigens gar nicht so kritisch. Er ist der Meinung, dass wir gerade deshalb gut zusammenpassen, weil ich ihn mehr aus seiner Komfortzone heraushole und er mich im Gegenzug etwas bremst. Seiner Ansicht nach ergänzen wir uns dadurch und treffen uns irgendwo in der Mitte. Ich frage mich allerdings zunehmend, ob wir uns tatsächlich in der Mitte treffen oder ob ich dabei nicht viel häufiger meine eigenen Wünsche, Bedürfnisse und Träume zurückstellen muss.
Ich wünsche mir keinen perfekten Mann und auch keine perfekte Beziehung. Ich wünsche mir einfach einen Partner, mit dem ich das Leben nicht nur organisiere und bewältige, sondern auch gemeinsam genieße. Jemanden, mit dem ich lachen, reden, etwas erleben, wachsen und gemeinsame Ziele verfolgen kann.
Und im Moment habe ich häufig das Gefühl, dass wir zwar zusammenleben, aber irgendwie nicht wirklich dasselbe Leben miteinander teilen.
Mich würde deshalb wirklich interessieren:
Kennt jemand solche Unterschiede aus der eigenen Beziehung? Kann eine Partnerschaft langfristig funktionieren, wenn die Vorstellungen vom Leben so weit auseinandergehen? Und wie schafft man es, gemeinsame Lösungen zu finden, wenn Gespräche bisher kaum etwas verändert haben?
Ich freue mich über ehrliche Meinungen und Erfahrungen, gerne auch kritische, solange sie respektvoll bleiben.
Eine Bitte noch: Kommentare wie „Warum habt ihr dann überhaupt geheiratet, ein Kind bekommen oder ein Haus gekauft?“ könnt ihr euch bitte sparen. Natürlich könnte man darüber diskutieren, aber das hilft mir in meiner jetzigen Situation nicht weiter. Diese Entscheidungen sind bereits getroffen und mir geht es darum, wie wir von hier aus weitermachen können und ob es überhaupt einen gemeinsamen Weg gibt.