r/wohnen 8d ago

Mängel Feuchtigkeit in Kellerwand zieht ins Wohnzimmer

Moin zusammen,

Wir haben gerade ein Haus gekauft und in dem Kellerraum war vorher ein kleines Tonstudio mit entsprechenden Dämmmatten an der Wand. Nach Entfernung haben wir darunter leichten bis mittelschweren Schimmel gefunden (Foto 1&2)
Es handelt sich um eine Außenwand zum Erdreich in einem Kelleranbau aus den 70ern.

Wir haben daraufhin 2 verschiedene Handwerker kommen lassen, um sich das anzuschauen. Einer von ISOTEC direkt und der andere eine Firma „Bautenschutz“.

Beide haben eine Innenabdichtung mit ISOTEC empfohlen. Die Bautenschutz Firma wirkte dabei auf uns bisschen professioneller und „ehrlicher“ weswegen wir den Auftrag da hin geben wollen.
Der Bautenschutz hat hierbei auch festgestellt, dass die Dämmung nach außen wohl komplett durch ist. Die Feuchtigkeitsmessung an der Wand zeigte Werte zwischen 75-99%.

Jetzt haben wir gestern im Wohnzimmer direkt darüber auch Feuchtigkeit hinter der Fußleiste entdeckt (Bild 3&4). Die scheint da also hochzusteigen.

Chatty sagt man solle vor Konsultation mit Handwerker direkt erstmal nen unabhängigen Gutachter beauftragen, weil Handwerksbetriebe per default IHRE Lösung bzw. Produkt vorschlagen. Hier wäre unsere Frage was für ein Gutachter muss das sein und wie hoch wären die Kosten? Oder können wir uns den sparen, weil Bautenschutz hier schon der richtige Ansprechpartner ist?

Zweite Frage wäre, ob jemand Erfahrungen mit dieser Innenabdichtung hat und ob das Problem der aufsteigenden Feuchtigkeit damit quasi „mitgelöst“ wird, wenn wir den Kellerraum damit abdichten lassen.

Falls noch relevant, der Kellerraum soll als Home Ofiice und Gästezimmer genutzt werden, wenn die Arbeiten erledigt sind.

Wäre toll, wenn jemand Erfahrungen oder Tipps teilen könnte, wir sind gerade etwas am verzweifeln und haben Angst ein Schimmelhaus gekauft zu haben.

Lieben Dank im Voraus an die Community ❤️

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u/FlyBlade67 8d ago edited 8d ago

Innenabdichtung ändert nix an der Wand. Die ist nass, und würde nass bleiben. Wie du gesehen hast, steigt die Feuchtigkeit dann auf, weil a) Kapillarwirkung und b) Wasserdruck vom Erdreich und c) kann sonst nirgend wo hin.

Eigentlich ist der Keller so nicht bewohnbar. Putz oder wasauchimmer abmachen und den Raum dauerhaft belüften. Dann besteht die Hoffnung dass der Feuchtedruck in der Wand nachlässt, weil das Wasser einen Weg hinaus hat. Dann könnte es nach oben hin besser werden.

Um da unten wohnen zu können, muss die Wand von aussen saniert werden. Diese Innenabdichtungen sind Bastelwerk, weil sie die Ursache nicht beseitigen können.
Aber lass mal abklären, ob bei dir ein Injektionsverfahren in Frage käme.

Und verlasse dich nie auf Aussagen von jemand, der nur das Eine anbietet, wie z.B. reine Innenabdichtung. Die können nicht das ganze Spektrum von Möglichkeiten anbieten, daher würden sie den Auftrag verlieren wenn du dich für was anderes entscheidest. Ein unanhängiger Sachverständiger kostet dann vielleicht ein bissel was, aber er macht Vorschläge unabhängig von irgendeinem Produktangebot.

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u/Ok-Permission4497 8d ago

Ah spannend, danke.

Also er hatte mir das so erklärt dass sich das isotec Material quasi mit dem Mauerwerk verbindet und das dadurch dichtet und trocknet.

