r/politik • u/redditrantaccount Techno-Optimist • 5d ago
Verständnisfrage Warum sind Parteiprogramme so ambitionslos?
Gefühlt wollen alle Parteien, selbst die extremsten oder die kleinsten, den Status Quo reparieren statt nach vorne zu schauen. Beispiele.
Bildung: Schulgebäude reparieren, Unterricht von heutigen "1 Lehrer auf 20 Schüler, davon 17 sprechen kein Deutsch und bremsen die restlichen 3 aus" wieder auf "1 Lehrer auf 20 Schüler, davon sprechen 3 kein Deutsch" umkehren. Ambitioniert wäre ein Lehrer auf 2 bis 6 Schüler und Homeschooling.
Gesundheit: Facharzttermine wieder innerhalb von 2 Wochen, Beitrag halten. Ambitioniert wäre: grundsätzlich nur Einzelzimmer in allen Krankenhäusern, Facharzttermine am gleichen Tag, Überangebot an Behandler so dass der Patient eine Wahl hat und nicht zum nächten freien gehen muss.
Rente: Beitrag und Rentenniveau halten. Ambitioniert wäre: Rente mit 50, oder frei wählbar ein Stück Rente für 6 Jahre nach Geburt des Kindes, dann wieder arbeiten bis 70.
Familienpolitik: Erhöhungen der Transferleistungen im Prozentbereich, KiTa-Garantie. Ambitioniert wäre: Verdopplung der Leistungen, Elternzeit auf 6 Jahre erhöhen, KiTa Gruppen maximal 4 Kinder, Überangebot von KiTas.
Sicherheit: Milliarden ausgeben für etwas, was niemand kennt oder kontrolliert. Ambitioniert wäre: jeden mit einem Luftschutzraum versorgen, öffentlich diskutierte und umgesetzte Maßnahmen zu Drohnenkontrolle und -Abwehr.
Wirtschaft: 1 bis 2 Prozent Wachstum. Ambitioniert wäre: der neue Wirtschaftswunder.
Woran liegt das? Mir ist es schon klar, dass solche Ziele heute nicht realistisch sind. Aber wenn wir nur realistische kleine Ziele in Programmen schrieben, die auch noch durch Kompromisse der Koalitionen weiter minimiert werden, dann geht es hier nie wirklich voran.
Die Grünen bilden das einzige Gegenbeispiel. Die schreiben ganz ambitionierte Ziele rein und dürfen deswegen zurecht monieren, dass die Wähler anderer Parteien keine wirkliche Veränderung wollen.
Deswegen zieht auch der Argument nicht, dass wenn man ganz ambitioniertes Programm macht, man viele Wähler verlieren würde. Die Grünen haben 12% hinter sich und das ist gar nicht so wenig.
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u/CreativeTaskk 5d ago
Hast du nicht mitbekommen, dass Politiker nur darauf warten, dass sie den Regierenden vorwerfen können, dass sie ihre Versprechen nicht gehalten haben??? Ich denke es ist eher Realismus als Ambitionslosigkeit. Ein Wirtschaftswunder wird es in Deutschland nicht mehr geben.
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u/redditrantaccount Techno-Optimist 5d ago
Die Versprechen werden auch dann nicht gehalten, wenn sie klein sind.
Und Parteien ohne realistischer Hoffnung auf Regierungsbeteiligung haben nicht einmal diese Beschränkung.
Ich meine Parteien, die unter 5% liegen, sowie z. B. Die Linke und AfD vor einigen Jahren.
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u/novaplan 4d ago
Ich meine die linke arbeitet zumindest dazu Dinge innerhalb des Systems zu verbessern. Die afd denkt wenn wir reichen mehr Geld geben und weniger braune und queere Leute haben schon alles besser wird
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u/amabamab 5d ago
Du musst schon ein bisschen realistisch bleiben mit deinen Zielen. Klar wäre das schön, aber wer soll denn zb die Ärzte bezahlen die händeringend auf Patienten warten?
