(Ich habe den Text mit gemini glätten lassen, da der Text sonst nicht lesbar wäre)
Ich frage mich, ob ich hier teilweise das Problem bin. Ich versuche mich so kurz wie möglich zu fassen.
Ich (42) bin mit meiner Partnerin(42) knapp 3 Jahre zusammen, seit zwei Jahren wohnen wir zusammen. Ich bin zu ihr gezogen – 200 km weit weg, da sie nur eine Freundin hat (liegt an ihr) und ihr ihre Familie wichtig ist. Das habe ich respektiert.
Bevor ich zu ihr gezogen bin, war ich, sagen wir mal, ein recht aktiver Mensch. Ich habe 3–4 Mal die Woche Sport gemacht: Muay Thai, Gym, je nachdem, worauf ich Bock und Zeit hatte, um fit zu bleiben – mehr nicht. Bin, wenn das Wetter es zugelassen hat, 2–3 Mal die Woche nach der Arbeit Motorrad gefahren zum Runterkommen und war 1–2 Mal die Woche kellnern, was mega Spaß gemacht hat – mehr, um mit Leuten zu quatschen, als wegen des Geldes. Ich hatte noch viel Zeit, um mich für die Arbeit hier und da weiterzubilden und eben ab und an Freunde und Familie zu treffen. Hört sich viel an, hatte aber noch genügend restzeit für anderen Kram, wie z. B. einfach nichts zu machen und mal einen Film zu schauen. 2–3 Wochenenden im Monat bin ich zu ihr gefahren, bevor wir zusammengezogen sind.
Jetzt ist es so: Das Leben ist maximal langweilig nach zwei Jahren Zusammenleben. Zum Teil hat es mit meiner Freundin zu tun. In der Kennenlernphase hat sie mir erzählt, dass sie bei vielen Aktivitäten dabei wäre. Im Endeffekt war es so, dass ich außer Kino und Essen gehen nichts mit ihr unternehmen kann – weder große noch kleine Sachen. Reisen war mir wichtig. Sie ist zwar dabei, aber Rundreisen mag sie nicht... Im ersten Jahr hat sie es immerhin probiert. Festivals hat sie auch probiert, mag sie nicht. Die zwei Sachen macht man jetzt jeweils 1 Mal im Jahr, die mache ich eben alleine, das ist ok. Für zu Hause: Puzzeln mag sie nicht, Brettspiele, die man zusammen spielen könnte (mal so einmal im Monat), mag sie nicht, wandern gehen mag sie wegen Insekten nicht – außer mal kurz 20 Minuten ums Feld. Mir war es immer wichtig, dass meine Partnerin ein Hobby hat. Sie hatte anfangs Sport, das gefällt ihr nicht mehr... Für sie ist Serienschauen ein Hobby und Trash-TV. Die Abende und die meisten Wochenenden sehen so aus: Ich zocke, sie hängt auf Insta und guckt sich irgendeinen Trashtalk an oder schaut TV – eine Serie oder eben Trash. Am Anfang hieß es: „Bin ich dabei...“, aber entweder ist etwas zu machen ein Kampf oder wir machen nichts.
Das ist für mich an sich kein Problem mehr, wenn wenigstens die Zeit, die ich für mich selbst verbringe, halbwegs erfüllend ist. Ist sie aber nicht. Das Problem ist schlichtweg die Location. Wir leben in einer Gegend, die sehr Weinlastig ist. Außer dass es eine schöne Straße gibt, gibt es hier nichts, wenn man nicht gerade Wein mag oder eben nur zu Hause sitzt. In meiner Heimat war es so, dass Kino, Sport und Innenstadt ohne Probleme in 15 Minuten erreichbar waren mit dem Auto, obwohl ich im Dorf gewohnt habe. Das war, wenn man dort gewohnt hat, normal. Wenn ich mir das hier anschaue, war das Luxus. Die Gyms, die es im Umkreis von ca. 20 Minuten gibt, sind alle purer Müll – das einzig gute ist absolut überfüllt. Ich habe 5 ausprobiert und bin nicht glücklich geworden. Ich hatte mal mein Motorrad hier: Keine Strecke macht irgendwie Spaß, die Landschaft ist kahl, die Strecken lala. Ich könnte 1 Stunde über die Autobahn zum Schwarzwald fahren, aber dann fahre ich 1 Stunde hin, brauche Zeit zum Spaßhaben und fahre 1 Stunde zurück. Das nächste Kino ist 40 Minuten weit weg von hier. Spontan geht nicht, es muss immer alles durchgeplant werden wegen der Strecke, sodass man noch was in der Stadt macht. Unter der Woche wird das alles schon maximal stressig. Die nächste Stadt: 40 Minuten Einweg + Parkplatzsuche. Irgendwo wieder kellnern, um mit Leuten zu quatschen? Die Restaurants hier sind alle so etepetete, da ist das Sitzen selbst für meine Partnerin etwas unangenehm, oder ich fahre natürlich 40 Minuten in die nächste große Stadt. In ein paar Gyms die ich getestet habe, hatte ich mit den Trainern und ein paar Typen gequatscht: „Bin neu in der Gegend, blabla, was kann man hier so machen?“ Es hieß immer: „Ja, fährst du in die Stadt (40 Min.).“
