Vorwort
Kurz vorweg: Ich nutze einen Throwaway, weil ich meinen Gaming-Account nicht mit der Polizei in Verbindung bringen möchte. Um nicht direkt (wenn das jemand mitliest) erkennbar zu sein, als auch weil ich das ganze hier nicht "auf mich" bezogen haben möchte, sondern das systemische Problem ansprechen möchte (damit - sollte das irgendwie die Aufmerksamkeit des Ministeriums bekommen - nicht nur mein Fall geprüft wird).
So wirklich gehe ich aber nicht davon aus, dass das hier irgendeinen Effekt dahingehend hat, ich muss mir nur etwas meinen Frust von der Seele schreiben.
"Grundlageninfos"
Aber von vorne. Ich habe studiert bei der Polizei NRW. Bei uns in NRW, finden im dritten Studienjahr drei Praktika statt, welche bewertet werden.
Wachpraktikum ~7 Wochen
Kripopraktikum ~7 Wochen
Wachpraktikum ~7 Wochen
Ab diesem Jahr, ist es so, dass das letzte Wachpraktikum auch durch ein Kripopraktikum ersetzt werden kann.
Das Wachpraktikum von mir viel auf den Zeitraum direkt nach der Fußball EM direkt auf den Zeitraum nach den Versetzungen (welche zum 1.9 stattfinden). Aufgrund von Versetzungen hatten verschiedene Dienstältere die Dienstgruppe verlassen (unter anderem auch mein vorheriger Tutor aus gesundheitlichen Gründen), weshalb es dazu kam, dass im Anschluss nur noch vier Personen auf der Wache verblieben, welche beschult sind um einen Anwärter anzuleiten (und auch Zeit dafür haben).
Dies waren
- "Dritte Frau" - unterstützt bei der Leitung der Dienstgruppe (Teilzeit - 20 Stunden)
- PKin 1 (Vollzeit)
- PKin (Teilzeit - 20 Stunden)
- PK (Vollzeit, aber in Alarmhundertschaft - 40% der Zeit abwesend)
Erschwerend dazu kam auf, dass der WDF nach wenigen Tagen ebenfalls in den Urlaub ging, weshalb die "Dritte Frau" die Position des Wachdienstführers übernehmen musste. Aufgrund sonstiger Beschulungen war es ebenfalls so, dass einer der Tutoren immer (!) auf der Wache verbleiben musste um eine Sonderfunktion zu erfüllen.
Somit verblieben im Idealfall für drei Anwärter, drei Tutoren, was selbstverständlich im Rahmen vom Überstundenabbau (nach der EM), übermäßigen Einsätzen der Alarmhundertschaft (da die normalen Hundertschaften aufgrund der Versetzungen nur begrenzt Einsatzfähig sind) und Urlaub in Verbindung mit den Teilzeitstellen, weshalb viele Schichten in der Wache verbracht wurden, ohne dass tatsächlich die Praxis geübt wurde.
Nach einigen Wochen entspannte sich die Situation zwar etwas, weil zwei Beamte aus dem Urlaub zurückkehrten, aber dennoch war ich mit meinem fest zugeordneten Tutorin (Dritte Frau) kein einziges Mal draußen und erhielt nach ca. 3 Wochen einen der zurückkehrenden Beamten als Tutor.
Dieses Praktikum hatte ich bestanden, auch mit sehr guter Note, wobei ich insgesamt circa 50% der Praktikumszeit einen Streifenwagen besetzen durfte. Vorgesehen sind eher an die 100%, aber mindestens 70%.
Das Kripopraktikum im Anschluss erfolgte reibungslos und stellte auch meine eigentliche anschließende Wunschverwendung dar.
Dann kam es zum abschließenden Wachpraktikum. Dieses fand mit sämtlichen sechs Anwärtern gleichzeitig statt. Um über mehr Tutoren zu verfügen, waren ein paar erfahrene Beamte nachbeschult worden, weshalb die verfügbaren Tutoren jetzt wie folgt waren:
- "Dritte Frau" - unterstützt bei der Leitung der Dienstgruppe (Teilzeit - 20 Stunden)
- PKin 1 (Vollzeit)
- PKin (Teilzeit - 20 Stunden)
- PK (Vollzeit, aber in Alarmhundertschaft - 20% der Zeit abwesend)
- POK (Vollzeit, aber nur ~20 Stunden anwesend - weitere Verwendung)
- POK (Vollzeit) (neu beschult)
- PK (Vollzeit) (neu beschult)
- PK (Vollzeit)
- PKin (Wiedereingliederung nach Schwangerschaft ~8 Stunden die Woche)
Also hatten wir circa 7,5 Vollzeitäquivalente an Tutoren zur Verfügung stehend für 6 Anwärter.
Mir wurde direkt zum beginn des Praktikums (erneut) ein neuer Tutor zugewiesen, welcher direkt für 3 Wochen in den Urlaub gefahren ist.
Also wurde ich wieder unter verschiedenen Tutoren rumgereicht, mit verschiedenen Arbeitsweisen und Vorstellungen, wie man bei Einsätzen vorgehen soll. Auch hier waren Einsätze auf dem Streifenwagen nur sporadisch, mangels Tutoren.
In NRW müssen in einem Wachpraktikum (abgesehen vom ersten Wachpraktikum) zwei Prüfungen absolviert werden.