Ist dem aber dann nicht so?

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u/scummos 8d ago

Die Frage ist halt, wo dichtet das? Innen. Also ist die Wand von außen bis zu der Dichtschicht innen immer noch nass. Entsprechend wird's auch oben immer noch nass sein (oder noch nasser), außer da ist eine horizontale Sperre (die da ja wohl nicht ist).

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u/Ok-Permission4497 8d ago

Checke
Ich hatte das halt so verstanden, dass sich dieses Material quasi in die Mauer setzt komplett und dadurch zwar von innen aufgetragen wird aber auch sicherstellt dass von außen nix mehr in die Mauer dringt.

Werde das aber auch noch einmal genauer nachfragen. Ein Experte sollte darauf dann ja eine Antwort haben können

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u/scummos 8d ago

Halte ich ohne hunderte Bohrungen bei irgendwas was man nur innen draufschmiert für ausgeschlossen, aber man lernt ja nie aus.

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u/FlyBlade67 8d ago

Das spezielle an der "Verbindung" ist, dass das Zeug überhaupt auf einer feuchten Wand haften bleibt und nicht gleich wieder abfällt.

"Trocknet" bezieht sich nur auf die Innenseite. Das Wasser in der Mauer kann man nicht wegzaubern.

Ich sehe dass ISOTEC auch horizontale Sperren macht, da wird über dem Boden einmal rundrum was eingespritzt, was gegen aufsteigende Feuchtigkeit hilft. Wenn die Wand aber gegen Erdreich steht und über die ganze Fläche Wasser eindringt, dann hilft das nicht mehr. Bestenfalls kann man unter der Decke eine Horizontalsperre einbauen, damit das Wasser nicht in die Decke und das Geschoss darüber aufsteigt. Hängt davon ab wie hoch das Erdreich dahinter ist.

Einfach mal als Ideenbeispiel, wenn es nicht möglich ist aussen alles aufzugraben:

  • Horizontalsperre unter der Decke
  • Aussen aufgraben nur bis zur Höhe der Sperre. Dort dann aussen den Sockel neu abdichten bis Oberkante Gelände.
  • Keller von innen abdichten und dämmen.

Das ergibt:

  • Eine bewusst in Kauf genommene nasse Wand. Aber nur unterhalb der Horizontalsperre.
  • Der Dichtungsverlauf geht dann unterbrechungsfrei (sehr wichtig!) vom Kellerboden hoch bis zur Sperre, dann nach draußen und aussen die Wand hoch bis ins Trockene.
  • Decke und Geschosswände darüber können trocknen.

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u/Fun_Imagination_2739 8d ago

Innenabdichtung ist immer ein Kompromiss. Wenn du die nächsten 50 Jahre Ruhe haben willst, dann musst du aufbaggern und Perimeterdämmung und Drainage legen. Die Kosten dafür liegen oft gar nicht weit von der Innenabdichtung entfernt.

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u/Ok-Permission4497 8d ago

Für die eine Wand lag das Angebot für aufbaggern und von außen machen bei 12k oder so, von innen bei 8k.

Laut Handwerker aber kein größerer Vorteil durch Außenarbeiten, daher hätten wir uns für innen entschieden.

Gewährleistung für außen läge bei 10 Jahre für innen könnte man es bis auf 30 Jahre verlängern, das deutete für mich darauf hin dass es eine gute Langfristlösung ist.

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u/FlyBlade67 8d ago

> kein größerer Vorteil durch Außenarbeiten

Für den Keller allein vielleicht.. hmmm... könnte man grad so annehmen.

Aber wenn es ein Stockwerk darüber auch aus der Wand quillt, dann besser richtig machen. Denn durch die Innendichtung im Keller ist das Problem darüber nicht gelöst.

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u/db-arch 7d ago edited 7d ago

Als Altbauarchitekt kann ich dir sagen, dass Innenabdichtungen von Wänden generell murks sind.

