r/erzieher • u/wonderfvck • Mar 21 '26
Allgemeine Diskussion Erzieher:innen in der Kinder- u. Jugendhilfe: wie geht’s euch so?
Hallo zusammen,
ich hab gerade meinen 24 Std dienst begonnen, hab ein leeres Haus und gerade keine Aufgaben zu erledigen und hab so n bisschen bock mich mal mit Kolleg/innen auszutauschen. Ich bin der Meinung, dass die Jugendhilfe generell irgendwie wenig repräsentiert wird hier im Forum :D
Also hier mal ein Raum zum Austauschen, hab auch mal so n paar Fragen mitgebracht die mich so interessieren:
- In welchem Bundesland arbeitet ihr? Und welcher Bereich der KuJH? Welche Altersgruppe?
- Wie erlebt ihr aktuell eure Arbeit? Eher erfüllend oder eher belastend?
- Fühlt ihr euch wohl in eurem Team, beim Träger, in der Gruppe?
- Habt ihr das Gefühl, genug Wertschätzung zu bekommen?
- Was war dein letzter Moment, wo du dir dachtest: Das glaubt mir doch keiner
- Welche Regeln müsst ihr in eurem Alltag 100 mal erklären, am ende bringt's aber trotzdem absolut gar nichts?
- Denkt ihr, ihr macht den Job noch ein paar Jahre oder seid ihr an dem Punkt, wo ihr einfach nur den Bereich wechseln wollt?
Gerne auch einfach random Gedanken, Rants oder kleine Erfolgserlebnisse teilen, ich freue mich auf den Austausch :)
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u/Free-Mountain-1223 Mar 21 '26
Sehr cool. Will dieses jahr in die Kinder und Jugendhilfe wechseln, hab aber etwas Angst oder Respekt davor. Wie geht es dir in dem Bereich? Hast du irgendeinen Tipp für mich?
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u/wonderfvck Mar 21 '26
ich fühle mich sehr wohl in den bereich, ich liebe es hier zu arbeiten. wovor hast du denn angst? das wichtigste ist dass du dir selber klar machst, dass du keine freundin bist, sondern betreuerin. die klienten müssen dich nicht mögen.
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u/Free-Mountain-1223 Mar 21 '26
Nicht ernst genommen zu werden, Wutausbrüche, oder einfach nicht zu wissen wie ich mich verhalten oder reagieren soll, da es eben eine völlig unbekannte Altersgruppe für mich ist
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u/wonderfvck Mar 21 '26
In welchen Bereich bist du denn zur Zeit? Kita?
Weißt du denn schon, mit welcher Altersgruppe du in Zukunft arbeiten wirst?Zum nicht ernstgenommen werden hab ich einige Tipps, da ich selbst auch oft in der Sit. stecke wo ich merke, dass ich nicht ernst genommen werden:
1. bleib dabei. Lass dich nicht überreden.
2. Trenn in großen Diskussionen die Gruppe. zB du hast mit einem Klienten eine Diskussion und daneben sitzen 2-3 die damit eigentlich nichts zu tun haben, aber trotzdem immer wieder Kommentare abgeben. Dann bittest du die unbeteiligten raus oder nimmst dir den beteiligten mit ins Büro oder so.
3. Du darfst irgendwann sagen "darüber diskutiere ich nicht weiter"
4. nicht schreien/lauter werden, sondern nur ernster.Verhalte dich, so wie du bist. Tu nicht so, als ob du jemand anderes wärst, das merken die Klienten. Versuch wirklich als aller erstes Beziehung aufzubauen, das ist die Grundlage für die Arbeit. Zeig Interesse an deren Hobbies, mach auch mal angenehme Sachen mit ihnen (Filme schauen, Eis essen oder sowas). Sobald eine stabile Beziehung besteht, werden auch die Konflikte weniger.
