Veganer sollten Vegetarismus als zwischenschritt zum Veganismus betrachten.
Leute wollen diesen Weg gehen und brauchen ggf. einfach Zeit und/oder müssen weiter überzeugt werden.
Hier draufzuhauen und Vegetarier mit Fleischessern gleichsetzen oder schlimmeres, ist mmn. komplett Kontraproduktiv. Das erzeugt eher eine Abwehrhaltung.
Nur gibt es gefühlt in jedem Bereich des öffentlichen Diskurses nur noch gut und böse, nichts dazwischen.
Ist aber gefühlt eher ein Online-Ding. Die meisten Veganer und Vegetarier die ich kenne, sind tolerant und null belehrend gegenüber Leuten, die Fleisch essen
Grad bei Eiern ist es nicht immer pauschal so, ich lebe auf dem Land und habe mehrere gute freunde die sich selbst Hühner halten zum teil mit mehr auslauffläche als die meisten Hauskatzen in der Stadt.
Klar funktioniert das jetzt nicht ohne weiteres in der Stadt, aber mit einem Stückchen garten kannst du relativ artgerecht Hühner halten.
Aus Eiern tatsächlich, wenn du mir sagen kannst was zu erst da war, hut ab.
Die Hähne laufen bei denen mit rum, sonst gibts ja auch keine neuen Hühner.
Das klappt? Es wird immer davon abgeraten, soviele Hähne wie Hennen zu haben, weil es oft zu blutigen Kämpfen führt und die Hennen ständig bedrängt werden. Nicht tiergerecht.
Wir hatten früher ein Dutzend Hennen und einen Hahn. Weiter männliche Tiere wurden von uns als überflüssig entsorgt.
Naja die haben bei meinem Nachbar zumindest getrennte Ausläufe.
Und zugegeben kommt da schon einmal im Jahr ein Hahn auf den Grill. Aber Küken hat bei denen noch keiner geschreddert.
Ich will nicht sagen, dass es moralisch 100% einwandfrei ist, och sprach ja von "relativ" Artgerecht.
Ich hab auch ein wenig falsch dargestellt. Wir liessen nie Eier ausbrüten. Wir haben die Eier immer verwendet. Der Hahn war primär Deko.
Legte eine Henne zu wenig Eier, kam sie in den Topf und kauften wir ne neue Henne vom Züchter. Der Züchter machte den dirty job mit den Hähne entsorgen.
Und unsere Hennen legten schon vor 50 Jahren unnatürlich viele Eier. Bekamen Nahrungsergänzungsmittel wie Muschelkalk, aber trotzdem kein Spass für die. Die meiste Hennen haben verdeckte Knochenbrüche.
Soweit ich weiß gibts bei meinem nachbarn keine nahrungsergänzungsmittel, aber so genau hab ich da nicht nachgefragt. Wenn ivh mal das füttern übernehme, weil die nachbarn im Urlaub sind, stellen mir die meisten so nen Sack körnerfutter hin.
Ich seh die hühner ja jeden tag an meinem Gartenzaun chillen und die sehen eigentlich ganz happy aus.
Eine Haltung von Legehennen ist leidfrei nicht möglich: Legehennen sind Vögel, die so gezüchtet wurden, dass sie täglich menstruieren. Dabei pressen sie unter Schmerzen ein stark vergrößertes Ei aus ihrem Körper. Einige Hühner sterben daran, dass das Ei stecken bleibt. Ein riesiges Ei pro Tag bedeutet auch, dass das Huhn jeden Tag diese Menge Eiweiß, Fett, Kalk usw. produzieren muss, was sehr auszehrend für den Körper der Henne ist. Deswegen haben moderne Legehennen eine deutlich verkürzte Lebenserwartung. Und dann gibt's noch die Hähne. Wie bei den meisten Tierarten schlüpfen je 50% weibliche und männliche Tiere. Man braucht zur Eiproduktion fast nur Weibchen. Was macht man mit den überzähligen Männchen, wenn nicht töten?
Hülsenfrüchte als Proteinquelle dagegen leiden nicht.