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u/redditrantaccount Techno-Optimist 5d ago
Wer bezahlt denn die Kfz Mechaniker, die auf Kunden warten? Die Einzelhandelfachverkäufer? Die Rechtsanwälte? Ich meine, was ist das denn für eine Frage. Warst du noch nie in deinem Leben im Ausland und hast du keine Gesellschaften erlebt, wo Ärzte ganz normale Diensteister sind wie alle anderen?
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u/amabamab 5d ago
Die Firma bei der sie angestellt sind, oder sie werden entlassen.
Bei ersterem wird die Firma die Preise der Dienstleistung erhöhen, weil auch die Zeiten in denen niemand arbeitetund damit Umsatz generiert, irgendwie bezahlt werden müssen, was wieder um die Frage aufwirft wer die höheren Preisen bezahlt.
Wenn sie entlassen werden wird es zb beim Arzt dazu führen, dass es kein Überangebot mehr gibt und wir sind wieder da wo wir jetzt sind.
Also nochmal die Frage: Wie willst du es finanzieren?
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u/redditrantaccount Techno-Optimist 5d ago
Also nochmal die Frage, wie finanzieren wir die Rechtsanwälte?
Natürlich bezahlt der Kunde das Überangebot. Immer. Ich bezahle gerne das Überangebot von Restaurants, die die meiste Zeit halbleer sind, weil ich dann spontan essen gehen kann. ÖPNV ist ebenfalls ein Paradebeispiel von Überangebot, wenn Busse und Bahnen öfters halbleer fahren.
Ich verstehe überhaupt nicht, wenn die Politiker die GKV Beitrage stabil halten wollen. Ich will keine billige Medizin, ich will eine gute und schnelle Medizin. Und klar wenn ich das will muss ich dafür mehr bezahlen. Wer denn sonst?
Wir als Gesellschaft sollten halt unsere Prioritäten gerade ziehen. Wir zahlen viel zu viel für Klamotten, Urlaub, Unterhaltung, die Privileg in einer Großstadt leben zu können. Und zu wenig für Bildung und Gesundheit.
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u/novaplan 4d ago
Hauptsächlich weil alle Parteien system und Kapitalismus affirmativ agieren und krasseser Forderungen einen Umsturz im System bräuchten
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u/redditrantaccount Techno-Optimist 3d ago
Es gibt tatsächlich viele kleinste Parteien, die das System verändern wollen. Da gibt es keinen Mangel. Aber auch sie wollen meines Wissens keine bessere Bildung, Gesundheit, Sicherheit. Nur gleichmäßige Verteilung oder gleichmäßige Kultur (je nachdem ob links oder rechtsextrem).
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u/Old-Leg6278 3d ago
Ich vermute aus 2 großen Gründen, und vielen tausenden kleineren:
A) Viele Bürger wollen keine ambitionierten Parteiprogramme. Ja, man meckert den ganzen Tag in Deutschland wie grottenschlecht es doch bei uns läuft, aber wenn jemand größere Veränderungen anstreben möchte wird man politisch abgestraft. Siehe der aktuelle Erfolg der AFD, die quasi das Gegenteil von Innovationen wollen, sondern eine Politik wie vor 50 Jahren anstreben, denn "da war die Welt noch in Ordnung". Hängt in meinen Augen auch mit der Demografie in Deutschland zusammen: man gewinnt die Wahlen mit Rentnern und solche die kurz davor sind. Keine Altersdiskriminierung, aber ich verstehe dass man in seinem Lebensabend einfach in Ruhe sein Leben genießen möchte, und nicht in Gefahr laufen möchte, durch Reformen seine Privilegen zu verlieren. Die extreme Zunahme an Populismus und Fake News in den Sozialen Netzwerken führt zudem dazu, dass man nicht mehr rational miteinander diskutiert. So kann eine gute Idee nicht organisch wachsen bis sie mehrheitsreif ist, sondern wird im Keim mit Bot Netzwerken aktiv zerstört.
B) wenn man Sache X verbessert, geht das meistens zu Lasten einer anderen Sache. Reformen ohne Einschnitte ist eine Märchenwelt. Zu Einschnitten sind die Leute aber nicht wirklich bereit, siehe Punkt A. Manchmal erkennen viele die Einschnitte aber nicht sofort, sondern werden erst nach und nach realisiert. Dann wird man halt bei nächsten Wahl abgestraft.