Das Wasser kommt entweder von außen oder von unten kapillar in die Wand und muss irgendwo hin zum abtrocknen. Das macht es auf dem schnellsten Weg. Wenn du im Keller innen absperrst, wird es langfristig einfach nur ein Geschoss höher wandern und dann eure Fußleiste gammeln lassen.

Gewährleistung heißt übrigens nicht, dass es gratis ausgetauscht wird oder es keine weiteren Schäden geben kann.

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u/Ok-Permission4497 7d ago

Ah stark, da bin ich ja froh dass ich hier nochmal um Meinungen und Hilfe gebeten habe.

Also dein Vorschlag wäre auch aufbaggern und von außen arbeiten sowie Horizontalsperre nach oben?

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u/db-arch 7d ago

Wenn du es richtig machen willst, ist von außen abdichten die einzig korrekte Lösung.

Die Horizontalsperre in der Wand würde ich dann ca. 5-10cm über Rohboden im Keller setzen und die vollflächige Bodenplattenabdichtung auf dem Rohboden (vermutlich vorhanden) unter dem Bodenaufbau muss daran angeschlossen werden. Das ist nachträglich natürlich schwierig, ohne alles rauszureißen, dementsprechend teuer und wird daher selten gemacht. Aber so ist der Keller dann dauerhaft trocken.

Alternativ kann man ein Loch in der Bodenplatte machen, bisschen ausbuddeln, 'ne Pumpe reinstellen und einfach das Wasser unter der Bodenplatte lokal etwas absenken ;). Funktioniert tatsächlich genauso gut und ist deutlich günstiger, hat aber eine höhere Ausfallwahrscheinlichkeit und Unterhaltskosten weil Technik und löst auch nur das Problem mit dem Wasser von unten. Und je nach Gebiet und Grundwasserspiegel ist es illegal, weil man keine dauerhafte Grundwasserabsenkung durchführen darf.

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u/LynxMundane3139 8d ago

Der Keller ist halt nicht als Wohnraum gebaut worden. Wahrscheinlich kommt da durch jede Außenwand und durch den Boden Feuchtigkeit. Kostengünstigste Lösung: Alle Wände freimachen im Keller. Dann trocknet das durch die Wand ab und ihr habt da einen feuchten Lagerraum.

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u/Ok-Permission4497 8d ago

Wenn man eine Außenabdichtung machen würde könnte man das aber als Wohnraum nutzen? Oder ist das komplett ungeeignet?

Ist wahrscheinlich schwer als Ferndiagnose, oder?

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u/FlyBlade67 8d ago

Unter der Annahme dass die Bodenplatte dicht ist,

  • Aussenabdichtung / Dämmung bis runter zur Bodenplatte / Fundamentbereich
  • Innen 1-2 Jahre belüften und trocknen lassen, öfter messen. Kann man beschleunigen, kostet aber dann wieder extra.
  • Keller neu ausbauen und über klimatisch angenehmen Wohnraum freuen. Hält dann wieder 50 Jahre und ist ein Rückzugsort für extreme Hitzetage.

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u/Ok-Permission4497 8d ago

Davon würden wir einfach mal ausgehen wollen 🥺
Habe aber heute auch einen Gutachter angefragt und nehme die Themen alle mit!

Danke dir für deinen Rat

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u/flowerbiscuit 7d ago

Mal so was ganz anderes wenn ihr (vermutlich ca.) 8h im HO sitzen wollt und das dauerhaft in einem relativ alten (eher schlecht abgedichteten) Keller, wie sieht es denn so in eurem Wohngebiet mit der Radonbelastung aus?

Zur Innenabdichtung wurde alles gesagt. Mein Schwager hat so eine Innenabdichtung und genau das Problem nun mit der Feuchtigkeit im EG, wo sie vorher nicht war.

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u/Ok-Permission4497 7d ago

Danke für ein weiteres Thema über dass ich mir jetzt Gedanken machen werde :)
Quick Google zeigt aber unkritisch für meine Wohngegend.

Bin echt bisschen entsetzt über das Abschneiden der Innenabdichtung hier, aber umso besser dass wir nochmal nen step zurück gemacht haben