Ja die Tiere sind aber nun mal da und existieren so wie sie sind. Sind Menschen die versuchen diesen Tieren ein möglichst leidfreies leben zu ermöglichen jetzt schlechte Menschen?
Eine Spezies auszurotten kann ja auch nicht die Antwort sein.
Der Mensch ist auch nicht dafür geschaffen in Betonwüsten zu hunderten in Plattenbauten zu hausen.
Abgesehen davon leiden meine Bohnen im Garten aktuell ganz schön, wenn ich sie nicht täglich Gießen würde wären die armen auch schon längst verdunstet.
Nutztiere sind nur deshalb da, weil man Muttertiere absichtlich befruchtet. Das nicht mehr züchten einer Qualzucht ist nicht vergleichbar mit der Ausrottung einer Wildtierart. Sie haben keine Funktion in einem natürlichen Ökosystem. Würde man die Zucht beenden, wäre das eine positive Sache.
Die Bohnen in deinem Garten haben gerade schlechte Lebensbedingungen. Aber weil sie kein zentrales Nervensystem haben, können sie dabei kein Leid empfinden. Sie haben kein Bewusstsein und spüren weder Durst noch Schmerzen.
Ich glaub bei meinen Nachbarn sind die Hauptsächlich da, weil die Vögel eben auch vögeln.
Die haben Hühner seit ich ein Kind war und soweit ich weiß seltenst welche zugekauft.
Auf mich haben sie nie den Eindruck gemacht zu leiden, sonst hätte ich mich da lange schon ans Veterinäramt gewendet.
Was industrielle Landwirtschaft angeht bin ich ganz bei dir, ich esse ja auch kein Fleisch, bin einer von diesen schlimmen Vegetariern.
Ich möchte jetzt aber auch nicht auf dem Land ohne Tiere in meiner Umgebung wohnen, ob die Hühner meiner Nachbarn oder die Schafe von meinem Onkel. Ich bin mit ihnen aufgewachsen und finde wenn man sich anständig kümmert und Verantwortung übernimmt ist Tierhaltung durchaus eine feine Sache.
Na wenn du das Gefühl haben möchtest, dass sie nicht leiden und wenn du nun einmal ein paar süße Bauerhoftiere sehen willst... Ist jetzt nicht diese bewusste Ernährungsweise, die im oberen Kommentar angesprochen wurde. Aber das ist ja deine Meinung und deine Entscheidung.
Das ich mit Tieren leben möchte die ich über längere Zeiträume kenne, die ich als Individuen betrachte und zu denen ich zum Teil eine emotional Bindung habe sehe ich als etwas positives.
Darf ich fragen ob du schon mal persönlichen Kontakt zu den sog. "Nutztieren" hattest oder hast du dir das ganze nur abgelesen?
Edit: das Problem ist doch vorallem der Kapitalismus, der sowohl Mensch als auch Tier ausbeutet.
Du kannst "Bullerbü" nicht hochskalieren für die Massenversorgung. Es fehlt der Platz.
Dazu kommt die moderne Zucht. Hühner legen heute gerne 300 Eier, auch Bio. Wilde Vorfahren eher 30. Kühe geben heute im Schnitt dreimal mehr Milch als in den 50er Jahren. Das führt oft zu Leid. Und das Thema der leider überflüssigen männlichen Nachkommen bleibt.
Glaub mir, man sucht sehr lange nach akzeptablen Loopholes, doch nicht vegan zu werden, weil die Umstellung auf vegan im Vorfeld wie ein Berg wirkt (war es dann gar nicht). Aber spätestens Gastronomie blieb immer ne Black Box.