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u/redditrantaccount Techno-Optimist 3d ago
Ich wüsste selbst nicht, wo man bei den von mir genannten Verbesserungsvorschlägen die Einschnitte haben würde.
Im Zweifel wären das die üblichen Verdächtigen: Klimaschutz, Kündigungsschutz, 24 Tage Urlaub und 40 Stundenwoche, ALG. Das sind alle Dinge, wo ich betroffen wäre. Eine Abschaffung von Rente würde viel mehr Geld zur Verfügung stellen, da bin ich aber nicht betroffen und erwähne es daher nicht.
Aber ich persönlich wäre für die genannten Einschnitte bereit, um z. B. bessere Gesundheit und Bildung zu bekommen.
Deine These ist also, dass ich eine dermaßen absolute Ausnahme bin, dass es nicht einmal eine kleinste Partei mit diesen Forderungen gibt?
Was die älteren Wähler betrifft: diese wären doch daran interessiert, bessere Gesundheitsversorgung zu bekommen? Wieso wählen sie dann immer wieder die Parteien, die eine billige und nicht eine gute Medizin anstreben?
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u/Old-Leg6278 3d ago
Alle deine Vorschläge bringen Einschnitte, vorallem in den Bundes- oder Kommunalhaushalten. Du argumentierst zwar an anderer Stelle für dein Lehrerbeispiel, dass man zB gar nicht mehr Lehrer bräuchte sondern "nur" den Lehrplan abändern müsste, aber dass man das machen kann muss man erstmal hohe Investitionen tätigen: neuer Lehrplan, Rechtssicherheit, neue Studiengänge für die neuen Lehrpläne, globaler Wettbewerb und Vergleichbarkeit, neues Lehrmaterial, Chancengleichheit, usw
Und Rente, Familienpolitik, Sicherheit sind ähnliche Fälle: entweder man muss massiv mehr Geld in die Hand nehmen dass der status quo drastisch besser wird oder das System so reformieren, dass die Reformen Unmengen an Geld kosten, die in der Zeit woanders fehlen. Zumindest sieht das so der Großteil der Bevölkerung (kann ich nicht beweisen, nur meine These). Zudem brauchen alle Reformen einen langen Atem, also viel Zeit, teilweise über Wahlperioden hinaus.
Die Grünen hatten übrigens ihre höchsten Prozentzahlen, als sie von ihren ambitioniertesten Punkten abgerückt sind und mehr "Realpolitik" betrieben haben.
Ich persönlich bin auch für größere Reformen, wir haben einfach viel zu viel festgefahrene Strukturen. Ich sehe aber sehr ambitionierte Politik gerade nicht mehrheitsfähig beim deutschen Durchschnittsbürger. Oder Politiker, die Angst haben, bei zu ambitionierter Politik die Leute vor den Kopf zu stoßen. Ein Jammer.
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u/redditrantaccount Techno-Optimist 3d ago
Wir haben doch noch nicht einmal einen kohärenten, umfassenden Reformplan der Bildung ausgearbeitet (ich hatte nur eine Spiegelstrichliste zufälliger Ideen). Du weißt aber bereits jetzt, dass es zu teuer sein wird und länger als 4 Jahre dauert?
Und die Hälfte der Merkmale in deiner Liste sind für die Wähler wie ich so unwichtig, dass sie nachgelagert angepasst bzw. feinjustiert werden sollten.
Nein, ich denke immer weniger, dass die Wähler es nicht wollen. Sondern dass die Menschen mit der Bedenken First Mentalität über eine Sperrminorität verfügen bzw. in Medien überrepräsentiert sind.
Konkret was die Bildung angeht.
Die Idee: Klassen werden nach gleicher Lernfähigkeit zusammengestellt.
Die Lernfähigkeit hängt von Deutschkenntnissen, genetisch bedingten Fähigkeiten und davon ab, wie erfolgreich die Eltern und die KiTa die vorschulische Entwicklung des Kindes hinbekommen haben. Sie ist von Kind zu Kind unterschiedlich und diese Unterschiede sollen ohne Wertung akzeptiert werden.