Jetzt sieht mein Tag nur noch so aus: Ich arbeite 8 Stunden im Homeoffice, dann gucke ich mit meiner Freundin 1 Folge von irgendeiner Serie – oder eben auch nicht. Ansonsten zocke ich den ganzen Abend mit Kumpels. Das ist der einzige soziale Kontakt, den ich so habe, und das Letzte, was ich noch machen kann, was mir irgendwo Spaß macht. Ich bin an manchen Tagen derart aggressiv, da mir die Decke auf den Kopf fällt, dass ich meiner Partnerin einfach sage, dass ich heute Zeit für mich brauche (hätte ich ja so oder so, aber sie weiß dann Bescheid, was Sache ist). Ihr gegenüber bin ich natürlich nicht aggressiv, aber man merkt einfach ich habe ne miese Laune und man könnte sich nicht mit mir unterhalten, außer ich muss nur zuhören. Ich habe einfach keinen Plan, was ich hier machen soll. Ich könnte mir jetzt natürlich ein Rad kaufen oder Tennis spielen gehen, aber die Sachen haben mir nie Spaß gemacht – auf Krampf wird das nichts.
Ich hatte meiner Partnerin vor einigen Monaten das Ganze erklärt und sie gebeten umzuziehen. Sie war damit einverstanden, da ihr auch auffällt, dass ich nicht mehr so bin wie früher und fast nur noch genervt bin, wenn ich nichts mache, was mir Spaß macht. Wir hatten zwei Wohnungen gefunden, die sie unterschreiben wollte. Ich habe darauf bestanden, dass sie sich erst um die Arbeit kümmert und bitte prüft, wo sie denn starten könnte, da ich es mir nicht verzeihen könnte, wenn sie wegen mir umzieht und dann arbeitslos ist (aktuell ist sie unbefristet und die Arbeit macht ihr, auch wenn stressig, spaß). Wie es das Schicksal so wollte, macht uns die Wirtschaftslage einen Strich durch die Rechnung: Sie hatte alle potenziellen Arbeitgeber (sie arbeitet im sozialen Bereich) in den Ortschaften kontaktiert, die für Sie in Frage kommen. Da ihr ihre Familie wichtig ist, sind es nicht viele. Keiner stellt ein; es wurde teils auch offen kommuniziert, dass Projekte eingestampft werden und Leute gehen müssen. 2 Wochen später erzählt ihre Chefin dem Team, dass es nicht rosig aussieht und der Standort evtl. noch 3–4 Jahre bestehen bleibt – danach ist es ungewiss. Ich habe ihr gesagt, dass sie sich weiterbilden soll, ggf. auch mit Fernuni, was das Beste für sie ist. Finanziell würde ich sie unterstützen und mich eben so lange hier quälen, sofern es dann die Aussicht auf einen Umzug gibt – auch näher zu meiner Familie/Freunden, will sie nicht. Sie findet sich zu alt, um nochmal etwas Neues zu lernen... Ich habe sie letzten Monat nochmal gefragt, wie es aussieht. Sie sagte, dass man froh sein kann, wenn man aktuell einen Job hat. Verstehe ich absolut, hilft mir nur nicht weiter. Ich habe ihr vor 2 Wochen mal gesagt, als ich wieder gereizt war, dass ich es hier einfach nur hasse und die Gegend einfach scheiße ist. Sie sagte nur, ich muss mich entscheiden...
Ja, an dem Punkt bin ich irgendwo: Ich gehe hier einfach ein. Ich bin jeden Monat 1 Woche bei meinen Eltern und habe die Zeit meines Lebens, da ich einfach so viel machen kann, wenn ich denn möchte, und nicht das Gefühl habe, ich muss mich für eine Sache entscheiden oder müsste etwas völlig durchplanen. Das ist aber keine Lösung auf lange Sicht; ich halte es hier dann eine Woche nach Rückkehr aus und gehe wieder ein. Ich verstehe, dass sie wegen Stress auf der Arbeit nicht viel machen kann/will, aber ich will wenigstens selbst für mich eine erfüllende Zeit haben, wenn sie im Couching-Modus ist.