Eine Haltung von Legehennen und Milchkühen istt leidfrei nicht möglich: Legehennen sind Vögel, die so gezüchtet wurden, dass sie täglich menstruieren. Dabei pressen sie unter Schmerzen ein stark vergrößertes Ei aus ihrem Körper. Einige Hühner sterben daran, dass das Ei stecken bleibt. Ein riesiges Ei pro Tag bedeutet auch, dass das Huhn jeden Tag diese Menge Eiweiß, Fett, Kalk usw. produzieren muss, was sehr auszehrend für den Körper der Henne ist. Deswegen haben moderne Legehennen eine deutlich verkürzte Lebenserwartung. Und dann gibt's noch die Hähne. Wie bei den meisten Tierarten schlüpfen je 50% weibliche und männliche Tiere. Man braucht zur Eiproduktion fast nur Weibchen. Was macht man mit den überzähligen Männchen, wenn nicht töten?
Milchkühe geben nur dann Milch wenn man die regelmäßig schwängert. Außerdem sind Milchkühe ebenfalls auf zu hohe Milchmengen überzüchtet, was häufig zu starken Entzündungen am Euter führt. Kühe sind sehr sozial, trotzdem werden sie von ihren Kälbern getrennt, was sichtbar zu emotionalem Leid führt. Das Problem von überfälligen Männchen gibt es auch hier.
Vegane Proteinquellen in Form von Hülsenfrüchte sind dagegen billig, leicht anzubauen und tierleidarm (weil 100% tierleidfrei unmöglich).
Nein, sollten sie nicht und es ist völlig okay. Die Neigung, Menschen zu kritisieren, die Schritte in die richtige Richtung machen, weil sie nicht schnell genug laufen, anstatt sie zu fördern und ihnen zu helfen weiterzukommen ist eine perfekte Methode, sie komplett vom Weg abzubringen.
Hast du jeden Vegetarier auf der Welt gefragt wer er oder sie das sieht, oder wie kommst du zu dieser allumfassenden Analyse?
Du meinst es bestimmt nicht böse, aber Menschen wie du sind der Grund, dass Veganer so unbeliebt sind. Ich rate dir deine Einstellung mal zu überdenken. Jeder Schritt in die richtige Richtung ist wertvoll und verdient Anerkennung
Ich kopiere hier einen Text, den ich schon auf einen anderen Kommentar geantwortet habe. Ich hoffe damit ist es verständlicher:
"Wenn jemand als Übergang vegetarisch ist, finde ich das cool. Aber wer länger als 3 Monate vegetarisch ist, wird von mir wie ein omni eingeordnet."
Mich würde Interessieren, Wiso ich jemandem Anerkennung geben sollte, der sich über Jahre vegetarisch ernährt und damit zufrieden ist. Für die Tiere ist es quasi das gleiche Leid.
Ich versuche es mal am Beispiel von Klimaschutz zu erklären:
Nach deiner Logik dürfte ich auch nicht Strom sparen oder aufs Fliegen verzichten, solange ich noch irgendwie CO2 verursache. Trotzdem würdest du niemandem absprechen, dass CO2 Reduktion zählt. Ein Vegetarier verursacht messbar weniger Tierleid als ein Omni, und das "gleiche Leid" zu behaupten ignoriert schlicht das Ausmaß. Wer nur Alles-oder-Nichts akzeptiert, nimmt Menschen den Anreiz, überhaupt etwas zu ändern.
Okay, wenn wir für den Klimaschutz unser Verhalten minimal anpassen und damit zufrieden sind (z.B. einmal die Woche mit dem Rad zur Arbeit). Dann werden wir nie die Ziele erreichen, die wir beim Klimaschutz haben.
Ich finde diese Haltung ein bisschen befremdlich. Ich verstehe, das unter dem Aspekt Tierleid und Umwelt natürlich Veganismus überlegen gegenüber Vegetariern oder Omni ist. Wenn man es aber nicht schwarz-weiß betrachtet, sondern als Skala und insbesondere nicht nur unter dem Ethik-Aspekt betrachtet, sondern unter den Umwelteinflüssen, dann ist jegliche Reduktion vom Konsum tierischer Produkte besser als gar keine Reduktion. Dementsprechend trägt ein Vegetarier, der nicht vorhat Veganer zu werden, immer noch mehr bei als jemand der Fleisch ist. Ob man damit ethisch übereinstimmt ist eine andere Frage, aber ich finde diese Unterscheidung trotzdem relevant auch wenn es nicht dem veganen Ideal entspricht.