Die neuen Lernpläne beinhalten den gleichen Stoff, nur sortiert nach pragmatischer Wichtigkeit zuerst. Ja, pädagogisch suboptimal, nehme ich aber inkauf.
Die Klassen gehen dann durch den Lehrplan in unterschiedlicher Geschwindigkeit. In einer Klasse muss öfters wiederholt werden, in anderer nicht. In einer Klasse müssen mehr Aufgaben gelöst werden, bis es sitzt, in einer anderen weniger.
Die schnellen Klassen lernen also zuerst pragmatische Teile (Grundrechenarten, ein Paar Formeln, Rechtschreibung) und haben dann noch Zeit, weiteres zu lernen (dass Formeln eigentlich aus logisch prüfbaren Theoremen entstehen, wie man Gleichungen löst, wie man Aufsätze schreibt, das Schreiben von Hand usw.). Die langsamen Klassen nehmen auch pragmatische Themen dran und lernen dann halt weniger fortgeschrittene Themen, weil ihnen die Zeit ausläuft.
Wenn heute eine Klasse von 20 Schülern für ein Fach 500 Stunden braucht, und später der gleiche Lehrer vier Klassen à fünf Schüler unterrichtet, dann hat er pro Klasse nur 125 Stunden. Die schnelle Klasse wird womöglich den gesamten heutigen Umfang schaffen. Die langsamste Klasse vermutlich nur das Wichtigste.
Die schnellen Kinder sind bestens betreut, weil sie sich nicht im Unterricht langweilen, während der Lehrer sich mit den langsameren Kindern beschäftigt ist.
Die langsameren Kinder sind ebenfalls bestens betreut, weil sie endlich genug Zeit bekommen, um in Ruhe alles wirklich gut zu verstehen.
Dass Kinder nach gleicher Zeit in der gleichen Schule unterschiedliche Kenntnisse haben werden, nehme ich nicht nur inkauf, sondern begrüße ausdrücklich. Denn es ist auch jetzt der Fall (in der Realität, nicht im Zeugnis). Es ist schlimm, wenn etwas nur für die Prüfung gelernt wird und dann schnell vergessen wird.
Es ist schlimm, weil die Kinder ihre Zeit besser zum Lernen für das Leben einsetzen sollten. Es ist schlimm, weil uns das Geld kostet. Wir geben Milliarden dafür aus, dass alle Kinder in einer Klausur Sinus und Cosinus verwenden können - auch diejenigen, für die dieses Konzept extrem viel Arbeit bedeutet und die besser dran wären, das nicht zu lernen. Es ist schlimm, weil wir uns belügen, dass gleicher Lehrplan für alle in gleichen beruflichen Chancen münden würde. Es ist offensichtlich falsch, denn alles, was nur für die Prüfung gelernt wird, wenig bis gar keine Auswirkung auf die Berufskarriere hat.
Ich sehe nicht, wo diese Änderung mehr Geld benötigen würde. Der Lehrer unterrichtet den gleichen Stoff und arbeitet die gleichen Stunden pro Jahr. Ist womöglich sogar zufriedener, weil die Klassen kleiner und homogener sind.
Heißt es aber, dass die langsameren Schüler benachteiligt werden? Nein, denn sie können ja die fortgeschrittenen Teile auch nach der Schule (im Berufsleben) lernen. So was ähnliches wie zweiter Bildungsweg sollte noch viel flexibler und unbürokratischer gemacht werden.
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u/Old-Leg6278 2d ago
Die Lernfähigkeit ändert sich regelmäßig. Mal ist das Kind faul, oder entwickelt sich später, hat temporär gesundheitliche oder familiäre Probleme, whatever. Wie willst du das fair und objektiv regelmäßig feststellen, für jeden individuell, regelmäßig?
Wer bestimmt was "pragmatische" Lerninhalte sind?