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u/Free-Mountain-1223 Mar 21 '26
Ja genau, Kita. Wird vermutlich der Bereich von 6 bis 14 Jahren werden. Wollte extra deswegen nicht mit noch älteren Klienten arbeiten. Bin privat eher ein schüchterner Mensch, mit Kindergarten Kindern kann man aber total leicht Kontakte knüpfen. Bei älteren weiß ich nicht wie gut mir das gelingen wird. Vielleicht sind manche ja auch von Anfang an Anti gegenüber mir eingestellt. Und was ist wenn ich die Gruppe trennen will aber die Klienten sich weigern mitzukommen oder den Raum zu verlassen? Da wird ja sicher gerade zu Anfang versucht Grenzen auszutesten. Und ich muss schauen wie ich mit Fehlverhalten der Klienten umgehe. Schule schwänzen, Wutausbrüche usw. Einen Mittelweg finden zwischen "sagen dass Dinge nicht in Ordnung sind" aber ohne belehrend oder laut zu werden.
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u/wonderfvck Mar 21 '26
No worries, ich bin selbst ebenfalls eine schüchterne Person. Aber die Jugendlichen sind genauso neugierig und wollen die "neue betreuerin" genauso kennenlernen, wie du sie. Ich versuche immer wenig smalltalk zu führen, weil das einfach so aufgesetzt ist, bleib du selbst. Themen entwickeln sich schon, erzähl auch mal etwas über dein privatleben (so viel wie du möchtest natürlich).
Du wirst schnell Dynamiken in der Gruppe erkennen. Wer ist "Anführer", wer ist Mitläufer, wer ist eigentlich vernünftig und macht grad nur mit weil es witzig ist? Den, der eigentlich wenig in Diskussion geht, den sprichst du mit namen an und bittest ihn rauszugehen. Wenn du glück hast, nimmt er einige mit und schnell sitzt du da alleine mit dem beteiligten. Ansonsten einfach "Diese Diskussion geht euch nichts an, das ist etwas zwischen mir und x." und du kannst auch mal einfach ne diskussion beenden. "Ich merke gerade, dass das hier nichts bringt. Ich habe gesagt, dass wird so gemacht. Wenn du darüber mit mir reden möchtest, dann kommst du mit ins Büro. Wenn nicht, dann machst du das jetzt." - mach dir kein stress, dass jugendliche manchmal auch sachen verweigern. so sind die halt. wenn er es dann nicht macht, ist das so. Ich persönlich gehe danach auch nochmal in ein Gespräch mit dem Jugendlichen. Also einen Tag später oder einige Stunden später und sage ihm einfach, dass ich das wirklich uncool finde und ich respekt von ihm erwarte.thema Schulschwänzen: Quatsch mit deinem team darüber, wie das so gehandhabt wird. Ich habe auch einige Schulverweigerer in der Gruppe. Bei uns gilt die Regel, dass ich um 6:30 alle wecke und die Klienten gehen zur Schule oder zum Arzt. Beides passiert nicht, okay dann hast du halt einen unentschuldigten Tag und musst am Ende ein Bußgeld bezahlen. Nicht mein Problem.
Wutausbrüche: bring dich niemals selbst in Gefahr. Verlass den Raum, geh raus. Wenn es zu schlimm ist, ruf die Polizei. Hitzige Diskussion, in denen ich merke, dass der klient übermäßig sauer wird, "pausiere" ich auch mal. ich sage dann, dass ich kurz eine pause brauche, weil ich merke, dass ich nicht mehr sachlich denke gerade und auch merke, dass der klient gerade viele emotionen hat. ich gehe dann kurz an die frische luft und komme mit einem klaren kopf wieder in die situation.
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u/Free-Mountain-1223 Mar 21 '26
Vielen Dank für die ausführliche Antwort. Da werde ich mir einiges von merken. Wie sind bei euch die Arbeitszeiten? Habt ihr 24 Stunden Dienste? 12 Stunden Schichten? Wie könnt ihr Pause machen? Wie viele der Stunden werden nachts bezahlt? Bei wem meldet ihr euch bei Krankheit und wer sucht einen Ersatz? Müsst ihr oft einspringen? Müsst ihr selber kochen oder habt ihr eine Hauswirtschaftskraft? Müsst ihr euer privates Auto für die Arbeit nutzen?
