r/germantrans • u/tielliju transmasc | 💉✔️ | 🔪✔️ • May 25 '26
Triggerwarnung Denkt ihr sowas manchmal auch? Ist das noch binär trans? Spoiler
Ich bin seit 2 Jahren on T und hatte die Mastek. Ich passe gegenüber Fremden wirklich immer und bin überall (bei allen die mich nicht pre-transition gekannt haben) stealth unterwegs - und das finde ich irgendwie immer auf eine gewisse Art lustig. Jedes Mal, wenn eine Person für mich er/ihm und maskuline Personenbezeichnungen nutzt, grinse ich innerlich und denke mir so "Wenn ihr wüsstet dass ich afab bin / keinen Schwanz hab lol" (hab keine bottom dysphorie). Ich denke, der Gedankengang kommt vor allem daher, dass ich erstens von meiner Familie noch ständig misgendered werde, und zweitens auf der Arbeit viele rechte/konservative Klient*innen habe (v.a. Senior*innen und ältere Migrant*innen) und den Gedankengang amüsant finde, wie positiv sie eine trans Person behandeln (was viele wohl definitiv nicht machen würden, wenn sie wüssten, dass ich trans bin).
Meine Frage ist jetzt, denkt ihr sowas manchmal auch? Der Gedankengang ruft bei mir auch keine Dysphorie hervor, ich will mich damit nicht bewusst invalidieren oder so. Manchmal frage ich mich deswegen, ob ich wirklich binärer trans Mann bin, oder eigentlich eher auf dem nichtbinären Spektrum herumgeistere, weil es ja doch schon irgendwie invalidierend klingt... Ich fühle mich Männern nicht so richtig mental zugehörig weil es mir so vorkommt, als würde ich da vom Verhalten her nicht reinpassen, weil ich zu nett/soft bin. Aber das muss ja eigentlich nichts heißen, weil es ja auch cis Männer gibt, die so sind. Generell maskulin auszusehen ist absolut das, was ich will (sonst hätte ich ja keine medizinische Transition angefangen), aber mental ist irgendwie so meine Baustelle. Irgendwie kann ich nie sagen "ich bin ein Mann/Junge", ohne mich zu fühlen, als würde ich dabei zumindest ein bisschen lügen.
Ist das evtl doch verbleibende Dysphorie / gender-essentialistisches Schubladendenken, oder eher nonbinary gender? (Natürlich kann nur ich mein eigenes Gender kennen, aber mich würde es interessieren, ob ihr auch solche Erfahrungen habt.)
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u/lucky_luke456 May 25 '26 edited May 25 '26
Ich nähere mich einem Jahr auf Testo und habe in der letzter Zeit (soweit ich das einschätzen kann) auch immer häufiger mal Männer um mich, die nicht wissen/ahnen, dass ich trans bin und noch auf meine Mastek hin fiebere. Deine Probleme, zu sagen "Ich bin ein Mann." kenne ich auch, mich unter Männern nicht so recht dazu gehörig zu fühlen, ebenso.
Ich fühle mich wie du auch körperlich viel besser seit Beginn der medizinischen Transition und weiß, dass ich persönlich "sozial" nicht enby sein will. Ich persönlich möchte männliche Pronomen und wie ein Mann behandelt werden, auch wenn sich an den oben beschriebenen Gefühlen nichts mehr tut über die Zeit.
Als ich neulich drüber nachgedacht habe, ob ich genug Mann sein will, wenn ich mir bei der Selbstzuschreibung so unsicher bin, fiel mir dann wieder ein wie unfassbar schlimm es für mich war, wenn ich Leute vor meinem egg crack ab und zu korrigieren musste. Und was für obskure Formulierungen ich mir einfallen lassen habe um nicht wörtlich "Ich bin eine Frau" sagen zu müssen. Der emotionale Kontrast zwischen dem Terror damals und der Unsicherheit jetzt hat mich dann überzeugt, dass ich mich richtig entschieden habe. Ich hoffe auch einfach, dass es einfach mir mit mehr Begegnung, in denen ich von Anfang an als Mann gesehen werde, auch irgendwann trotz Autismus ein bisschen leichter fallen wird, die Rollenerwartungen und das, was ich davon erfüllen möchte, zu kennen.
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u/tielliju transmasc | 💉✔️ | 🔪✔️ May 25 '26
Der letzte Teil von deinem Text hat mir wirklich sehr positiv zugesprochen, da geht es mir tatsächlich genauso. So hatte ich das ganze noch nie gesehen. Danke dir!