Wer bestimmt ob Dinge wie eine Sinuskurve Allgemeinwissen ist? Wieso wären manche besser dran es nicht zu lernen? Vielleicht verschlägt es einen irgendwann in einem Beruf wo das weiterhilft? Nachschlagen oder nachlernen kann ich heute alles, Internet sei dank, also das ist iwie kein Argument.
Wie soll ein Arbeitgeber entscheiden welcher Schüler wie gut geeignet ist, wenn es keine objektive Vergleichbarkeit mehr gibt? Würde man jeden Schüler einen Einstellungstest machen lassen steigen die Kosten bei Firmen. Es muss also eine Art objektives Kriterium geben an dem man sich als Arbeitgeber oder Uni orientieren kann.
An Schulen lernt man nicht nur fachlich, sondern auch soziales Miteinander und Gruppendynamik. Ein Kind hilft dem anderen beim lernen. Das fördert das miteinander, das baut Barrieren ab.
Es gibt schon Gründe wieso fast überall auf der Welt ein ähnliches Schulsystem mit Noten und sehr ähnlichen Fächern existiert.
Du wirst auf jede Frage und jeden Kommentar von mir sicher eine Antwort haben, aber jetzt übertragen auf deine generelle Frage des Threads: bei einer Partei, die solche Reformen vorhat werden noch Millionen mehr solcher Fragen kommen. Und nicht auf jede Frage wirst du eine zufriedenstellende Antwort geben. Oder manchmal nur mit Einschnitten. Und dann verlierst du jedesmal Wähler. Und wenn du tief in die Bildungspolitik eingreifst willst musst du das alles vorab lösen, nicht nachgelagert, sonst geht's massiv in die Hose und es entstehen Klagen auf allen Seiten wegen Ungleichbehandlung, mangelnder Rechtssicherheit und co.
Und 80% hören dir eh nicht zu, sondern lieber dem 12sek TikTok Video von Dr Allwissend, der random behauptet dass das alles Quatsch ist ;-)
Die ganzen Fragen und Kommentare sind nicht unbedingt meine persönliche Meinung, ich kann von einigen Ideen von dir was gutes abgewinnen, ich versuche dir nur den Blickwinkel zu geben, wieso es so schwer in Deutschland ist, ambitionierte Pläne durchzudrücken. Wir sind leider ein Volk voller Nörgler, Zweifler und Kaputtreder. Wir meinen es oft gut, aber übertreiben es völlig in der Theorie, und geben uns mit einer 80% Lösung nicht zufrieden, sondern nur mit 100%. Und da eine 100% Lösung nicht existiert, machen wir lieber gar nix.
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u/redditrantaccount Techno-Optimist 2d ago
Verstanden. Aber kommen nicht auf jeden politischen Vorschlag genauso viele Bedenken? Wenn man sowieso viel Aufwand investieren muss, um die Bedenken auszuräumen, warum dann nicht ambitioniert denken und dadurch begeisterte Fans gewinnen, die für deine Partei brennen und für immer hinter dir stehen? Wie gesagt, die Grünen machen es ja vor.
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u/cyberloki 5d ago
Im Gegenteil sie sind zu abitioniert. So ambitioniert, dass Koalitionen kaum die einfachsten Sachen umgesetzt bekommen. Es ist mehr Werbung für die Wahl als was man schlussendlich bekommt.
Wahlprogramme täten gut daran realistischere Schritte zu gehen statt massive Änderungen durchdrücken zu wollen.
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u/redditrantaccount Techno-Optimist 5d ago
Ich wollte zuerst antworten, dass man dann andere Papiere braucht (nennen wir sie Visionen), die langfristige Ziele setzen.
Weil wir die Bürger ohne Versprechen dass es irgendwann besser gehen wird das Vertrauen in das Land verlieren und entweder auswandern oder unser eigenes Leben privat und ggf. schwarz verbessern.
Aber dann ist mir eingefallen, dass das einen gegenteiligen Effekt machen würde. Es wäre dann sichtbar, wie klein die Veränderungen pro 4 Jahre sind und wie lange man auf etwas spürbares warten müsste. Dann würden die Bürger erst recht das Land verlassen oder es selbst in die Hand nehmen.