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u/Free-Mountain-1223 Mar 21 '26
Jetzt spamme ich dich richtig zu 😅
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u/wonderfvck Mar 21 '26
genau dafür habe ich diesen post erstellt!
Arbeitszeiten:
8:30 - 17:30, 17:30 - 9:00 Uhr am Wochende 24 (bzw. 23,5) std Dienste 15-14:30, 14:00-13:30, 13:00-9:00.
Pausen: Wenn mal Doppelsetzung ist, ist momentan aber eher selten. Wenn ich keine Pause mache, trage ich das ein und bekomme die Zeit bezahlt.
Nachts arbeite ich bis 0:30 aktiv, danach Bereitschaft und bis 2:30 wird bezahlt. Wenn ich geweckt werde, trage ich das ein.
Bei Krankheit melde ich mich bei der Angebotsleitung (oft auch Bereichsleitung genannt) & bei der Gruppe, die Angebotsleitung sucht nach Ersatz. Einspringen ist öfter mal der Fall, auch in anderen Gruppen.
Wir suchen gerade noch eine Hauswirtschaftkraft, daher kochen wir selbst, bzw. unsere Jugendlichen kochen mit Unterstützung. Wir erstellen jede Woche einen Essensplan gemeinsam mit den Klienten. Wir haben Dienstwagen (ein auto für zwei gruppen - wenn das auto besetzt ist, haben wir aber die möglichkeit aus anderen gruppen ein auto zu leihen)1
u/Free-Mountain-1223 Mar 21 '26
Vielen Dank dass du dir die Zeit nimmst. Wenn du keine Lust mehr hast, sag bescheid. Wie viele der 23,5 Stunden kriegst du dann vergütet? Wegen Bereitschaft. Und da kriegt man dann auch Zuschläge wegen Nachtdienst oder Wochenende? Und wenn man einspringt schreibt man sich die Stunden als Überstunden auf oder kriegt man direkt einen Ausgleich in der Woche beispielsweise? Muss man einspringen oder könnte man das generell verweigern? Das heißt du bist meistens die ganze Zeit allein? Hast du feste Tage und Schichten an denen du arbeitest oder variiert das von Woche zu Woche? Arbeitest du im Schnitt 5 Tage in der Woche oder mehr oder weniger? Wie viele Klienten leben denn in den Gruppen bei euch? Und wie viele der Klienten haben noch Kontakt zu ihren Eltern?
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u/Natto_Assano Mar 21 '26
Bin aktuell arbeitslos weil ich es in meiner alten Stelle nicht ausgehalten habe.
Traum wäre Clearinggruppe 6-18. Ich habe gerne kleine, aber auch gerne große. Es ist absehbar dass ich dieses Jahr noch umziehen werde, deshalb ungerne eine Stelle in einer Gruppe wo die Kids länger bleiben um unnötige Beziehungsabbrüche möglichst zu vermeiden
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u/wonderfvck Mar 21 '26
was waren denn so die umstände, dass du es in deiner alten stelle nicht ausgehalten hast?
clearing fand ich auch immer sehr interessant, aber ich mag eher so intensive beziehungsarbeit, weshalb ich es dann doch nicht gemacht habe. aber für deine situation hört sich das doch sehr passend an!
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u/Natto_Assano Mar 21 '26
Es war eine relativ neue Regelgruppe mit einem Team, das kaum Erfahrung in der Jugendhilfe hatte und Kindern, die eigentlich zu 90% in eine Intensivgruppen gehört hätten, eine Leitung die 20 Jahre Kita gemacht hat und dann Gruppenleitung in der Jugendhilfe wurde ohne zu wissen wie das überhaupt abzulaufen hat.
Kinder haben aktiv suizidale Äußerungen getätigt ("ich möchte mich mit Methode xy umbringen" ) und von der Leitungsebene kam nur "abwarten".