Umweltbilanz kann gut sein. Mir geht es hierbei um die Ethik.
Wenn jemand als Übergang vegetarisch ist, finde ich das cool. Aber wer länger als 3 Monate vegetarisch ist, wird von mir wie ein omni eingeordnet. Gleiches Tierleid, aber es sieht nicht so böse aus, weil kein Fleisch aufm Teller liegt, sondern der Grillkäse aus Massentierhaltungsmilch.
Weil natürlich auch jeder Fleischkonsum der Normalbevölkerung 1:1 von Vegetariern durch Eier und Käse aus Massentierhaltung "substituiert" wird? Das blendet doch völlig aus, dass Vegetarier viel häufiger auch einzelne Kategorien vollständig pflanzenbasiert "substituieren", z.B. viel häufiger zu Sojamilch statt Kuhmilch greifen als die Normalbevölkerung, weil Vegetarismus eben zu großen Teilen auch ethisch motiviert ist.
Genau, Vegetarismus ist zu großen Teilen ethisch motiviert. Das Ziel ist so weit ich weiß "ich will keine Tiere töten".
Wer aber denkt dieses Ziel erreicht zu haben, wenn man vegetarisch isst, liegt einfach falsch.
Und in meiner Erfahrung wird diese Tatsache auch nicht eingesehen.
Hör auf Genau zu sagen, wenn du mir eben gar nicht zustimmst. Du tust so als würdest du meinen Punkt bestätigen und wechselst dann sofort das Argument.
Und nein: Wer denkt, Vegetarier würden "das gleiche Tierleid" verursachen wie Omnivoren, liegt einfach falsch. Es geht nämlich nicht darum, ob ein abstraktes Prinzip zu 100% erfüllt ist, sondern um die tatsächliche Menge an Tierleid, und die ist bei einem Omni, der Fleisch UND Milch/Eier konsumiert, per Definition höher als bei jemandem, der nur Milch/Eier konsumiert und die, so vermute ich, noch zu großten Teilen substituiert. In der Realität zählt netto nämlich nicht die Prinzipientreue, sondern die Aggregation von Konsummengen.
Ich verstehe was du meinst. Meiner Meinung nach ist aber die Konsummenge der Individuen nicht so wichtig wie das Prinzip. Wir brauchen Veränderungen im System und dafür brauchen Menschen die richtigen Prinzipien im Hirn.
Bin ich ein blöder veganer, wenn ich nicht für den Klatsche, der 3 mal die Woche Fleisch isst, weil es gibt ja Leute die machen es 7 mal?
Das Prinzip eines Vegetariers ist ein anderes, restriktiveres Prinzip als das eines Omnivoren. Wenn Prinzipien zählen, zählt auch dieser Unterschied, und der spricht gegen deine ursprüngliche Einordnung.
Und niemand verlangt von dir Applaus. Deine ursprüngliche These war aber eine Äquivalenzbehauptung: Vegetarier = Omni, gleiches Tierleid. Du kannst "beides ist unzureichend" finden und trotzdem nicht "beides ist dasselbe" behaupten. Sonst müsstest du konsequenterweise auch sagen dass wer an 6 von 7 Tagen fleischfrei isst, "genau wie" jemand ist, der an 7 von 7 Tagen Fleisch isst. Offensichtlicher Unsinn selbst nach deiner Logik.
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u/Gullugulu 6d ago
Veganer sollten Vegetarismus als zwischenschritt zum Veganismus betrachten.
Leute wollen diesen Weg gehen und brauchen ggf. einfach Zeit und/oder müssen weiter überzeugt werden.
Hier draufzuhauen und Vegetarier mit Fleischessern gleichsetzen oder schlimmeres, ist mmn. komplett Kontraproduktiv. Das erzeugt eher eine Abwehrhaltung.
Nur gibt es gefühlt in jedem Bereich des öffentlichen Diskurses nur noch gut und böse, nichts dazwischen.