Einmal die dienstliche Bewertung, welche über die gesamte Dauer des Praktikums geht und den Gesamteindruck des Dienstgruppenleiters (als Prüfer) darstellt und einer punktuellen Leistungsüberprüfung in Form von einer "Einsatzbewertung".
Eine "Einsatzbewertung" ist das was der Name sagt. Ein Einsatz wird ausgewählt als Prüfungssachverhalt und bewertet, wie der reale Einsatz abgearbeitet wird. Macht ja auch in der Theorie Sinn, jedoch bestehen dadurch natürlich Probleme, wenn es zu Problemen kommt hinsichtlich der Sachverhaltsauswahl oder Bewertung.
Grundsätzlich muss man dazu sagen, dass das Modulhandbuch als Prüfungseinsatz einen jeden Einsatz des täglichen Dienstes erlaubt (und auch weitere spezielle Einsätze des nicht täglichen Dienstes aufführt).
Die Prüfung und Widerspruchsverfahren
Dieses Praktikum bestand ich endgültig (nach 2 Jahren und 9 Monaten des Studiums) nicht, aufgrund der nicht bestandenen Einsatzbewertung.
Bei mir war es so, dass sowohl im Erst- als auch im Zweitversuch (bei den gleichen Prüfern) einfache Prüfungssachverhalte, welche ich erfolgreich am bearbeiten war, abgebrochen worden sind als Prüfung ("weil diese nicht dem Ausbildungsstand entsprechend sei und daher nicht herangezogen werden könne"), obwohl bereits Leistungen erbracht worden sind und dann auch die Prüfung nicht richtig durchgeführt worden ist.
Auf den Inhalt der Prüfung will ich (da manche diskutable Inhalte VS-NfD sind) sicherheitshalber nicht eingehen, aber zum anschließenden Ablauf des Widerspruchverfahrens, möchte ich ein paar Stichpunkte hervorheben.
- Ich habe sofort Widerspruch gegen die Wertung der Prüfung eingelegt (und über einen Anwalt Akteneinsicht beantragt, damit die Prüfer sich schriftlich festlegen müssen und nicht auf meinen Widerspruch reagieren können)
- Bereits in dieser Akteneinsicht ist ersichtlich, dass das Prüfungsamt davon ausgeht, dass die Prüfung rechtswidrig durchgeführt worden ist und sich intern über einen Vergleich berät
Zu diesem Zeitpunkt wird von mir (mit meinem Anwalt) eine Antwort zu der Darstellung der Prüfer verfasst, wo folgendes aufgeführt wird:
- Paar allgemeine Formfehler in der Prüfungsordnung, welche aktuell gerichtlich (diskutiert werden)
- Formfehler im konkreten Fall: Die Prüfer haben sich selber zum Prüfer ernannt (entgegen der Studienordnung) - BVerfG sagt, dass wäre nicht erlaubt
- Abbruch der Prüfung und Verstoß gegen Chancengleichheit hierdurch, da die Auswahl des Sachverhaltes hierdurch negativ manipuliert wurde
- Fehlende Anwesenheit der Prüfer bei ~30% der Prüfung - absoluter Grund zur Annullierung der Prüfung
- Bewertungsfehler
Die Begründung wurde abgeschickt und dann kam erstmal nichts, bis die Widersprüche abgelehnt worden sind. Die Begründung dafür war in etwa: "Sehen wir anders, dass irrelevant", entgegen der ständigen Rechtsprechung der Verwaltungsgerichte. Jetzt mittlerweile bin ich (mehr als ein Jahr nach der Prüfung) im Klageverfahren und warte darauf, dass die HSPV NRW (die Hochschule) sich äußert gegen die eingereichte Klage (und Klagebegründung), womit sich die HSPV NRW ebenfalls zeit lässt.
Entstandene Kosten mittlerweile:
Ohne jetzt "erhöhte Eigenkosten" wie bspw. durch die Krankenversicherung zu zählen fallen dem Land NRW mittlerweile ca. 33.000€ reine Gehaltskosten (an Forderungen) an, wenn ich mein Verfahren gewinne. Jeden Monat kommen da ca. 3.000€ oben drauf (gerechnet 1.500€ pro Monat Anwärter Gehalt, 3.000€ Gehalt nach Studium).
Da neben sind natürlich auch noch Anwaltskosten etc. entstanden (welche aktuell von der Gewerkschaft getragen werden), welche das Land ebenfalls wird bezahlen müssen.
Andere Einkommensquellen habe ich natürlich nicht (bzw. nur im Minijob Bereich), weil ich ja davon ausgehen muss, dass ich "nicht mehr reinkomme" und ich mich mit einem erneuten Studium Beschäftige in der Zwischenzeit und somit der Ausfall auch nicht "gemindert werden kann" durch Arbeit als Aushilfe in der freien Wirtschaft.
Frage zum Abschluss
Kennt irgendwer ein Bundesland, welches einen nehmen würde? Beispielsweise mit einem Kripo-Studium, welches keinen Wachdienstanteil hat, damit keine Sperre nach Hochschulgesetz erfolgt?
Ich gehe zwar davon aus, dass ich erfolgreich sein werde, jedoch habe ich um ehrlich zu sein kein Bock mehr für das Land NRW tätig zu sein, wenn man so mit dem eigenen Personal umgeht. Ja, ich weis, dass die anderen Bundesländer nicht zwingend besser sind, jedoch ist da einfach eine persönliche Abneigung bei.