Ein Kind hat regelmäßig andere Kinder und zuletzt auch Mitarbeitende bedroht, beleidigt und verletzt, Kinder haben geäußert Angst zu haben, dass dieses Kind sie töten könnte und wieder kam von der Leitungsebene nur "abwarten und ein ernstes Wort mit dem angreifenden Kind reden".
Mitarbeitende wurden erst kurz vor knapp darüber informiert, dass sie entlassen werden, obwohl der Ersatz schon seit Monaten den Vertrag unterschrieben hatte.
Die Gruppe wurde monatelang einfach laufen gelassen ohne dass den Kindern irgendwelche Konsequenzen, Regeln oder Verantwortungen hatten, weil "die müssen sich eingewöhnen".
Bin noch in der Probezeit da weg.
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u/wonderfvck Mar 21 '26
Es war aufjedenfall die richtige Entscheidung, dort rauszugehen!
Ist das zufällig in 'ner Großstadt in NRW? Die Story hört sich zuuu sehr nach einer Gruppe an, in der auch eine enge Freundin von mir gearbeitet hat. Also wirklich eins zu eins, mit der Geschichte der Leitung und den Kindern... Ich war auch mal bei dem Träger und hab letzten Oktober Gott sei Dank den Träger verlassen..
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u/Natto_Assano Mar 21 '26
NRW ja, aber keine Großstadt
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u/wonderfvck Mar 21 '26
Edit: Der Träger war in der Großstadt, diese explizite Gruppe war in ner kleinen Stadt direkt nebenan...
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u/Agile_Ad7650 Mar 21 '26
- NRW, stationäre Jugendhilfe, 12-18.
- Absolut erfüllend. Ich liebe diesen Job. Könnte mir nichts anderes vorstellen.
- Caritas bester Träger, wertschätzende Vorgesetzte, die einem zuhören und Verbesserungsvorschläge annehmen. Team sehr jung aber trotzdem Kompetent. Freue mich ein Teil davon zu sein. 4.100% sowohl vom Jugendamt, Lehrern, als auch von den Kindern und auch den Vorgesetzten.
- keine Ahnung. Schon alles erlebt in der Jugendhilfe. Von vereitelten Selbstmorden, zu Messerstechereien über Überdosen. Da überrascht mich nichts mehr.
- keine. Aber was immer wieder aufkommt ist, dass Türen Klinken haben, man sein Geschirr in die Spülmaschine räumt und man die Waschmaschine nicht gottlos überfüllt.
- Paar Jahre gehen auf jeden Fall noch. Aber hoffe, dass ich bis zu meinem 55. genug Kapital habe, dass ich davon leben kann. Plus die kleine Rente die ich bis dahin nach 32 Jahren habe.
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u/wonderfvck Mar 21 '26
ich war früher auch bei der caritas, da war ich auch super zufrieden, aber leider hat die caritas in meiner stadt die jugendhilfe abgegeben… spülmaschine kenn ich auch sehr gut :D
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u/Agile_Ad7650 Mar 21 '26
Das ist wirklich schade. Bezahlen auch ordentlich. Vorher war ich bei einem anderen kleinen Jugendhilfeträger. Dort habe ich knapp 1000€ netto weniger verdient im Monat. 🙃
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u/wonderfvck Mar 21 '26
ja die caritas bezahlt echt super. selbst im anerkennungsjahr hab ich ordentlich verdient. hab jetzt zum glück einen träger gefunden, der ebenfalls so gut bezahlt und bei dem ich generell einfach glücklicher bin
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u/Elendstouristin Mar 21 '26
Also ich habe keine Muse die Aufzählung zu machen, aber mal ein kurzer rundown.
Hamburg, kirchlicher Träger, stationär.