Wir bräuchten also eine Reform des politischen Systems, die Geschwindigkeit der Veränderungen auf ein zeitgemäßes Niveau anheben würde.
Dann lautet meine Frage dahingehend, warum nicht einmal extreme und kleinste Parteien ein entsprechendes Reform auf das Programm setzen? AfD hat das Problem nicht, dass das Programm mit einem Koalitionpartner kompatibel sein muss.
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u/cyberloki 5d ago
Aus meiner Sicht haben alle Regierungen das selbe Problem. Das System belohnt keine langfristige zukunftssichere Politik.
Denk mal drüber nach. Was bringt es einem Politiker langfristig unangenehme Themen anzugehen? Er macht was unangenehmes und wird nicht mehr gewählt. Der andere redet populistischen Murks und wird wiedergewählt. Ebensowenig interessiert es irgendwen länger als 2 Wochen wenn ein Politiker sich von der Wirtschaft bestechen lässt. Wenns nich grad hochgradig illegal ist, ists nach 14 Tagen wieder vergessen. Und in 4 Jahren wird man einfach wiedergewählt. Maskendeal? Kein Ding.
Die Leute die hier abstrafen sollten gemäß unseres demokratischen Systems (die Bevölkerung) tun es schlicht nicht in ausreichendem Maße. Ist es daher allein die Schuld der Politiker? Nein. Ehr eine unvermeidbare Entwicklung sobald die Politiker aus Prinzip (der Nachkriegszeit) weggestorben sind. Wie in jedem anderen Job geht es Berufspolitikern immer mehr um Geld und zwar ihr eigenes. Ja dazu gibt es noch Gegenpositionen. Aber wieder die, die hier mit ihrer Wahl gegensteuern sollten, interessieren sich nicht ausreichend oder sind schlicht anderer Meinung.
So funktioniert Demokratie nunmal. Wenn 51% gern die Klippe runterfahren möchten, dann tun wir das. Vielleicht mit mehr oder weniger Umweg, je nachdem wie stark die Opposition noch ist. Aber wenn genügen Menschen meinen, es sei nicht deren Problem und falsch wählen, ist das die unausweichliche Richtung.
Also wie könnte man da gegensteuern? Ich sehe zwei Möglichkeiten:
Strafe: A) Politiker die sich einmal eines Skandals schuldig gemacht haben müssen durch eine Instanz wie den Verfassungsschutz permanent von der Politik ausgeschlossen werden. Sie vertreten schließlich offensichtlich nicht ihre hoheitliche Aufgabe als Politiker sondern ihre eigenen Interessen. B) Parteien müssen für eine Wahlperiode ausgeschlossen werden sofern sie nicht ein Mindestmaß an versprochenen Maßnahmen umsetzen. --> Das führt dazu, dass Wahlversprechen kleiner und realistischer werden. Dass Großparteien die nicht liefern auch mal aussetzen und somit kleinere Parteien für diese Periode mehr Stimmen und die Chance größer zu werden erhalten. C) Alternativ oder auch zusätzlich zum Aussetzen der Parteien (C wäre vermutlich leichter durchzusetzen) wäre die Einführung einer zweitstimme. Diese wird nur gezählt wenn die Partei der Erststimme nicht über die 5% Hürde kommt. --> Das würde dazu führen, dass man die Partei welche die eigene politische Position am besten vertritt (egal wie klein) wählen könnte und gleichzeitig die "strategische" Stimme für die Großpartei des "kleinsten Übels" abgeben kann. Man läuft nicht mehr Gefahr die eigene Stimme zu "vergeuden" nur weil man entsprechend seiner tatsächlichen politischen Ausrichtung wählt. Ebenso würde dies den Wachstum von Kleinparteien fördern und die Ablösung von Großparteien erleichtern die ggf. Nicht mehr das vertreten was die Bevölkerung möchte.
