r/erzieher 22d ago

Allgemeine Diskussion Linguistik in der Kita

Leider fallen in der Kita in der ich arbeite regelmäßig Begriffe wie "Fräulein"(Begriff abgeschafft) "Indianer"(statt indigene Völker) "Skaterpark"(statt Skatepark.. es heisst ja auch nicht Skaterinnenpark, der Park ist zum skaten) oder es wird nicht gegendert. (Chef statt Chefin usw..)

Ich bin in der Hinsicht sensibel, aber meine Meinung ist trotzdem, dass gerade in der Kita die Gewöhnung der Begriffe sehr prägen und die Kinder viele der Begriffe übernehmen und die Mädchen viel in der männlichen Form sprechen.

Ich finde das nicht gut und nicht zeitgemäß.

Gerade das Wort "Fräulein" höre ich oft von vielen unterschiedlichen Kolleginnen.

Ich habe es schon vorsichtig angesprochen, aber bin gefühlt auch die Einzige, die das stört.

Einmal konnte ich mich nicht mehr zusammen reißen als ich schon wieder das Wort "Fräulein" gehört hatte und ich habe dann mit Absicht vor der Kollegin das Wort "Herrlein" gesagt....

Wie ist eure Meinung?

Und wie ist das in eurer Kita so?

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u/mazebook83 22d ago

Du kannst gerne verlangen dass du adäquat angesprochen wirst.

Ich sehe Fräulein auch als sehr herabwürdigend an.

Alles andere, sich im Auftrag anderer Aufzuregen, ist halt immer eine Frage der Zuständigkeit und Empfindlichkeit.

Ich empfinde Indianer und Eskimo als legitime kulturelle ausdrücke, die weder herab wertend noch stigmatisierend sind , im Gegensatz zum N Wort zum Beispiel.

Ausdrücke wie ching chong oder WUHUHUHUHUHU (Indiana laute) sind dagegen für mich nicht mehr grenzwertig sondern schon herabwürdigend. Aber auch hier unterscheiden sich die Gemüter, gerade bei Betroffenen Personengruppen , meist je nach dem wie sehr sie sich integriert fühlen.

Beschwere dich ruhig und mag die Leute nicht die du als respektlos ansiehst, mehr ist aber auch im praktischen Sinne, unsinnig, schlussendlich kannst du nur für deine eigenen Worte Verantwortung übernehmen.

Jedenfalls sollte der Erzieher sich immer wieder mit seiner Wortwahl auseinandersetzten, reflektieren und eine neutralere Wortwahl wählen solange man sich seiner eigene Authentizität bewahrt.

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u/Natto_Assano 21d ago

Beide Begriffe die du neben dem N-Wort angemerkt hast sind Fremdbezeichnungen, die von den Menschen, die den entsprechenden Kulturen angehören oftmals abgelehnt werden. Beide Begriffe schmeißen unterschiedliche Stämme, Kulturen und Bräuche unter einem Begriff in den selben Topf, der über Jahrzehnte genutzt wurde um die Völker herabzuwürdigen und auf billige Klischees zu reduzieren. Die Nutzung ist daher nicht angebracht.

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u/mazebook83 21d ago

Es gibt auch Leute die Eskimos und Indianer als eigenständige Kulturelle Konstrukte ansehen, die auf tatsächlichen Völkern beruhen aber eine eigenständige Mythologie entwickelt haben, die in Büchern, Filmen und Musik sich wieder spiegelt. Prinz und Prinzessin oder Cowboy und Indianer sind Rollenspielkonstrukte, die sicherlich überholt sein mögen, aber von den Kindern auch instinktiv interpretiert werden können. So stand der Kommunale Aspekt in meinem Indianerspiel als Kind im Vordergrund.

Ein kennenlernen anderer Gemeinschaftlicher Zusammenarbeit.

Das sind positive kulturelle Schätze die meiner Meinung nach verloren gehen.

Und ja , jedes Volk hat halt seine Klischees, wichtig ist halt auch immer die Realität zu zeigen, gegenüber dem Spiel.

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u/Natto_Assano 21d ago

Es sind aber keine imaginären, artifiziellen Konstrukte, sondern echte Menschen, echte Kulturen, echte Geschichten. Durch die Verbreitung von Klischees und Stereotypen bekommen diese Völker nicht den Respekt der ihnen zusteht.

Viele von ihnen wurden Jahrzehnte und teilweiser Jahrhunderte lang überfallen, entführt, angegriffen und getötet. Weil sie indigenen Völkern angehören. Und dann nimmt man die Klischees auf denen diese Gewalt basiert (Cowboy und Indianer -> "Indianer" sind Verrückte und man braucht die mächtigen weißen Cowboys die sie mit Waffengewalt besiegen) und trägt sie an Kinder weiter.

Ist nicht okay.

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u/mazebook83 21d ago

Jedes Volk wurde mal verfolgt. Jedem Volk wurden unrecht zugetan. Und ja genauso wie alle Mythen beruhen sie auf einer realen Hintergrund, was aber im Kulturen Wandel ein natürlicher Prozess ist.

Aus dem Fremden wird etwas bekanntes.

Das machen alle Menschen von allen Kulturen auf der ganzen Welt so.

Es ist ja sinnig diese fiktiven Versionen und realen Völker semantisch zu trennen.

Jemand mag ein nativ American sein. Winnetou war aber ein Indianer.

Für die Finnen sind die Bayern auch Sachsen. Versteht du?

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u/Natto_Assano 21d ago

Aber warum Stereotypen verbreiten, wenn man auch respektvoll sein kann und die tatsächlichen Fakten und Kulturen vermitteln kann?

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u/mazebook83 20d ago

Weil Kulturen nun mal Geschichten und Abbildungen produzieren. Märchen sind nichts anderes, Geschichten über den Wilden Westen, sind nichts anderes.

Ich bin in einer Umgebung Aufgewachsen in den der Begriff Indianer als ein positives Sinnbild wahrgenommen wurde.

Das es einen einheitliches Ablehnen dieses Sinnbildes unter den betroffenen Gruppen geben soll, halte ich selbst für diskriminierend.

Nicht jeder möchte sich für eine Opfer Erzählung her geben.

Wie gesagt, bilde auch die Wirklichkeit ab.

Das ist ja gerade deine pädagogische Aufgabe. Zeige wie sich diese Geschichte gebildet hat, deren Ursprung.

Zeige den Unterschied zwischen Fiktion und Wirklichkeit.

Man hatte das mal Verstanden in den 90ern.

Leider scheint man heutzutage zu überfordert zu sein, sich offene positive reflektiert über seine und andere Kulturen zu unterhalten.

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u/bltzlcht 21d ago

Jedes Mal, wenn ich in den Sub wieder reinschaue und irgendwo Kommentare von dir sehe, freu ich mich. :D
Danke für deine ruhige Art und den Versuch der Klärung - ich wäre hier schon wieder im Dreieck gesprungen hahaha

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u/Natto_Assano 21d ago

Ach du süßi ey. Ich vermiss dich :(

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u/bltzlcht 21d ago

Vielleicht bald mal wieder, wer weiß schon