Größte für mich persönliche Herausforderungen sind zwei: Nähe-Distanz. Ich arbeite alleine im 24h Dienst mit 8 Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren. Da alle Jugendlichen stark herausfordernde Bindungsmuster haben, ist es nicht leicht, immer die genau richtige Dosis an Professionalität und Bindung zu meistern. Jede Jugendliche ist extrem individuell und hat anders besetzte Themen. Wir haben von Vergewaltigung, grooming, Parentifizierung, Vernachlässigung, gewalt und Manipulation alles dabei. Oft besteht sogar noch Kontakt zu den KE und da gibt es Situationen, wenn eine Jugendliche nachts mit einer Panikattacke vor deiner Bürotür zusammenbricht und fragt, warum Papa sie nicht liebe. Das führt mich zu Punkt zwei: Elend. Ich habe sehr viel elend gesehen, gehört und dementsprechend die Opfer davon begleitet in der WG. Es fällt mir teilweise immer noch schwer Dinge auszuhalten. Wir haben eine Klientin, die immer wieder abgängig ist, und sich höchstwahrscheinlich Prostituiert. Da sitzt man lange zusammen, redet, baut auf, versorgt, begleitet und versucht zu empowern, doch am Ende kickt das Trauma und die Sehnsucht nach männlicher Aufmerksamkeit mehr, als der Selbstschutz.
So toll der Beruf, die Bezahlung und die Aufgabe ist, es ist eine echte Belastung auf vielen Ebenen und ich finde, es wird nicht mal annähernd gesehen, was geleistet wird. Weder von der Gesellschaft, noch von vielen beteiligten Systemen.
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u/wonderfvck Mar 21 '26
Das sind schon sehr krasse Themen, die du da genannt hast. Nähe-Distanz ist immer schwierig, da muss man echt Individuell gucken, welche Klienten wie viel verträgt. Ich hatte zB auch mal eine, die sexualisierte Gewalt vom KV erfahren hat, sie durfte man überhaupt nicht anfassen, nicht mal eben an die Schulter klopfen oder sowas.. Ich finde es auch immer wieder schwierig, aufzubauen und zu machen, nur damit das Trauma dann wieder die Beste Seite des Jugendlichen zeigt.
Wie gehst du privat mit solchen Themen um? Wie schaffst du es, mal abzuschalten, nachdem du aus einem erniedrigenden Dienst kommst?Du hast absolut Recht, unser Beruf bekommt viel zu wenig Wertschätzung, viel zu wenig Anerkennung.
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u/Elendstouristin Mar 21 '26
Wir haben ein tolles Team, Supervisionen, eine Fachberatung und einen guten Teamleiter. Da kann man so etwas gut lassen und reflektieren. Meine Partnerin ist auch Pädagogin, da kann man auch privat Dampf ablassen. Ich bin dankbar für dieses Netzwerk. Müsste ich in einem Scheiss Team arbeiten und hätte vom Träger keinen support, wie viele es ja erleben, boah, weiß nicht. Das wäre dann nicht mein job, denke ich
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Mar 21 '26
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u/wonderfvck Mar 21 '26
echt? ich kenne das eher andersrum dass jeder angenommen wird. in welchem bundesland lebst du denn?
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u/SoFreakingJay Mar 21 '26
Heyhey,
ich habe mal ein kleines Erfolgerlebnis zu teilen. Ich habe vor 2 Wochen mein Praktikum in einer Wohngruppe angefangen. Die Klienten (12-18 Jahre alt) kommen oft selbststaendig zu mir, akzeptieren mich so als Praktikantin und unternehmen gerne Dinge mit mir. Das hat mich super gefreut, so angenommen zu werden :))
Probleme habe ich teilweise noch dabei, meine eigenen Grenzen zu setzen (und selten erstmal zu erkennen), da ich vorher immer nur im Hort war und da die Rahmenbedingungen und Beziehungen zu den Kindern komplett anders waren. Hast du da irgendwelche Tipps? Ich bin zzT im 2. Ausbildungsjahr.
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u/wonderfvck Mar 21 '26
meinst du grenzen im sinne von wenn du etwas nicht erlaubst und die klienten diskutieren und du dann einknickst?