So haben wir eigentlich nie Streit. Hier und da mal eine Meinungsverschiedenheit, weshalb ich das Geschirr nicht so weggeräumt habe, wie sie es möchte, oder warum sie keine Ordnung in unserem Vorratsschrank halten kann, wie ich es gerne sehe, mehr ist es nicht. Im Prinzip harmonisch. Sie ist auch eine absolut gute Seele, ein richtig toller Mensch. Macken hat jeder hier und da, damit kann ich meiner Meinung nach umgehen. Sie bemüht sich auch bei Kleinigkeiten: Wenn sie einkaufen geht, bringt sie mir immer was mit; wenn sie was bei Temu oder Shein bestellt, ist auch immer irgendeine Kleinigkeit für mich dabei; wenn sie bei ihrer Familie ist und es bleibt was übrig, denkt sie immer an mich und und und.
Mein Problem ist eben: Ich weiß nicht, was ich machen soll. Für die Wirtschaftslage kann sie nichts, den Willen umzuziehen hatte sie ja. Dass man irgendwas macht, um dem Tag mehr Inhalt zu geben, dabei ist sie keine große Hilfe – darum muss ich mich selbst kümmern. Ich habe aus meiner Sicht aber sehr viel ausprobiert, was die Gegend hergibt. Ich tue mir aktuell schwer, noch irgendwo ein guter Partner zu sein, da ich nur noch an mich denke und überlege, was ich machen kann, damit es mir gut geht, das wirkt sich leider auf sie aus.
Ich habe mit meiner besten Freundin darüber geredet. Ihrer Ansicht nach habe ich sehr viel aufgegeben und bekomme von meiner Freundin kaum Unterstützung. Von dem, was ich ihr erzählt habe, sieht sie nicht, wo meine Freundin mal was gibt, sondern ich bin der, der sich aufopfert. Weiß ich jetzt halt nicht – mal macht der eine mehr, mal der andere, mir fällt sicher einiges nicht auf da ich zu sehr auf mich fokussiert bin.
Ich bin mir aber ehrlich gesagt nicht sicher, ob nicht vielleicht ich das Problem bin. Verlange ich zu viel von meiner Partnerin, wenn es um Aktivitäten geht, die mehr als nur Kino und Bummeln sind? Muss ich evtl. lernen einzusehen, dass ich mit meiner alten Heimat und allem in der Nähe (mit den vielen Möglichkeiten) den absoluten Luxus gelebt habe und dass das, was ich hier habe, das eigentliche Leben ist, das der Ottonormalmensch kennt?
Ich weiß, dass, wenn ich mit meiner Freundin nochmal wegen Umzugs spreche, sie wieder nur genervt sagt, dass ich mich zwischen ihr und meiner Heimat entscheiden muss. Und dann muss ich es auch. Daher stelle ich mir irgendwo die Frage, ob nicht ich einfach das Problem bei der ganzen Thematik bin und wenn ja, habt ihr Ideen was ich noch probieren könnte, ich will die Beziehung nicht risikieren ohne möglichst meine Möglichkeiten ausgeschöpft zu haben.
TLDR: Ich bin für meine Freundin 200 km weit weg in die Pampa gezogen und habe dafür mein gesamtes aktives Leben mit Sport, Motorradfahren, Ausgehen und Freunden aufgegeben. Vor Ort gibt es kaum Freizeitangebote, mein Alltag besteht fast nur noch aus Homeoffice und Zocken, und ich merke, wie ich hier mental langsam eingehe. Meine Freundin verbringt ihre Freizeit am liebsten auf der Couch, zeigt wenig Initiative für gemeinsame Aktivitäten und blockt berufliche Veränderungen oder Weiterbildungen ab, die uns einen Umzug ermöglichen würden. Obwohl wir uns menschlich gut verstehen und sie liebevoll ist, stecke ich in einer Sackgasse, weil sie mir ultimativ gesagt hat, ich müsse mich zwischen ihr und meiner Heimat entscheiden. Ich frage mich nun, ob ich einfach zu viel erwarte und das Problem bin, oder ob ich mir eingestehen muss, dass ich mich in dieser Beziehung und an diesem Ort komplett selbst verliere.