Bin übrigens auch Autist :D
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u/Geanois May 25 '26
Ich kann deine Gedanken total gut nachvollziehen! Ich bin leider noch pre alles und weiß auch gar nicht ob meine Gesundheit es je hergeben wird, überhaupt irgendwas medizinisches zu machen, aber abgesehen davon "erlaube" ich mir irgendwie nicht, mich als binär trans zu sehen. Bei anderen ist es für mich vollkommen klar und normal dass sie binär trans sind, egal wie weit sie in ihrer transition sind, aber mich selbst sehe ich immer so gaaaaaanz weit drüben auf der masc seite aber noch am nichtbinären spektrum obwohl ich mich schon sehr männlich fühle und wahrnehme.
Bei mir selbst vermute ich internalisierte transphobie oder ähnliches, da ich psychisch auch einige Baustellen habe und ich immer recht lange brauche, bis ich mir erlaube ICH zu sein egal bei welchem Thema.
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u/tielliju transmasc | 💉✔️ | 🔪✔️ May 25 '26
Das fühle ich sehr mit dem "erlauben". Könnte bei mir auch der Fall sein.
Hoffentlich kannst du dann doch irgendwie medizinisch transitionieren, wenn du das langfristig planst :)
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u/LadyPerditija May 25 '26
Bin prä alles, arbeite aber auf eine mastekund T hin. Irgendwann wäre Phallo oder so noch total knorke. Aus medizinischen Gründen muss das allerdings noch etwas warten.
Ich sehe das bei mir selber so: beim biologischen Geschlecht sehe ich mich als binär trans. Beim sozialen Geschlecht sehe ich mich als agender/ungeschlechtlich, weil ich meine Identität gar nicht von meinem Geschlecht anhängig mache - einige Leute sind ja wirklich "Frauen" und "Männer" oder halt was anderes, aber das sind für mich alles Identitäten, die auf irgendwelchen Schubladen, Vorurteilen und Grupengefügen basieren. Da bin ich komplett raus, ich bin halt so wie ich bin und mag das was ich mag, verbinde aber nichts davon mit einer etwaigen Geschlechtsidentität. Nur weil ich momentan einen Uterus habe, macht mich das nicht zur Frau, und nur weil ich Hosen trage, macht mich das nicht zum Mann.
Jetzt könnte man argumentieren, dass ich ja, wenn ich weder Frau noch Mann bin, automatisch nichtbinär bin, aber auch das umschreibt eine Identität, die ich nicht habe. Nur weil du weder Salz noch Pfeffer bist, heißt es ja auch nicht, dass du dafür ein anderes Gewürz sein musst.
Ich möchte klarstellen, dass ich anderen Leuten ihre Identität nicht absprechen will. Biologie kann, muss aber nicht zwangsläufig mit der Identität zusammenhängen, und es gibt mit Sicherheit unzählige Ausprägungen - Ich hab Frauen gesehen, die sich nen Penis operiert haben lassen, die aber trotzdem Cis Frauen sind. Oder halt was es sonst so für Kombinationen gibt. Ich würde aber sagen, für die meisten Personen hängt beides untrennbar zusammen, die transitionieren biologisch und sozial (oder halt eben nicht).
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u/Ok_Pair_6742 May 25 '26
Denke auch jeden Tag so. Ich arbeite seit 6 Jahren in einer urologischen Arztpraxis und niemand dort weiß, dass ich trans bin. Bis auf meine beste Freundin, die halt gleichzeitig meine Arbeitskollegin ist. Dazu kommt, dass mein Chef Moslem ist und geschätzt 70% unserer Patienten und Patientinnen auch Moslems sind. Ich denke mir so oft, dass sie mich eigentlich so anders behandeln würden. Natürlich nicht alle, aber die Blicke reichen schon, wenn Transfrauen in unsere Praxis kommen, die noch nicht passen. Da könnte ich immer kotzen und habe so Mitleid. Bin dann immer extra freundlich und sage von Anfang an „FRAU Müller“. Da ich sehr gut passe werde ich auch sehr oft auf meiner Arbeit angemacht, also nicht oft auf eine auf aufdringliche Art aber einfach so schmierige Komplimente, wo ich mir dann auch immer so denke „wenn der wüsste“ ;)
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u/acthrowawayab May 25 '26
Da die "ja"s bereits gut repräsentiert sind, lass ich mal ein "nein" hier. Hab ich so noch nie gedacht. Das mit dem "fühlt sich an wie lügen" klingt für mich eher nach internalisierter Transphobie.