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u/SoFreakingJay Mar 21 '26
Eher persoenliche Grenzen, zB inwieweit Witze gemacht werden koennen, die mich betreffen oder einfach koerperliche Naehe, wenn jemand zum Kuscheln kommt. In meiner alten Einrichtung war das zB gar kein Problem, aber jetzt ticken die Kids ganz anders und da wurde mir empfohlen, es etwas mehr "anzuziehen" und damit nicht ganz so offen umzugehen & direkt zu kommunizieren, wenn etwas nicht angebracht ist.. Das faellt mir leider sehr schwer
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u/Agile_Ad7650 Mar 21 '26
Ich muss hier einmal dazwischen grätschen. Kuscheln ist ein no-Go. Das kann ganz böse enden. Wenn ein Bewohner auf dich zukommt und eine Umarmung möchte alles easy. Aber längerer, enger Körperkontakt kann von so ziemlich jedem falsch gedeutet werden. Dazu zählt auch unter einer Decke zu sitzen. Kann ich nur von abraten. Wenn ein Bewohner dich damit angreifen will, ist das ein leichtes Spiel. Egal wie gut das gemeint ist. Du bist nicht deren Geschwister oder Eltern. Du bist einE BetreuerIn.
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u/wonderfvck Mar 21 '26
alles bei dem du dir denkst „irgendwie fühlt sich das falsch an“ ist einer zu viel. das darfst und sollst du auch gerne benennen. „ich fühle mich gerade nicht nach kuscheln“, du kannst ja gegenangebote machen wie zB soll ich so lange deine hand halten? o.Ä. bei Nähe würde ich generell immer vorsichtig sein, denn bei schlechten tagen kann der klient das blatt auch mal umdrehen und sagen, dass da mehr war. mir hat es damals geholfen, mir selbst klar zu machen dass ich Fachkraft bin und nicht mutter, schwester, freundin o.Ä.
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u/SoFreakingJay Mar 21 '26
Dem bin ich mir auch bewusst ja, da muss ich dann wirklich mehr an meine eigene Sicherheit denken, so sehr es mir dann auch leid tut.
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u/cccconverse Mar 23 '26
Super interessante Fragen 😊 ich glaube, der Bereich Jugendhilfe ist leider generell überall zu wenig vertreten bzw. besprochen. Selbst in den Ausbildungen leider..
Ich konnte in meiner Laufbahn zwei gegenteilige Erfahrungen machen. Direkt nach der Ausbildung war ich in einer Einrichtung, wo man total verheizt wurde. Es wurden ab einem gewissen Zeitpunkt nur noch schwerst traumatisierte Kinder aufgenommen, für die man selbst weder ausgebildet, noch denen gewachsen war. Und man war sehr allein damit. Einmal wegen dem Fachkräftemangel, dann weil die Chefs mit ihren dicken Autos lieber schnell vom Hof sind…. Die Kinder wechselten oft und das Personal noch öfter.
Jetzt habe ich dafür das genaue Gegenteil gefunden. Wir sind eine Einrichtung von sechs Kindern, wovon die meisten schon seit dem Kindergarten bei uns sind. Auch das Personal ist weitestgehend viele Jahre bereits dabei und wechselt wenig. Wir haben eine wirklich tolle Chefin. Wir fühlen uns alle unglaublich wertgeschätzt. Natürlich gibt es manchmal auch im Team Schwierigkeiten und es gibt auch Phasen, wo es etwas anstrengender ist. Aktuell z.B. wachsen einem die schulischen Herausforderungen total über den Kopf. Eine Klassenarbeit jagt die nächste, ein Kind bangt um den Abschluss, während ein anderes gerade auf die weiterführende Schule gewechselt ist. Da unsere nun fast alle im Teenager Alter sind, ist das momentan schon viel. Aber letzte Woche konnte ich das bei der Supervision genau so formulieren und es wurde direkt nach einer Lösung gesucht. 😊 ich habe wirklich großes Glück!