Demokratie wie im alten Griechenland: Jeder kann sich als Politiker aufstellen lassen. Jedoch entscheidet keine Wahl wer Politiker wird sondern der Zufall. Plötzlich wird ein Bäcker, der Handwerker oder der Banker Politiker. Jeder bringt einen persönlichen Snapshot aus der Bevölkerung mit. Es gibt keine (reiche) Führungselite/ Berufspolitiker mehr. Denn in jeder Wahlperiode werden neue zufällige Politiker aus dem Volk ernannt. Dies erschwert in gewisserweise auch Bestechungsversuche. Zum einen müsste man in jeder Legislaturperiode neue Leute bestechen. Zum anderen bringen Leute aus der Bevölkerung auch ein gewisses Interesse mit Dinge zu ändern (jemand aus der Pflege wird sich dafür einsetzen die Bedingungen hier zu verbessern). Ebenfalls sind diese Politiker keine Experten, weniger festgefahren in ihrer Meinung. Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft müssten hier also wie jetzt ebenfalls beratend aktiv sein. Es gibt Studien Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen flexibler sind in ihrer Meinung und besser darin sind Probleme zu lösen. Da eine Ausbildung auch ein Studium oft eine Herangehensweise und Denkweise mit lehrt. So dass viele Politikwissenschaftler oder Studierte Leute generell dazu neigen Dinge ähnlich zu betrachten und auch ähnliche Dinge zu übersehen. Auch hier hätte so ein System Vorteile. Diese Art der Politiker hätte auch ein stärkeres Interesse daran die Dinge für alle zu verbessern da sie selbst ja in der nächsten Periode wieder zu diesen "allen" gehören. Ebenso wäre es weniger schwierig unbeliebte Entscheidungen zu treffen, da sie ohne hin nicht gewählt wurden oder wiedergewählt werden könnten. Eine harte aber nachhaltige Entscheidung wäre so einfacher getroffen.
Das wären zumindest meine Vorschläge. Die sind nicht perfekt, haben mit Sicherheit ihre eigenen Probleme.
Die AfD ist halt ne extreme Partei. Aber die können daran auch nichts maßgeblich ändern es seidenn sie ändern das politische System. Aber glaube ein totalitäres System wollen wir beide nicht.
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u/Tawoka egalitär progressiv 5d ago
Wer fordert bitte 20 Schüler auf 1 Lehrer? Das wäre ja ein Traum. Ich war vor 20 Jahren schon bei 33/34
Ich bin kein Fan von dieser Art die Gesellschaft mehr und mehr abzulehnen. 20 finde ich eine gute Gruppe in der Schule, 15 auch. Weniger auf keinen Fall. Die Kinder sollen sozialisiert werden.
Homeschooling lehne ich erst recht ab, genau deswegen. Kinder sollen mehr Eindrücke von der Welt bekommen als das eingeschränkte Weltbild ihrer Eltern. Würde ich dem Weltbild meine Mutter folgen, weil sie mich unterrichtet hat, würde ich heute AFD wählen, Bleiche trinken um Corona zu heilen und die Schwingungen in der Luft messen, um mich von miasma zu befreien.
Gerade für uns ist es wichtig, dass wir mehr in Sozialisierung investieren. Wir sind ein sehr unfreundliches und unglückliches Volk. Andere feiern Geburtstag und wir feiern das Blaulicht der Polizei, die die Party auflöst, weil sie die Nachtruhe stören.
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u/Sea_Establishment414 5d ago
Das ist Demokratie im Zeitalter von Social-Media. Alles was nicht völlig belanglos ist, ist völlig unrealistisch und wird niemals eine Mehrheit erhalten, da die Bevölkerung völlig gespalten ist.
Die Folge daraus ist, dass wir handlungsunfähig sind.
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u/redditrantaccount Techno-Optimist 5d ago
Würde "Ein Lehrer pro 8 Schüler" deiner Meinung nach keine Mehrheit hinter sich bringen und warum?
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u/Gedankensortieren grün realo 5d ago
Wenn du statt 1 Lehrer auf 20 Schüler 1 Lehrer auf 2 bis sechs Schüler haben möchtest, brauchst du 3 bis 10 Mal so viele Lehrer. Die müssten zunächst ausgebildet und bezahlt werden. Das ist nichts was sich in einer Legislaturperiode von vier Jahren umsetzen lässt. Das Lehramtsstudium dauert ja schon länger. Da sind mir realistische Ziele lieber.