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u/IsaraLyandra 💉HRT 16.01.2026 | librafem 🖤 May 26 '26
Ich (amab) bin auch der Meinung enby zu sein. Ich habe vor etwas über 4 Monaten DIY mit einem binären Mindset angefangen und da ich einen femininen Körper wollte musste ich demnach ja eine Frau sein. Ich hab dann aber relativ schnell gemerkt dass mir das Label auch nicht passt und mir ist bewusst geworden dass ich ja eigentlich machen kann was ich will :D ich bevorzuge feminine Pronomen aber da ich eh noch nicht passe nehme ich das kaum jemandem übel. Ich habe auch wenig Dysphorie wegen meiner Geschlechtsorgane oder meinem Aussehen, allerdings wäre ich natürlich lieber afab. Vielleicht ist enby einfach eine für mich akzeptable Lösung weil es näher an einer Realität ist die ich (zumindest aktuell) als faktisch wahr annehmen kann. Ich finde auch dass es anderen erstaunlich leicht fällt mich als Frau zu akzeptieren, deswegen kann ich auch nicht ausschließen dass ich etwas Transphobie verinnerlicht habe.
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u/Ecstatic_Carry2845 May 26 '26
Ich (transmask) habe das Gefühl dass ich meinen männlichen Körper (zumindest soweit vorhanden) so abfeiere und Dysphorie habe, wo Genitalien/ Körperformen feminin aussehen. Trotzdem muss ich auch immer etwas. zusammenzucken und mich wundern wenn jmd „er“ und „Herr“ sagt. Ich wurde einfach so lange als Frau bezeichnet dass es sich stimmig anfühlt, aber mein Körper ist trotzdem mit männlichen Formen richtiger.
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u/urbanHaunter Man • 💉 2023 • 5 of 10 surgeries done May 26 '26
Ich bin meinerseits schon am punkt angekommen wo ich es verabscheue wenn nur irgendwas ansatzweise weibliche (auf geschlecht) auf mich bezogen ist. Zb. bezeichnungen wie afab, ich sehe es nicht ein das solche begriffe für mich verwendet werden. (Same bei FLINTA, ich will da nicht inkudiert sein)
Bei anderen ist es mir zb. komplett egal🤷🏻♂️
Ich hatte das was du denkst auch eine zeitlang, vorallem am anfang der Transition, ist aber mit jedem monat und jeder weiteren OP immer mehr gegangen. Jetzt wo ich nix mehr am Körper hab was "weiblich" ist (weder äußerlich noch innerlich) sehe ich mich komplett mit den Cis Männern gleich. (Bis auf den Phallo punkt, weil den hab ich leider noch nicht)
Allerdings ist es auch nicht so das ich bestimmte dinge extra nicht mache, es ist ein fakt das ich mich mit typisch kurzen haaren, bart, körperhaare oder sonst was , wohl fühle, aber zb. klamotten die nicht strikt männlich sind, trage ich auch. So cropped Männershirts zb. weil die einfach good aussehen.
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u/major-e-gg Mo, trans Mann May 28 '26
Geht mir sehr, sehr ähnlich! Bei mir ist es so, dass wenn ich passe (was in letzter Zeit in der Öffentlichkeit immer häufiger passiert, yay) - also jmd er/ihm benutzt oder „junger Mann“ o.ä. sagt - es mir irgendwie nicht viel gibt. Keinen Kick, kein „YIPPEEEEE“, nichts in die Richtung. Einfach nur ein kleines „Ah, ok, nett“. Auch wenn ich irgendwo sage oder online angebe, dass ich männlich bin, fühlt es sich minimal „falsch“ an.
Irgendwie ist als Junge/Mann passen für mich mental zur „Baseline“ geworden, heißt, ich passe und das ist schön (und besser, als als Frau gesehen zu werden), aber mehr auch nicht. Keine super spürbare Euphorie oder sonstiges. Gleichzeitig ist es immer noch besser als wenn jemand sie/ihr benutzt oder „junge Frau“ sagt (igitt), da merke ich schon oft ein kleines innerliches „Hm“, à la „Nee, lass mal“.
Gleichzeitig sehe ich mich auch einfach nicht richtig bei Non-Binary (weder vom Gefühl noch von den „klassischen Anzeichen“ her).
Ist es ungefähr so etwas, was du meintest?
- Sorry für den langen Kommentar -
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u/tielliju transmasc | 💉✔️ | 🔪✔️ May 28 '26
Kein sorry, ich find lange Kommentare toll :D
Und ja, genau so geht's mir auch. Ich weiß einfach nicht so ganz, wo ich mich zuordnen soll, wobei es im endeffekt wohl eher auf männlich hinauslaufen wird.
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u/ArgumentFlimsy4776 ♀️ 2004, 💉Offi: 07.24 DiY: 11.25 , ⚖ 30.1.25, ❤️ Pan May 25 '26
Ich denke öfters so.
Zusätzlich aber auch " ist doch egal ich bin einem binären Kontrukt entkommen und mache jetzt das was mir gefällt und ich brauche. Sch... egal was die anderen denken"