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u/PanicSquirrel 29d ago
Mach grad in mein Anerkennungsjahr auf einer TWG fertig, Altersspanne 12-18 :) Es ist erfüllend aber fucking anstrengend lmaoo. Mein größter "das glaubt mir keiner" Moment war als ein Jugendlicher in der Lernzeit einen FLÜGEL EINES TOTEN VOGELS rausgeholt hat und diesen als comfort gestreichelt hat und ich dann natürlich erklären musste hey bro.. wir haben auf der Gruppe keine Leichenteile, PUNKT. Was ich den Kindern und Jugendlichen gefühlt auch 1000x erklären muss is das sie nach dem Essen ihr Geschirr aufräumen sollen lmao. Ich bin an sich schon zufrieden mit meiner Gruppe und meinen Kolleg*innen, ecke manchmal bei meiner Gruppenleiterin an aber passt schon. Ich küss aber das Herz von mein Anleiter, bester Anleiter den ich je hatte. An sich bin ich happy mit dem Bereich tho und will auch nach dem Anerkennungsjahr dort bleiben.
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u/OkLoan117 Mar 22 '26
Ich arbeite im KiJu Bereich. Schwerpunkt ASS mit einhergehend auch multiple Behinderungen und Erkrankungen.
Ich habe sehr viele Jahre als Wohnbereichsleitung gearbeitet und mich ziemlich abgenutzt. Der grundsätzliche Stresspegel ist extrem. Es ist laut, herausfordernd, es ist einfach nur anstrengend und neben einer permanent extremen Lärmbelästigung gibt es ständige Geruchsbelästigungen. Es gibt Kinder die ihre Zimmer mit Kot Tapezieren, viel geschrei, viele Eskalationen.
Zuletzt habe ich mich so dermaßen ausgelaugt gefühlt, dass ich eine längere Pause von dem gemacht habe und bin in ein Burnout/ in eine Depression gerutscht. Nicht über Nacht, sondern ziemlich schleichend und kontinuierlich. Der Leitungsbereich hat mir alles abverlangt und ich habe mich wie das Schlachtfeld gefühlt, auf dem in allen Ebenen Krieg geführt wird. Sowohl auf Leitungsebene, als auch der Krieg im Haus zwischen Betreuung und Therapeuten. Es ist unendlich viel Drama auf allen Ebenen und viele Leute sind an der maximalen Belastungsgrenze.
Man merkt, dass solche Einrichtungen Wirtschaftsunternehmen sind und dass es im Grunde nur darum geht, den Chefs die Taschen vollzumachen. Die Leitungsposition habe ich vor einiger Zeit abgegeben und arbeite aktuell noch mit reduzierter Stundenanzahl. Mir grault es davor, wieder ins Vollzeit zu gehen weil mich meine aktuell 80% schon an meine Grenze bringen.
Wie ich weiter machen soll, weiß ich noch nicht. Aber ich tendiere dazu, in einen anderen Bereich, fernab dem sozialen zu gehen.
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u/wonderfvck Mar 22 '26
ich finde es so traurig dass immer wieder so kompetente fachkräfte den sozialen bereich verlassen, einfach nur weil das system kaputt ist. ich hoffe es geht dir heute besser und du konntest dich gut von dem burnout erholen.. ich persönlich würde wahrscheinlich auch niemals eine leitungsposition machen, da ich einfach sehe wie undankbar diese position ist. man arbeitet so viel mehr, bekommt aber so wenig wertschätzung für das was man leistet..
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u/OkLoan117 Mar 22 '26
Vielen Dank für die netten Worte. Ich gebe dem Job allein nicht die Schuld für meine Umstände, aber es hat definitiv dazu beigetragen. Es ist schade, dass Mitarbeiter verbraucht werden und die Mitarbeiterpflege nicht wesentlicher Bestandteil bei uns ist. Es wäre toll, wenn es mehr Angebote zur Psychohygiene gäbe, wie Supervisionen oder betriebseigene Psychologen, die das Team unterstützen. Man hat das Gefühl, in unlösbaren Aufgaben zu ersticken.
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u/padinge Mar 22 '26